Tag: Freidenkerbund

Die Geister, die sie riefen

3531827660_eec1476d42_bZwischen FPÖ und katholischer Kirche herrscht dicke Luft. Ein FPÖ-Hinterbänkler kritisiert in einem Offenen Brief Christoph Schönborn. Der hatte FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz kritisiert.

Schönborn solle "sich besser um warme Brüder, Klosterschwuchteln und Kinderschänder kümmern, statt eine 10-fache Mutter verbal anzugreifen, die ihre Kinder behütet, beschützt und zu anständigen Menschen erzogen hat." Werner Königshofer, FPÖ-Hinterbänkler im Nationalrat lässt es an Deutlichkeit kaum mangeln. Schönborn hatte seinen Zorn auf sich gezogen, als er Barbara Rosenkranz deutlich kritisierte. Er "soll sich ein bissl zurückhalten und über Dinge in seinem Bereich nachdenken und sich nicht dort einmischen", schreibt Königshofer in seinem Offenen Brief, der unter anderem der Onlineausgabe des Standard vorliegt.

Königshofer pocht auf die "Trennung von Staat und Kirche". Wobei er wenige Zeilen davor schreibt: "Als Katholik halte ich Ihre Einmischung in den angehenden Bundespräsidentenwahlkampf nicht nur für unzulässig sondern auch für peinlich und beschämend." Es scheint schwer zu sein, sich zu entscheiden, auf welcher Seite der Trennlinie zwischen Kirche und Politik man gerade steht.

Abgesehen von der indiskutablen Beschimpfung Homosexueller ist es gerade für einen Freidenker nicht einfach, solche Vorgänge zu beurteilen. Falsch ist, Königshofer vorzuwerfen, er beschimpfe die katholische Kirche. Das wäre aus freidenkerischer Sicht egal. Er diffamiert Homosexuelle und wirft sie in einen Topf mit Kinderschändern. Das ist menschenverachtend und abzulehnen. Und es richtet sich von selbst und bedarf keiner freidenkerischen Kommentare.

Schwieriger wird die Frage, ob sich die FPÖ über kirchliche Wortmeldungen beschweren darf. Bedenkt man die freiheitlichen Annäherungen der vergangenen Jahren, muss man sagen: Nein, sie darf nicht. Darf sich ein Kleriker in die Tagespolitik einmischen? Nein, sollte er auch nicht. Nur: In diesem Fall würde Schönborn von der FPÖ zu einer Stellungnahme herausgefordert. Das macht die Beurteilung nicht gerade einfacher.

Bumsti Strache hatte selbst Barbara Rosenkranz als Angebot für "christliche Wähler" bezeichnet. Ein offenkundiges Betteln um eine Wahlempfehlung von rechtskatholischen Kreisen. Eine Aufforderung an den Klerus, sich in die Tagespolitik einzumischen. Wenn die Einmischung anders ausfällt, als man gerne hätte, darf man sich weder wundern noch groß aufregen. Zumal weder Rosenkranz noch ihre Kinder Mitglieder der katholischen Kirche sind. Die letzten Reste der früheren antiklerikalen Bewegung der FPÖ. Da wundert sich nicht einmal ein Freidenker, dass ein katholischer Kardinal widerspricht. Wobei es legitim ist, nachzudenken, ob Schönborn sich auch zu Wort gemeldet hätte, wenn Rosenkranz so katholisch wäre wie Strache glauben machen wollte.

Die Geister, die sie riefen

Die FPÖ ruft seit Jahren die klerikalen Geister an. Sei es, dass man "Abendland in Christenhand" plakatiert, sei es, dass Strache den Katholizismus zur patriotischen Pflicht und zur einzig möglichen Abwehr gegen eine imaginierte Türkenbelagerung hochstilisiert, das Kreuz in der Hand wie der Schutzpatron des Austrofaschismus, Marco d'Aviagno.

Dass Kreuze in Schulklassen und der Religionsunterricht geschützt werden, versteht sich von selbst. Bei solchen Gelegenheiten ruft man auch gerne nach der Unterstützung der Kirche. Zwischen katholischem und freiheitlichem Vokabular liegen da bestenfalls Nuancen. Da will man sogar Leute strafen, die Kreuze nicht anbeten wollen. Da will man auch mal den Atheisten den Mund verbieten, wenn sie öffentlich sagen wollen, dass es Gott nicht gibt. Auch in der Abtreibungsfrage biedert sich die FPÖ an die katholische Kirche an.

