Tag: Laizismus

Es muss nicht sein

Und hier wieder eine sehr gelungene Analyse von Robert Misik zum Thema Minarette und deren Verbot in der Schweiz.

Der Opa als Nazi

Strache_Plakat2Die FPÖ und ihre Anhänger zeichnen sich im allgemeinen nicht durch sonderliche Sachlichkeit aus. Die würde auch Sachkenntnis voraussetzen. Ein Beispiel liefert folgender Mail-Verkehr mit einem jungen Mann via Facebook. Einen leisen Hinweis, welche politische Einstellung er hat, lieferte er mit seinem Profilfoto, das ihn mit Bumsti Strache zeigt.

Lieber Herr Baumgartner!
Ich möchte Ihnen in dieser kurzen Nachricht nur aufzeigen, wie sinnlos der Name Ihrer Gruppe ist ! Welcher normale Österreicher wünscht sich lieber einen schreienden Muezin auf dem Dach, als seinen geliebten Großvater wieder im Haus ! Ich bevorzuge letzteres und bin davon überzeugt Sie auch! Also bedenken Sie bitte nochmals den Namen Ihrer Gruppe und ändern Sie ihn sachgemäß ab.
PS: Ich bin kein Rassist, kein Neo-Nazi und auch kein Faschist ! Ich möchte Ihnen nur aufzeigen wie lächerlich der Name ist und gegen jede österreichische Moral spricht!

Lieber L,
Abgesehen davon, dass ich Baumgarten heiße und nicht Baumgartner: Ein wenig mehr sachliche Information wäre hier durchaus angebracht. Auf welche Gruppe beziehen Sie sich, bitte? "
Für ein lazistisches Österreich"? "Lieber ein Muezzin am Dach als ein Nazi im Haus?" "Ich bau mir ein Minarett aufs Dach"? (Bei den letzten beiden bin ich lediglich Mitglied, nicht aber deren Gründer) Oder beziehen Sie such überhaupt auf die gemeinsame Stellungnahme der atheistischen Organisationen? In welchem logischen Zusammenhang steht ein Großvater im Haus, ob liebend oder nicht, mit einem Muezzin? Zieht der Großvater aus, wenn es einen Muezzin gibt? Oder kommt er dann nimmer auf Besuch? Oder kriegt er dann einen Herzinfarkt? Wie darf ich das verstehen? Und wie könnte ich den Namen einer Gruppe, von der ich nicht genau weiß, welche Sie meinen, "sachgemäß" abändern? Und vor allem, was wäre "Sache"?Und was zum Teufel soll "österreichische Moral" sein? Ich bitte um genauere Erläuterungen. Dann bin ich gerne bereit, mich inhaltlich mit Ihnen auseinanderzusetzen.
Mfg,Christoph Baumgarten
P.S.: Wenn Sie mit Ihrer Behauptung, kein Rassist zu sein, einigermaßen glaubwürdig sein wollen, sollten Sie kein Profilbild mit Bumsti Strache verwenden.


L 07. Dezember um 15:11
Ich bitte Sie vielmals um Entschuldigung Herr Baumgarten!
Ich bezog mich auf die Gruppe: Lieber ein Minarett auf dem Dach als einen Nazi im Haus! Sie stehen hier als Gründer!
Weiters habe ich mit dem Großvater den Nazi gemeint und mit dem Üzelbrützel, damit ich mich Ihrem Niveau gegen andere person vorzugehen angepasst habe, meinte ich die Minarett bzw. den Muezzin.
Sachgemäß wäre zb. wir sind alles Österreich hasser, also tretet bei und vernichtet es durch den Islam.
Mein Gott ich habe mit dem HC gesoffen, einen schönen Abend verbracht und mich auf einem Foto mit Ihm verewigt! Bin ich deswegen ein Rassist? Möglicherweise ein rechtsradikaler Schandfleck? Nein ich denke nicht! Ich bin Patriotisch veranlagt und kümmere mich um unser untergehendes Österreich, wie es viele andere ( möglicherweise auch Sie ??) tun sollten und nicht für ein Bauwerk eintreten, welches überhaupt nichts mit Religion, sondern nur mit Macht zu tun hat!

