Tag: Satire

Lehrlingssklaven

Bild: www.rfw.atDie FPÖ geriert sich gerne als Partei, die die Sorgen, Ängste und Nöte der Jugendlichen versteht. Was sie wirklich von der Jugend hält, zeigt eine Aussendung des Obmanns des niederösterreichischen Rings Freiheitlicher Wirtschaftstreibender. Der fordert, dass Lehrlinge monatelang ausgebeutet werden dürfen.

Diese Jugend von heute. Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen. Dieses Zitat könnte auch von Walter Fischer stammen, dem Obmann des Rings Freiheitlicher Wirtschaftstreibender. Allein, es ist noch viel dramatischer, schreibt er in einer Presseaussendung. So sieht Fischer als eines der größten Probleme die schlechten Erfahrungen der Unternehmer mit Lehrlingen, die kaum lesen, schreiben oder rechnen können, und dann auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen jahrelang mitgeschleppt werden müssen. Mit dieser weltbewegenden Einsicht reiht er sich ein in die Gruppe der großen Denker, beweist, dass er dem vorhin zitierten Aristoteles mindestens ebenbürtig ist. Auch mit Sokrates kann er es aufnehmen. Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.

Walter Fischer weiß sich mit seiner Einschätzung nicht alleine. Er übertrifft sogar die großen Denker der Antike. Nicht nur, dass er messerscharf erkennt, was sie vor tausenden von Jahren schrieben. Er weiß auch, dass das alles durch staatliche Einmischung noch schlimmer wird. Hier arbeiten WKNÖ und AMS mit dem WIFI zusammen und fördern mit dieser Ausnahmeregelung jugendliche Tachinierer. Und wir Unternehmer müssen uns dann mit halbfertig Ausgebildeten herumschlagen.

Was wunder? Fischer gehört der FPÖ an. Die versteht die Jugendlichen bekanntermaßen besonders gut. Sagt sie. Fischers Aussagen bringen das Jugend-Bild der Partei auf den Punkt. Und mit seinen Gegenvorschlägen dürfte er ebenfalls nicht weit von der Parteilinie entfernt liegen.
• Nach Beendigung der Schule muss er je drei Monate in den von ihm gewählten Berufen eine Art „verlängerte Schnupperlehre“ absolvieren - völlig unbürokratisch.

• Die Kosten sind von der Wirtschaftskammer zu tragen. Versichert sind die Jugendlichen mit den Eltern. Dies soll auch eine Solidaritätsansage der Unternehmer an jene Betriebe sein, die Lehrlinge ausbilden!

• Bleibt der Jugendliche nach den drei Monaten im Betrieb, so ist das auf die Lehrzeit anzurechnen

• Ist der Jugendliche nach 3 x 3 Monaten erweiterter Schnupperlehre noch immer ohne Lehrstelle, dann liegt es an ihm bzw. seinen Eltern, eine Stelle als Hilfskraft oder -arbeiter zu finden.


Im Extremfall neun Monate lang Gratisarbeit für Unternehmer zu leisten: Wenn da ein Jugendlicher nicht begreift, dass der Unternehmer nur das Beste der jungen Generation im Sinn hat, weiß man's nicht. Dass das dem Unternehmer Willkürherrschaft sichert und das nebenbei noch gratis, ist mit Sicherheit ein unbeabsichtiger Nebeneffekt der Pläne des freiheitlichen Unternehmers. Jugendliche lassen sich bekanntermaßen am besten durch Zucht und Rute abrichten und werden so zu folgsamen Arbeitnehmern, die den Unternehmern ewig dankbar sind für die niedrigen Löhne, die sie für ihre harte Arbeit bekommen. Die Welt, wie sie sein sollte.

Dass Fischer nicht auch noch das Recht auf Prügelstrafe für den Lehrherren fordert, liegt sicher an dem Verweichlichungsprozess, den die Menschen in dieser Republik seit Jahrzehnten durchmachen. Der ist auch an Fischer nicht spurlos vorüber gegangen. Und vielleicht steckt auch die Angst vor der bekanntermaßen kommunistisch angehauchten Kronenzeitung dahinter.

Die schrieb am Samstag in der Niederösterreich-Ausgabe:
Freiheitlicher will Firmenbosse stärken - Kritik an der Jugend

FP will drei Monate Gratis-Lehre
Breite Front gegen diese Idee!

Dass Lehrlinge manchmal als günstige Vollzeitkräfte missbraucht werden, ist bekannt. Die FP setzt jetzt noch eins drauf und will Jugendliche mehrere Monate quasi gratis in Betrieben arbeiten lassen - weil viele Tachinierer seien. „Diese Unterstellungen sind eine Frechheit“, ist die SP empört. Auch VP und Grüne üben Kritik.


Verweichlichung allerortens. Diese Leute haben die Erkenntnisse von Generationen weiser Denker offenbar vergessen.

Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe. Dieser Text wurde vor etwa 4.000 Jahren in Keilschrift auf eine Tontafel bei Ur eingeritzt. Diese ewige Wahrheit hat bei kritischer Analyse nur die FPÖ erkannt.

Die Weicheier von den anderen Parteien, vor allem von SPÖ und Grünen, haben offenbar nur Heinrich Böll im Kopf: Das einzige, wovor Jugendliche geschützt werden müssen, sind die Erwachsenen.