Sehr ernst nimmt es die FPÖ nicht mit der Trennung von Staat und Kirche. Und verletzt die Kirche mal ihrerseits die Trennlinie, schreit man "Haltet den Dieb". Die FPÖ muss selbst schauen, wie sie die Geister des Klerikalismus los wird, die sie gerufen hat. Ein kleiner Tipp: Sie könnte sich am Kampf gegen kirchliche Privilegien wie Steuerbefreiung beteiligen, gegen religiöse Symbole in öffentlichen Räumen auftreten und mithelfen, den konfessionellen Religionsunterricht abzuschaffen. Das geht natürlich nur, wenn sie auf ihren vagen Kulturbegriff verzichtet, der die Religion zur Essenz allen Seins erklärt. Übrigens durchaus in Einklang mit der katholischen Kirche. Sonst ist die FPÖ als laizistische Partei in etwa so glaubwürdig wie Barbara Rosenkranz als Vorkämpferin gegen den Neonazismus.

Dieser Beitrag ist auch auf freidenkerbund.at erschienen.

Österreichs AtheistInnen fordern Entschuldigung von Finanzminister Josef Pröll

Proell2Österreichs atheistische und humanistische Organisationen fordern umgehend eine Entschuldigung von Finanzminister und Vizekanzler Josef Pröll für seine Aussagen im „Kurier“ vom Mittwoch. Dort hatte der ÖVP-Obmann die Rechte von AtheistInnen wörtlich als „pervers“ bezeichnet. Diese Aussagen seien für ein amtierendes Regierungsmitglied ungeheuerlich und menschenverachtend.

„Von Heinz Christian Strache und Gerhard Dörfler ist man eine derartige Wortwahl gewohnt, auch von Erwin Pröll. Dass jetzt auch ein amtierender Finanzminister und Vizekanzler auf ein derart menschenverachtendes und beleidigendes Niveau heruntersinkt, überrascht und irritiert“, kommentieren die Vorsitzenden Österreichs atheistischer und humanistischer Vereine die Aussagen Josef Prölls, das Recht von AtheistInnen, von Religion in öffentlichem Raum verschont zu bleiben, sei pervers. „Offenbar hat man bei den Parteien rechts der Mitte ein Problem mit dem Rechtsstaat und dem gesunden Menschenverstand.“ Vor wenigen Tagen hatte der Onkel des Finanzministers, der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll, noch mit der Bemerkung provoziert, so lange er Landeshauptmann sei, würden die Kreuze in den Klassenzimmern bleiben – egal, ob es ein Urteil des EGMR gebe oder nicht.

„Die Aussagen des Neffen übertreffen das tiefe Niveau des Statements des Onkels bei weitem. Das Urteil des EGMR ist eindeutig: Kreuze in Schulklassen widersprechen den Menschenrechten. Wer das als pervers bezeichnet, hat offenbar den Sinn von Menschenrechten nicht verstanden“, sagen Theo Maier (Freidenkerbund), Erich Eder (AG-ATHE), Karl Linek (AHA) und Niko Alm (Giordano Bruno-Stiftung). „Was kommt als nächstes? Will Pröll konfessionsfreie Kinder in den Religionsunterricht zwingen? Oder AtheistInnen zwingen, den Kirchenbeitrag zu zahlen? Ist es für ihn vielleicht überhaupt pervers, dass man aus einer Religionsgemeinschaft austreten darf?“

Jedenfalls wisse man, was vom liberalen Image der ÖVP zu halten sei. „Mit dieser Aussage reiht er sich nahtlos in die Tradition der Kampfkatholiken der Ersten Republik ein. Gut, dass wir das Recht, aus Religionsgemeinschaften auszutreten, schon erkämpft haben.“ Das Ziel der Entgleisung sei klar. „Hier sollen wieder einmal Menschen gegeneinander aufgehetzt werden. In dem Fall Konfessionsfreie gegen Mitglieder von Religionsgemeinschaften.“

Pröll muss sich bei zwei Millionen Menschen entschuldigen

„Auch die Begründung, warum die Kruzifixe für Pröll in den Klassen bleiben müssen, spricht von Ahnungslosigkeit. Offenbar hält Pröll das ursprünglich von den Klerikalfaschisten ausgehandelte Konkordat für sakrosankt. Dass man mit bilateralen Verträgen Menschenrechte nicht nach Belieben aushebeln kann, hat er offenbar noch nicht verstanden“.

Pröll solle zur Kenntnis nehmen, dass in Österreich fast zwei Millionen Menschen leben, die keiner Konfession angehören. „Auch diese Menschen haben Rechte. Der Obmann einer Regierungspartei wäre gut beraten, das zu akzeptieren. Diesen Menschen schuldet er eine umgehende Entschuldigung,“ sagen Maier, Eder, Linek und Alm.

