Tag: Bumsti Strache

Wenn Blaue zündeln

Heute abend komme ich endlich dazu, die Kandidatur von Barbara Rosenkranz für die Bundespräsidentschaft zu kommentieren. Es ist 21 Uhr und ich habe eine Sitzung des Freidenkervorstandes hinter mir. Um mich nicht dem Verdacht auszusetzen, meine momentane Müdigkeit in Aggression umzumünzen, werde ich versuchen, sachlich zu bleiben.

Es ist fix, offiziell, amtlich bestätigt usw. Was die Öffentlichkeit seit Tagen weiß, teilt die FPÖ ihr am Dienstag als Sensation mit. Barbara Rosenkranz wird gegen Heinz Fischer antreten. Angesichts ihrer Chancen und angesichts der Tatsache, dass Bumsti Strache die Kandidatur am Wochenende via Kronenzeitung bekannt gab, ist die Nachricht eigentlich in etwa so interessant wie ein umfallendes Reissackerl in China.

Eigentlich. Der FPÖ geht es nicht darum, die Hofburg zu erobern. Nicht einmal Bumsti Strache ist so realitätsfern auch nur so zu tun. Der FPÖ geht es darum, ihre Leute für die Wienwahl zu mobilisieren und das politische Klima in diesem Land ein Stückchen weiter zu vergiften. Anders ist es nicht zu verstehen, dass diese Partei jemanden aufstellt, den man gerichtlich bestätigt als Kellernazi bezeichnen darf. Das spricht der staatstragenden Pose Hohn.

Barbara Rosenkranz steht am rechten Rand der FPÖ. Auch wenn man ihr keine besonders argen Wortmeldungen nachsagen kann, geschweige denn solche, die rechtlich bedenklich wären - sie wird als Kandidatin wahrgenommen, die die Verbindung der FPÖ zu noch radikaleren rechten Kräften verkörpert. Siehe die eindeutige Reaktion der IKG. So jemanden aufzustellen, hat Kalkül. Rechtsextremes Gedankengut soll ein Stück mehr salonfähig gemacht werden. Salonfähig im wahrsten Sinn des Wortes - sind doch die Döblinger Regimenter die deklarierte Zielgruppe der FPÖ bei dieser Wahl. Und vielleicht der eine oder andere Bauernbündler, der einen pathologischen Hass auf die SPÖ hat.

Ginge es der FPÖ um die Demokratie, sie hätte genügend andere Kandidaten, die als unbedenklicher wahrgenommen werden. Willi Brauneder etwa gilt in der Öffentlichkeit nicht als rechter Rabauke. Ginge es um die bloße Provokation um der Aufmerksamkeit Willen, hätte man auch Wieder-Parteifreund Gerhard Dörfler aufstellen können. Andererseits - der hätte sicher nicht die Unterstützung des Greises von der Muthgasse.

Wesentlich interessanter ist, dass sich Bumsti Strache nicht traut, anzutreten. Geliebäugelt hätte er mit einer Kandidatur. Vielleicht ist sogar ihm klargeworden, dass er sich mit einem solchen Schritt nur selbst beschädigen könnte. Von der Belästigung der vernunftbegabten Öffentlichkeit, die das mit sich brächte, mal abgesehen. Was würde er denn noch alles werden wollen? Wiener Bürgermeister (oder doch nicht, je nach Laune), Bundeskanzler, Bundespräsident, am einfachsten und besten alles in Personalunion. Das wäre allenfalls für schlichte Gemüter unterhaltsam. Ein halbwegs vernunftbegabter Mensch würde sich langsam die Frage stellen, was Strache eigentlich will und ob's ihm gut geht.

Dazu kommt, dass das Risiko aus FPÖ-Sicht zu hoch gewesen wäre. Jedes Ergebnis unter 30 Prozent wäre als verheerende Niederlage wahrgenommen worden. Strache wäre ziemlich sicher deutlich darunter gelegen. Die SPÖ, die Grünen und die liberalen Kreise in der ÖVP hätten ausreichend mobilisiert, um Straches offensichtlichen Wienwahlkampf zu vereiteln. Bei Rosenkranz ist es im wesentlichen egal, wie sie abschneidet. Alles, was in Richtung 20 Prozent geht, wird als rauschender Erfolg gefeiert werden. Wobei Rosenkranz das nur erreichen bzw. vielleicht sogar übertreffen wird, wenn sie sich im Wahlkampf keinen Ausrutscher leistet. Aber wie gesagt, in ihrem Fall ist ein halbwegs akzeptables Abschneiden aus FPÖ-Sicht eine Draufgabe. Das Ziel liegt woanders. Es ist das Spiel mit dem Feuer. Oder anders ausgedrückt: Die Blauen zündeln mal wieder. Eigentlich schade für diese Republik. Und schade, dass die Empörung bislang nicht stärker ausgefallen ist. Das zeigt, dass man hierzulande vom Löschen der blauen Brände schon erschöpft ist und bestenfalls zu verhindern versucht, dass das Feuer allzusehr übergreift.

Politischer Nach-Aschermittwoch

Bumsti-StracheFür mich als Faschingsverweigerer ist der Aschermittwoch meist unterhaltsamer als der Faschingsdienstag. Da versuchen diverse Parteien den Fasching zu verlängern. Was mitunter witzig, häufig unfreiwillig komisch sein kann.

