Tag: Atheismus

Pickelhaube auf dem Baum

Betrachtungen eines Atheisten zu Weihnachten
Pickelhaube
Nein, ich habe mich noch nicht an die Weihnachtslieder in den Supermärkten und sonstwo gewöhnt. Das liegt vielleicht daran, dass ich als einigermaßen vernunftbegabter Mensch um die Weihnachtszeit herum tunlichst alles vermeide, was irgendwie mit einkaufen zu tun hat. Reicht ja, wenn das Millionen Wahnsinniger tun. Oder Mitbürgerinnen und Mitbürger, je nach Betrachtung halt. Ganz lässt es nicht vermeiden. Ich brauch ja was zum essen oder ein Duschgel. Die Dinge des täglichen Bedarfs halt.

Wenn man Pech hat, bleibt man auch am Brunnenmarkt nicht von der Weihnachtsmusik verschont. Jingle Bells tönt es aus irgendeinem Plastikspielzeug mit Elektromotor. Der Stand gehört Sikhs, die potentiellen Käuferinnen und Käufer sind türkischer Abstammung. Weihnachten ist eben ein globalisiertes Fest. Da darf der kitschig-furchtbare Plastikchristbaum mit blinkenden Lichtern am gleichen Stand natürlich nicht fehlen. Zugeschnitten ebenfalls auf die türkische Kundschaft. Obwohl, auch die Serben fahren auf die blinkenden Lichter ab. Einer der geheimen Codes am Balkan. Wenn du in einer Gegend bist, wo die Lichterketten in der Nacht blinken, hast du die serbisch-ungarische Grenze überquert. Oder die serbisch-kroatische. Jedenfalls sind dort keine Katholiken mehr zuhaus. Was den charmanten Vorteil hat, dass dort Weihnachten zwei Wochen später gefeiert wird. Zumindest als großes Fest. Ein bisserl feiern tun die Serben eigentlich die ganzen zwei Wochen lang. Soll heißen: Es wird getrunken. Die Bosniaken sind sowieso überall dabei, wo’s was zu feiern gibt. Die feiern wahrscheinlich gleich doppelt. Sofern es keine Religiösen sind.

Rakija zum Frühstück
Das Angenehme an Wien ist, dass man dort die Weihnachtsfeiertage ein bisserl unbehelligt verbringen kann. In den Balkanlokalen wird man schon beim späten Frühstück auf eine Rakija eingeladen, meist ein selbst importierter Slivovic. An der Theke lehnen ein paar Bosnier und Serben, man unterhält sich ganz angenehm und verbringt einen langsamen Tag zusammen. Wobei die Rakija zum Frühstück dem Langsam sein schon ziemlich entgegenkommt. Eine sehr angenehme Art, Weihnachten zu feiern, muss ich sagen. Bei dem Tempo kriegt man ab dem Nachmittag nix mehr mit. Auch nicht die blinkenden Lichter der Weihnachtsbäume. Man kann streiten, ob das die produktivste Art des Ignorierens dieser Feiertage ist. Das Fernsehprogramm treibt einen geradezu vor die Tür.

Treffen mit Freunden scheiden aus. Die wünschen einem entweder andauernd Frohe Weihnachten oder sind zu den Eltern gefahren. Irgendwas muss man ja machen. Und nach Möglichkeit Lokale mit vorwiegend hier geborener Kundschaft vermeiden. Dort werden sie zu Weihnachten immer so sentimental. Und Einsamkeitsgeschichten will ich mir wirklich nicht anhören. Bei aller Liebe zu meinen Mitmenschen. Ich geh nicht weg, weil ich mich zu Weihnachten einsamer fühle als sonst. Ich geh weg, weil mir fad ist. Da steh ich nicht auf Depressionspatienten mit sentimentalen Anflügen. Drum auch die Balkanlokale. Dort sind die Leute, die nicht über die Feiertage weg gefahren sind und denen auch fad ist.