Operation Goldfisch

Uwe_Scheuch90 Prozent für Uwe Scheuch als Obmann der Freiheitlichen In Kärnten (FIK). Ein eindeutiges Ergebnis am außerordentlichen Landesparteitag, das den Richtungsstreit zwischen Rechtsliberalen und Rechtsradikalen zwischen Pack und Karawanken entschieden hat. Die Operation Goldfisch ist geglückt.

Das schelmische Grinsen wird Uwe Scheuch nicht so schnell vergehen. Seine Parteikollegen haben bewiesen, dass er sie nicht unterschätzt hat. Das Gedächtnis des durchschnittlichen FIK hat in etwa die Halbwertszeit eines Goldfisches. Was in gleichem Ausmaß für Bumsti Strache gelten dürfte.

Anders als die Durchschnittsbevölkerung haben diese Leute nicht mehr die vollmundigen Ankündigungen im Ohr, BZÖ und FPÖ würden niemals zusammengehen. Vergessen die Erzfeindschaft. Auch die Aufrufe des vormals mächtigen Haider-Clans, nicht mit der FPÖ zusammenzugehen, dürften am Samstag nicht mehr im kollektiven Gedächtnis der FIK-Delegierten gewesen sein. Und vor allem nicht im individuellen. Es ist halt schwer, sich etwas länger als zwei Wochen zu merken. Vielleicht hat sich auch der eine oder andere gewundert, dass "der Jörg" nicht auftritt. Dessen Ableben ist etwas mehr als ein Jahr her. Das kann überfordern. Für andere wird "der Jörg" nicht einmal mehr als eine blasse Erinnerung sein, eine ferne Legende, eine von vielen Kärntner Volkssagen. Ein mythischer Fürst, erfunden als Identifikationsfigur, auf den man sich bei Bedarf beruft, ausgestattet mit den Eigenschaften, die jeweils am besten zupass kommen. Eine Art Gott für geistig Arme sozusagen.

Scheuchs Gedächtnis liegt laut eigenen Angaben nur knapp über dem seiner Parteikollegen. Der angebliche Experte für Staatsbürgerschaften kann sich nicht mehr erinnern, ob, wann und mit wem er über Millionendeals und Parteispenden verhandelt hat.

Er kann sich nicht erinnern. Das Tonband wurde manipuliert. Das ist eine Schmutzkübelkampagne. Außerdem wurde er missverstanden. Und wenn es so war, hat er sich auch nichts zuschulden kommen lassen.

Mag sein, dass das Tonband manipuliert wurde. Die schlechte Qualität lässt das unmöglich erscheinen. Ständig scheuert Stoff über das Mikro des hörbarerweise versteckt getragenen Aufnahmegerätes. Aus meiner Sicht wäre jeder Schnitt sofort hörbar. Als jemand, der tausende Radiobeiträge digital geschnitten hat, traue ich mir eine derartige Aussage zu. Zumal man die Kürzung am Ende der Aufnahme deutlich hört. Andererseits wäre es möglich, dass die Gesprächsspur nachträglich verzerrt und mit einer Atmo-Spur gemischt wurde. Das wäre eine Möglichkeit, die oben beschriebenen Effekte zu erzielen und würde die Aufnahme authentisch erscheinen lassen. Das würde allerdings ziemlich gute Schnittprogramme voraussetzen.

Aber lassen wir das. Auch die Staatsbürgerschaftsgeschichte scheinen die Delegierten am Samstag vergessen zu haben. Ebenso, dass die Staatsanwaltschaft wegen Korruption gegen Scheuch ermittelt. Es ist zumindest meiner Erinnerung nach das erste Mal, dass jemand zum Parteiobmann gewählt wird, der unter Verdacht steht, derart schwere Delikte begangen zu haben. Das wurde erst wenige Tage vor dem FIK-Parteitag bekannt. Dass die Delegierten sich offenkundig nicht mehr erinnern konnten, stützt die Goldfisch-These.

Eine These, die jeder entwickeln muss, der die rechte Szene in Österreich beobachtet. Bumsti Strache kann sich nicht mehr an die schwarz-blaue Bundesregierung und deren Anschläge auf Sicherheit, Gesundheit, Pensionen, Bankkonto der Österreicherinnen und Österreicher bzw. auf Polizei und Staatseigentum erinnern. An die zahlreichen rechtskräftigen Verurteilungen der eigenen Mitglieder können sich die Rechten auch nicht erinnern. Und, was interessiert einen das Geschwätz von gestern?

Das Beispiel FIK zeigt, was von diesen Leuten zu halten ist. Und offenbar hat das Prinzip Goldfisch auch hochrangige Repräsentanten des Rest-BZÖ erfasst. Dessen Chef, Grasser-Klon Josef Bucher, schließt nicht mehr aus, dass Nationalratsabgeordnete aus seinem Klub in dem FIK-Klub wechseln. Zwei Leute mehr und der Klub bekommt 1,5 Millionen Euro aus der parlamentarischen Klubförderung. Und nachdem die Wendehälse von FPÖ und FIK ihre lebensmenschliche Liebe zueinander entdeckt haben, setzt man eher auf Partner, die Erfolg versprechen. Die FIK wird's wahrscheinlich länger geben als das BZÖ. Das ist zumindest nach der Operation Goldfisch am Samstag einigermaßen gesichert. Bleibt die Unwägbarkeit der rechten Gedächtnisschwäche. Wer kann schon garantieren, dass sich die Leute am Montag erinnern, bei welcher Partei sie sind?

