Gewalttätige Türken
Ein Mann versucht, seine Frau umzubringen. Das Urteil fällt milde aus. Ihm wird angerechnet, dass er in der Türkei geboren worde. Analyse eines Justizskandals.Offenbar sind Türken von Natur aus gewalttätiger. Oder wenigstens macht sie ihre Kultur dazu. Dieser Meinung ist man am Landesgericht Wien. Der Migrationshintergrund des Täters weise auf dessen schwierige Lebenssituation hin, und dieser habe sich in einer "allgemein begreiflichen, heftigen Gemütsbewegung" befunden, zitiert ORF.at.
Vielleicht ist es dumm formuliertes Urteil. Ganz sicher weist es nicht auf eine große Sensibilität des Gerichts hin. Das Urteil erklärt Migranten, vor allem Türken, zu Männern, denen leicht mal die Sicherung durchbrennt und bei denen man es irgendwie begreifen kann, dass sie in ihrer Rage zum Messer greifen. Das Urteil erklärt Migrantinnen de facto zum Freiwild. So stellt man sich Justiz auch nicht vor.
Türken haben kein Monopol auf Diskriminierung von und Gewalttätigkeit gegen Frauen. Beides kommt leider in allen patriachal geprägten Kulturen vor. In wechselndem Ausmaß vielleicht. Und in manchen Kulturen sind Dinge vorstellbar, die bei uns trotz aller Widrigkeiten undenkbar geworden sind. Ja. Nur, was hat das mit der österreichischen Justiz zu tun? Warum wird eine Frau besser geschützt als eine andere? Warum der Mann mit einer Herkunft als per se gewalttätiger beurteilt als ein anderer? Oder liegt es daran, dass dieses Gericht Gewalt gegen Frauen für generell verständlicher hält? Dass man es für irgendwie OK findet, wenn ein Mann wegen einer Scheidung ausrastet?
Egal. All diese Gründe sind abzulehnen. Wenn ein Mann sich nicht im Griff hat, wird er schon eine Ausrede finden. Sei es ein schweres Leben, sei es seine Herkunft, sei es seine Religion. Es sei ihm unbenommen, sich die Welt zurechtzulügen. Vor Gericht hat das nicht zu zählen. Die Schöffen, Geschworenen, Richterinnen und Richter haben danach zu urteilen, was passiert ist. Und nicht danach, welche Eigenschaften man irgendwelchen Angeklagten mit irgendeiner Herkunft zuschreibt. Milderungsgründe können nur solche sein, die theoretisch für alle gelten. Ebenso Gründe, die die Strafe verschärfen könnten. Alles andere untergräbt den Rechtsstaat. Alles andere diskriminiert. Oder ist, wie in diesem Fall, zutiefst rassistisch.
In Wahrheit verwehrt das Urteil nicht nur Migrantinnen den gleichen Schutz wie Österreicherinnen. Es kriminalisiert auch Migranten und suggeriert, dass Menschen mit Migrationshintergrund kulturbedingt gewalttätiger sind. Einen Nachweis dieser mehr als gewagten These liefert es nicht.
In Österreich wird jede dritte Frau in ihrem Leben Opfer von Gewalt. Jede verdient den gleichen Schutz. Egal, wo sie herkommt. Entschuldigungen für die Gewalttäter darf es nicht geben. Egal, wer sie sind und woher sie kommen.
von Christoph Baumgarten
am 20. Januar