Mein heuriges Aschermittwochs-Highlight war der herrlich-deftige Schweinsbraten im KuKu. Als guter Atheist muss man ja fast... Ansonsten war's fad. Ausgesprochen fad. Bumsti Straches Monolog in Ried hatte nicht annähernd die Würze des Riesen-Semmelknödels auf meinem Teller gestern abend. Von der Schweinsschulter ganz zu schweigen. Herbert Kickl lässt nach, kann man da nur sagen.

Seine Textvorlage hatte nur einen Sager, der einer Pointe nahekommt. Das war die mit dem Wasserträger Faymann und dem Kasperl und dem Sepperl. Wobei auch das eher unter halblustig rangiert. Für dieses Publikum reicht es allemal. Aber es soll ja Menschen geben, die intellektuelle Ansprüche haben.

Ich versteh ja, dass dem Mann der Atem ausgeht. Damit Strache was gut rüberbringt, muss er eine extra-gute Textvorlage schreiben. Und hoffen, dass der Chef genug Zeit hat, sie sich zu merken. Dass er's spontan nicht kann, hat Robert Palfrader gezeigt. Die ewig gleichen Themen machen's nicht einfacher. Wie soll einem da ständig was neues einfallen?

Das einzig Bemerkenswerte war einer der seltenen realistischen Anflüge Straches. Er will bei der Wien-Wahl die 20-Prozent-Hürde überspringen. Vom Wiener Bürgermeister plötzlich keine Rede mehr. Ob er erkannt hat, dass er weder das Zeug hat noch den Funken einer Chance? Die Bürgermeisterschaft von Minimundus wäre eher seine Kragenweite. Sein erster Amtsakt wäre vermutlich, die dortigen Moscheen abzubauen.

20 Prozent und etwas mehr klingen nach einer halbwegs erreichbaren Größe für die FPÖ bei der Wien-Wahl. Das letzte Wahlergebnis war eine außerordentliche Schlappe. Da kann's nur mehr aufwärts gehen. Zu besten Zeiten hatte die FPÖ in Wien 27 Prozent. Das war unter Jörg Haider. An den kommt Strache nicht ran. Wie unter anderem die Aschermittwochs-Rede zeigt. Das dürfte er mitbekommen haben. Tiefstapeln zählt nicht zu Straches Lieblingsaktivitäten. Wenn er als Wahlziel 20 Prozent plus angibt, dürfte er selbst das momentan als eher ambitioniert einschätzen.

Auch das wird nicht einfach. Um Aufmerksamkeit zu bekommen, muss Strache ständig ein Schäuferl nachlegen. Keine einfache Aufgabe, wenn man seit Jahren die Grenzen des Anstands und des gesunden Menschenverstands deutlich überschreitet. Strache bewegt sich mittlerweile an einer gefährlichen Grenze. Das Publikum ist übersättigt mit seinen plumpen Parolen. Damit es ihm zuhört, muss er noch lauter schreien. Was gleichzeitig Leute abschreckt, für die er gerade noch erträglich ist. Eine Zwickmühle. Langfristig wird er nur verlieren. Ein Scheitern an sich selbst. Sofern nicht seinem Redenschreiber Kickl vorher endgültig die Luft ausgeht. Wie bei diesem Aschermittwochsmonolog.

Spiegel vorm Gesicht

Er gilt als Hoffnungsgestalt von Burschenschaftern, Nationalen und anderen Rechtsradikalen. Bumsti Strache. FPÖ-Obmann und je nach Bedarf und Umfrage einmal Bürgermeisterkandidat in Wien oder auch nicht. Einige Leute jubeln ihm zu. Er sage, was Sache sei und sei ein rhetorisches Talent. Wie lächerlich das ist, führt Robert Palfrader in "Wir sind Kaiser" vor.



Es ist der Spiegel vorm Gesicht der Rechten. Wenn sich die Hoffnungsgestalt derart einfach vor laufender Kamera fertig machen lässt, ist es peinlich. Man merkt, dass Straches angebliche Stärke nur darauf beruht, dass er Stehsätze mühsam auswendig lernt. Sobald ihm jemand etwas härter kommt, bleibt nicht mehr als stupides Grinsen. Wenn nicht die FPÖ mit jahrzehntelanger Ausländerhetze das Klima nachhaltig vergiftet hätte, wäre es eine derart lächerliche Figur nicht einmal wert, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Kabarett Bumsti

Bumsti Strache scheint sich seinen neuen Lebensmenschen bei den (Freiheitlichen In Kärnten) FIK anzunähern. Zumindest stellt er sein gewissen Talent zur Realsatire immer öfter zur Schau. Ob freiwillig oder unfreiwillig, sei dahingestellt.

Wobei das eine vermutlich ehrliche Zusammenfassung der als vielleicht leicht chaotisch zu beschreibenden Zustände rechts des gesunden Menschenverstands ist. Es ist fraglich, ob irgendjemand versteht, wer dort mit wem und warum. Dieses Liebesleben der Wendehälse ist für Beteiligte wie für Beobachtende ermüdend und verwirrend. Und dann kommt noch die Mitgift Hypo-Alpe-Adria-Skandal dazu. Und die Sache mit dem Scheuch... Lassen wir das.