Die neue FreidenkerIn ist da!

Cover03_09
Die neu gestaltete FreidenkerIn ist da! Wir haben die Ausgabe 03/09 runderneuert: Neues Team, neue Inhalte und neues Aussehen. Hier gibt's die Zeitschrift exklusiv zum Download - als Bonus noch dazu in Vollfarbe. Die Printausgabe (im Kern weiter schwarz-weiß) wird erst in den nächsten Tagen zugestellt.

FreidenkerIn-pdf (3,095 KB)
Herzlichen Dank an alle Gäste der gestrigen Präsentationsparty - und vor allem an Anna Paseka, Sepp Zaunegger und Rony Bilik, meine Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion und an Layouter Paul Felder. Sie haben den Neustart dieser traditionsreichen Zeitschrift ermöglicht. Dank auch an Karl Linek von der AHA, der das Foto einer jungen Demonstrantin gemacht hat, das zeigt, worum es bei der Abtreibungsdebatte geht: Um das Recht auf Selbstbestimmung.
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Die neue Homepage des Freidenkerbunds wird auch in den nächsten Tagen online gehen.

Einen kleinen Erfolg gibt's auch in einer weiteren Sache zu berichten: Die Facebookgruppe "Für ein laizistisches Österreich" wächst. Wir haben mittlerweile knapp 350 Mitglieder.

Märchenstunde in St. Pölten

Die Diözese St. Pölten begibt sich einmal mehr in die Arme der Reichen und Mächtigen. Gesponsert unter anderem von Raiffeisen und NÖN lässt Opus-Dei-Mitglied Klaus Küng eine Propagandawelle auf Plakaten anlaufen. Im Unterschied zur Atheisten-Kampagne bleibt der Aufschrei aus. Obwohl hier wesentlich mehr Fragen offen sind.

Gottesbeweise sind so eine Sache. Sie funktionieren nur, wenn man von vornherein an Gott glaubt. ... wenn Du Deinen Atem spürst. Ich bin immer da. Gott. Solche und ähnlich dumme Sprüche lässt die katholische Kirche im Gebiet der Diözese St. Pölten plakatieren. Mehr als 400.000 Euro ist die Kampagne wert. Die Kirche zahlt keinen Cent.

Man kann es sich richten, wenn man befreundete Konzerne und verlängerte Arme hat. Die finanzielle Hauptlast tragen Raiffeisen und NÖN. Beide nicht als Horte progressiven Gedankenguts bekannt, beide mit deutlicher ÖVP-Schlagseite. Beide mit Naheverhältnis zur katholischen Kirche.

Der mediale Aufschrei bleibt aus. Mag sein, dass niemand die Slogans von Klaus Küng ernst nimmt. Oder dieses Land ist wirklich so verzopft, wie es unsere Atheismus-Kampagne den Anschein hat. Die gleichen Medien, die uns damals faktenwidrig und tendenziell rufschädigend "böse Geschäftemacherei" vorgeworfen hatten, begleiten die katholische Propaganda-Aktion freundlich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Strukturelle Diskriminierung
Die katholischen Missionierungsplakate aus dem Fundi-Eck stoßen allerdings nicht auf allzu große Aufmerksamkeit. Insofern weit ineffizienter als die drei (!) Plakate, die wir auf eigene Kosten in Wien haben anbringen lassen. Im Unterschied zu unserer Kampagne will die Kirche auch nicht darauf aufmerksam machen, dass ihre Mitglieder gesellschaftlich diskriminiert werden. Sie will ihre Kerngruppen mobilisieren und wenn möglich, mehr Menschen als bisher in die chronisch leeren Kirchen treiben. Anders ist der Titel "Aufbruchkampagne" auch nicht zu verstehen.

Die Finanzierung beweist einmal mehr, dass kleine Weltanschauungsgemeinschaften in Österreich strukturell diskriminiert werden. Für uns hat niemand 400.000 Euro locker gemacht. Die Kampagne finanziert sich ausschließlich aus Beiträgen der Vereine AG-ATHE, AHA und Freidenkerbund sowie aus Spenden. Ein überschaubares finanzielles Potential. Großspender, die sich als Atheisten hätten outen wollen, gibt es keine. Auch keine, die mit ihrem Geld eine Debatte über den Ursprung von Ethik und Moral hätten initiieren wollen. Klaus Küng schnippt mit dem Finger und das Geld ist da. Mit den Milliarden, die die katholische Kirche jährlich vom Steuerzahler bekommt, kommt er offenbar nicht aus. Die einzigen öffentlichen Zuwendungen, die unsere Vereine bekommen, sind die Publizistikförderungen für unsere Vereinszeitschriften. Die Summen sind überschaubar und die kriegt wirklich jeder.