Christoph Baumgarten 07. Dezember um 06:26
Also, Sie kümmern sich um ein angeblich untergehendes Österreich. Inwiefern geht es unter? Woran merkt man das? Warum merken das bloß einige wenige, vermutlich Erleuchtete oder sonstwas, und der Rest nicht? Offenbar nicht auserwählt?Weiters ist mir völlig schleierhaft, was der Islam mit der Vernichtung Österreichs zu tun haben sollte. In Österreich haben um die vorige Jahrhundertwende deutlich mehr Muslime gelebt als heute. Zugrunde gegangen ist es an sich selbst, wobei der Auslöser ein serbisch-orthodoxer Attentäter war. Auch würden mich die Vernichtungsvorstellungen mal konkret interessieren. Inwiefern könnte denn "der Islam" Österreich vernichten? Im Sinne eines sachlichen Dialogs wäre ich Ihnen durchaus verbunden, wenn Sie diese Fragen beantworten könnten. Und bitte nicht mit Hilfe von Pauschalunterstellungen.Interessant ist, dass Sie mit Nazi gkleich einen "liebenden" Großvater asoziieren. Ich dachte bei Nazi eher an die traurigen Gestalten, die neuerdings in großen Mengen offen an FPÖ-Veranstaltungen teilnehmen... Ich würde mir an Ihrer Stelle Gedanken machen, ob ich Botschaften richtig verstehen kann, wenn mir sofort dieser Gedankengang kommt. Dazu würden mir jetzt mehrere Erklärungen einfallen, ich lass es aber.Inwiefern es auch zur Vernichtung Österreichs beitragen soll, wenn man vor der eigenen Türe kehrt und sich zu demokratischen Spielregeln bekennt, erschließt sich mir auch nicht ganz. Rechtsstaat und Menschenrechte funktionieren nur, wenn sie für alle gelten. Wobei mir durchaus bewusst ist, dass die FPÖ gerne den Eindruck erweckt, dass der Rechtsstaat nur für die anderen gelte und Menschenrechte nur für einen selber. Das kann durchaus verwirrend sein.Und, nur so nebenbei: Würden Sie sich etwas mit Geschichte auseinandersetzen, würden Sie wissen, dass ein Kirchturm ebenso ein Machtsymbol ist wie ein Minarett. Und ein guter Teil des Streits dreht sich erfahrungsgemäß darum, wessen Symbol das längere ist.


Auf das letzte Mail habe ich keine Antwort mehr erhalten. Offenbar hat es dem jungen Mann ob meiner Fragen die Sprache verschlagen. Vielleicht denkt er auch etwas darüber nach, was zu hoffen wäre.

Ich habe den Namen des jungen Mannes abgekürzt. Bei allem Unfug, den er verzapft hat, halte ich es für unnötig, ihn bloßzustellen.

Atheisten-Kampagne in "Orientierung"

Unsere Atheisten-Kampagne hat es auch ins ORF-Religionsmagazin "Orientierung" geschafft. Klaus Ther hat einen sehr ausgewogenen, nachdenklichen Beitrag gestaltet. Bereichert unter anderem von Robert Misik.

Göttlicher Urin

AutoUroPProvokation oder ernst gemeint? Diese Frage habe ich mir bei einigen Leserbriefen gegen die Atheisten-Kampagne und den wenigen negativen Rückmeldungen an Niko Alm oder mich öfter gestellt. Beim jüngsten Protestmail sind die Grenzen zwischen ernst gemeintem und unfreiwilliger Komik so verwischt wie beim BZÖ.

Sehr geehrter Herr Alm!

Nach den unnötigen Anti-Gott-Plakaten - kein normaler Mensch kann an der Existenz Gottes zweifeln! - sollten Sie diesen Sündenfall vergessen machen durch eine Werbe-Kampagne für die Urintherapie. Das wäre einmal wahre Innovation, statt überflüssige Provokation.
Laut der mir vorliegenden Fachliteratur (20 Bücher) kann man mit dem eigenen Urin nahezu alle Krankheiten heilen. Von der einfachen Erkältung bis hin zu Krebs.

Ich trinke seit 1.1.2000 täglich 1 Glas Morgenurin. Ich mache das vor-
beugend, um gesund zu bleiben und es funktioniert. Ich bin nie im Krankenstand und immer gesund (mit der Urintherapie stärkt man optimal das Immunsystem). Die Urintherapie hat ihre Wurzeln in der Vergangenheit. Deshalb wird sie auch eine Zukunft haben.
Im November 2009 findet übrigens in Mexiko die 5. Weltkonferenz für Urintherapie statt.

Hier kommt 1 Gedicht.

