Tag: Stefan Petzner

Satire und Realität

BuchaBin ich froh, dass Satire nicht mein Brotberuf ist. Ich müsste das BZÖ wegen Geschäftsschädigung klagen. Ist es im Spiel, überholt die Realität die Satire. Wobei, ein Teil sind ja mittlerweile die FIK. Was irgendwie passt. Man könnte sagen, die heimische Kabarettszene würde gerade geFIKt. Um ihre schiere Existenz gebracht von einer Stegreiftruppe.

Da fällt doch den FIKen (oder heißt der Plural FIKer ?) ein: Kärnten braucht wieder eine Bank. Lange haben sie's offenbar nicht ausgehalten ohne. Vielleicht ist ihnen auch die immer noch existierende Landeshaftung für die Hypo Alpe Adria (HAA) nicht hoch genug. Ein läppisches zehnfaches des Landesbudgets. Viellicht lassen sich die neuerdings christlich-angehauchten Recken auch von der Bibel inspirieren. Wenn Jesus laut Legende aus Brotkrümeln und Fischüberresten tausende speisen konnte, wird das ein Gerhard Dörfler mit dem Landesbudget locker schaffen. Von dem ist auch kaum mehr übrig als vom biblischen Ausgangsmaterial.

Vielleicht haben sie ihnen in der Kärntner Landesregierung auch das Netzwerk gehackt. Elektronische Angriffe sollen ja bei der Truppe gelegentlich vorkommen. Statt der Kritik am HAA-Debakel haben sie nur höchstes Lob auf die schlitzohrige Kärntner Verhandlungsführung gelesen und dass Kärnten reich ist. Oder so.

Vielleicht geht man auch nach dem Motto vor: Aller guter Dinge sind drei. Das wäre erst die zweite Landesbank. Ein Versuch wär noch drin. Und das erste Mal ist es ja auch gut gegangen. Für die BZÖ-ÖVP, pardon FIK-ÖVP-Landesregierung. Für die steuerzahlende Bevölkerung eher weniger. Was die bekanntermaßen wirtschaftskompetente Landesregierung herzlich wenig kümmert. Was sagt eigentlich Neo-Parteichef Bumsti Strache zu der Causa? Ist er auch der Meinung, eine solcherart besetzte Kärntner Landesregierung sei ein idealer Bankeneigentümer?

Und dann wird am gleichen Tag bekannt, dass die BZÖ-Homepage gehackt wurde. In weiser Voraussicht haben die Orangen offenbar das Admin-Passwort im HTML-Quellcode stehen gehabt. Raus kam unter anderem das:
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Wobei: Wär da nicht der Affe, der Unterschied wäre kaum aufgefallen. BZÖ-Chef, Grasser-Klon Josef Bucher und Stefan Petzner haben sofort Schuldige ausgemacht: Die FIK, mit denen sie bis vor kurzem noch gekuschelt haben.

Passt gut ins Schema des Ehedramas. Das Liebesleben der Wendehälse, Teil Drei sozusagen. Trennungen können hässlich werden. Den anderen öffentlich bloß stellen ist eine klassische Strategie in einem Rosenkrieg. wobei andererseits auch das BZÖ bewusst die Falschen verantwortlich machen könnte. Wie die verlassene Ehefrau, die behauptet, der Mann habe die Kinder geschlagen. Kommt auch vor. Stimmt meistens, manchmal ist es der Versuch, dem Partner eine reinzuwürgen. Wobei der Mann immer sagen wird: Er hat's nicht getan. Ob der Vorwurf stimmt oder nicht.

Das Liebesleben der Wendehälse, Teil 2

lebensmenschenDie amour fou der Wendehälse aus Wien und Kärnten entwickelt sich zu einem Liebesdrama. Die verschmähte Braut BZÖ gibt sich eifersüchtig. Und die Kärntner Fremdgänger zeigen sich verwirrt. Der zweite Teil der Studie "Das Liebesleben der Wendehälse".

Grasser-Klon Josef Bucher glaubt nach wie vor, dass er BZÖ-Chef ist. Dass ihn der Großteil seiner Partei verlassen hat, um mit den Wiener FPÖ'lern rumzumachen, blendet er aus, wenn möglich. Und wo es nicht mehr geht, lässt er seiner Eifersucht freien Lauf.
topinfo
Zumindest Stefan Petzner ist diesen Eifersuchtsbekundungen erlegen. Er hat vor, beim BZÖ zu bleiben. Offenbar hat er in Bucher einen neuen Lebensmenschen gefunden. Ganz überzeugt scheint Bucher nicht zu sein, dass dieses neue Verhältnis hält. Das BZÖ Kärnten ist sicherheitshalber nicht über die Homepage des BZÖ zu erreichen.

Für Uwe Scheuch heißt der Lebensmensch Bumsti Strache. Für ihn hat er Bucher und Petzner sitzen gelassen und umwirbt heftig, was von der Kärntner Truppe übrig ist. Wie bei Scheidungsverfahren üblich, stellt sich für ihn das unwichtige Detail Wirklichkeit anders dar als für den von ihm verlassenen Bucher.
1. Wie heißt unsere Partei?
Die korrekte Parteibezeichnung lautet: „Die Freiheitlichen in Kärnten“.
2. Sind wir eine eigenständige Partei?
„Die Freiheitlichen in Kärnten“ sind eine eigenständige Kärntner Landespartei, deren Mutterpartei auf Bundesebene die FPÖ darstellt (CDU/CSU-Modell)

Das schreibt er auf der offenkundig selbst gebastelten Homepage der Freiheitlichen In Kärnten. (Warum deren Kürzel nicht das in diesem Zusammenhang wesentlich passendere FIK ist, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben.) Auf die neue Situation reagiert man flexibel.