Das soll kein Lamento über uns arme Atheisten sein. Anderen Gemeinschaften mit nachvollziehbaren gesellschaftspolitischen Anliegen geht es nicht viel besser. Flüchtlingshilforganisationen, Menschenrechtsorganisationen, die Homosexuellenbewegung - sie bekommen zusammen einen Bruchteil der 2,5 Milliarden Euro, die Religionsgemeinschaften jährlich an direkten und indirekten Zuwendungen von Bundes- und Landesregierungen und Gemeinden erhalten. Sie sind auch nicht mit Sondergesetzen wie den Paragrafen 188 und 189 des österreichischen Strafrechts geschützt. Homophobe oder rassistische Äußerungen müssen ziemlich aus dem Rahmen fallen um ein Fall für den Strafrichter zu werden, Atheisten darf man überhaupt so gut wie ungestraft verunglimpfen. Bei Religionsgemeinschaften ist der Rahmen wesentlich enger gesteckt. Wir sind schon froh, dass gegen die Atheisten-Kampagne niemand Anzeige wegen der Verletzung religiöser Gefühle erstattet hat. Eine Verurteilung wäre aufgrund des Gummiparagrafen durchaus möglich, wenn auch unwahrscheinlich. Selbst Strafrichter gehen gelegentlich mit der Zeit. Mit diesen Parolen haben wir unseren Rahmen an rechtlich zulässigen Äußerungen aber schon so ziemlich ausgeschöpft.

Die Republik bevorteilt systematisch eine Art der Überzeugung (die ich jedem persönlich gerne zugestehe) gegenüber jeder anderen. Das ist aktive Diskriminierung. Eine Art von Diskriminierung, die sich auf gesellschaftlicher Ebene fortsetzt. Wie die Kampagne der katholischen Kirche beweist. Für einen nicht nachweisbaren gesellschaftlichen Nutzen wie eine Missionierungskampagne werden große Summen locker gemacht. Niemanden stört es. Aber wehe, jemand ruft laut: "Es gibt keinen Gott. Werte sind menschlich. Es liegt an uns". Eine laizistische Gesellschaft sieht anders aus.

Atheisten-Kampagne in "Orientierung"

Unsere Atheisten-Kampagne hat es auch ins ORF-Religionsmagazin "Orientierung" geschafft. Klaus Ther hat einen sehr ausgewogenen, nachdenklichen Beitrag gestaltet. Bereichert unter anderem von Robert Misik.

Göttlicher Urin

AutoUroPProvokation oder ernst gemeint? Diese Frage habe ich mir bei einigen Leserbriefen gegen die Atheisten-Kampagne und den wenigen negativen Rückmeldungen an Niko Alm oder mich öfter gestellt. Beim jüngsten Protestmail sind die Grenzen zwischen ernst gemeintem und unfreiwilliger Komik so verwischt wie beim BZÖ.

Sehr geehrter Herr Alm!

Nach den unnötigen Anti-Gott-Plakaten - kein normaler Mensch kann an der Existenz Gottes zweifeln! - sollten Sie diesen Sündenfall vergessen machen durch eine Werbe-Kampagne für die Urintherapie. Das wäre einmal wahre Innovation, statt überflüssige Provokation.
Laut der mir vorliegenden Fachliteratur (20 Bücher) kann man mit dem eigenen Urin nahezu alle Krankheiten heilen. Von der einfachen Erkältung bis hin zu Krebs.

Ich trinke seit 1.1.2000 täglich 1 Glas Morgenurin. Ich mache das vor-
beugend, um gesund zu bleiben und es funktioniert. Ich bin nie im Krankenstand und immer gesund (mit der Urintherapie stärkt man optimal das Immunsystem). Die Urintherapie hat ihre Wurzeln in der Vergangenheit. Deshalb wird sie auch eine Zukunft haben.
Im November 2009 findet übrigens in Mexiko die 5. Weltkonferenz für Urintherapie statt.

Hier kommt 1 Gedicht.

DAS GOLDENE GLAS

Die Alten wußten, daß eine Wunde
am besten heilt, wenn man sie
mit Urin behandelt. Die Alten hatten
keine Pharmaindustrie
wie wir sie heute haben.
Sie haben andere Mittel verwendet.
Sie haben sich unter anderem
auch mit ihrem Urin geheilt.

Ich werde es nicht mehr erleben,
aber vielleicht hängen eines Tages
Plakate in Wien
auf denen von der Heilkraft des Urin
die Rede ist,
auf denen Werbung gemacht wird
für die Urin-Therapie.

