Über wen würden wir im Sommerloch lachen, wenn wir nicht das BZÖ hätten? Ein gerichtlich verurteilter Lügner beteuert seine Unschuld, ein Landeshauptmann gibt Einblicke in die Abgründe seines Geistes, ein Udo-Jürgens-Fan verarbeitet das Trauma, das er beim Tod seines Lebensmenschen erlitten hat auf eher ungewöhnliche Weise. In Tirol zeihen die Aufrechten einander der Lüge. Der jüngste Akt Österreichs bester Stegreifkabaretttruppe.
Ein Auflösungsprozess mündet in Verhaltensauffälligkeiten und gegenseitigen Klagen. Das haben kleine Vereine so an sich, zumal, wenn sie im weitesten Sinn politisch tätig sind. Die Konzentration von Weltverbessern verschiedenster Schattierungen und Opportunisten ist zu hoch. Dazwischen gibt's immer einen oder zwei, die einer seltsamen Form von Machtrausch erleben. Die Heftigkeit dieser Zerfallsprozesse verhält sich im Normalfall indirekt proportional zur Intelligenz der Beteiligten. Im Normalfall.
Dieser Prozess wird auch beim BZÖ Tirol wirksam, wenn es auch in eigen Bereichen die Ausnahme ist, die die Regeln bestätigt. Gegen den Landesparteiobmann Gerhard Huber gibt es etliche Anzeigen. Unter anderem wegen Antsiftung zur schweren Körperverletzung. Erstattet von seinem ehemaligen Büroleiter, Jochen Leidl.
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Man darf davon ausgehen, dass auf der kurzen Liste von Dingen, die beim BZÖ als anstößig gelten, eine Affäre mit einer Asylwerberin relativ weit oben steht. Aus dieser Sicht heraus kein Wunder, dass Huber das vehement bestreitet. Dass er angeblich erpresst wurde und laut Anzeige seinen ehemaligen Büroleiter telefonisch beauftragt haben soll, den Erpresser zu verprügeln oder verschwinden zu lassen, ist eine andere Sache. Das behauptet Leidl. Huber bezichtigt Leidl der Lüge.
Der unüberbrückbare Konflikt
Ich halte beide Versionen vordergründig für durchaus glaubwürdig. Nur: Beide zusammen gehen sich irgendwie nicht aus. Es gibt einen unüberbrückbaren Widerspruch. Anders gesagt: Einer der beiden lügt. Das ist die wahrscheinlichste Erklärung. In diesem offenbar heftigen Trennungsstreit hätten beide mehr als genügend Motive, einander etwas auswischen zu wollen.
Natürlich könnte ich an dieser Stelle an Peter Westenthaler erinnern. Tue ich nicht. In einer derart heiklen juristischen Sache lehne bin ich - schon aus Selbtschutz - lieber zurückhaltend. Zum anderen finde ich die Causa viel zu spannend, als sie zum Gegenstand bloßer Polemik machen zu wollen. Wiewohl - einen Zusammenhang mit der Causa Westenthaler sehe ich schon. Auch damals hat eine Trennungsgeschichte böse geendet. Der Pressesprecher der damaligen Justizministerin Karin Gastinger wurde in einem Wiener Lokal verprügelt. Sie hatte kurz davor, wenige Tage vor der Nationalratswahl, das BZÖ verlassen. Peter Westenthaler, der bestritten hatte, die Prügelei angestiftet zu haben und überhaupt von nichts gewusst haben will, wurde heuer rechtskräftig wegen falscher Zeugenaussage verurteilt.
In Tirol ist ein Großteil des BZÖ-Landesvorstands aus der Partei ausgeschlossen worden und hat eine eigene Partei gegründet. Diesmal führt die Trennung nicht zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Diesmal schüttet man einander mit Anzeigen zu. Gut, zum Zerwürfnis kam es nicht unter Alkoholeinfluss. An Konfliktbewältigung müssen die Orangen aber noch arbeiten.
Bleibt die Frage, welcher der Kontrahenten recht hat. Das sollen die Gerichte entscheiden. Wie gesagt, ich halte aus mehreren Gründen beide Versionen für glaubhaft und weiß zu wenig darüber, um in einer solchen Causa Mutmaßungen anzustellen. Außerdem wäre es äußerst unvernünftig von mir, mich in ein laufendes Verfahren einzumischen. Dass einer der beiden lügt, ist Ergebnis einer simplen logischen Operation innerhalb der wahrscheinlichsten Varianten.
Arglistige Täuschung?
Bliebe noch eine arglistige Täuschung als einzige Synthese. Der Mann, den Leidl gehört haben will, sofern es diesen ominösen Anruf gegeben hat, war gar nicht Huber sondern jemand, der so klang wie er. Und der gab den Auftrag zu Körperverletzung oder Mord aus Kenntnis der Gerüchte oder der Fakten, um Huber zu schaden. Möglich. Aber, wie wahrscheinlich ist das?
Einer der beiden lügt. Wieder einmal geht eine orange Trennung mit Verhaltensauffälligkeiten einher. Wieder einmal geht es vor Gericht. Ich denke, das sagt einiges über diese Partei aus. Westenthaler hin, Petzner her. Jedenfalls ist es unterhaltsam, den Orangen zuzusehen, wie sie sich gegenseitig in die Go... haun. Davon hätt ich gern mehr. Und angesichts der politischen Überlebenschancen nach dem Tod Jörg Haiders wird es dieses Mehr an Unterhaltung über kurz oder lang geben.
P.S.: Ich finde es ausnehmend schade, dass Stefan Petzner nicht Wiener Spitzenkandidat des BZÖ bei den Gemeinderatswahlen wird. Das wär sicher lustig geworden. Ob die einen Wiener mit einem vergleichbaren Talent zur unfreiwilligen Komik finden? Aus meinem Erfahrungsschatz heraus unwahrscheinlich. Andererseits: Es ist das BZÖ.