Allerdings scheint es beinahe so, als seien die FAQ's nur kurzfristig aktualisiert worden. Derartig grundlegende Fragen sollten bei diesem Publikum wohl ständig möglichst verständlich und griffbereit verfügbar sein. Es ist immerhin die Partei eines Gerhard Dörfler. Da kann schon eine einfache Realität wie die Grundzüge der Bundesverfassung oder die Verfasstheit des Landesbudgets verwirrend sein. Oder die jüngere Vergangenheit. Die Politik der Truppe zeigt das täglich. Wobei das Bundes-BZÖ hier nicht sonderlich von den Kärtner Parteikolleginnen- und kollegen abweicht.

12. Wo bin ich jetzt Parteimitglied?
Sie sind auch weiterhin Parteimitglied der „Freiheitlichen in Kärnten“. „Die Freiheitlichen in Kärnten“ sind auch jetzt schon eine eigenständige Landesgruppe gewesen. Sie brauchen keine neuen Beitrittserklärungen ausfüllen. Lassen Sie sich von anderen Informationen nicht täuschen, das ist nur parteipolitische Verwirrungstaktik.


32. Wenn wir jetzt wieder zusammen gehen: Warum haben wir uns überhaupt 2005 getrennt?
Die Bedingungen haben sich verändert. Die Trennung erfolgte zu einer Zeit, in der wir gemeinsam mit der ÖVP in einer Bundesregierung gewesen sind. In dieser Zeit konnte das BZÖ Verantwortung für das Land tragen und für Kärnten wichtige Projekte umsetzen. Daher hat Dr. Jörg Haider das BZÖ gegründet. Dies ist nun nicht mehr der Fall. Daher brauchen wir einen starken Partner wie die FPÖ, der uns hilft, die Kärntner Interessen auf Bundesebene umzusetzen. Außerdem hat ist das Bundes-BZÖ in letzter Zeit immer öfter vom freiheitlichen Kurs abgekommen (z.B. Homo-Ehe, wirtschaftsliberale Politik, etc.). „Die Freiheitlichen in Kärnten“ können hier nicht mehr mitgehen.


Offenbar war das BZÖ zuletzt nicht mehr imstande, Verantwortung für Kärnten zu tragen. Schön, dass man dort auch so sieht. Allein, im Liebesrausch vergisst man offenbar Konsequenzen zu ziehen.

Rosenkriege können nicht hässlicher abgehen. Bleibt nur abzuwarten, ab wann Schmutzwäsche gewaschen wird. Die Vorgänge um die Hypo Alpe Adria scheinen aufklärungsbedürftig genug zu sein.

Wie gesagt, würde nicht Schnee draußen liegen, man müsste glauben es sei Frühling. Nur zu dieser Jahreszeit sind sonst solche romantischen Gefühlsaufwallungen möglich. Ich werde weiter beobachten. Und dass mich jetzt keiner einen Voyeur nennt ;-)

P.S.: Wenn man schon beim Fremdgehen, Heiraten, Scheiden und Umbennen ist: Wird Scheuch den Namen seines neuen Lebensmenschen annehmen oder umgekehrt? Wetten werden entgegengenommen.

Das Liebesleben der Wendehälse

Strache_ScheuchAlte Liebe rostet nicht, heißt es. FPÖ und BZÖ, die Koalition der Verhaltensoriginellen, haben sich nach der lauten Scheidung nach beinahe fünf Jahren wieder gefunden. Will man uns weismachen. Wie romantisch. Eine Studie des Liebeslebens der Wendehälse.

Wenn nicht Schnee fiele, müsste man glauben es sei Frühling. Nichts anderes als der Hormonschwung, der bei den ersten warmen Sommerstrahlen des Jahres einsetzt, könnte die plötzliche Begeisterung der Kärntner für die Wiener und umgekehrt erklären. Eine amour fou, wie es scheint. Das Zusammenfinden lange Geschiedener, die die Trennung nie akzeptiert haben.

Das würde man vielleicht einem Stefan Petzner abnehmen, Aber der will so gar nicht. Was die von mir tot geglaubte beste Stegreifkabaretttruppe Österreichs wider Erwarten neu belebt. Er lehnt die Annäherung zwischen Strache und Scheuch ab. Eine teure Gefühlsaufwallung. Glücklicherweise nicht für ihn.

Die ihm Untreuen verlieren mehr als eine Million Euro, wenn sie keinen fünften Mann für Straches Zweitwohnung finden. Auch Grasser-Klon Bucher ziert sich. Obwohl ihm laut eigenen Aussagen ein Ministeramt angeboten wurde. Er hat ausgeschlagen. Sagt er. Und Ewald Stadler spuckt Gift und Galle.