DAS GOLDENE GLAS

Die Alten wußten, daß eine Wunde
am besten heilt, wenn man sie
mit Urin behandelt. Die Alten hatten
keine Pharmaindustrie
wie wir sie heute haben.
Sie haben andere Mittel verwendet.
Sie haben sich unter anderem
auch mit ihrem Urin geheilt.

Ich werde es nicht mehr erleben,
aber vielleicht hängen eines Tages
Plakate in Wien
auf denen von der Heilkraft des Urin
die Rede ist,
auf denen Werbung gemacht wird
für die Urin-Therapie.

Finanziert von Leuten,
die Geld genug haben
und die mit dieser Werbung
nichts verdienen wollen.

Finanziert von Idealisten,
die wissen, daß der Urin
kein Abfall sondern ein Wertstoff ist
mit dem man viele Krankheiten
nicht nur in den Griff bekommen
sondern auch heilen kann.

A. Z.

Fairerweise muss man sagen: Dass die Urintherapie keine Auswirkungen auf die geistige Gesundheit hätte, hat der verhinderte Poet nicht behauptet.

Die Aufmerksamkeit für unsere Kampagne hat übrigens erste Erfolge gezeitigt: Wir haben jetzt ausreichend Spenden, um sie ein Monat lang weiterlaufen zu lassen. Mit etwas Glück kommt so viel Geld herein, dass wir sie in bescheidenem Ausmaß auf andere Städte ausdehnen können. Herzlichen Dank den Spendern.

Unterstützung für eine Million Menschen

CityLightAlt aber gut. Robert Misik hat anlässlich unserer Atheisten-Kampagne in seinem Archiv auf http://www.misik.at nachgeschaut. Eine der ersten Folgen von FS Misik (Folge 19) hat sich mit unserem Anliegen beschäftigt.



Eine Million Konfessionsloser leben in Österreich. Eine Gruppe, die im öffentlichen Raum so gut wie nicht auftritt. Es gilt als unschicklich, keiner Religion anzugehören. Zumindest aus anderen als aus "profanen" Grünen wie Scheidung oder Kirchenbeitrag. Wer aus Überzeugung o.r.B auf den Meldezettel schreibt, gilt als Sonderling. Wenn er oder sie das offen ausspricht. Und das als organisierte Gruppe zu tun, ist sowieso pfui. Zumindest präventiv.

Die Atheisten-Kampagne ist vor allem auf Widerstand von Menschen gestoßen, die sich nicht unmittelbar angesprochen fühlen muss. "Es gibt keinen Gott" - das könnte Menschen verletzen und dürfe nicht auf Bussen angebracht werden. Heißt es übereinstimmend aus Wien, Graz und Innsbruck. Der Werberat hat das ähnlich gesehen und der Kampagne mit knapper Mehrheit "Religionsfreiheit" zuerkannt. Ein Auftritt in der Morning Show von 88,6 war von den ähnlichen Gedankengängen des Moderators Hary Raithofer geprägt. Das Gratisblatt "Heute" hat in fünf (!) aufeinanderfolgenden Tagen gegen die drei atheistischen Plakate kampagnisiert. Heute erstmals ohne Leserbriefe.

Kaum negative Rückmeldungen
Als Presseverantwortlicher der Kampagne hab ich viele Rückmeldungen bekommen. Praktisch ausschließlich positive. Mit Ausnahme eines eher wirren e-mails, das ich auch hier kommentiert habe. Und dann gab's noch einen User, der auf dem Blog seine Spuren hinterließ und mich mit seiner Sturheit und offenkundigen Beschränktheit zu für meine Verhältnisse unhöflichen Repliken nötigte. In Summe nichts im Vergleich zu den Leserbriefen in "Heute".

Auch die Religionsgemeinschaften haben ruhig reagiert. Ich vermute eher aus Kalkül denn aus innerer Überzeugung. Ich vermute, wir sind denen emotional wurscht, um es ganz deutlich zu sagen. Nur, selbst Theologen wissen: Es ist besser, der Kampagne nicht zu viel Aufmerksamkeit durch künstliche Aufregung zu schenken. Und zweitens nützt die Kampagne ihnen, die wenigen wirklich religiösen Menschen an sich zu binden. Wirklich beleidigt sind höchstens ein paar sehr empfindsame Wesen. Aber nur, weil sie beleidigt sein wollen.