Was macht ein Chinese zu Weihnachten?
Die einzigen, deren Weihnachtskoller ich nachvollziehen kann, sind die St. Pöltner. Wer dort nicht bei irgendeiner Familie Unterschlupf finden kann, ist wirklich eine arme Sau. Dort sperren sogar die türkischen und chinesischen Lokale zu Weihnachten zu. Selbst der McDonalds, die Ikone des schrankenlosen Kapitalismus, macht den Laden dicht. Da kriegt man nicht einmal was zu essen. Das kann was eher ernüchterndes haben. Davon, dass man dann auf Weihnachtsfernsehprogramm angewiesen ist, ganz zu schweigen. Da muss man depressiv werden.

Auf Urlaub fahren ist halt auch so eine Sache. Nicht einmal in Saudi Arabien entkommt man Weihnachten mehr zur Gänze, hab ich mir sagen lassen. Womit dann der einzig denkbare positive Effekt einer theokratischen Diktatur sich irgendwie in Luft auflöst.

Ein bisschen Weihnachtsmuffel bin ich schon
Ein bisschen was von einem Weihnachtsmuffel hab ich schon an mir. Falls es noch niemandem aufgefallen ist. Es hat halt was ziemlich totalitäres, dieses Fest. Wirklich entkommt man ihm nicht.

Und es ist ja sehr interessant, für wie naturwüchsig die Menschen jeweils ihre Art Weihnachten zu feiern halten. Das Christkind gilt als Symbol des alpenländisch-katholischen Weihnachtens. Neuerdings ist es Träger des Widerstandes gegen eine globalisierte Kommerzindustrie und den US-Kulturimperialismus. Was in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert ist. Es ist meines Wissens nach nicht empirisch belegt, dass das Christkind weniger Geschenke bringt als sein böser imperialistischer Gegenspieler. Ja, oft bringen die beiden die gleichen Sachen. Was die Kommerzkritik der Christkind-Fetischisten natürlich eindrucksvoll belegt.

Christkind vs. Weihnachtsmann
Abgesehen davon, dass der Weihnachtsmann vielleicht den Fehler hat, dass ihn Coca Cola rot gemacht hat ist er historisch nicht wirklich der böse Christkind- und Kulturmörder. Die beiden sind Erfindungen der Reformation. Martin Luther hat den Kult um Christkind wie Weihnachtsmann selbst gefördert, um den Heiligen Nikolaus auszubooten. Heilige sind in protestantischen Kreisen nicht wirklich beliebt. Wenn der Weihnachtsmann jemanden geschluckt hat, war’s der Nikolaus. Mit dem ist er eins geworden. Und hat’s als halb-katholischer Bastard vor allem in protestantischen Ländern zu großer Beliebtheit gebracht. Und das immer noch rein-protestantische Christkind wird von den kampfkatholischen Alpenländern angehimmelt.

Schunkeln tun sie um einen Nadelbaum. Der ist erst im 19. Jahrhundert als deutsche Modeerscheinung in die Alpentäler gebracht worden, verkauft zum Teil als Neubelebung eines germanischen Kultes. Zumindest der Teil dürfte authentisch sein. Was immer noch nicht erklärt, warum Weihnachten bei uns in der Nacht vor dem Fest des römischen Sonnengottes gefeiert wird. Und, wie ich jüngstens im BIPA beobachtet habe, geht der neueste Trend in Richtung protziger Weihnachtsbaumspitzen.

Die Pickelhaube auf dem Baum
Mit kugelrunder Basis und langer Spitze erinnert das Ding sehr an preußische Pickelhauben. Was an sich auch nicht ganz authentisch österreichisch wäre, wenn auch eine unfreiwillige Rückbesinnung auf die Berliner Wurzeln des Christbaums. In etwa so originär österreichisch wie der Weihrauch, den manche gerne um diese Jahreszeit zuhause haben. Vor allem die, die so gerne ein echtes österreichisches Weihnachten feiern wollen, so richtig besinnlich.

Der Weihrauch kommt eher nicht aus Gramatneusiedl. Dort werden vielleicht andere THC-haltige Produkte angebaut, aber mit Sicherheit kein Weihrauch. Aber vielleicht liegt ja darin das Geheimnis des wahrhaft besinnlichen Weihnachtens. Im Weihrauch, nicht in Gramatneusiedl.