Die Wahrheit ist eine Tochter Straches
Heiße Liebe, Eifersucht, gekränkte Eitelkeit. Die großen Gefühle werden dem Kopf schüttelnden Publikum präsentiert. Was mehr braucht eine Romanze? Mag sein, dass hier ein wenig melodramatisch ist und sehr viele Klischees bedient. Aber wie sonst könnte man erklären, dass Bumsti Strache seine Ankündigung vergisst, es werde unter ihm keine Fusion mit dem BZÖ geben? Vergessen die Zeit, als er so tat, als sei er nicht in führender Funktion einer Regierungspartei gewesen, die den schlimmsten Sozialabbau in der jüngeren österreichischen Geschichte zu verantworten hat. Jetzt ist die alte FPÖ des Jahres 2000 wieder vereint - es fehlen nur die erste Reihe und ein paar eifersüchtige Wiener.

Ein derartiges Über-Bord-Werfen aller Vorsätze, ein derartiger Betrug an den Nahestehenden, ein derartiges Vergessen dessen, was man selber gesagt hat, das ist normalerweise nur einem frisch Verliebten zuzutrauen. Ein wenig erinnert es auch an das Verhalten eines Mannes, der seine Frau betrügt. Ein Vergleich, der hier angebracht schiene. Strache lässt seine Wähler im Regen stehen.

Andererseits war die Wahrheit immer schon Straches Tochter.

Eine gute Partie
Aus Sicht des Kärntner BZÖ ist die plötzliche Sehnsucht nach Strache, dem bekennenden Experten für beide Geschlechtsteile, wahrscheinlich auch rational begründet. Er ist eine gute Partie. Nach dem Hypo-Debakel kann man einen finanziell potenten Partner vermutlich gut gebrauchen. Die Million mit dem neuen Klub, die die Affäre ermöglicht, wäre sicher auch ganz zustatten gekommen. Man kann davon ausgehen, dass die plötzliche Romanze dazu führen wird, dass man die vergangenen Jahre in der Bundesregierung und vor allem im Land Kärnten und das dort angerichtete Debakel sehr schnell vergisst. Liebe ist etwas wunderbares.

Wobei auch Strache weniger romantische Gründe für seine plötzlich wiederentflammte Zuneigung zu Scheuch und Co hat. So billig kann er nie wieder expandieren. Wenn der zukünftige Partner K.O. am Boden liegt, muss man zugreifen, mag er sich gedacht haben. Zu seiner Ehrenrettung muss man sagen: Er hat die K.O.-Tropfen nicht verabreicht. Das war das BZÖ selbst, mit ein wenig Hilfe von der ÖVP in Form des Kärntner Obmanns Martinz.

Für Strache hat das auch den Vorteil, dass er ein zweites Standbein hat, wenn Wien doch nicht so toll läut, wie er glaubt. Den Anspruch Wiener Bürgermeister zu werden, hat er vor kurzem aufgegeben. Ein seltener Anflug von Realismus.

ÖVP als Trauzeuge?
Mit so einer Ausgangslage wirft man Prinzipien über Bord. Unter der Voraussetzung man hätte denn welche. Am rechten Rand darf das getrost bezweifelt werden,

Bleibt die Frage, ob die ÖVP hier als Trauzeuge fungierte. Die Aussagen Buchers legen das nahe. Und in der Vergangenheit hat sich die ja die "Volks"partei immer sehr interessiert gezeigt am Studium der Wendehälse. warum soll das für deren Liebesleben nicht auch gelten? Mit viel Glück könnte das bei den nächsten Nationalratswahlen eine rechte Mehrheit mit nur zwei Parteien bringen. Was will man mehr?

Das allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Wählerinnen und Wähler vergessen und aus der amour fou des rechten Randes kein Nachwuchs entsteht.

P.S.: Danke raketa.at für das Titelbild.

Der kleine Obama in uns

Obama1Barack Obama bekommt den Friedensnobelpreis 2009. Warum, weiß keiner so genau. Was Österreichs Politikerinnen und Politiker nicht davon abhält, ihren Senf dazu zu geben. Man will den kleinen Obama in sich herausstreichen. Oder halt nicht.

Im Weißen Haus knallen die Sektkorken. Josef Cap, Klubobmann der SPÖ im Nationalrat und Alexander van der Bellen, außenpolitischer Sprecher der Grünen, haben Barack Obama zum Friedensnobelpreis gratuliert. Da kann er sich richtig über die Auszeichnung freuen. Zumal er, wie der Rest der Welt, nicht so genau weiß, wofür er sie bekommt. Vielleicht dafür, dass er Teheran nicht bombardiert hat. Das ist auch eine Leistung, wenn man die zarte Außenpolitik seines Vorgängers bedenkt.

Der Autor dieser Zeilen hat Teheran auch nicht bombardiert und das nie in Erwägung gezogen. Was auch irgendwie ein Beitrag zum Weltfrieden ist. Findet der Autor von Politwatch. Allerdings ist er für den Friedensnobelpreis nicht einmal nominiert worden. Was in seinen Augen eine Ungerechtigkeit ist. Aber man kann nicht alles haben.