Um zur echten unfreiwilligen Komik eines Gerhard Dörfler oder Stefan Petzner (BZÖ) aufzulaufen, muss Bumsti Strache noch üben. Bei ihm kommt der Verzicht auf jeglichen intelektuellen Anspruch zwar ebenfalls von innen aber nicht so komisch herüber wie bei den anderen.

Satire und Realität

BuchaBin ich froh, dass Satire nicht mein Brotberuf ist. Ich müsste das BZÖ wegen Geschäftsschädigung klagen. Ist es im Spiel, überholt die Realität die Satire. Wobei, ein Teil sind ja mittlerweile die FIK. Was irgendwie passt. Man könnte sagen, die heimische Kabarettszene würde gerade geFIKt. Um ihre schiere Existenz gebracht von einer Stegreiftruppe.

Da fällt doch den FIKen (oder heißt der Plural FIKer ?) ein: Kärnten braucht wieder eine Bank. Lange haben sie's offenbar nicht ausgehalten ohne. Vielleicht ist ihnen auch die immer noch existierende Landeshaftung für die Hypo Alpe Adria (HAA) nicht hoch genug. Ein läppisches zehnfaches des Landesbudgets. Viellicht lassen sich die neuerdings christlich-angehauchten Recken auch von der Bibel inspirieren. Wenn Jesus laut Legende aus Brotkrümeln und Fischüberresten tausende speisen konnte, wird das ein Gerhard Dörfler mit dem Landesbudget locker schaffen. Von dem ist auch kaum mehr übrig als vom biblischen Ausgangsmaterial.

Vielleicht haben sie ihnen in der Kärntner Landesregierung auch das Netzwerk gehackt. Elektronische Angriffe sollen ja bei der Truppe gelegentlich vorkommen. Statt der Kritik am HAA-Debakel haben sie nur höchstes Lob auf die schlitzohrige Kärntner Verhandlungsführung gelesen und dass Kärnten reich ist. Oder so.

Vielleicht geht man auch nach dem Motto vor: Aller guter Dinge sind drei. Das wäre erst die zweite Landesbank. Ein Versuch wär noch drin. Und das erste Mal ist es ja auch gut gegangen. Für die BZÖ-ÖVP, pardon FIK-ÖVP-Landesregierung. Für die steuerzahlende Bevölkerung eher weniger. Was die bekanntermaßen wirtschaftskompetente Landesregierung herzlich wenig kümmert. Was sagt eigentlich Neo-Parteichef Bumsti Strache zu der Causa? Ist er auch der Meinung, eine solcherart besetzte Kärntner Landesregierung sei ein idealer Bankeneigentümer?

Und dann wird am gleichen Tag bekannt, dass die BZÖ-Homepage gehackt wurde. In weiser Voraussicht haben die Orangen offenbar das Admin-Passwort im HTML-Quellcode stehen gehabt. Raus kam unter anderem das:
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Wobei: Wär da nicht der Affe, der Unterschied wäre kaum aufgefallen. BZÖ-Chef, Grasser-Klon Josef Bucher und Stefan Petzner haben sofort Schuldige ausgemacht: Die FIK, mit denen sie bis vor kurzem noch gekuschelt haben.

Passt gut ins Schema des Ehedramas. Das Liebesleben der Wendehälse, Teil Drei sozusagen. Trennungen können hässlich werden. Den anderen öffentlich bloß stellen ist eine klassische Strategie in einem Rosenkrieg. wobei andererseits auch das BZÖ bewusst die Falschen verantwortlich machen könnte. Wie die verlassene Ehefrau, die behauptet, der Mann habe die Kinder geschlagen. Kommt auch vor. Stimmt meistens, manchmal ist es der Versuch, dem Partner eine reinzuwürgen. Wobei der Mann immer sagen wird: Er hat's nicht getan. Ob der Vorwurf stimmt oder nicht.

Ein Königreich für eine Lupe

"Wien unzensuriert". So heißt ein dummdreistes, rassistisches Video, auf das mich ein Freund aufmerksam gemacht hat, der aktiv gegen Rassismus kämpft. Zielgruppe: verängstigte, kleinbürgerliche Jugendliche. Ich stelle es hier online, auch auf die Gefahr hin, dass ich dafür kritisiert werde, diesem billigen Machwerk zu viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Wäre nicht der Aufruf zum bewaffneten Kampf, man könnte glatt glauben, das Video wäre in der Pressestelle der FPÖ geschnitten worden. Argumente, oder was man dafür hält, und Stil gleichen einander aufs Haar. Ein Königreich für eine Lupe, die man braucht, die Unterschiede zu finden. Ich sehe sie nicht.

Und es ist auffälliger Zufall, dass im Titel das Wort "unzensiert" vorkommt. "Unzensuriert" hieß bis vor kurzem Martin Grafs Blog. Heute ist die Domain reigistriert auf: "Unzensuriert - Verein zur Förderung der Medienvielfalt", die Inhalte sind wie gehabt stramm rechts, zumindest am Rande des Revisionismus. Man könnte sagen, geändert hat sich nichts. Die Ähnlichkeit ist groß.