Bleibt die Frage, warum man dann auf den 24. Dezember angewiesen ist. Und auf Christkind und Geschenke. Und die religiöse Kiste.

Der Opa als Nazi

Strache_Plakat2Die FPÖ und ihre Anhänger zeichnen sich im allgemeinen nicht durch sonderliche Sachlichkeit aus. Die würde auch Sachkenntnis voraussetzen. Ein Beispiel liefert folgender Mail-Verkehr mit einem jungen Mann via Facebook. Einen leisen Hinweis, welche politische Einstellung er hat, lieferte er mit seinem Profilfoto, das ihn mit Bumsti Strache zeigt.

Lieber Herr Baumgartner!
Ich möchte Ihnen in dieser kurzen Nachricht nur aufzeigen, wie sinnlos der Name Ihrer Gruppe ist ! Welcher normale Österreicher wünscht sich lieber einen schreienden Muezin auf dem Dach, als seinen geliebten Großvater wieder im Haus ! Ich bevorzuge letzteres und bin davon überzeugt Sie auch! Also bedenken Sie bitte nochmals den Namen Ihrer Gruppe und ändern Sie ihn sachgemäß ab.
PS: Ich bin kein Rassist, kein Neo-Nazi und auch kein Faschist ! Ich möchte Ihnen nur aufzeigen wie lächerlich der Name ist und gegen jede österreichische Moral spricht!

Lieber L,
Abgesehen davon, dass ich Baumgarten heiße und nicht Baumgartner: Ein wenig mehr sachliche Information wäre hier durchaus angebracht. Auf welche Gruppe beziehen Sie sich, bitte? "
Für ein lazistisches Österreich"? "Lieber ein Muezzin am Dach als ein Nazi im Haus?" "Ich bau mir ein Minarett aufs Dach"? (Bei den letzten beiden bin ich lediglich Mitglied, nicht aber deren Gründer) Oder beziehen Sie such überhaupt auf die gemeinsame Stellungnahme der atheistischen Organisationen? In welchem logischen Zusammenhang steht ein Großvater im Haus, ob liebend oder nicht, mit einem Muezzin? Zieht der Großvater aus, wenn es einen Muezzin gibt? Oder kommt er dann nimmer auf Besuch? Oder kriegt er dann einen Herzinfarkt? Wie darf ich das verstehen? Und wie könnte ich den Namen einer Gruppe, von der ich nicht genau weiß, welche Sie meinen, "sachgemäß" abändern? Und vor allem, was wäre "Sache"?Und was zum Teufel soll "österreichische Moral" sein? Ich bitte um genauere Erläuterungen. Dann bin ich gerne bereit, mich inhaltlich mit Ihnen auseinanderzusetzen.
Mfg,Christoph Baumgarten
P.S.: Wenn Sie mit Ihrer Behauptung, kein Rassist zu sein, einigermaßen glaubwürdig sein wollen, sollten Sie kein Profilbild mit Bumsti Strache verwenden.


L 07. Dezember um 15:11
Ich bitte Sie vielmals um Entschuldigung Herr Baumgarten!
Ich bezog mich auf die Gruppe: Lieber ein Minarett auf dem Dach als einen Nazi im Haus! Sie stehen hier als Gründer!
Weiters habe ich mit dem Großvater den Nazi gemeint und mit dem Üzelbrützel, damit ich mich Ihrem Niveau gegen andere person vorzugehen angepasst habe, meinte ich die Minarett bzw. den Muezzin.
Sachgemäß wäre zb. wir sind alles Österreich hasser, also tretet bei und vernichtet es durch den Islam.
Mein Gott ich habe mit dem HC gesoffen, einen schönen Abend verbracht und mich auf einem Foto mit Ihm verewigt! Bin ich deswegen ein Rassist? Möglicherweise ein rechtsradikaler Schandfleck? Nein ich denke nicht! Ich bin Patriotisch veranlagt und kümmere mich um unser untergehendes Österreich, wie es viele andere ( möglicherweise auch Sie ??) tun sollten und nicht für ein Bauwerk eintreten, welches überhaupt nichts mit Religion, sondern nur mit Macht zu tun hat!