Finanziert von Leuten,
die Geld genug haben
und die mit dieser Werbung
nichts verdienen wollen.

Finanziert von Idealisten,
die wissen, daß der Urin
kein Abfall sondern ein Wertstoff ist
mit dem man viele Krankheiten
nicht nur in den Griff bekommen
sondern auch heilen kann.

A. Z.

Fairerweise muss man sagen: Dass die Urintherapie keine Auswirkungen auf die geistige Gesundheit hätte, hat der verhinderte Poet nicht behauptet.

Die Aufmerksamkeit für unsere Kampagne hat übrigens erste Erfolge gezeitigt: Wir haben jetzt ausreichend Spenden, um sie ein Monat lang weiterlaufen zu lassen. Mit etwas Glück kommt so viel Geld herein, dass wir sie in bescheidenem Ausmaß auf andere Städte ausdehnen können. Herzlichen Dank den Spendern.

Unterstützung für eine Million Menschen

CityLightAlt aber gut. Robert Misik hat anlässlich unserer Atheisten-Kampagne in seinem Archiv auf http://www.misik.at nachgeschaut. Eine der ersten Folgen von FS Misik (Folge 19) hat sich mit unserem Anliegen beschäftigt.



Eine Million Konfessionsloser leben in Österreich. Eine Gruppe, die im öffentlichen Raum so gut wie nicht auftritt. Es gilt als unschicklich, keiner Religion anzugehören. Zumindest aus anderen als aus "profanen" Grünen wie Scheidung oder Kirchenbeitrag. Wer aus Überzeugung o.r.B auf den Meldezettel schreibt, gilt als Sonderling. Wenn er oder sie das offen ausspricht. Und das als organisierte Gruppe zu tun, ist sowieso pfui. Zumindest präventiv.

Die Atheisten-Kampagne ist vor allem auf Widerstand von Menschen gestoßen, die sich nicht unmittelbar angesprochen fühlen muss. "Es gibt keinen Gott" - das könnte Menschen verletzen und dürfe nicht auf Bussen angebracht werden. Heißt es übereinstimmend aus Wien, Graz und Innsbruck. Der Werberat hat das ähnlich gesehen und der Kampagne mit knapper Mehrheit "Religionsfreiheit" zuerkannt. Ein Auftritt in der Morning Show von 88,6 war von den ähnlichen Gedankengängen des Moderators Hary Raithofer geprägt. Das Gratisblatt "Heute" hat in fünf (!) aufeinanderfolgenden Tagen gegen die drei atheistischen Plakate kampagnisiert. Heute erstmals ohne Leserbriefe.

Kaum negative Rückmeldungen
Als Presseverantwortlicher der Kampagne hab ich viele Rückmeldungen bekommen. Praktisch ausschließlich positive. Mit Ausnahme eines eher wirren e-mails, das ich auch hier kommentiert habe. Und dann gab's noch einen User, der auf dem Blog seine Spuren hinterließ und mich mit seiner Sturheit und offenkundigen Beschränktheit zu für meine Verhältnisse unhöflichen Repliken nötigte. In Summe nichts im Vergleich zu den Leserbriefen in "Heute".

Auch die Religionsgemeinschaften haben ruhig reagiert. Ich vermute eher aus Kalkül denn aus innerer Überzeugung. Ich vermute, wir sind denen emotional wurscht, um es ganz deutlich zu sagen. Nur, selbst Theologen wissen: Es ist besser, der Kampagne nicht zu viel Aufmerksamkeit durch künstliche Aufregung zu schenken. Und zweitens nützt die Kampagne ihnen, die wenigen wirklich religiösen Menschen an sich zu binden. Wirklich beleidigt sind höchstens ein paar sehr empfindsame Wesen. Aber nur, weil sie beleidigt sein wollen.

Die Gefühle der anderen
Der größte Widerstand kommt von denen, die die "religiösen Gefühle" anderer verteidigen wollen. Von Menschen, die sie nicht kennen. Die in ihren Köpfen bestenfalls als Vorstellungen vorhanden sind. Vage Bilder eines imaginierten Gefühls. Nicht des eigenen. Des einer anderen Person.

"Religiösen Gefühlen", zumal denen anderer, wird sehr viel Bedeutung zugemessen in Österreich. Sie sind besser geschützt als alle anderen Gefühle. "Religiöse Gefühle", sagt der Gesetzgeber, sind mehr wert als humanistische Überzeugung, als Respekt vor dem anderen ungeachtet der Herkunft, Hautfarbe oder der anderen künstlichen Unterscheidungsmerkmale, die wir geschaffen haben. Mehr wert als Liebe. Mehr wert als das Selbstwertgefühl. Mehr wert als ein Geborgenheitsgefühl.