Die Gefühle der anderen
Der größte Widerstand kommt von denen, die die "religiösen Gefühle" anderer verteidigen wollen. Von Menschen, die sie nicht kennen. Die in ihren Köpfen bestenfalls als Vorstellungen vorhanden sind. Vage Bilder eines imaginierten Gefühls. Nicht des eigenen. Des einer anderen Person.

"Religiösen Gefühlen", zumal denen anderer, wird sehr viel Bedeutung zugemessen in Österreich. Sie sind besser geschützt als alle anderen Gefühle. "Religiöse Gefühle", sagt der Gesetzgeber, sind mehr wert als humanistische Überzeugung, als Respekt vor dem anderen ungeachtet der Herkunft, Hautfarbe oder der anderen künstlichen Unterscheidungsmerkmale, die wir geschaffen haben. Mehr wert als Liebe. Mehr wert als das Selbstwertgefühl. Mehr wert als ein Geborgenheitsgefühl.

Das macht der Gesetzgeber mit dem Paragrafen 188 deutlich, dem so genannten Blasphemieparagrafen. Eine Bestimmung, die selbst Richter als im Kern antidemokratisch erkennen. Verurteilungen nach diesem Paragrafen gibt es - glücklicherweise - kaum. Einzig Susanne Winter fällt mir ein. Und so sehr ich ihre Verurteilung wegen Verhetzung für richtig befinde, so sehr lehne ich ihre Verurteilung nach dem Unrechtsparagrafen 188 ab.
http://www.sbg.ac.at/ssk/docs/stgb/stgb188_191.htm#188

Das Beispiel Winters zeigt deutlich, wie obsolet der 188er ist. Sie wurde auch wegen Verhetzung verurteilt. Jede Strafbestimmung des Blasphemieparagrafen ist durch andere Paragrafen des allgemeinen Strafrechts abgedeckt. Dass er existiert, ist nur ein Sonderschutz für Religionsgemeinschaften. Der auch so ausgelegt werden kann, dass Religionskritik unmöglich wird. Die katholische Kirche versucht das regelmäßig.
http://noe.orf.at/stories/183984/
http://www.freidenker-oesterreich.at/Archiv/T451_susanna_winter.html

Dass das regelmäßig nicht funktioniert, ist dem Good Will von Staatsanwälten und Richtern geschuldet. Die sind - für ihre Verhältnisse - mit der Zeit gegangen. Am Gesetz liegt das nicht. Es ist und bleibt ein Gummiparagraf, mit dem alles und jedes verfolgt werden kann. Theoretisch auch die Atheisten-Kampagne. Ich denke, es wird eher eine Frage der Zeit sein, bis sich ein sensibler Frömmler beleidigt fühlt und den 188er auspackt um seine veletzten Gefühle zu rächen.

Theoretisch wäre der Paragraf natürlich auch auf andere Religionsgemeinschaften anwendbar. Nicht-Christen (vielleicht mit Ausnahme der Muslime) etwa könnten nachvollziehbar argumentieren, die Oster- und Weihnachtspropaganda der katholischen Kirche (Zu Weihnachten/Ostern ist Jesus Christus geboren/auferstanden) verletze sie in ihren religiösen Gefühlen und sei ob der apodiktischen Formulierung eine Herabwürdigung ihrer jeweiligen religiösen Lehren. Juden könnten mit Recht anführen, die wieder eingeführten Karfreitags-Fürbitten seien eine einzige Beleidigung. Seit dem Vorjahr dürfen katholische Priester in der Karfreitags-Messe wieder für die "treulosen Juden" beten. Wenn das keine Beleidung und Herabwürdigung ist, was dann?

Ich wäre durch diesen Paragrafen nicht geschützt. Als Atheist könnte ich schwerlich auf verletzte religiöse Gefühle pochen. Andererseits: Meiner Weltanschauung lässt der Gesetzgeber nicht den gleichen Schutz angedeihen. Aus gutem Grund: Ein ähnlicher Schutzparagraf für eine politische oder sonstige Weltanschauung wäre eine gefährliche Einschränkung der Meinungsfreiheit. Das ist auch der besondere Schutz durch den 188er.

Die halbe Welt braucht keinen Blasphemieparagrafen
Und, wer unbedingt glaubt, er sei notwendig: Die halbe Welt kommt ohne Blasphemieparagrafen aus, auch die zum Frömmeln neigenden USA. Selbst im katholischen Irland wurde er erst vor kurzem eingeführt. Möglicherweise als Entschädigung dafür, dass die katholische Kirche nach jahrzehntelangem, systematischem, Kindesmissbrauch den Opfern eine meist eher symbolische Entschädigung zahlen musste. Der zeitliche Zusammenhang ist bemerkenswert.