Hauptsache, Obama kann sich freuen. Daheim hat er’s ohnehin schwer genug. Da kommen die Aufmunterungen weltpolitischer Schwergewichte wie Russlands Präsident Dimitri Medwedew und von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso, Josef Cap und Alexander van der Bellen gerade recht. Letztgenannte werden mit Sicherheit einen Ehrenplatz im Oval Office einnehmen. Die Schreiben, nicht die beiden österreichischen Politiker.
Und wenn Obama aus unerfindlichen Gründen die weltpolitische Bedeutung der Gratulationen aus Wien nicht erkennt und die Schreiben vielleicht nicht einmal liest– es soll ja gerade bei den Amerikanern Menschen geben, die nicht wissen, wo dieses international so eminent wichtige Land überhaupt liegt – bleibt beiden die Gewissheit: Sollte jemand auf die eher originelle Idee nach der Kombination „Cap“ bzw. „van der Bellen“ und „Obama“ googeln – die Presseaussendungen werden gefunden werden. Ein Werk für die Ewigkeit gewissermaßen. Verknüpft mit der vagen Hoffnung, etwas vom Image des US-Präsidenten für die schwächelnden Parteien der beiden reklamieren zu können. Fast so gut wie ein Foto mit Obama. Der nächste Wahlerfolg dürfte kein Problem mehr sein.

Überraschender Schwenk der Rechtsparteien
Österreichs Rechtsparteien haben in der Frage einen überraschenden Schwenk vollzogen. Herbert Scheibner, außenpolitischer Sprecher des BZÖ (die haben so was?), versteht wie der Rest der Welt nicht ganz, warum Obama den Preis bekommt, bevor er etwas Bemerkenswertes für den Weltfrieden tut. Wenigstens einmal ist er nicht so allein mit einer Meinung. Nach der Wahl im November hatte Stefan Petzner Obama noch dafür gelobt, quasi das Parteiprogramm des BZÖ kopiert zu haben und solcherart zum Wahltriumph geschritten zu sein. Das BZÖ sei Obama am ähnlichsten hatte er damals in einer seiner gewohnt brillanten Analysen zur Weltpolitik gemeint. Petzner gilt als Spezialist für alles, was mit dem Tod seines Lebensmenschen zu tun hat, insbesondere für Banken. Und vielleicht ist er ja draufgekommen, dass die Regierung Obama viele US-Banken gerettet hat. Vielleicht wollte sich Obama das Schicksal eines Jörg Haider ersparen. Andererseits: Jetzt, wo Obama Teil des Bankenkartells ist und Petzner der einzige, der Bescheid weiß… . Vielleicht erklärt das die plötzliche Aversion der Orangen gegen Obama. Oder vielleicht ist ihnen das mit dem Migrationshintergrund aufgefallen.

Auch die FPÖ reagiert sehr verhalten auf die Auszeichnung. Bemerkenswert. Im November hatte FPÖ-Chef Bumsti Strache nach einem Blick auf die nach dem Wahlsieg der Demokraten blau gefärbte Karte der USA überschwänglich gejubelt: Amerika hat Blau gewählt. Möglicherweise hat ihm mittlerweile jemand klar gemacht, dass Barack Obama nicht der FPÖ-Kandidat für das US-Präsidentenamt war. Oder er ist draufgekommen, dass Obamas Hautfarbe nicht vom Solarium kommt. Womit ja auch Silvio Berlusconi Probleme hat.
Wie immer, wenn es unangenehm wird, schickt Strache jemand anders vor. Diesmal darf Andreas Mölzer ran, FPÖ-Experte für jegliche Art völkischer Politik. Er spricht von einer Verhöhnung der anderen Nobelpreisträger und fordert sie auf, ihre Preise zurückzugeben. Es bestehe der Verdacht, Obama habe den Preis nur wegen seiner Hautfarbe bekommen. „Dann wäre das Rassismus“, schreibt Mölzer in einer Presseaussendung. Und damit kennt er sich aus.

Orange Unterhaltung

Über wen würden wir im Sommerloch lachen, wenn wir nicht das BZÖ hätten? Ein gerichtlich verurteilter Lügner beteuert seine Unschuld, ein Landeshauptmann gibt Einblicke in die Abgründe seines Geistes, ein Udo-Jürgens-Fan verarbeitet das Trauma, das er beim Tod seines Lebensmenschen erlitten hat auf eher ungewöhnliche Weise. In Tirol zeihen die Aufrechten einander der Lüge. Der jüngste Akt Österreichs bester Stegreifkabaretttruppe.

Ein Auflösungsprozess mündet in Verhaltensauffälligkeiten und gegenseitigen Klagen. Das haben kleine Vereine so an sich, zumal, wenn sie im weitesten Sinn politisch tätig sind. Die Konzentration von Weltverbessern verschiedenster Schattierungen und Opportunisten ist zu hoch. Dazwischen gibt's immer einen oder zwei, die einer seltsamen Form von Machtrausch erleben. Die Heftigkeit dieser Zerfallsprozesse verhält sich im Normalfall indirekt proportional zur Intelligenz der Beteiligten. Im Normalfall.

Dieser Prozess wird auch beim BZÖ Tirol wirksam, wenn es auch in eigen Bereichen die Ausnahme ist, die die Regeln bestätigt. Gegen den Landesparteiobmann Gerhard Huber gibt es etliche Anzeigen. Unter anderem wegen Antsiftung zur schweren Körperverletzung. Erstattet von seinem ehemaligen Büroleiter, Jochen Leidl.
http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabId=3858&alias=wzo&cob=426299

Man darf davon ausgehen, dass auf der kurzen Liste von Dingen, die beim BZÖ als anstößig gelten, eine Affäre mit einer Asylwerberin relativ weit oben steht. Aus dieser Sicht heraus kein Wunder, dass Huber das vehement bestreitet. Dass er angeblich erpresst wurde und laut Anzeige seinen ehemaligen Büroleiter telefonisch beauftragt haben soll, den Erpresser zu verprügeln oder verschwinden zu lassen, ist eine andere Sache. Das behauptet Leidl. Huber bezichtigt Leidl der Lüge.

