Tag: Wiener Linien

Atheisten-Kampagne weicht auf City Lights aus

gewista_buskampagne_90526Die umstrittene Kampagne „Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott. Werte sind menschlich. Auf uns kommt es an“ weicht in der Bundeshauptstadt vorläufig auf City Lights der Gewista aus. „Den Kampf um die Buskampagne in Wien geben wir aber nicht auf“, sagen die Organisatoren.

Die Agentur Super-Fi, die Atheistinnen und Atheisten für ein säkulares Österreich (AG-ATHE), der Freidenkerbund Österreich und die Allianz Humanismus und Atheismus haben sich entschlossen, das Angebot der Gewista anzunehmen und die Atheisten-Kampagne auf City Lights zu platzieren. „Es ist wichtig, das Thema und den Slogan präsent zu halten“, begründet Niko Alm den Schritt. Er ist Geschäftsführer der Agentur Super-Fi, die die Kampagne für die drei Vereine kostenlos durchführt. Die Gewista spricht in einer offiziellen Stellungnahme davon, dass sie die Kampagne mit den Bus-Sujets irrtümlich freigegeben habe. Ein Mitarbeiter habe vergessen, dass es ein vertragliches Arrangement mit den Wiener Linien gebe, das politische und religiöse Werbung verbiete. „Wir möchten uns für diesen Fehler bei Ihnen entschuldigen und sind natürlich gerne bereit, Ihr Anliegen auf anderen Werbeträgern zum Aushang zu bringen, bei denen diese vertragliche Einschränkung nicht besteht“, heißt es in einem Schreiben der Gewista an Super-Fi.

Entscheidung der Wiener Linien damit nicht vom Tisch

Die Entscheidung der Wiener Linie, die die Atheisten-Kampagne als religiöse Werbung ausgelegt und verboten hatte, sei mit dieser Entscheidung aber nicht vom Tisch, heißt es von AG-ATHE, Freidenkerbund und AHA. „Wir betrachten diese Entscheidung nach wie vor als fadenscheinig und bestehen darauf, dass uns die Wiener Linien den vertraglichen Passus vorlegen, der religiöse und politische Werbung auf Bussen verbietet. Den haben wir bis jetzt nicht gesehen“, sagen die Obleute der Vereine. „Selbstverständlich werden wir weiter gegen die Entscheidung kämpfen. Es ist absurd, wenn man die Aussage, dass es keinen Gott gibt, als religiös auslegt. Aber wir geben gerne den Wiener Linien Gelegenheit den Verdacht auszuräumen, sie wollten von sich aus eine gesellschaftlich notwendige Debatte unterbinden.“

Anfragen in weiteren Städten

Die Proponenten werden die Kampagne auch bei den Verkehrsbetrieben anderer österreichischer Städte zu platzieren versuchen. „Es müssen sich ja Verantwortliche finden, die mutiger sind als die der Wiener Linien“. Der Bericht auf steiermark.orf.at, die Grazer Verkehrsbetriebe hätten die Kampagne abgelehnt, sei hingegen eine Ente. „Wir haben dort noch gar nicht angefragt. Aber wenn schon vorsorglich die Absage kommt nicht, müssen wir uns die Lage in Graz genauer ansehen.“

http://www.buskampagne.at

Protest artikuliert sich

Die Entscheidung der Wiener Linien, die Atheisten-Buskampagne abzusetzen, führt zu Protesten. Auch wenn die veröffentlichte Meinung nur ein bedingter Gradmesser sein kann: Im Internet kursieren mittlerweile einige Berichte zum Thema.

derstandard.at ist sehr schnell auf die Geschichte aufmerksam geworden.
http://derstandard.at/?url=/?id=1244460160988
Die Debatte im Forum ist lebhaft. Auch wenn es sich in anderen Foren mehr abspielt - es zeigt, dass dieses Theme polarisiert.

Auch viele Blogs haben sich des Themas angenommen. Unter anderem einer aus Deutschland.
http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2009/06/ruckzieher-der-wiener-linien-atheistenbuskampagne-wurde-gestoppt.php

Mich freut auch, dass sich einige von mir sehr geschätzte Bloggerinnen und Blogger in Wien das Thema aufgegriffen haben.
http://feuerhaken.org/2009-06-08/wiener-linien-machen-sich-ins-hemd/
http://www.theflowersaregone.at/2009/06/da-hat-man-sich-schon-gefreut/
http://roko.blog.at/2009/06/08/wiener-linien-und-das-recht-auf-freie-meinungsauserung/

Herzlichen Dank übrigens, dass politwatch.at so oft als Quelle genannt wurde.