Das Liebesleben der Wendehälse, Teil 2

lebensmenschenDie amour fou der Wendehälse aus Wien und Kärnten entwickelt sich zu einem Liebesdrama. Die verschmähte Braut BZÖ gibt sich eifersüchtig. Und die Kärntner Fremdgänger zeigen sich verwirrt. Der zweite Teil der Studie "Das Liebesleben der Wendehälse".

Grasser-Klon Josef Bucher glaubt nach wie vor, dass er BZÖ-Chef ist. Dass ihn der Großteil seiner Partei verlassen hat, um mit den Wiener FPÖ'lern rumzumachen, blendet er aus, wenn möglich. Und wo es nicht mehr geht, lässt er seiner Eifersucht freien Lauf.
topinfo
Zumindest Stefan Petzner ist diesen Eifersuchtsbekundungen erlegen. Er hat vor, beim BZÖ zu bleiben. Offenbar hat er in Bucher einen neuen Lebensmenschen gefunden. Ganz überzeugt scheint Bucher nicht zu sein, dass dieses neue Verhältnis hält. Das BZÖ Kärnten ist sicherheitshalber nicht über die Homepage des BZÖ zu erreichen.

Für Uwe Scheuch heißt der Lebensmensch Bumsti Strache. Für ihn hat er Bucher und Petzner sitzen gelassen und umwirbt heftig, was von der Kärntner Truppe übrig ist. Wie bei Scheidungsverfahren üblich, stellt sich für ihn das unwichtige Detail Wirklichkeit anders dar als für den von ihm verlassenen Bucher.
1. Wie heißt unsere Partei?
Die korrekte Parteibezeichnung lautet: „Die Freiheitlichen in Kärnten“.
2. Sind wir eine eigenständige Partei?
„Die Freiheitlichen in Kärnten“ sind eine eigenständige Kärntner Landespartei, deren Mutterpartei auf Bundesebene die FPÖ darstellt (CDU/CSU-Modell)

Das schreibt er auf der offenkundig selbst gebastelten Homepage der Freiheitlichen In Kärnten. (Warum deren Kürzel nicht das in diesem Zusammenhang wesentlich passendere FIK ist, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben.) Auf die neue Situation reagiert man flexibel.

Allerdings scheint es beinahe so, als seien die FAQ's nur kurzfristig aktualisiert worden. Derartig grundlegende Fragen sollten bei diesem Publikum wohl ständig möglichst verständlich und griffbereit verfügbar sein. Es ist immerhin die Partei eines Gerhard Dörfler. Da kann schon eine einfache Realität wie die Grundzüge der Bundesverfassung oder die Verfasstheit des Landesbudgets verwirrend sein. Oder die jüngere Vergangenheit. Die Politik der Truppe zeigt das täglich. Wobei das Bundes-BZÖ hier nicht sonderlich von den Kärtner Parteikolleginnen- und kollegen abweicht.

12. Wo bin ich jetzt Parteimitglied?
Sie sind auch weiterhin Parteimitglied der „Freiheitlichen in Kärnten“. „Die Freiheitlichen in Kärnten“ sind auch jetzt schon eine eigenständige Landesgruppe gewesen. Sie brauchen keine neuen Beitrittserklärungen ausfüllen. Lassen Sie sich von anderen Informationen nicht täuschen, das ist nur parteipolitische Verwirrungstaktik.


32. Wenn wir jetzt wieder zusammen gehen: Warum haben wir uns überhaupt 2005 getrennt?
Die Bedingungen haben sich verändert. Die Trennung erfolgte zu einer Zeit, in der wir gemeinsam mit der ÖVP in einer Bundesregierung gewesen sind. In dieser Zeit konnte das BZÖ Verantwortung für das Land tragen und für Kärnten wichtige Projekte umsetzen. Daher hat Dr. Jörg Haider das BZÖ gegründet. Dies ist nun nicht mehr der Fall. Daher brauchen wir einen starken Partner wie die FPÖ, der uns hilft, die Kärntner Interessen auf Bundesebene umzusetzen. Außerdem hat ist das Bundes-BZÖ in letzter Zeit immer öfter vom freiheitlichen Kurs abgekommen (z.B. Homo-Ehe, wirtschaftsliberale Politik, etc.). „Die Freiheitlichen in Kärnten“ können hier nicht mehr mitgehen.


Offenbar war das BZÖ zuletzt nicht mehr imstande, Verantwortung für Kärnten zu tragen. Schön, dass man dort auch so sieht. Allein, im Liebesrausch vergisst man offenbar Konsequenzen zu ziehen.

Rosenkriege können nicht hässlicher abgehen. Bleibt nur abzuwarten, ab wann Schmutzwäsche gewaschen wird. Die Vorgänge um die Hypo Alpe Adria scheinen aufklärungsbedürftig genug zu sein.

Wie gesagt, würde nicht Schnee draußen liegen, man müsste glauben es sei Frühling. Nur zu dieser Jahreszeit sind sonst solche romantischen Gefühlsaufwallungen möglich. Ich werde weiter beobachten. Und dass mich jetzt keiner einen Voyeur nennt ;-)

P.S.: Wenn man schon beim Fremdgehen, Heiraten, Scheiden und Umbennen ist: Wird Scheuch den Namen seines neuen Lebensmenschen annehmen oder umgekehrt? Wetten werden entgegengenommen.