Der unüberbrückbare Konflikt
Ich halte beide Versionen vordergründig für durchaus glaubwürdig. Nur: Beide zusammen gehen sich irgendwie nicht aus. Es gibt einen unüberbrückbaren Widerspruch. Anders gesagt: Einer der beiden lügt. Das ist die wahrscheinlichste Erklärung. In diesem offenbar heftigen Trennungsstreit hätten beide mehr als genügend Motive, einander etwas auswischen zu wollen.

Natürlich könnte ich an dieser Stelle an Peter Westenthaler erinnern. Tue ich nicht. In einer derart heiklen juristischen Sache lehne bin ich - schon aus Selbtschutz - lieber zurückhaltend. Zum anderen finde ich die Causa viel zu spannend, als sie zum Gegenstand bloßer Polemik machen zu wollen. Wiewohl - einen Zusammenhang mit der Causa Westenthaler sehe ich schon. Auch damals hat eine Trennungsgeschichte böse geendet. Der Pressesprecher der damaligen Justizministerin Karin Gastinger wurde in einem Wiener Lokal verprügelt. Sie hatte kurz davor, wenige Tage vor der Nationalratswahl, das BZÖ verlassen. Peter Westenthaler, der bestritten hatte, die Prügelei angestiftet zu haben und überhaupt von nichts gewusst haben will, wurde heuer rechtskräftig wegen falscher Zeugenaussage verurteilt.

In Tirol ist ein Großteil des BZÖ-Landesvorstands aus der Partei ausgeschlossen worden und hat eine eigene Partei gegründet. Diesmal führt die Trennung nicht zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Diesmal schüttet man einander mit Anzeigen zu. Gut, zum Zerwürfnis kam es nicht unter Alkoholeinfluss. An Konfliktbewältigung müssen die Orangen aber noch arbeiten.

Bleibt die Frage, welcher der Kontrahenten recht hat. Das sollen die Gerichte entscheiden. Wie gesagt, ich halte aus mehreren Gründen beide Versionen für glaubhaft und weiß zu wenig darüber, um in einer solchen Causa Mutmaßungen anzustellen. Außerdem wäre es äußerst unvernünftig von mir, mich in ein laufendes Verfahren einzumischen. Dass einer der beiden lügt, ist Ergebnis einer simplen logischen Operation innerhalb der wahrscheinlichsten Varianten.

Arglistige Täuschung?
Bliebe noch eine arglistige Täuschung als einzige Synthese. Der Mann, den Leidl gehört haben will, sofern es diesen ominösen Anruf gegeben hat, war gar nicht Huber sondern jemand, der so klang wie er. Und der gab den Auftrag zu Körperverletzung oder Mord aus Kenntnis der Gerüchte oder der Fakten, um Huber zu schaden. Möglich. Aber, wie wahrscheinlich ist das?

Einer der beiden lügt. Wieder einmal geht eine orange Trennung mit Verhaltensauffälligkeiten einher. Wieder einmal geht es vor Gericht. Ich denke, das sagt einiges über diese Partei aus. Westenthaler hin, Petzner her. Jedenfalls ist es unterhaltsam, den Orangen zuzusehen, wie sie sich gegenseitig in die Go... haun. Davon hätt ich gern mehr. Und angesichts der politischen Überlebenschancen nach dem Tod Jörg Haiders wird es dieses Mehr an Unterhaltung über kurz oder lang geben.

P.S.: Ich finde es ausnehmend schade, dass Stefan Petzner nicht Wiener Spitzenkandidat des BZÖ bei den Gemeinderatswahlen wird. Das wär sicher lustig geworden. Ob die einen Wiener mit einem vergleichbaren Talent zur unfreiwilligen Komik finden? Aus meinem Erfahrungsschatz heraus unwahrscheinlich. Andererseits: Es ist das BZÖ.

Jetzt kommt Petzner!

PetznerEs gibt sie, die Momente, in denen die Realität die Satire hinter sich lässt. In denen Kabarettisten und Satiriker um ihre Auftritte und Aufträge bangen müssen. In denen es auch sprachbegabten Menschen die Sprache verschlägt. In denen das einzige, was sich dem Halse entringen lässt, ein schallendes Gelächter ist. Heute war einer dieser seltenen Momente.

"Petzner könnte bei Wiener Wahl kandidieren", entnahm ich heute Nachmittag wien.ORF.at. Eine Ente, dachte ich mir. Die Truppe, die hinter der Jörg-Haider-Gebetsliga steckt (so diese ein Hoax ist), hat wieder zugeschlagen. Es war ernstgemeint. Von wem auch immer. Warum auch immer. Stefan Petzner (BZÖ) hat der Infoillustrierten News eines seiner begehrten Exklusivinterviews gegeben, schreibt ORF.at.
http://wien.orf.at/stories/375579/

Begehrt weniger wegen einer möglichen Scheuheit Petzners. Begehrt wegen seines unnachahmlichen Talents zur unfreiwilligen Komik. Einem Redakteur kann ob so viel gesunden und unbegründeten Selbstbewusstseins nur der Mund offen stehen. Und es ist nicht gespielt, wage ich zu behaupten. An dieser vollkommenen Verkörperung intellektueller Anspruchslosigkeit kann der begnadetste aller Mimen nur scheitern. Konkurrenz auf diesem Feld bekommt Petzner nur von Parteifreunden. Mit Ausnahme von Peter Westenthaler fehlt ihnen aber die tragische Komponente. Echte Größe entsteht im Scheitern an sich selbst. Auch bei Menschen, die eher als Karikatur ihrer selbst auffallen. Jeder kann positive Seiten haben.