Es spricht viel dafür, dass die extreme Rechte diese sperrigen und in der Umgangssprache nicht gebräuchlichen Wörter für sich gekapert hat. Außerhalb dieser Denkrichtung kommen die Begriffe so gut wie nie vor. Verwendet scheinen sie dort zu werden, wo die Grenzen zwischen Legalem und Illegalem verschwimmen. In jenem Dunstkreis, aus dem auch die Glatzköpfigen mit einem Bedürfnis zum Arm-hochreißen kommen, die so begeistert Bumsti Straches Tiraden gegen alles lauschen, was er nicht versteht. Das sind vor allem Migrantinnen und Migranten.

Aus diesem Dunstkreis stammt offenbar auch dieses Video. (Aus juristischen Gründen sei hier auch für Leseschwache festgehalten: Niemand hat hier behauptet, die FPÖ habe das in Auftrag gegeben oder wisse, wer es fabriziert hat.) Wen überrascht das auch? Die Argumente von Bumsti Strache fallen auf fruchtbaren Boden. Und das beste Beispiel gegen jugendliche Aufrufe zu wehrsportähnlichen Aktivitäten ist er auch nicht gerade. Wenn ihm seine Arm hochreißenden Fans die Geschichte vom Paintball ähnlich begeistert abgenommen haben wie der kritische Teil der Öffentlichkeit - sie müssen direkt glauben, auf seinen Spuren zu wandeln. Auch die verharmlosenden Äußerungen Straches den Jugendlichen von Ebensee gegenüber sind nicht geeignet, seine jungen Bewunderer von derartigen Aktivitäten abzuhalten.

Es ist unerheblich, was er heute davon hält. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass regelmäßige Betrachter dieses Videos auch regelmäßige Besucher seiner Veranstaltungen sind, ihm begeistert zujubeln und ihn als den betrachten, der die Angst vor dem bekämpft, was sie nicht verstehen. Er spricht ihre Sprache und er versorgt sie mit den "Argumenten" für dieses und ähnliche Videos. Er ist - ob bewusst, gewollt oder nicht - zumindest Mitschöpfer der Produzenten dieses Videos. Er hat mitgeholfen, sie zu radikalisieren.

Wenn Bumsti Strache das nicht sein will, muss er sich überlegen, ob er wieder "Abendland in Christenhand" plakatieren lässt. Vorher wird er mich nicht davon überzeugen, dass er solche Auswüchse ablehnt und bekämpft.

Das Liebesleben der Wendehälse, Teil 2

lebensmenschenDie amour fou der Wendehälse aus Wien und Kärnten entwickelt sich zu einem Liebesdrama. Die verschmähte Braut BZÖ gibt sich eifersüchtig. Und die Kärntner Fremdgänger zeigen sich verwirrt. Der zweite Teil der Studie "Das Liebesleben der Wendehälse".

Grasser-Klon Josef Bucher glaubt nach wie vor, dass er BZÖ-Chef ist. Dass ihn der Großteil seiner Partei verlassen hat, um mit den Wiener FPÖ'lern rumzumachen, blendet er aus, wenn möglich. Und wo es nicht mehr geht, lässt er seiner Eifersucht freien Lauf.
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Zumindest Stefan Petzner ist diesen Eifersuchtsbekundungen erlegen. Er hat vor, beim BZÖ zu bleiben. Offenbar hat er in Bucher einen neuen Lebensmenschen gefunden. Ganz überzeugt scheint Bucher nicht zu sein, dass dieses neue Verhältnis hält. Das BZÖ Kärnten ist sicherheitshalber nicht über die Homepage des BZÖ zu erreichen.

Für Uwe Scheuch heißt der Lebensmensch Bumsti Strache. Für ihn hat er Bucher und Petzner sitzen gelassen und umwirbt heftig, was von der Kärntner Truppe übrig ist. Wie bei Scheidungsverfahren üblich, stellt sich für ihn das unwichtige Detail Wirklichkeit anders dar als für den von ihm verlassenen Bucher.
1. Wie heißt unsere Partei?
Die korrekte Parteibezeichnung lautet: „Die Freiheitlichen in Kärnten“.
2. Sind wir eine eigenständige Partei?
„Die Freiheitlichen in Kärnten“ sind eine eigenständige Kärntner Landespartei, deren Mutterpartei auf Bundesebene die FPÖ darstellt (CDU/CSU-Modell)

Das schreibt er auf der offenkundig selbst gebastelten Homepage der Freiheitlichen In Kärnten. (Warum deren Kürzel nicht das in diesem Zusammenhang wesentlich passendere FIK ist, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben.) Auf die neue Situation reagiert man flexibel.

Allerdings scheint es beinahe so, als seien die FAQ's nur kurzfristig aktualisiert worden. Derartig grundlegende Fragen sollten bei diesem Publikum wohl ständig möglichst verständlich und griffbereit verfügbar sein. Es ist immerhin die Partei eines Gerhard Dörfler. Da kann schon eine einfache Realität wie die Grundzüge der Bundesverfassung oder die Verfasstheit des Landesbudgets verwirrend sein. Oder die jüngere Vergangenheit. Die Politik der Truppe zeigt das täglich. Wobei das Bundes-BZÖ hier nicht sonderlich von den Kärtner Parteikolleginnen- und kollegen abweicht.

12. Wo bin ich jetzt Parteimitglied?
Sie sind auch weiterhin Parteimitglied der „Freiheitlichen in Kärnten“. „Die Freiheitlichen in Kärnten“ sind auch jetzt schon eine eigenständige Landesgruppe gewesen. Sie brauchen keine neuen Beitrittserklärungen ausfüllen. Lassen Sie sich von anderen Informationen nicht täuschen, das ist nur parteipolitische Verwirrungstaktik.