Das macht der Gesetzgeber mit dem Paragrafen 188 deutlich, dem so genannten Blasphemieparagrafen. Eine Bestimmung, die selbst Richter als im Kern antidemokratisch erkennen. Verurteilungen nach diesem Paragrafen gibt es - glücklicherweise - kaum. Einzig Susanne Winter fällt mir ein. Und so sehr ich ihre Verurteilung wegen Verhetzung für richtig befinde, so sehr lehne ich ihre Verurteilung nach dem Unrechtsparagrafen 188 ab.
http://www.sbg.ac.at/ssk/docs/stgb/stgb188_191.htm#188

Das Beispiel Winters zeigt deutlich, wie obsolet der 188er ist. Sie wurde auch wegen Verhetzung verurteilt. Jede Strafbestimmung des Blasphemieparagrafen ist durch andere Paragrafen des allgemeinen Strafrechts abgedeckt. Dass er existiert, ist nur ein Sonderschutz für Religionsgemeinschaften. Der auch so ausgelegt werden kann, dass Religionskritik unmöglich wird. Die katholische Kirche versucht das regelmäßig.
http://noe.orf.at/stories/183984/
http://www.freidenker-oesterreich.at/Archiv/T451_susanna_winter.html

Dass das regelmäßig nicht funktioniert, ist dem Good Will von Staatsanwälten und Richtern geschuldet. Die sind - für ihre Verhältnisse - mit der Zeit gegangen. Am Gesetz liegt das nicht. Es ist und bleibt ein Gummiparagraf, mit dem alles und jedes verfolgt werden kann. Theoretisch auch die Atheisten-Kampagne. Ich denke, es wird eher eine Frage der Zeit sein, bis sich ein sensibler Frömmler beleidigt fühlt und den 188er auspackt um seine veletzten Gefühle zu rächen.

Theoretisch wäre der Paragraf natürlich auch auf andere Religionsgemeinschaften anwendbar. Nicht-Christen (vielleicht mit Ausnahme der Muslime) etwa könnten nachvollziehbar argumentieren, die Oster- und Weihnachtspropaganda der katholischen Kirche (Zu Weihnachten/Ostern ist Jesus Christus geboren/auferstanden) verletze sie in ihren religiösen Gefühlen und sei ob der apodiktischen Formulierung eine Herabwürdigung ihrer jeweiligen religiösen Lehren. Juden könnten mit Recht anführen, die wieder eingeführten Karfreitags-Fürbitten seien eine einzige Beleidigung. Seit dem Vorjahr dürfen katholische Priester in der Karfreitags-Messe wieder für die "treulosen Juden" beten. Wenn das keine Beleidung und Herabwürdigung ist, was dann?

Ich wäre durch diesen Paragrafen nicht geschützt. Als Atheist könnte ich schwerlich auf verletzte religiöse Gefühle pochen. Andererseits: Meiner Weltanschauung lässt der Gesetzgeber nicht den gleichen Schutz angedeihen. Aus gutem Grund: Ein ähnlicher Schutzparagraf für eine politische oder sonstige Weltanschauung wäre eine gefährliche Einschränkung der Meinungsfreiheit. Das ist auch der besondere Schutz durch den 188er.

Die halbe Welt braucht keinen Blasphemieparagrafen
Und, wer unbedingt glaubt, er sei notwendig: Die halbe Welt kommt ohne Blasphemieparagrafen aus, auch die zum Frömmeln neigenden USA. Selbst im katholischen Irland wurde er erst vor kurzem eingeführt. Möglicherweise als Entschädigung dafür, dass die katholische Kirche nach jahrzehntelangem, systematischem, Kindesmissbrauch den Opfern eine meist eher symbolische Entschädigung zahlen musste. Der zeitliche Zusammenhang ist bemerkenswert.

Atheistinnen und Atheisten wachgerüttelt
Ein Ziel hat unsere Kampagne erreicht. Sie hat viele Atheistinnen, Agnostiker, Humanistinnen und Laizisten wachgerüttelt. Wir haben viele Zuschriften von Menschen bekommen, die sich für die Kampagne bedanken. Die beteiligten Organisationen haben einen kleinen Mitgliederzuwachs. Erfreulicher Nebeneffekt, aber keinesfalls das eigentliche Ziel der Kampagne.

Einen gewissen Zulauf hat auch die Facebook-Gruppe "Für ein laizistisches Österreich". http://www.facebook.com/home.php?ref=home#/group.php?gid=81456871081
Seit dem ORF-Report vom Dienstag sind knapp 30 Mitglieder beigetreten. Atheismus und Laizismus sind keine Massenbewegungen. Insofern nicht schlecht.