Im Moment hat Petzner in punkto Tragik die Nase vorn. Westenthaler ist nur gerichtlich verurteilter Lügner. Petzner trauert seinem Lebensmenschen nach. (Interessante Frage in diesem Zusammenhang: Wie nennt man eigentlich tote Lebensmenschen?).

Der Unterhaltungsfaktor
Natürlich, ganz sicher kann man sich nicht sein, dass das ernst gemeint ist. Bei Petzner verlaufen aus Sicht eines kritischen Beobachters die Grenzen zwischen dem Bemühen um Ernsthaftigkeit und Unfug fließend. Vielleicht ist das der Tatsache geschuldet, dass der Mann wirkt, als sei er bar jeglichen Tiefgangs. Seine Diplomarbeit heißt "Die Macht der Musik am Beispiel von Udo Jürgens". Wirklich. Auch sein Interview mit Österreich zum Unfalltod seines Lebensmenschen lassen in Hinblick auf seine Wien-Pläne mehrere Interpretationen offen. Ungetrübt von jeglicher Vernunft setzt er die haarsträubendsten Verschwörungstheorien seit der Mondlandung in die Welt und behauptet dann, alles nicht so gemeint zu haben. Was soll man da denken?

Auch die Infoillustrierte, die er exklusiv über seine Pläne informierte, fällt nicht immer mit gesteigerter Seriosität auf. Eine seltsame Wahl, um Pläne derartiger Tragweite zu lancieren. Vielleicht hat es auch niemand anders interessiert.

Wenn es ernst gemeint ist, ist der Unterhaltungsfaktor hoch. Zuerst das Match Petzner gegen Westenthaler, auf das es parteiintern vermutlich hinausläuft. Die Wuchteln werden tief fliegen. Ob alles, was gesagt wird, reiflicher Überlegung entspringen wird, darf bei diesen Menschen getrost bezweifelt werden. Dann das Pseudo-Match mit Bumsti Strache. Man darf gespannt sein, wer als die halbwegs vernünftige Figur im Vergleich zur anderen aussteigen wird. Ich wage hier keine Prognose.

Wiens Kabarettisten und Satiriker werden in dieser Zeit brotlos sein. Die politische Wirklichkeit wird für genug unfreiwillige Komik sorgen. Satirisch übersteigern kann man das nicht mehr. Das sprengt jegliche menschliche Vorstellungskraft. Sie können allenfalls die Realität imitieren. Das muss für einen Satiriker eine frustrierende Vorstellung sein. Die Realität hat heute die Satire hinter sich gelassen.

Kärntner Wasser oder: Der Selige Jörg

HaiderKaiser Karl Habsburg I (und glücklicherweise Letzte) dient einer Gruppe Kärntner als Vorbild. Ähnlich wie es die Kaiser-Karl-Gebetsliga für den Dilettanten und Kriegsverbrecher erreicht hat, wollen sie den verstorbenen und umstrittenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider selig sprechen lassen. Sagen sie. Ein realsatirischer Beitrag, ein Hoax oder eine weitere Skurrilität aus dem Süden? Man weiß es nicht.

Sie meinen es ernst. Schreiben sie auf ihrem Blog. Die nicht näher genannten Angehörigen der "Gebetsliga Jörg Haider". Sie wollen Haider zur "Ehre der Altäre" erheben lassen, wie es im katholischen Fachjargon heißt. Oder notfalls zum Seligentum hochbeten. Als Freidenker und Atheist mutet mich dieser skurrile Totenkult der Katholiken befremdlich genug an. Dass man sich einen, höflich formuliert, nicht unumstrittenen Kärntner Landeshauptmann mit dem Ruf eines nicht immer ganz so heiligen Lebenswandels zum Kultobjekt aussucht, wirkt selbst gemessen am an sich grenzwertigen Seligen- und Heiligenkult absurd.

Man könnte das als satirischen Kommentar zum Kult um Haider sehen, den das BZÖ für das eigene politische Überleben in Kärnten aufzuziehen versucht. Einem vernunftbegabten Menschen würde diese Interpretation als die einzig mögliche erscheinen. Kärntner können humorbegabte Menschen sein. Freiwillig wie Werner Schneyder. Oder unfreiwillig wie Stefan Petzner und das gesamte BZÖ.

Nur bestreiten die Inhaber von http://heiligerhaider.wordpress.com/ vehement, dass ihr Blog ein Hoax sei. Sie attackieren standard.at für einen Bericht, in dem die Gebetsliga als Satire gewertet worden war.
http://derstandard.at/fs/1245820367596/Fake-Website-propagiert-Heiligshysprechung-von-Joerg-Haider
http://heiligerhaider.wordpress.com/aktuelles/
Was die Vermutung nahe legt, dass es bei dem genial-komischen Kommentar zur Kärntner Landespolitik sehr ernst zugehen muss. Zumindest gibt sich jemand sehr viel Mühe, den Schein aufrecht zu erhalten. In dem Fall Gratulation.