32. Wenn wir jetzt wieder zusammen gehen: Warum haben wir uns überhaupt 2005 getrennt?
Die Bedingungen haben sich verändert. Die Trennung erfolgte zu einer Zeit, in der wir gemeinsam mit der ÖVP in einer Bundesregierung gewesen sind. In dieser Zeit konnte das BZÖ Verantwortung für das Land tragen und für Kärnten wichtige Projekte umsetzen. Daher hat Dr. Jörg Haider das BZÖ gegründet. Dies ist nun nicht mehr der Fall. Daher brauchen wir einen starken Partner wie die FPÖ, der uns hilft, die Kärntner Interessen auf Bundesebene umzusetzen. Außerdem hat ist das Bundes-BZÖ in letzter Zeit immer öfter vom freiheitlichen Kurs abgekommen (z.B. Homo-Ehe, wirtschaftsliberale Politik, etc.). „Die Freiheitlichen in Kärnten“ können hier nicht mehr mitgehen.


Offenbar war das BZÖ zuletzt nicht mehr imstande, Verantwortung für Kärnten zu tragen. Schön, dass man dort auch so sieht. Allein, im Liebesrausch vergisst man offenbar Konsequenzen zu ziehen.

Rosenkriege können nicht hässlicher abgehen. Bleibt nur abzuwarten, ab wann Schmutzwäsche gewaschen wird. Die Vorgänge um die Hypo Alpe Adria scheinen aufklärungsbedürftig genug zu sein.

Wie gesagt, würde nicht Schnee draußen liegen, man müsste glauben es sei Frühling. Nur zu dieser Jahreszeit sind sonst solche romantischen Gefühlsaufwallungen möglich. Ich werde weiter beobachten. Und dass mich jetzt keiner einen Voyeur nennt ;-)

P.S.: Wenn man schon beim Fremdgehen, Heiraten, Scheiden und Umbennen ist: Wird Scheuch den Namen seines neuen Lebensmenschen annehmen oder umgekehrt? Wetten werden entgegengenommen.

Das Liebesleben der Wendehälse

Strache_ScheuchAlte Liebe rostet nicht, heißt es. FPÖ und BZÖ, die Koalition der Verhaltensoriginellen, haben sich nach der lauten Scheidung nach beinahe fünf Jahren wieder gefunden. Will man uns weismachen. Wie romantisch. Eine Studie des Liebeslebens der Wendehälse.

Wenn nicht Schnee fiele, müsste man glauben es sei Frühling. Nichts anderes als der Hormonschwung, der bei den ersten warmen Sommerstrahlen des Jahres einsetzt, könnte die plötzliche Begeisterung der Kärntner für die Wiener und umgekehrt erklären. Eine amour fou, wie es scheint. Das Zusammenfinden lange Geschiedener, die die Trennung nie akzeptiert haben.

Das würde man vielleicht einem Stefan Petzner abnehmen, Aber der will so gar nicht. Was die von mir tot geglaubte beste Stegreifkabaretttruppe Österreichs wider Erwarten neu belebt. Er lehnt die Annäherung zwischen Strache und Scheuch ab. Eine teure Gefühlsaufwallung. Glücklicherweise nicht für ihn.

Die ihm Untreuen verlieren mehr als eine Million Euro, wenn sie keinen fünften Mann für Straches Zweitwohnung finden. Auch Grasser-Klon Bucher ziert sich. Obwohl ihm laut eigenen Aussagen ein Ministeramt angeboten wurde. Er hat ausgeschlagen. Sagt er. Und Ewald Stadler spuckt Gift und Galle.

Die Wahrheit ist eine Tochter Straches
Heiße Liebe, Eifersucht, gekränkte Eitelkeit. Die großen Gefühle werden dem Kopf schüttelnden Publikum präsentiert. Was mehr braucht eine Romanze? Mag sein, dass hier ein wenig melodramatisch ist und sehr viele Klischees bedient. Aber wie sonst könnte man erklären, dass Bumsti Strache seine Ankündigung vergisst, es werde unter ihm keine Fusion mit dem BZÖ geben? Vergessen die Zeit, als er so tat, als sei er nicht in führender Funktion einer Regierungspartei gewesen, die den schlimmsten Sozialabbau in der jüngeren österreichischen Geschichte zu verantworten hat. Jetzt ist die alte FPÖ des Jahres 2000 wieder vereint - es fehlen nur die erste Reihe und ein paar eifersüchtige Wiener.

Ein derartiges Über-Bord-Werfen aller Vorsätze, ein derartiger Betrug an den Nahestehenden, ein derartiges Vergessen dessen, was man selber gesagt hat, das ist normalerweise nur einem frisch Verliebten zuzutrauen. Ein wenig erinnert es auch an das Verhalten eines Mannes, der seine Frau betrügt. Ein Vergleich, der hier angebracht schiene. Strache lässt seine Wähler im Regen stehen.

Andererseits war die Wahrheit immer schon Straches Tochter.