Rhapsody in Blue

Gerhard-DoerflerBZÖ Kärnten und FPÖ fusionieren. Politwatch trauert. Österreichs begabteste (und höchst überbezahlte) Truppe von Stegreifkabarettisten wird auseinandergerissen. Zeit der Wahrheit ins Auge zu blicken.

Das Gefühl, das sich meiner bemächtigt, könnte man vermutlich als beginnende Depression beschreiben. Seit heute ist es nicht mehr möglich, den rechten Rand als fehlgeschlagenes Freiluftexperiment einer Kabarettistenschule zu sehen. Das hat mir in den vergangenen fünf Jahren einiges an Trost vermittelt. Eskapismus vielleicht. Angesichts der Realität eine psychologische Notwehrmaßnahme. Es schützt vor dem Verzweifeln. Hat geschützt.

Obwohl die mehr oder weniger feindliche Übernahme des BZÖ Kärnten auch komische Momente hat. Insofern ist sich der rechte Rand treu geblieben. Erst gestern attackierte die FPÖ den Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler wegen der Hypo Alpe Adria. Erst gestern tat man so, als würde man sich lieber duellieren als einander je wieder die Hand zu geben. Wiewohl, das mit dem Duell so eine Sache wäre. Beim BZÖ dürfte eigentlich nur der Stadler, von wegen Satisfaktionsfähigkeit.

Theater, nichts als Theater diese lächerlichen, oft genug vor Rechtschreibfehlern strotzenden Beschimpfungen, diese Wiedergaben geballter Sinnbefreitheit, die man am rechten Rand sich traut als Presseaussendung zu bezeichnen. Wo die jeweils eine Partie das über die andre Partie sagte, was sich ein aufrechter Demokrat aus Furcht vor einer Klage nie öffentlichen zu sagen trauen würde. Unterhaltsam an regnerischen Tagen. Eine Dosis unfreiwilliger Komik, groß genug um einen aus einer beginnenden Depression zu reißen. Wenn's ganz arg war, konnte man im Nationalrat zuhören, wie sie einander beflegeln. Zumindest die letzten Monate nichts als Theater für ein Publikum, das um psychisch irgendwie zu überleben, sich einreden musste, die Realität, die der rechte Rand geschaffen hatte, sei keine.

Aus der Traum
Aus der Traum. Willkommen in der Realität. Sie ist mehr, als ein gesunder und vor allem vernunftbegabter Mensch ertragen kann. Die Koalition der Verhaltensoriginellen wird wechselweise von Wien und Kärnten versuchen, die Menschen in diesem Land weiter für dumm zu verkaufen. Kärnten wird als nicht vor dem Bankrott stehend erklärt werden, Graf zum aufrechten Demokraten und Strache zum Vertreter der Arbeiterinnen und Arbeiter. Für die HAA war nicht das BZÖ verantwortlich, ein genialer Plan der Bayern war's um die slowenischen Ortstafeln durchzusetzen. Und das Finanzdesaster hat so was von nichts mit dieser amour fou zu tun, dass das Wort nichts nicht ausreicht um diesen Nicht-Zusammenhang zu beschreibe. Es ist zum Verzweifeln.

Herzig die Beteuerungen des Dörfler, den die Staatsanwaltschaft für zu deppert erklärt um angeklagt zu werden, man könne seine Meinung ja auch ändern. Nicht anders Bumsti Strache. Auf einmal will man wieder Freund sein. Das zeugt vom Erinnerungsvermögen der Herrschaften. Geschichte ist, was man gerade mal braucht. Andererseits: Ehrlichkeit hat man von ihnen nie erwarten können. Und Verrat an der eigenen Gesinnung kann man ihnen kaum vorwerfen. In den politischen Kreisen, in denen sie verkehren, gehört so etwas zum guten Ton.

Das Ende des Stegreifkabarettes
Das wirklich tragische ist, dass Österreichs beste Stegreifkabaretttruppen auseinandergerissen wird. Stefan Petzner, Gerald Grosz und Peter Westenthaler - in der Ernsthaftigkeit, mit der sie ihre unfreiwillige Komik betrieben haben, waren sie unschlagbar. Auch die Gastauftritte von Gerhard Dörfler auf Bundesebene waren grandios.

Man kann zurecht argumentieren, die Herren seien überbezahlt. Als Bühne für ihre Selbstverwirklichung würde es ein Vorstadttheater auch tun. Andererseits: Die Geballtheit, in der das völlige Fehlen irgendeines intellektuellen Anspruchs in der Kombination auftrat, das hatte etwas einzigartiges. Das kommt nie wieder. Westenthaler und Grosz werden alleine die Truppe mimen müssen, die so tut als sei sie eine ernsthafte Partei.

Dörfler und Petzner werden die Sidekicks des in dieser Hinsicht wesentlich untalentierteren Strache geben. Dem sieht man zu sehr an, wie sehr er sich anstrengt. Stegreifspezialist ist er keiner. Da ist ihm sogar der Dörfler über. Bei Strache sind's die mühsam auswendig gelernten Phrasen, die unterhalten sollen. Um wie viel öder ist das als improvisierte Sinnbefreitheit, die so tut, als sei sie ernst gemeint wie in Kärnten. Vermutlich hat das auch Strache eingesehen. Das würde erkläre, warum er die beiden Stegreifkabarettisten engagiert hat.