Woran niemand denken will
Oder es ist den Proponenten ernst. Wogegen selbst Stefan Petzners realsatirisches Interview in "Österreich" seriös wirken würde. Irgendwie würde mir das sogar Anerkennung abringen: Ich hatte es für denkunmöglich gehalten, dass jemand imstande sei, das Talent von Jörg Haiders Lebensmenschen für unfreiwillige Komik zu übertrumpfen. Eine tragische Komponente ist in beiden Fällen allerdings nicht zu leugnen.

Um ihr Ziel zu erreichen, bräuchte die Gebetsliga ein Wunder, das die katholische Kirche Jörg Haider zuschreiben müsste. Für geheilte Krampfander ist schon Karl Habsburg zuständig. Bleibt nicht mehr viel. Vielleicht bewegen die Gebete Haider dazu, Petzner ernstzunehmendes sagen zu lassen. Oder einer der angeblich kriminellen Asylwerber auf der Saualm stellt sich als gemeingefährlich heraus. Das wären Ereignisse, die selbst einen hartgesottenen Atheisten wie mich zum Nachdenken bringen würden. Nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit könnte nur ein Wunder als Erklärung in Betracht gezogen werden.

Spannend wäre auch, wofür der Selige Jörg Haider zuständig sein sollte. Dass ihn das BZÖ per Akklamation zum Schutzpatron Kärntens ausrufen würde, darf als gegeben gesehen werden. Fraglich, ob ihn das auslasten würde. In Frage kommen würde er als Schutzpatron der Ortstafeln. Der einsprachigen, wohlgemerkt. Oder als Beschützer der Schubhaftzentren (nicht der Insassen) beziehungsweise von Abschiebe-Charterflügen.

Untersuchenswertes Phänomen
Bleibt die Frage, warum gerade Kärnten Geburtsort einer solch skurrilen Intiative sein muss. Als ob die normalen Kärntnerinnen und Kärntner nicht schon genug Scherereien mit ihren verhaltensoriginellen Landsleuten hätten. Angesichts der quantitativen und qualitativen Zunahme der Verhaltensauffälligkeiten im Süden tut man sich immer schwerer, die Kärntner Bevölkerung nicht pauschal als halbwahnsinnige Tschopperl abzutun. Was gegenüber den meisten Kärntnerinnen und Kärntern, die ich kenne, ziemlich unfair wäre. Und, wie selbst die traurigsten Wahlergebnisse zeigen, auch der Bevölkerungsmehrheit gegenüber.

Die jüngsten Umtriebe im Süden lassen eine empirische Untersuchung gerechtfertigt erscheinen. Sollte sich innerhalb des Bundeslandes eine örtliche Häufung einschlägiger Verhaltensmerkmale feststellen lassen, wäre aus meiner Sicht das Wasser als erstes zu untersuchen. Man weiß ja nie. Allenfalls erschiene auch eine Untersuchung der Verwandschaftsverhältnisse innerhalb der Gruppe der Verhaltensoriginellen ein lohnenswertes Gebiet zu sein. Irgendeine rationale Erklärung muss es geben, dass sich ein (kleiner) Teil der Bevölkerung so auffällig anders verhält als - naja, vernunftbegabte Menschen das tun. Es sollte auch im Interesse des Großteils der Kärntner Bevölkerung liegen, das klären zu lassen. Es ist schwer vorstellbar, dass die sich ewig von ihren verhaltensoriginellen Landsleuten in Geiselhaft nehmen lassen wollen.

Eine Realsatire namens Kärnten geht in Sommersaison

Stefan Petzner, Jörg Haiders ehemaliger Pressesprecher, liefert ein neues Meisterstück seiner Unübertrefflichkeit. Er setzt alles dran, Österreichs Ruf als humorbegabte Nation zu verteidigen und schwingt sich mit seinem Talent auf ungeahnte Höhen. In einem Interview will er Jörg Haiders Tod neu untersuchen lassen.

Kärnten, so denkt man, ist das Land des Summer-Open-Air. Warmes Wetter, viel Sonne, viele Touristen, die unterhalten werden wollen. Nur Stefan Petzner, österreichischer Meister der unfreiwilligen Komik, zieht ein Zeitungsinterview den Brettern vor, die für andere Kleinkunst-Genies die Welt bedeuten.
http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Petzner_bricht_sein_Schweigen_0486206.ece

Haiders ehemaliger Pressesprecher will den Tod seines Lebensmenschen neu untersuchen lassen. Niemand mehr in Kärnten – und ich betone: NIEMAND – glaubt noch an die offizielle Version, dass das ein Unfall unter Alkoholeinfluss war. Eine klare Aussage. Im neuen Buch von Gerhard Wisnewski lautet der Titel „Unfall, Mord oder Attentat?“ Und diesen Titel finde ich sehr treffend. Denn jeder, der die nüchternen Fakten betrachtet – ohne Emotion, ohne Vorurteil – der wird zur Überzeugung kommen, dass die Unfallversion, so wie sie vom Staatsanwalt präsentiert wurde, so nicht stimmen kann. So wie geschildert kann dieser Unfall nicht abgelaufen sein – das ist sicher.