Eine gute Partie
Aus Sicht des Kärntner BZÖ ist die plötzliche Sehnsucht nach Strache, dem bekennenden Experten für beide Geschlechtsteile, wahrscheinlich auch rational begründet. Er ist eine gute Partie. Nach dem Hypo-Debakel kann man einen finanziell potenten Partner vermutlich gut gebrauchen. Die Million mit dem neuen Klub, die die Affäre ermöglicht, wäre sicher auch ganz zustatten gekommen. Man kann davon ausgehen, dass die plötzliche Romanze dazu führen wird, dass man die vergangenen Jahre in der Bundesregierung und vor allem im Land Kärnten und das dort angerichtete Debakel sehr schnell vergisst. Liebe ist etwas wunderbares.

Wobei auch Strache weniger romantische Gründe für seine plötzlich wiederentflammte Zuneigung zu Scheuch und Co hat. So billig kann er nie wieder expandieren. Wenn der zukünftige Partner K.O. am Boden liegt, muss man zugreifen, mag er sich gedacht haben. Zu seiner Ehrenrettung muss man sagen: Er hat die K.O.-Tropfen nicht verabreicht. Das war das BZÖ selbst, mit ein wenig Hilfe von der ÖVP in Form des Kärntner Obmanns Martinz.

Für Strache hat das auch den Vorteil, dass er ein zweites Standbein hat, wenn Wien doch nicht so toll läut, wie er glaubt. Den Anspruch Wiener Bürgermeister zu werden, hat er vor kurzem aufgegeben. Ein seltener Anflug von Realismus.

ÖVP als Trauzeuge?
Mit so einer Ausgangslage wirft man Prinzipien über Bord. Unter der Voraussetzung man hätte denn welche. Am rechten Rand darf das getrost bezweifelt werden,

Bleibt die Frage, ob die ÖVP hier als Trauzeuge fungierte. Die Aussagen Buchers legen das nahe. Und in der Vergangenheit hat sich die ja die "Volks"partei immer sehr interessiert gezeigt am Studium der Wendehälse. warum soll das für deren Liebesleben nicht auch gelten? Mit viel Glück könnte das bei den nächsten Nationalratswahlen eine rechte Mehrheit mit nur zwei Parteien bringen. Was will man mehr?

Das allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Wählerinnen und Wähler vergessen und aus der amour fou des rechten Randes kein Nachwuchs entsteht.

P.S.: Danke raketa.at für das Titelbild.

Danke, Frau Fekter

Fekter-jpg-bmpDie oberösterreichischen Fremdenbehörden haben sich wieder einmal selbst überboten. Sie lassen ein dreieinhalb Monate altes Baby nach Südserbien ausweisen. Ob es bleiben darf, wird von der Gnade der Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf abhängen. Die entscheidet, ob der Säugling Enis aus humanitären Gründen mit seiner Familie in Kremsmünster bleiben darf.

Die Behörde hatte die Gefahr klar erkannt. Und schnell gehandelt. Naja, nicht ganz. Dreieinhalb Monate hatten sie sich Zeit gelassen, bis sie gegen das unerhörte Verbrechen vorgingen. Den falschen Eltern geboren zu sein. Eltern ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Mit fremdländischen Namen obendrein. Die Ermittlungen waren zäh und gefährlich gewesen. Unter Lebensgefahr gelang es den Beamten, das Baby dieses furchtbaren Verbrechens zu überführen.

Glücklicherweise hatte der österreichische Gesetzgeber unter der weisen Voraussicht der als weise bekannten Innenministerin Maria Fekter Vorkehr getroffen. Bei derart gefährlichen Delikten gab es die Möglichkeit des Eilverfahrens. Ein Gerichtsverfahren, wo möglicherweise ein Anwalt zur Verteidigung des Säuglings eingeschritten wäre, konnte man sich sparen.

Wie gemeingefährlich so ein Ausländer-Baby sein kann, konnten nur diese linkslinken Gutmenschen bestreiten. Eine Bedrohung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch seine bloße Existenz. Und dazu die latente Kriminalität. Wenn es nicht ohnehin über das unverzeihliche Verbrechen seiner Geburt hinaus bereits straffällig geworden war. Bei Kindern in dem Alter eine ständige Gefahr. So schnell konnte man gar nicht schauen. Und, obwohl es der Behörde nicht gelungen war, das nachzuweisen, wusste man: Dass man dem Baby nichts zusätzliches nachweisen konnte, hieß nicht, dass es es nicht trotzdem war. Und wenn es noch kein zusätzliches Verbrechen begangen hatte, würde das sehr bald passieren. Es könnte etwa zum Verbreiter der Schweinegrippe werden. Die tritt bei Muslimen bekanntermaßen sehr häufig auf.

Man musste das Kind in Schubhaft nehmen, bevor es aus Mangel an Respekt vor dem Rechtsstaat und Verachtung gegenüber der österreichischen Kultur zum Bioterroristen wurde. Das schien den Beamten ein adäquates Mittel zu sein. Und selbst wenn das Baby keine aktive Bedrohung war - was, wie jeder außer diesen linkslinken Gutmenschen wusste, so gut wie nie vorkam - war es eine passive Gefahr. Die Mutter konnte es als Wurfgeschoss verwenden. Oder als Deckung beim Ladendiebstahl. Es gab ja so viele linkslink Verblendete, die einen Kinderwagen nicht durchsuchten. Nicht, dass man das der Mutter bisher nachgesagt hätte. Aber sicher ist sicher. Das angenehme an diesem Gedankengang war, dass er eine Alternative zur teuren, humanen Schubhaft eröffnete, die für die schwerkriminellen illegalen Grenzgänger und - Gott bewahre - Falschmelder ohnehin nur ein Kuraufenthalt war. Wo sie dann zu Fleiß verhungerten, die Falotten. Nur, damit Österreich und seine für ihre Weisheit berühmte Innenministerin im Ausland schlecht da standen.