Fernsehtipp
P.S.: Auch das ORF-Religionsmagazin "Orientierung" berichtet über die Kampagne. Sonntag, 12:30, ORF Zwei. Unter anderem mit Robert Misik und mir.

Atheisten-Kampagne im "Report"

Unsere Kampagne hat hohe Wellen geschlagen. Seitdem die Plakate hängen, hat es mehr als 100 Medien-Berichte gegeben. Die Tageszeitung "Heute" fährt eine Kampagne gegen uns. Und am Dienstag war die Kampagne Gegenstand eines Beitrags in der ORF-Sendung "Report".



Auch das ungarische öffentlich-rechtliche Fernsehen wird berichten. Niko Alm und ich haben der Redakteurin am Dienstag Interviews gegeben. Am Mittwoch steht ein Interview für die ORF-Sendung "Orientierung" an. Für drei Plakate eigentlich eine Menge Aufmerksamkeit.

Sie hängen!

PassantenSeit heute hängen sie. Die Sujets der Atheistenkampagne in Wien. Auf drei City Lights in der Bundeshauptstadt sind Slogans wie „Es gibt keinen Gott. Gutes tun ist menschlich. Auf uns kommt es an“ oder „Gott ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein tschechischer Schlagersänger. Entspann dich. Er wird dir nichts tun“ zu lesen. Die Proponenten der Kampagne zeigen sich erleichtert, dass nach den Konflikten der vergangenen Wochen die Sujets hängen - und erfreut, dass die Kampagne auf großes Medienecho gestoßen ist

Mariahilferstraße 1A, vor einem der drei City Lights mit den Sujets der Atheisten-Buskampagne. Zahlreiche Mitglieder der Vereine Freidenkerbund, AG-ATHE und AHA sind zur Präsentation der Sujets gekommen. Niko Alm, Geschäftsführer der Agentur Super-Fi, die die Kampagne kostenlos abwickelt, hat fast dauernd irgendein Mikrofon vor dem Gesicht um interviews zu geben. JournalistInnen von Wienweb.at, ATV, Okto, Ö1 etc. sind gekommen.
Interview-Alm
Auch von der Facebook-Gruppe "Für ein laizistisches Österreich" sind einige Mitglieder gekommen.
http://www.facebook.com/editpicture.php?success=1#/group.php?gid=81456871081

Die Stimmung ist locker. Die Mitglieder der verschiedenen Vereine scherzen, Passanten fragen nach, Autoaufkleber werden ausgeteilt, Visitkarten und e-mail-Adressen ausgetauscht.
Niko_Rudi
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Beliebtes Fotomotiv: Mein T-Shirt mit den Original-Slogans, das ich bei der britischen Kampagne bestellt habe.
Moi

„Wir freuen uns, dass die Kampagne auf so große öffentliche Aufmerksamkeit stößt“, sagen Martin Luksan (Freidenkerbund) und Karl Linek (AHA). „Das zeigt, dass das Thema Atheismus öffentlich wahrgenommen wird. Immerhin CityLightleben in Österreich eine Million Menschen ohne Religionsbekenntnis. Andererseits zeigt die große Aufregung, dass es immer noch nicht gesellschaftlich akzeptiert ist, wenn jemand sagt, dass er nicht an Gott glaubt. Das ist immer noch ein Tabu-Thema, hier gibt es immer noch Diskriminierung“.

Werberat bleibt Kritik nicht erspart
Wie groß das Tabu ist, zeigt der Werberat. Der hatte die Sujets der Atheisten-Kampagne zum Anlass genommen, um sich für politische Kampagnen zuständig zu erklären. "Es hat in der jüngsten Vergangenheit Beispiele gegeben, wo man Menschen absichtlich beleidigt und gegeneinander ausgespielt hat. Für Abendland in Christenhand hat sich der Werberat nicht zuständig gefühlt. Wenn wir öffentlich sagen, es gibt keinen Gott, gibt man uns zu verstehen, dass man uns gnadenhalber Religionsfreiheit zuspricht – aber nur, solange sich niemand beleidigt fühlt. Das kommt uns etwas scheinheilig vor“, sagt Luksan.