Eine Erklärung, warum es ein Attentat gewesen sein könnte, hat er auch parat. Jörg Haider hat als erster und einziger Politiker Österreichs schon im September detaillierte Informationen über das Ausmaß der Banken- und Finanzkrise gehabt. (...) Er hat gewusst, wie hochbrisant und explosiv diese Informationen sind. Das sind Informationen, die im Zusammenhang mit riesigen international vernetzten Banken- und Finanzsystemen stehen. Da geht es um viele Milliarden und die wahren Mächtigen in der Welt, die an der Ostküste und sonst wo sitzen. (...) Er kannte als einziger Politiker alle Details, die der Öffentlichkeit bis heute verschwiegen werden. Er wusste, welche Sprengkraft diese Informationen haben – das betrifft die mächtigsten Lobbies, die mächtigsten Finanzjongleure. Er hatte die Informationen aus Kreisen der Hochfinanz. Das hat er mir gesagt. Ich habe die Unterlagen auch gesehen. Er wusste: Das ist gefährlich, was er da besitzt. Sobald "die Ostküste" ins Spiel kommt, das weiß der passionierte Verschwörungstheoretiker, muss es ja stimmen. Ein Schelm, wer hier an antisemitische Vorurteile denkt, die so en passant mit einer Märtyrer-Hagiographie verwoben werden.

Sagte ich Verschwörungstheorie? Ich bin vorsichtig - ich sage nicht: Es war ein Attentat. Ich sage vielmehr: Es gibt massive Anhaltspunkte dafür, dass die bisherige Unfallversion nicht stimmt und es ein politisch motiviertes Attentat gewesen sein kann. Ich bin kein Verschwörungstheoretiker – ich orientiere mich als Politiker an den Fakten. Ah ja. Nur erweist sich Österreichs begnadetster Realsatiriker wider Willen wenige Zeilen später als bemerkenswert orientierungsloser Politiker. Gefragt nach einer Erklärung sagt er: Ich habe keine – und deshalb fordere ich ja: Das muss neu untersucht werden. Alles was der Staatsanwalt bei diesem Unfall ermittelt hat, passt von vorne bis hinten nicht zusammen. Das riecht verdammt nach Manipulation. Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt: War dieser Unfall ein Unfall – oder nicht?

Fazit: Der Mann sollte auf Tournee gehen. Volle Häuser oder Freiluftaufführungsstätten wären ihm - zumindest außerhalb Kärntens - sicher. "Eine Realsatire namens Kärnten geht in Sommersaison" - wenn der Titel kein Straßenfeger ist. Ich spreche mich auch dafür aus, Petzner für diesen Beitrag für den Kleinkunstpreis "Salzburger Stier" zu nominieren.

Grasser-Klon als Haider-Nachfolger

BuchaDas BZÖ hat Josef Bucher zum neuen Bündnisobmann gewählt. Er erinnert stark an Karlheinz Grasser und soll dem verblichenen Jörg Haider nachfolgen

99,4 Prozent der Delegiertenstimmen. Ein beeindruckendes Ergebnis, das muss man Josef Bucher lassen. Für jemanden, der bestenfalls einer ausgewählten und interessierten Öffentlichkeit bekannt ist, nicht schlecht. Dem Rest Österreichs war er vermutlich eher mit seiner Ähnlichkeit mit Karlheinz Grasser aufgefallen, dem ehemaligen FPÖ-(und später ÖVP) Finanzminister und mittlerweile hauptberuflichem Gatten von Fiona Irgendwas, jedenfalls nicht Swarovski. Zusätzlich muss Bucher den Schatten des toten Übervaters Jörg Haider abschütteln. Insofern schwierig als das BZÖ nur aus Haider bestand - oder der mystifizierten Erinnerung an ihn. Mit Inhalten ernstzunehmender Natur ist die Partei bislang nicht aufgefallen.

Der "Leitantrag zu Europa" etwa ist ein Fortschritt im Vergleich zum sechs Seiten starken Gründungsprogramm. In bezug auf Verständlich- und Sinnhaftigkeit sowie Leserfreundlichkeit sollte er aber in "Leidantrag" umbenannt werden. Wie viele Platitüden man auf so wenigen Seiten unterbringen kann, ist erstaunlich.
http://www.bzoe.at/download/leitantrag.pdf

Unfreiwillige Komik

Die einzige Stärke des BZÖ ohne Haider lag bislang in der unfreiwilligen Komik. Man denke an den Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler und den bekanntermaßen wahrheitsliebenden und Straßenverkehrsordnung beachtenden, rücksichtsvollen Autofahrer Peter Westenthaler. Stefan Petzner als Kurzzeit-Obmann wird auch eher als Haiders Lebensmensch in Erinnerung bleiben. Österreichs beste Stegreif-Kabaretttruppe. Komisches Potential ist bei Bucher bislang nicht aufgefallen. Sonst auch wenig, aber vielleicht wissen die BZÖ-Delegierten mehr.

In dieses Konzept hätte sich mein Favorit für den Posten des Bündnisobmanns bestens eingereiht. Über Reinhard Gaugg hätte ich mich wirklich gefreut. Immerhin kann der Mann zentrale Ideologieinhalte buchstabieren. Offen bleibt, wessen. Als Nachfolger Haiders auf Kärntner Landstraßen hat er sich nachhaltig qualifiziert. Genierer, Posten anzunehmen, für die er nicht qualifiziert ist, hat er auch keinen. Einen besseren Obmann hätte ich mir nicht vorstellen können. Aber das ist meine persönliche Meinung.

Es wird unterhaltsam werden, dem BZÖ beim Versuch zuzusehen, ernsthafte Politik zu betreiben. Eine klare Antithese zur Partei.
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