Atheistinnen und Atheisten wachgerüttelt
Ein Ziel hat unsere Kampagne erreicht. Sie hat viele Atheistinnen, Agnostiker, Humanistinnen und Laizisten wachgerüttelt. Wir haben viele Zuschriften von Menschen bekommen, die sich für die Kampagne bedanken. Die beteiligten Organisationen haben einen kleinen Mitgliederzuwachs. Erfreulicher Nebeneffekt, aber keinesfalls das eigentliche Ziel der Kampagne.

Einen gewissen Zulauf hat auch die Facebook-Gruppe "Für ein laizistisches Österreich". http://www.facebook.com/home.php?ref=home#/group.php?gid=81456871081
Seit dem ORF-Report vom Dienstag sind knapp 30 Mitglieder beigetreten. Atheismus und Laizismus sind keine Massenbewegungen. Insofern nicht schlecht.

Fernsehtipp
P.S.: Auch das ORF-Religionsmagazin "Orientierung" berichtet über die Kampagne. Sonntag, 12:30, ORF Zwei. Unter anderem mit Robert Misik und mir.

Atheisten-Kampagne im "Report"

Unsere Kampagne hat hohe Wellen geschlagen. Seitdem die Plakate hängen, hat es mehr als 100 Medien-Berichte gegeben. Die Tageszeitung "Heute" fährt eine Kampagne gegen uns. Und am Dienstag war die Kampagne Gegenstand eines Beitrags in der ORF-Sendung "Report".



Auch das ungarische öffentlich-rechtliche Fernsehen wird berichten. Niko Alm und ich haben der Redakteurin am Dienstag Interviews gegeben. Am Mittwoch steht ein Interview für die ORF-Sendung "Orientierung" an. Für drei Plakate eigentlich eine Menge Aufmerksamkeit.

Sie hängen!

PassantenSeit heute hängen sie. Die Sujets der Atheistenkampagne in Wien. Auf drei City Lights in der Bundeshauptstadt sind Slogans wie „Es gibt keinen Gott. Gutes tun ist menschlich. Auf uns kommt es an“ oder „Gott ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein tschechischer Schlagersänger. Entspann dich. Er wird dir nichts tun“ zu lesen. Die Proponenten der Kampagne zeigen sich erleichtert, dass nach den Konflikten der vergangenen Wochen die Sujets hängen - und erfreut, dass die Kampagne auf großes Medienecho gestoßen ist

Mariahilferstraße 1A, vor einem der drei City Lights mit den Sujets der Atheisten-Buskampagne. Zahlreiche Mitglieder der Vereine Freidenkerbund, AG-ATHE und AHA sind zur Präsentation der Sujets gekommen. Niko Alm, Geschäftsführer der Agentur Super-Fi, die die Kampagne kostenlos abwickelt, hat fast dauernd irgendein Mikrofon vor dem Gesicht um interviews zu geben. JournalistInnen von Wienweb.at, ATV, Okto, Ö1 etc. sind gekommen.
Interview-Alm
Auch von der Facebook-Gruppe "Für ein laizistisches Österreich" sind einige Mitglieder gekommen.
http://www.facebook.com/editpicture.php?success=1#/group.php?gid=81456871081

Die Stimmung ist locker. Die Mitglieder der verschiedenen Vereine scherzen, Passanten fragen nach, Autoaufkleber werden ausgeteilt, Visitkarten und e-mail-Adressen ausgetauscht.
Niko_Rudi
Luksan_Alm1
Beliebtes Fotomotiv: Mein T-Shirt mit den Original-Slogans, das ich bei der britischen Kampagne bestellt habe.
Moi

„Wir freuen uns, dass die Kampagne auf so große öffentliche Aufmerksamkeit stößt“, sagen Martin Luksan (Freidenkerbund) und Karl Linek (AHA). „Das zeigt, dass das Thema Atheismus öffentlich wahrgenommen wird. Immerhin CityLightleben in Österreich eine Million Menschen ohne Religionsbekenntnis. Andererseits zeigt die große Aufregung, dass es immer noch nicht gesellschaftlich akzeptiert ist, wenn jemand sagt, dass er nicht an Gott glaubt. Das ist immer noch ein Tabu-Thema, hier gibt es immer noch Diskriminierung“.