Würde man das Kind als bloßes Mittel zur gemeingefährlichen Kriminalität betrachten, könnte man es in die Asservatenkammer stecken. Was bedeutend kostengünstiger wäre. Für findige Polizeijuristen eröffneten sich ungeahnte Möglichkeiten. Das Goldene Verdienstkreuz schien in Reichweite. Und ein Flachbildfernseher der Freiheitlichen Arbeitnehmer. Gestiftet von Bumsti Strache. Verglichen mit diesem heroischen Einsatz allerdings kaum mehr als ein feuchter Händedruck. Die Beamten sollten als Nationalhelden gefeiert werden.

Blieb nur mehr der kleine Hindernis einer oberösterreichischen Bezirkshauptmannschaft. Bekanntermaßen ein Hort grünkommunistischer Zecken. Fast so schlimm wie die niederösterreichische ÖVP, aber in dieser Hinsicht nichts verglichen mit der Vorarlberger Landwirtschaftskammer. Und die Kremsmünsterer. Notorische Revoluzzer. Statt dass der Chef vom Kindsvater froh war, dass der Balg abeschoben wird, ergriff er öffentlich Partei für dieses Verbrecherbaby. Kein Respekt vor dem Rechtsstaat. Und kein Geschäftssinn. Wenn man das Baby schnell abschiebt, muss er dem Vater weniger Lohn zahlen. Da würde Strache einschreiten müssen, der demütige Diener des Rechtsstaats und Verteidiger des Abendlandes. Der würde es richten. Und wenn nicht, würde man die Hilfe der Chefin anfordern. Dieser weisen Frau würde es gelingen, die rabiaten Volkshorden zu besänftigen. Wie man das in Linz so erfolgreich gemacht hatte.

Der Kreide frisst

3531827660_eec1476d42_bEr kann auch anders. Wenn rassistisches Poltern nicht opportun ist, kann ein Bumsti Strache auch eine weiche Seite zeigen. Geschehen im Interview mit der Wochenende-Ausgabe des "Standard".

Wenn man Joana Adesuwa Reiterer gegenüber sitzt, die aus Nigeria stammt und versucht, Zwangsprostituierten zu helfen, kann man mit rassistischen Tiraden nur verlieren. Das versteht sogar ein Bumsti Strache. In seinem gewohnt lockeren Umgang mit dem, was man gemeinhin als Wahrheit bezeichnet, macht er eine Kehrtwende in zentralen Ideologiefragen. Was erleichtert wird durch die Tatsache, dass Strache wie üblich unbelastet von jeglichem Faktenwissen in die Diskussion geht.

STANDARD: Ich darf Ihnen Frau Reiterer vorstellen, sie ist Gast bei unserem Spätsommergespräch. Frau Reiterer kommt aus Nigeria. Was wissen Sie über Nigeria?
Strache: Dass es ein diktatorisches Land ist, das große wirtschaftliche Schwierigkeiten hat, dass Stammesfürsten einander bekämpfen und viele Menschen mit großen Problemen leben - was auch der Grund ist, warum viele Menschen auch immer wieder den Weg zu uns suchen.
Reiterer: Diktatur? Eigentlich nicht. Nigeria ist eine Demokratie.
Strache: Aber es gab doch einen großen Wahlbetrug, oder?
Reiterer: Das schon, und es gibt auch ein gravierendes Korruptionsproblem. Aber dennoch ist es eine Demokratie.

http://derstandard.at/1252771700858/Der-Standard-Sommergespraech-Ich-will-keine-auf-unseren-Strassen-haben

Bemerkenswert folgender Dialog:
STANDARD: Ab wann ist man für Sie ein Österreicher?
Strache: Wenn man die Staatsbürgerschaft hat.
STANDARD: Sollte Frau Reiterer morgen die Staatsbürgerschaft bekommen, hat Sie dann Anspruch auf eine Gemeindewohnung?
Strache: Wenn sie die Staatsbürgerschaft hat - selbstverständlich.
STANDARD: Dann diskutieren wir auch nicht mehr über Ausländerquoten im Gemeindebau?
Strache: Wenn ihr Mann oder ihre Kinder keine Staatsbürgerschaft haben, dann soll bei der Anmeldung sehr wohl berücksichtigt werden, wie viele Bürger pro Familie die Staatsbürgerschaft haben. Heute sucht einer mit Staatsbürgerschaft um eine Sozialwohnung an - und mit ihm ziehen fünf weitere Leute ein, die keine Staatsbürgerschaft haben.


Noch im ORF-Sommergespräch hatte Strache mehrere Definitionen des "echten" Österreichers dargeboten. Eine nach dem klassischen Blut-Prinzip. Echte Österreicher sind Nachfahren deutschsprachiger Einwohner der Donaumonarchie. Dazu eine Gesinnungsdefinition: Echter Österreicher ist man, wenn man ein "ausreichendes Maß an Patriotismus" zeigt. Den meisten Zuwanderern mit Staatsbürgerschaft sprach er diese ab. Jetzt die klassisch rechtstaatlich-liberale Definition.