Jetzt ist's aus. Das tut weh. Die österreichische Politik hat an Unterhaltsamkeit verloren. Und an Tragik gewonnen. Das letzte, was ich gebraucht hätte.

Das Kreuz mit Österreich

SchulklasseKreuze in Schulklassen sind menschenrechtswidrig, sagt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Sie sind religiöse Symbole, und die dürfen Menschen nicht aufgezwungen werden. Zumal, wenn es Kinder sind. Eine Haltung, die im Großteil der demokratischen Länder selbstverständlich ist. Nur nicht in Österreich. Ein kleiner Blick, warum nicht.

Menschenrechte wollen die? Warum denn? Wenn die Mehrheit dagegen ist! Ja, in diesem Land entscheidet immer noch die Mehrheit. Und das sind wir! Die haben sich daran zu halten. Ja, das sind Menschenrechte! Weil, wo bleiben denn unsere? Unser Menschenrecht ist, dass wir die Mehrheit sind. Drum entscheiden da immer noch wir, was die dürfen und was nicht.

Überhaupt, was pudeln die sich da so auf? Das Kreuz, das steht halt für unsere Kultur und unsere Geschichte. Ja, die haben die Demokratie erfunden, die in der Kirche. Und die Frauenrechte. Und die Menschenrechte. Das weiß man doch. Was, das soll anders gewesen sein? Ich soll Geschichtsbücher lesen? Warum bitte, was geht mich das an? Das war so, weil mir san mir. Wenn ich's Ihnen sag: So war's. Das ist überhaupt kein religiöses Symbol das Kreuz. Das steht schon für die Kirche. Eh klar. Das steht fürs katholisch sein. Sowieso. Das gehört dazu bei uns. So sind wir. So waren wir schon immer. Das ist Österreich.

Was, im Stephansdom sind protestantische Messen gelesen worden? Woher haben's denn den Blödsinn? Nein, das war schon immer so bei uns. Drum haben wir ja die Demokratie erfunden. Also halt die in der Kirche auch. Und was interessieren mich die Juden, die einmal in Österreich gelebt haben? Waren eben Juden, keine Österreicher. Weil ein Österreicher, der ist katholisch. Drum sind wir ja so tolerant, weil das ist unsere Wurzel. Naja, die Evangelischen sind auch ein bisserl Österreicher. Ein bisserl anders halt. Aber wir sind ja nicht so. Aber wer zu uns kommen will, der soll sich anpassen.

Was, in dem Land leben zwei Millionen Menschen ohne religiöses Bekenntnis? So ein Blödsinn. Ah, das haben Sie in der Statistik gelesen? Was gehen mich Statistiken an? Sicher, soll jeder glauben, was er mag. Das nehmen wir ja niemandem weg. Aber die Leut, die sind gegen Österreich. Ich sag's Ihnen. Das ist ein christliches Land. Die müssen sich halt anpassen. Das sind die Leute, die gegen unsere Wurzeln und unsere Geschichte sind. Die müssen sich anpassen an unsere Kultur. Ja, was kann ich dafür, wenn das auch Österreicher sind? Den Pass haben's halt. Deswegen sind die noch lang keine Österreicher. Mit der Einstellung, ganz sicher nicht. Erst, wenn's unsere Kultur respektieren.

Und überhaupt, das sieht man in was für eine Richtung das geht. Jetzt nehmen Sie uns das Kreuz. Dann verbieten sie Weihnachten. Nur damit die anderen ihr Kopftuch weitertragen können. Dabei g'hört das schon lang verboten, ich sag's Ihnen. Die sollen mir nicht kommen mit der Religion. Das sind ja alles Fanatiker. Wir, wir sind christlich. Deswegen sind wir ja so tolerant. Und überhaupt, wie kommen die dazu, was zu fordern, was sie daheim net haben. Sollen selber schauen, wie sie die anderen daheim behandeln. Da sollen sie froh sein, wenn sie bei uns leben dürfen. Das gilt auch für die Atheisten. Sollen net so empfindlich sein. Wir sind's ja auch nicht. Wir lassen uns eh alles gefallen. Weil wir so tolerant sind. Und bevor wir kapieren, was los ist, haben dann die anderen das Sagen. Drum lassen mir uns nix mehr gefallen. Weil, unsere Kultur, die gehört geschützt.

Was unsere Kultur ist? Naja, das sieht man ja. Die Antwort reicht Ihnen nicht? Na, wenn sie's net sehen wollen, kann ich Ihnen auch nicht helfen. Die österreichische Kultur, das sind wir. So wie wir leben halt. Was, das reicht Ihnen immer noch nicht? Was sind denn Sie für einer? Sicher auch so einer, der die österreichische Kultur zerstören will. Damit wir werden, wie die anderen. Wie's die Roten und die Grünen immer wollen. Nur, damit's eine Mehrheit haben. Ja, wir haben euch schon geschaut. Jemand, der nachfragen muss, was unsere Kultur ist, da merkt man schon, woher der kommt. Jemand, dem man das erklären muss, der gehört eh net dazu. Kultur, das muss man fühlen. Wenn man das nicht fühlt, ist man dagegen. So ist das.