Eigenartig sei auch, dass die Religionsgemeinschaften gelassener darauf reagierten als der Werberat. „Die wollen natürlich vermeiden, uns zu viel Widerstand entgegenzusetzen, weil uns das Aufmerksamkeit und Sympathien bringen würden. Dass da der Werberat sprichwörtlich päpstlicher sein will als der Papst, mutet eigenartig an“. Wenn sich das Gremium für derartige Werbekampagnen zuständig fühle, solle es in Zukunft auch auf die Kampagnen von Religionsgemeinschaften Acht geben: „Wir werden sicher keine Beschwerde einlegen sondern höchstens darauf hinweisen, dass da ein religiöses Märchen verbreitet wird. Aber ich wäre mir nicht sicher, ob nicht einige Angehörige anderer Religionen genauso intolerant sind wie manche Katholiken und sich vor den Kopf gestoßen fühlen“.
Fotos: Anna Paseka
http://www.buskampagne.at

Österreichs Atheistinnen und Atheisten gratulieren Gott zum Geburtstag

wallpepa05Österreichs Atheistinnen und Atheisten gratulieren Gott zum Geburtstag. Stellvertretend für eine Million Konfessionsloser in Österreich würdigen die Vereine AtheistInnen und AgnostikerInnen für ein säkulares Österreich (AG-ATHE), Arbeitsgemeinschaft Humanismus und Atheismus (AHA) und Freidenkerbund in einer gemeinsamen Presseaussendungen die bisherigen Leistungen des Geburtstagskindes. „Wir verbinden schöne Kindheits- und Jugenderinnerungen mit ihm“. Den Vereinen sei es aber bewusst, dass Gott nicht unumstritten sei. Skandalös sei, dass er aus MTV verbannt wurde.

„Wer erinnert sich nicht an die Biene Maja?“, fragen Erich Eder (AG-ATHE), Karl Linek (AHA) und Martin Luksan (Freidenkerbund) anlässlich des 70. Geburtstags des tschechischen Schlagersängers Karel Gott. „Man muss nicht alle seine Schnulzen mögen, um sein Werk zu würdigen und vielleicht die eine oder andere schöne Erinnerung mit ihm zu verbinden“.


Skandalös sei, dass MTV seine neue Single „Für immer Jung“, die er gemeinsam mit Bushido aufgenommen hatte, nicht zeigen wollte. „Menschen dürfen nicht wegen ihres Alters diskriminiert werden“. Namens ca. 1 Million Konfessionsloser gratulieren die Vereine dem Sänger zum Geburtstag.

Niko Alm hat eine ausführliche Würdigung des Geburtstagskindes auf seinen Blog gestellt:
http://www.alm.at/2009/07/14/gott-ist-70-alles-gute
http://de.wikipedia.org/wiki/Karel_Gott

Jahrestag der Französischen Revolution nicht vergessen
„Der 14. Juli ist auch der Jahrestag der französischen Revolution“, erinnern die Vereine. „Diesen Jahrestag, heuer ist es der 220. darf man natürlich nicht vergessen. Die Französische Revolution war ein Meilenstein in der Befreiung Europas von Feudalismus und Klerus“. Auch wenn man die Methoden der Revolution differenziert betrachten müsse, habe sie insgesamt in eine richtige Richtung gezeigt. „Es war der erste Gehversuch in Richtung einer demokratischen und laizistischen Gesellschaft. In Frankreich und anderen Ländern hat man die Lektionen gelernt, sogar im erzkatholischen Spanien. Die ehemals faschistischen Länder Italien, Österreich und Deutschland sind die letzten Bollwerke der Kirchenprivilegien in Westeuropa.“

Wie wenig man an diesen Privilegien rütteln dürfe, hätten die Verbote für die Atheisten-Buskampagne gezeigt. „In Wien durften wir die Sujets nicht affichieren, in Deutschland war das ebenfalls unmöglich, in Italien hat die Kirche Proteste dagegen organisiert. Das ist sehr bezeichnend“.

16. 7.: Präsentation der Sujets um 13 Uhr, Mariahilfer Straße 1 A
In Wien werden die Sujets vorerst auf City Lights zu sehen sein. „Übermorgen wird auf mehreren Wiener City Lights zu lesen sein: Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott. Werte sind menschlich. Es liegt an uns."
gewista_buskampagne_90526
Damit wollen wir niemanden missionieren, aber darauf hinweisen, dass eine Million Menschen in Österreich nicht an ein höheres Wesen glaubt, sich die meisten aber nicht trauen, das offen auszusprechen, während religiöse Statements ganz normal sind“. Die Präsentation findet am Donnerstag um 13 Uhr auf der Mariahilfer Straße 1 A statt. Die Kampagne wird aus Spenden finanziert und kostenlos von der Agentur Super-Fi abgewickelt.

http://www.buskampagne.at
http://www.super-fi.eu

Anlässlich des 220. Jahrestages des Sturms auf die Bastille hier meine Lieblingsversion der Marseillaise aus "Casablance". Kitschig, ich weiß. Aber diese Szene zeigt, wofür dieses Lied steht.
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