Auf den Spuren Adenauers?
Was interessiert einen Strache sein Geschwätz von gestern? Wobei zweifelhaft ist, dass Konrad Adenauer einen derart lockeren Umgang mit den eigenen Aussagen im Kopf hatte, als er das Zitat prägte. Und niemand, nicht einmal die härtesten FPÖ-Anhänger, können die Realität derart verdrängen, dass sie einem Strache das Format Adenauers zusprechen. Zumal da ja häufig eher andere historische Vorbilder präsent sind.

Strache weiß, dass er gegen Reiterer nicht bestehen kann. Auch wenn er wie üblich versucht, die freiheitlichen Lügen zu verpacken. Natürlich hält er Arbeitsbewilligungen für Asylwerberinnen für kein probates Mittel im Kampf gegen Prostitution. Argumentiert wird das mit einer eher seltsam anmutenden Logik.
Strache: Nein, im Gegenteil. Solange das Asylverfahren nicht abgeschlossen ist und nicht feststeht, ob er als Flüchtling anerkannt wird, soll er nicht arbeiten. Bis dahin hat er ja eine exzellente Versorgung. Sie haben selbst angesprochen, wie arm Menschen in Nigeria sind. Bei uns kosten Asylwerber den Steuerzahler bis 1200 Euro pro Monat, wenn man Gesundheitsvorsorge, Unterkunft, Verpflegung einrechnet.
Reiterer: 290 Euro bekommen sie, nicht mehr. Die Mehrheit bekommt nicht einmal ausreichende gesundheitliche Versorgung.


Leider vergibt Reiterer hier die Chance, Strache darauf hinzuweisen, dass es das Arbeitsverbot ist, das Asylwerberinnen auf den Strich treibt. Strache, der sich als Retter von Wiens Hausfrauen präsentieren will, redet jenen das Wort, die dafür verantwortlich sind, dass junge Frauen keine andere Chance sehen als ihren Körper zu verkaufen. Entweder ist der zu dumm das zu kapieren. Oder er hat ein Interesse daran, dass es so bleibt wie es ist. Solche Zustände lassen sich propagandistisch aus Sicht der freiheitlichen Hetzer gut nutzen.

Strache und die Neugeborenen
Es klappt nich durchgehend mit dem liberalen Strache, der sich weltgewandt gibt.
Strache: In Wien sind 63,7 Prozent der Kinder, die 2008 geboren wurden, römisch-katholisch, 24,1 Prozent islamisch. Laut Demografieberechnungen gibt es 2025 bei den Unter-14-Jährigen 50 Prozent muslimische Kinder. Die Frage ist: Will man zur Minderheit in der eigenen Heimat werden?

Neugeborene sind nicht katholisch oder muslimisch. Sie werden dazu gemacht. Genetische Unterschiede gibt es keine. Nicht einmal ein Herr Strache könnte am Schrei eines Neugeborenen erkennen, wer seine Eltern sind. Was dann der Unfug soll, ist schleierhaft. Außerdem: Die Statistiken stimmen auch nicht so wirklich. Aber gut, woher soll das ein Strache wissen?

STANDARD: Der BZÖ-Abgeordnete Ewald Stadler hat Abtreibungen mit dem Massenmord in den KZs verglichen. Stimmen Sie ihm zu?
Strache: Naja. Wir verlieren jährlich rund 60.000 Leben, das ist, hochgerechnet über Jahre und Jahrzehnte, auch eine Katastrophe für die Menschheit.


Selten so einen Unfug gelesen. Das übertrifft sogar die Märchenstunde der Fundis von Human Life International. Die sprechen von 30.000 Abtreibungen im Jahr. Strache muss das toppen. Warum auch immer. Würde bei etwas unter 80.000 Geburten pro Jahr eine Abtreibungsquote von ca. 40 Prozent machen. Tatsächlich liegt sie nach seriösen Schätzungen bei 1,2 Prozent.

Der Versuch, die Standard-Leser zu ködern
Dennoch: Strache versucht sich, von einer liberalen Seite zu zeigen. Er präsentiert sich als einer, der den Rechtsstaat respektiert und so etwas wie Menschenrechte kennt. Ein anderer Strache als der, der am Viktor-Adler-Markt auftritt. Oder in TV-Konfrontationen. Ein anderer Strache als der, den seine Sympathisanten in ihm sehen. Ein anderer Strache als der, als der er seit Jahren öffentlich auftritt.

Der Anlass gebietet es. Der Standard hat eher urbane, etwas gebildetere Leser, die etwas besser verdienen als der Durchschnitt. Menschen, die imstande sind, die Strachesche Realtitäsverweigerung und seinen lockeren Umgang mit der Wahrheit zu erkennen. Punkten kann er nur, wenn er sich dem Publikum etwas anpasst. Dass irgendjemand auf den Kreidefresser hereingefallen ist, ist eher unwahrscheinlich.

Die Strategie hat einen Vorteil: Dass seine Sympathisanten jemals von diesen Aussagen erfahren, ist ausgeschlossen. Die lesen den Standard nicht sondern seine Poltereien in "Krone" und "Heute".
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