Werberat bleibt Kritik nicht erspart
Wie groß das Tabu ist, zeigt der Werberat. Der hatte die Sujets der Atheisten-Kampagne zum Anlass genommen, um sich für politische Kampagnen zuständig zu erklären. "Es hat in der jüngsten Vergangenheit Beispiele gegeben, wo man Menschen absichtlich beleidigt und gegeneinander ausgespielt hat. Für Abendland in Christenhand hat sich der Werberat nicht zuständig gefühlt. Wenn wir öffentlich sagen, es gibt keinen Gott, gibt man uns zu verstehen, dass man uns gnadenhalber Religionsfreiheit zuspricht – aber nur, solange sich niemand beleidigt fühlt. Das kommt uns etwas scheinheilig vor“, sagt Luksan.

Eigenartig sei auch, dass die Religionsgemeinschaften gelassener darauf reagierten als der Werberat. „Die wollen natürlich vermeiden, uns zu viel Widerstand entgegenzusetzen, weil uns das Aufmerksamkeit und Sympathien bringen würden. Dass da der Werberat sprichwörtlich päpstlicher sein will als der Papst, mutet eigenartig an“. Wenn sich das Gremium für derartige Werbekampagnen zuständig fühle, solle es in Zukunft auch auf die Kampagnen von Religionsgemeinschaften Acht geben: „Wir werden sicher keine Beschwerde einlegen sondern höchstens darauf hinweisen, dass da ein religiöses Märchen verbreitet wird. Aber ich wäre mir nicht sicher, ob nicht einige Angehörige anderer Religionen genauso intolerant sind wie manche Katholiken und sich vor den Kopf gestoßen fühlen“.
Fotos: Anna Paseka
http://www.buskampagne.at

Breite Unterstützung für Buskampagne

gewista_buskampagne_90526Bisher ist kein einziger Bus mit den Slogans von http://www.buskampagne.at gefahren. Das haben die Wiener Linien nicht gewollt. Dennoch stößt die Kampagne auf breite Zustimmung, heißt es von den beteiligten Organisationen.

„Wir bekommen Mails von Menschen aus ganz Österreich, die nicht verstehen, warum wir die Sujets nicht auf Bussen der Wiener Linien anbringen durften", sagen Erich Eder (AG-ATHE), Martin Luksan (Freidenkerbund) und Karl Linek (AHA)

„Die Motive unserer Unterstützerinnen und Unterstützer sind breit. Da gibt es Atheistinnen und Agnostiker, die sich freuen, dass sich jemand öffentlich dazu bekennt, nicht an Gott zu glauben. Anderen geht es um demokratische Gleichberechtigung. Sie treten für unser Recht ein, im öffentlichen Raum präsent zu sein, ob das jetzt auf den Wiener Bussen ist oder nicht. Und das sind nicht nur Menschen, die nicht an Gott glauben“, fassen die Proponenten zusammen.

Gertraud Knoll, Bezirksvorsitzende der SPÖ Alsergrund, etwa sieht die Kampagne als Beitrag zu einer Debatte über Ethik und ihren Ursprung im öffentlichen Raum: „Humanität ist keine Gottesfrage. Kein Dazu-Gehören wo auch immer garantiert ein besseres Menschsein! Dass der Mensch dem Menschen ein Wolf sein kann, ist ausreichend durch unheilige Beispiele belegt. Dass wir aber auch friedvoll plurale Demokratien weiter entwickeln können, müssen wir erst beweisen!” Der Physiker Heinz Oberhummer identifiziert sich mit der atheistischen Botschaft: „Zensur war schon immer die Methode um die Kirche vor Wissen zu schützen. Sie ist die letzte Barriere um das Licht der Aufklärung in die Verliese des Glaubens zu bringen.” Prominente Unterstützungserklärungen gibt es auch vom Autor und Journalisten Robert Misik, vom grünen Nationalratsabgeordneten Harald Walser und der Wiener Gemeinderätin Tanja Wehsely von der SPÖ. „Und nicht zu vergessen, die vielen Blogs wie http://www.feuerhaken.org und Initiativen wie auf Facebook und StudiVZ, wo es Zustimmung zu der Idee gibt“, heißt es von den Organisationen.