Was, Sie fragen immer noch nach? Kommen'S mir net so deppert. San's a Tschopperl oder wollen'S mich häkeln? Das Schnitzel halt. Und due Musik. Der Beethoven. Und der Mozart. Darauf sind wir stolz. Und die Lippizzaner. Und die Sisi. Das ist unsere Kultur. Nein, warum sollt' ich mir Mozart anhören? Schau ich so aus, als würd' mich der interessieren? Ich hör mir lieber den Hansi Hinterseer an. So wie mein Vater die Kernbuam. Das ist unsere Kultur und darauf sind wir stolz. Und der Hermann Maier auch. Nur, damit Sie's wissen. Das muss man spüren. Von Geburt an. Sonst ist man ein vaterlandsloser Geselle.

So wie Sie mit Ihrer depperten Nachfragerei. Sie sind einer von denen, die uns immer vernadern im Ausland. Nur, weil ein Polizist einmal einen Neger g'haut hat, macht's gleich so einen Aufstand. Und dem Strache unterstellt's auch dauernd, dass er ein Rechtsextremer ist. Nur, weil er die Wahrheit sagt. Dass wir uns zuviel gefallen lassen. Das sieht man an den Kreuzen. Na, da gehören ganz andere Saiten aufgezogen mit Euch und die Ausländer. Ihr werdet's schon noch sehen. Da g'hör einmal sauber gemacht. Weil, wir schützen unsere Kultur. Wir sind ja tolerant. Da können sich die anderen ein Beispiel nehmen. Und Sie übrigens auch.

Danke, Frau Fekter

Fekter-jpg-bmpDie oberösterreichischen Fremdenbehörden haben sich wieder einmal selbst überboten. Sie lassen ein dreieinhalb Monate altes Baby nach Südserbien ausweisen. Ob es bleiben darf, wird von der Gnade der Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf abhängen. Die entscheidet, ob der Säugling Enis aus humanitären Gründen mit seiner Familie in Kremsmünster bleiben darf.

Die Behörde hatte die Gefahr klar erkannt. Und schnell gehandelt. Naja, nicht ganz. Dreieinhalb Monate hatten sie sich Zeit gelassen, bis sie gegen das unerhörte Verbrechen vorgingen. Den falschen Eltern geboren zu sein. Eltern ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Mit fremdländischen Namen obendrein. Die Ermittlungen waren zäh und gefährlich gewesen. Unter Lebensgefahr gelang es den Beamten, das Baby dieses furchtbaren Verbrechens zu überführen.

Glücklicherweise hatte der österreichische Gesetzgeber unter der weisen Voraussicht der als weise bekannten Innenministerin Maria Fekter Vorkehr getroffen. Bei derart gefährlichen Delikten gab es die Möglichkeit des Eilverfahrens. Ein Gerichtsverfahren, wo möglicherweise ein Anwalt zur Verteidigung des Säuglings eingeschritten wäre, konnte man sich sparen.

Wie gemeingefährlich so ein Ausländer-Baby sein kann, konnten nur diese linkslinken Gutmenschen bestreiten. Eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch seine bloße Existenz. Und dazu die latente Kriminalität. Wenn es nicht ohnehin über das unverzeihliche Verbrechen seiner Geburt hinaus bereits straffällig geworden war. Bei Kindern in dem Alter eine ständige Gefahr. So schnell konnte man gar nicht schauen. Und, obwohl es der Behörde nicht gelungen war, das nachzuweisen, wusste man: Dass man dem Baby nichts zusätzliches nachweisen konnte, hieß nicht, dass es es nicht trotzdem war. Und wenn es noch kein zusätzliches Verbrechen begangen hatte, würde das sehr bald passieren. Es könnte etwa zum Verbreiter der Schweinegrippe werden. Die tritt bei Muslimen bekanntermaßen sehr häufig auf.

Man musste das Kind in Schubhaft nehmen, bevor es aus Mangel an Respekt vor dem Rechtsstaat und Verachtung gegenüber der österreichischen Kultur zum Bioterroristen wurde. Das schien den Beamten ein adäquates Mittel zu sein. Und selbst wenn das Baby keine aktive Bedrohung war - was, wie jeder außer diesen linkslinken Gutmenschen wusste, so gut wie nie vorkam - war es eine passive Gefahr. Die Mutter konnte es als Wurfgeschoss verwenden. Oder als Deckung beim Ladendiebstahl. Es gab ja so viele linkslink Verblendete, die einen Kinderwagen nicht durchsuchten. Nicht, dass man das der Mutter bisher nachgesagt hätte. Aber sicher ist sicher. Das angenehme an diesem Gedankengang war, dass er eine Alternative zur teuren, humanen Schubhaft eröffnete, die für die schwerkriminellen illegalen Grenzgänger und - Gott bewahre - Falschmelder ohnehin nur ein Kuraufenthalt war. Wo sie dann zu Fleiß verhungerten, die Falotten. Nur, damit Österreich und seine für ihre Weisheit berühmte Innenministerin im Ausland schlecht da standen.

Würde man das Kind als bloßes Mittel zur gemeingefährlichen Kriminalität betrachten, könnte man es in die Asservatenkammer stecken. Was bedeutend kostengünstiger wäre. Für findige Polizeijuristen eröffneten sich ungeahnte Möglichkeiten. Das Goldene Verdienstkreuz schien in Reichweite. Und ein Flachbildfernseher der Freiheitlichen Arbeitnehmer. Gestiftet von Bumsti Strache. Verglichen mit diesem heroischen Einsatz allerdings kaum mehr als ein feuchter Händedruck. Die Beamten sollten als Nationalhelden gefeiert werden.