Wiener Linien drehen Atheisten-Buskampagne ab

gewista_buskampagne_90526Die Wiener Linien haben die Atheisten-Buskampagne im letzten Moment gestoppt. Ab 5. Juni hätten auf Bussen der Linien 13A und 14A Sujets mit der Aufschrift „Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott. Werte sind menschlich. Es liegt an uns“ fahren sollen. Die Proponenten der Kampagne bezeichnen die überraschende Entscheidung der Wiener Linien als zweifelhaft.

„Es ist sehr ungewöhnlich, dass eine vertraglich vereinbarte Kampagne während der Laufzeit gestoppt wird“, sagt Niko Alm. Er ist Geschäftsführer der Agentur Super-Fi, die die Kampagne für Österreichs atheistische und humanistische Organisationen kostenlos abwickelt. „Inoffiziell hat es geheißen, man dürfe keine politische oder religiöse Werbung machen“, sagt Alm über die Ablehnung der Wiener Linien. „Ein Schreiben liegt leider noch nicht vor“.

„Das ist ein Unfug“, heißt es von den Organisationen AG-ATHE (Atheistinnen und Agnostikerinnen für ein säkulares Österreich), AHA (Allianz für Humanismus und Atheismus) und vom Freidenkerbund Österreich. „Zu sagen, dass es höchstwahrscheinlich keinen Gott gibt, kann man ja wohl kaum als religiöse Werbung bezeichnen“. Erich Eder (AG-ATHE) spricht von vorgeschobenen Gründen: „Die Gewista, bei der die Flächen gebucht waren, hatte keine Einwände. Aber kaum sehen die Wiener Linien die Sujets, bekommen sie kalte Füße“. „Es ist für uns eine traurige Überraschung, dass man in Wien genau so reagiert wie in Deutschland oder Italien. Offenbar ist die Stadt doch noch nicht so weit, wie wir geglaubt haben sondern fürchtet sich vor einer Diskussion“, zeigt sich Martin Luksan (Freidenkerbund) empört. „Warum soll in Wien unmöglich sein, was in London oder in Madrid kein Problem war?“, sagt Karl Linek (AHA). Österreich sei offenbar katholischer als gedacht. „Ein wenig mehr Weltoffenheit und Diskussionsbereitschaft hätten wir uns schon erwartet“.

Aufgeben wolle man nicht, heißt es von den Proponenten. „Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen um diese Sujets doch noch an die Öffentlichkeit zu bringen. Gerade der überraschende Kampagnenstopp zeigt, wie notwendig es in Österreich ist, über den Einfluss von Religion in der Gesellschaft zu diskutieren“. Fraglich sei außerdem, ob hier nicht Diskriminierung vorliege: „Werbung von und für Religionsgemeinschaften wird an öffentlichen Plätzen problemlos geduldet. Menschen, die nicht an Gott glauben, wird es schwer gemacht, ihre Meinung an die Öffentlichkeit zu bringen, auch wenn sie dafür bezahlen“. Die Organisationen erinnern daran, dass Religionsgemeinschaften Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Hörfunk bekommen. „Für AtheistInnen, FreidenkerInnen und HumanistInnen gibt es das nicht“.

http://www.ag-athe.at
http://www.freidenker-oesterreich.at
http://www.atheisten.at
http://www.super-fi.eu
http://www.buskampagne.at
http://www.EsgibtmitanSicherheitgrenzenderWahrscheinlichkeitkeinenGott.at

Erste Proteste
In Wien zeigen sich gleichzeitig einige Menschen entschlossen, gegen den Entschluss der Wiener Linien zu protestieren. Auch solche, die keiner der drei Organisationen angehören. Roman Korecky etwa, bekannt durch seinen Blog "Gedanken zur österreichischen Politik" hat e-mails an die Wiener Linien und den zuständigen Stadtrat Rudi Schicker geschickt und das dokumentiert.
http://roko.blog.at/2009/06/08/wiener-linien-und-das-recht-auf-freie-meinungsauserung/
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