Taxi-Unternehmer bietet seine Taxis als Werbefläche an
„Bei uns hat sich auch der Wiener Taxi-Unternehmer Martin Slunsky gemeldet, der uns spontan seine Taxis als Werbefläche angeboten hat, als er erfahren hat, dass wir nicht auf die Wiener Linien dürfen“, schildern die Proponenten. „Das hat uns positiv überrascht.“ Und: „Bei uns haben Leute aus Oberösterreich und der Steiermark angefragt, wie sie uns unterstützen können. Wir wissen gar nicht mehr, wie viele Leute das Sujet auf ihre Autos kleben wollen, sobald wir die Autoaufkleber fertig haben“.

Bald T-Shirts mit Slogans?
Auch über T-Shirts werde nachgedacht. „Die Nachfrage ist überraschend groß“.
„Gleichzeitig haben wir Mails von Menschen bekommen, die schreiben: Toll, dass ihr das macht und ich kann mich damit identifizieren. Aber leider kann ich mich beruflich nicht exponieren“, heißt es von den Proponenten. „Das zeigt, wie notwendig unsere Kampagne ist.“

Grüne unterstützen Laizismus-Initative

Logo Die GruenenDie Landesversammlung der Grünen in Wien hat sich am Sonntag weitgehend für ein laizistisches Österreich ausgesprochen. In einer Resolution fordern sie, dass alle Privilegien von Religionsgemeinschaften abgeschafft werden, die den Menschenrechten widersprechen.

Die Grünen treten unter anderem mehr oder weniger offen dafür ein, dass der konfessionelle Religionsunterricht abgeschafft wird. Alle schulpflichtigen Kinder haben das Anrecht auf einen dogmatikfreien Weltreligionen- und Weltanschauungsunterricht (”Ethikunterricht”), ungeachtet ihrer weltanschaulichen, konfessionellen oder geographischen Herkunft. Konfessioneller Religionsunterricht sollte nicht Aufgabe des Staates sein, heißt es in der Resolution.

In der Resolution, die die AG-ATHE verfasst hatte, hat sich die Landesversammlung der Wiener Grünen auch dafür ausgesprochen, dass Religionsfreiheit auch Freiheit von Religion bedeutet und dass Atheismus und Agnostizismus Weltanschauungen sind, die gegenüber religiösen Weltanschauungen nicht benachteiligt werden dürfen.

Ein wichtiger Schritt. Bleibt zu hoffen, dass sich die Wiener Grünen bundesweit durchsetzen. Und, dass diese Sicht der Dinge bald von anderen Parteien geteilt wird. Das Thema Laizismus ist wieder Gegenstand der politischen Debatte. In einer Zeit, in der über Religionszugehörigkeiten rassistische Politik gemacht wird, ist das dringend notwendig.

Den Antrag findet ihr hier:
http://www.ag-athe.at

Unterstützung für Buskampagne

gewista_buskampagne_90526Die Unterstützung für die atheistische Buskampagne wird immer breiter. Nur ein Beispiel von vielen aufmunternden Statements ist auf http://www.feuerhaken.org zu finden. Thomas hat dort - auf meine Anregung hin - festgehalten, warum er die Kampagne für eine gute Idee hält.

…weil Religion nicht den öffentlichen Diskurs kontrollieren und bestimmen darf
…weil niemand Gott bewiesen hat
…weil “verletzte religiöse Gefühle” genauso Privatsache sind, wie verletzte “ästhetische Gefühle” verursacht durch eine hässliches Haus oder verletzte “intellektuelle Gefühle” wegen öffentlich zur Schau gestellter Dummheit oder verletzte “humanistische Gefühle” wegen Papst Benedikt, etc…
…weil ich auch religiöse Symbole und Werbung im öffentlichen Raum aushalten muss
…weil es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott gibt
…weil Meinungs-, Rede- und Informationsfreiheit fundamentale Menschenrechte sind und es wichtig ist, dass diese auch in Anspruch genommen werden
… weil Atheisten in Österreich bisher kaum wahrgenommen wurden
… weil mir der Gedanke, sich mehr um die Menschen als um einen möglichen Gott zu kümmern, gefällt
… weil Gott es so will (Totschlagargument, unwiderlegbar, allmächtig)

Nachzulesen auf: http://www.feuerhaken.org

Dort findet sich übrigens auch ein herrlicher Kommentar auf das Urteil gegen Peter Westenthaler, den man seit Donnerstag als gerichtlich verurteilten Lügner bezeichnen darf.
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