Blieb nur mehr der kleine Hindernis einer oberösterreichischen Bezirkshauptmannschaft. Bekanntermaßen ein Hort grünkommunistischer Zecken. Fast so schlimm wie die niederösterreichische ÖVP, aber in dieser Hinsicht nichts verglichen mit der Vorarlberger Landwirtschaftskammer. Und die Kremsmünsterer. Notorische Revoluzzer. Statt dass der Chef vom Kindsvater froh war, dass der Balg abeschoben wird, ergriff er öffentlich Partei für dieses Verbrecherbaby. Kein Respekt vor dem Rechtsstaat. Und kein Geschäftssinn. Wenn man das Baby schnell abschiebt, muss er dem Vater weniger Lohn zahlen. Da würde Strache einschreiten müssen, der demütige Diener des Rechtsstaats und Verteidiger des Abendlandes. Der würde es richten. Und wenn nicht, würde man die Hilfe der Chefin anfordern. Dieser weisen Frau würde es gelingen, die rabiaten Volkshorden zu besänftigen. Wie man das in Linz so erfolgreich gemacht hatte.

"Ich gelobe"

Hier eine nette Satire-Aktion einiger Studierender, die das Audi Max in Wien besetzt haben. Das Video ist selbsterklärend.

Die Interessen der kleinen Leute

Bumsti-StracheBumsti kämpft wieder für den kleinen Mann. Dessen Interessen sind naturgemäß akut gefährdet, wenn Österreich den Kampf gegen ausländische Steuerhinterzieher und Schwarzgeldkonteninhaber erleichtert. Und Österreich ist überhaupt dem Untergang geweiht, wie die Vorgangsweise der anderen Parteien beweist.

Österreich stand kurz der Annexion durch das böse EU-Ausland. Böse mit Ausnahme des großen nordwestlichen Nachbarlandes auf jeden Fall. Da hätten manche seiner Gefolgsleute nichts gegen eine Annexion. Und die kleinen Leute auch nicht. Das österreichische Parlament leistete den anderen Vorschub. Bald würden Ausländer mithilfe des heimischen Bankgeheimnisses nicht einmal mehr straffrei Steuern hinterziehen können. Ein Anschlag auf die Anständigen und Ehrlichen und vor allem auf die kleinen Österreicher. Und natürlich auch auf den anderen Geschlechsteil. Wenn die grünkommunistischen Roten schon drauf bestanden.

Es geht immer gegen die kleinen Leut, wenn die Reichen ihr Geld, das sie mit der Arbeit der kleinen Leut verdient haben, auch noch versteuern müssen. Das durfte nicht sein. Nicht einmal, wenn es Ausländer sind. Reiche Ausländer. Nur, damit keine Missverständnisse aufkommen. Und schließlich, und das war das schlagendste Argument des größten Verstehers von überhaupt überall, damit verschreckte man die einzigen Ausländer, von denen man was halten konnte. Die schickten ihr Geld her und blieben zuhause. Das Bild der feuchten Träume der kleinen Österreicher. Das sollten sich die Asylwerber und überhaupt die anderen zum Vorbild nehmen. Die Türken zum Beispiel würde er viel lieber haben, wenn sie es so machen würden. Oder die Araber. Da stört es auch nicht, wenn vielleicht Al Q'aida ein geheimes Konto in Wien hat. Oder die Hamas. Alles für den kleinen Mann. Für den kämpft er schließlich. Immer und überall. Vor allem, wenn er ausländische Steuerhinterzieher oder die Interessen der Großindustrie verteidigt.

Eine Gemeinheit sowas. Und ein unwiderlegbarer Beweis, wie weit die Roten, Schwarzen, Grünen und Orangen, kurz: die Farbigen, die Sache schon vorangetrieben hatten.

Und was würde als nächstes kommen? Die Grünkommunisten und die anderen Verräter am gesunden Volksempfinden forderten ja, dass Asylwerberinnen auch was anderes tun dürfen als der Prostitution nachgehen. Keine Afrikanerinnen mehr, die nachts auf den Gehsteigen des Gürtels und im Prater herumstehen! Das kann man doch nicht machen. Ein Anschlag auf die Interessen des kleinen Österreichers. Wobei nicht einmal Strache mehr sicher war, ob das beide Geschlechtsteile umfasste.

Und ein Anschlag auf den Mölzer. Der ist ja bekanntlich auch nicht so groß. Zweifelsohne waren seine Fantasien Grundlage für die eine oder andere Szene in seinen Romanen, die nur wegen der politischen Vorurteile des linkslinken Mainstreams noch nicht in den Kanon der Weltliteratur übernommen worden waren. Auch das ein Anschlag auf die Interessen der kleinen Leut, wenn ein Verleger, Buchautor und EU-Parlamentarier so geschnitten wird.

Wenn auch Bumsti sonst nichts von der Welt verstand. Eines wusste er: Was die kleinen Leute brauchten und was nicht. Das hat er wieder einmal eindrucksvoll bewiesen. Und, dass Österreich nicht mehr lange stehen würde.

Der Stellvertreter

Und hier ein genialer Kabarett-Beitrag von Hagen Rether zu Joseph Ratzinger und der katholischen Kirche. Hat mir ein Freund über Facebook geschickt. Absolut empfehlenswert.

Der Unverstandene

Aus unserer Reihe „Der Unverstandene“ bringen wir heute eine neue Episode. Fiebern Sie mit Martin G. mit, der den Kampf gegen das Unverständnis der Welt im Allgemeinen und seiner Heimat im Besonderen aufnimmt. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich rein zufällig.

Martin G. bleibt dabei. Was er gesagt hat, hat er gesagt. Dazu steht er. Außerdem hat er es nicht so gemeint. Erinnern kann er sich auch nicht mehr. Und missverstanden wurde er sowieso. Wie immer. Was soll man auch erwarten. Die Systempresse hat es abgesehen auf ihn. Falotten. Reingelegt haben sie ihn. Zuerst lassen sie ihn seine Meinung sagen. Und dann drucken sie sie auch noch! Eine Gemeinheit ist so etwas. Wo jeder weiß: Jedes Mal, wenn er Tacheles spricht, muss er sich nachher bei irgendwem entschuldigen. Au, denkt sich Martin G. gerade: Hab ich Tacheles gedacht? Fort von mir, du Unwort. Und wenn sie nicht schreiben, was er sagt, entstellen sie seine Aussage. Dann regt sich erst wieder wer auf. Niemand versteht ihn.

Jetzt schon wieder. Da sagt er deutlich, dass sich die Welschen nicht unterwerfen und das beste aller Völker sich aus seiner Unterdrückung durch die Welt befreien müsse. Und sie sind wieder hergefallen über ihn. Ihn, den Anständigen und Ehrlichen. Das beste aller Völker will sich offenbar nicht befreien lassen, denkt er und die Zornesröte steigt ihm ins Gesicht.

Dabei hat er nur gesagt, was die Mehrheit denkt. Und wer sollte das besser wissen als er! Der Rolf von der Bude, der sagt ja auch immer, was er sagt. Wenigstens dort haben sie ihm gestern auf die Schulter geklopft. „Hast schon recht, Martin“, haben sie zu ihm gesagt. „Das beste aller Völker muss endlich frei sein. Die können mit uns doch nicht das gleiche machen, was sie auf dem Balkan machen!“ Gut, da hatten sie ihn auch auf der Bude missverstanden in dem Punkt. Zumindest der Wolf, aber der war auch Historiker. Der wusste es immer besser. Weswegen er nicht so ganz sattelfest war. Ideologisch gesehen. Irgendjemand musste ja die Bücher kaufen, die der Geist der Lizenzparteien vergiftet hatte, und Wolf las sie offenbar auch noch. Mit ihm würde man ein Gespräch führen müssen. Das soll am besten mein junger Mitarbeiter übernehmen, denkt sich Martin G. Der ist so feinfühlig bei Andersdenkenden. Mit Lächeln denkt G. an das, was sie ihm von dem Spaziergang dieser seltsamen Jugendgruppe einer der Lizenzparteien erzählt haben. G. schwelgt in Erinnerungen an die eigene Jugend. Ach, war das schön damals, als man Saalschützer spielen durfte.

Und überhaupt, das ist ja alles nicht so gemeint gewesen. Was die anderen immer rauslesen aus seinen Interviews. Dass er Terroristen verharmlost, sagen sie. Was für ein Unsinn! Kennen die nicht den Unterschied zwischen aufrechten Patrioten, die zur präventiven Selbstverteidigung greifen und diesen linkslinken Terroristen? Naja, sind ja selber im Boot mit denen. G. denkt wieder an diese Aktion, wo sein Mitarbeiter kurz vorbeigeschaut hat. Anständigen Menschen Angst machen, das haben die wohl gerne. Jawohl! Eine Bedrohung des Rechtsstaats ist diese linkslinke Bande. Die bringen die Fuxe und die aufrechten Patrioten immer dazu, das Gesetz zu brechen. Ist auch kein Wunder, denkt sich G. was provozieren sie auch? Trauen die sich doch wirklich auf die Straße! Leider sieht das Gesetz nicht die präventive Notwehr gegen diese linkslinken Chaoten vor. Das muss man ändern!

Seine Narben, Ehrenzeichen seines Kampfes für die Einheit und Freiheit des besten aller Völker, sind rot geworden vor gerechtem Zorn. Martin G. reißt sich wieder zusammen. Diese Schreiberlinge, denkt er sich. Eine Gemeinheit war das, wirklich! Ihn so auflaufen zu lassen. Die müssen doch wissen, dass er nachher alles nie so gemeint hat! So wie mit dem antifaschistischen Grundkon... oder wie das heißt. Den will er nicht, klar. Und das drucken sie, diese gemeinen Schreiberlinge. Wo er doch eh ein bisserl dafür ist. Obwohl, eigentlich ist er dagegen. Niemand versteht ihn.

Wenn die in der Presseabteilung schreiben könnten, denen würde er es zeigen. Sowas von missverstanden, aber auch. Tun die doch so, als tät er die Einheit des besten aller Völker gefordert. Dabei hat er das auch! Wie man seine Worte nur so verzerren kann! Aber wirklich. Diese bösen Spielchen der Systempresse und der Schreiberlinge und der anderen Volksvertreter mit ihm und seinen Freunden. Ständig müssen sie auf das hören, was er sagt. Das ist so niederträchtig! Martin G. fehlen die Worte. Dauernd wollen sie ihn, den Aufrechten und Anständigen, festnageln. Wollen ihm beweisen, was er gesagt hat.

Aber ich bleibe hart, denkt sich Martin G. Ich bei dem, was ich gesagt habe. Nichts nehme ich zurück. Schließlich war’s nicht so gemeint. Niemand versteht mich.
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