Christoph Baumgarten 07. Dezember um 06:26
Also, Sie kümmern sich um ein angeblich untergehendes Österreich. Inwiefern geht es unter? Woran merkt man das? Warum merken das bloß einige wenige, vermutlich Erleuchtete oder sonstwas, und der Rest nicht? Offenbar nicht auserwählt?Weiters ist mir völlig schleierhaft, was der Islam mit der Vernichtung Österreichs zu tun haben sollte. In Österreich haben um die vorige Jahrhundertwende deutlich mehr Muslime gelebt als heute. Zugrunde gegangen ist es an sich selbst, wobei der Auslöser ein serbisch-orthodoxer Attentäter war. Auch würden mich die Vernichtungsvorstellungen mal konkret interessieren. Inwiefern könnte denn "der Islam" Österreich vernichten? Im Sinne eines sachlichen Dialogs wäre ich Ihnen durchaus verbunden, wenn Sie diese Fragen beantworten könnten. Und bitte nicht mit Hilfe von Pauschalunterstellungen.Interessant ist, dass Sie mit Nazi gkleich einen "liebenden" Großvater asoziieren. Ich dachte bei Nazi eher an die traurigen Gestalten, die neuerdings in großen Mengen offen an FPÖ-Veranstaltungen teilnehmen... Ich würde mir an Ihrer Stelle Gedanken machen, ob ich Botschaften richtig verstehen kann, wenn mir sofort dieser Gedankengang kommt. Dazu würden mir jetzt mehrere Erklärungen einfallen, ich lass es aber.Inwiefern es auch zur Vernichtung Österreichs beitragen soll, wenn man vor der eigenen Türe kehrt und sich zu demokratischen Spielregeln bekennt, erschließt sich mir auch nicht ganz. Rechtsstaat und Menschenrechte funktionieren nur, wenn sie für alle gelten. Wobei mir durchaus bewusst ist, dass die FPÖ gerne den Eindruck erweckt, dass der Rechtsstaat nur für die anderen gelte und Menschenrechte nur für einen selber. Das kann durchaus verwirrend sein.Und, nur so nebenbei: Würden Sie sich etwas mit Geschichte auseinandersetzen, würden Sie wissen, dass ein Kirchturm ebenso ein Machtsymbol ist wie ein Minarett. Und ein guter Teil des Streits dreht sich erfahrungsgemäß darum, wessen Symbol das längere ist.


Auf das letzte Mail habe ich keine Antwort mehr erhalten. Offenbar hat es dem jungen Mann ob meiner Fragen die Sprache verschlagen. Vielleicht denkt er auch etwas darüber nach, was zu hoffen wäre.

Ich habe den Namen des jungen Mannes abgekürzt. Bei allem Unfug, den er verzapft hat, halte ich es für unnötig, ihn bloßzustellen.

Und täglich blockiert die "Volks"partei

Proell2Etwas verspätet aber doch eine kurze Zusammenfassung dessen, was die "Volks"partei in den vergangenen Wochen an den Menschen in diesem Land verbrochen hat. Anders kann man das schön langsam nicht mehr nennen. Stichwort weitere Diskriminierung Homosexueller und Diskriminierung Andersdenkender.

Es ist mir an sich egal, was der Herr Vizekanzler für pervers hält und was nicht. So lange er es mir nicht unter die Nase reibt, soll er denken, was er mag. In höchsten Maß ärgerlich finde ich, wenn er öffentlich mit solchen Worten Andersdenkende und ihre Rechte bezeichnet. Atheistinnen und Atheisten zum Beispiel. Für deren Rechte hat der Herr Vizekanzler ungefähr so viel Verständnis wie für die Grundzüge der Ökonomie.

In einem Interview mit dem Kurier bezeichnet er das Recht, frei VON Religion zu sein wörtlich als pervers. Was ich als beleidigend empfinde. der Herr soll sich gefälligst bei mir entschuldigen. Was kommt als nächstes? Das Verbot aus einer Religionsgemeinschaft auszutreten? Ist das für ihn auch pervers?

Dass der Herr Vizekanzler und sein Onkel offenbar unfähig sind ohne ihre Dosis Katholizismus zu leben, ist ihre Sache. Ich kritisiere das höchstens auf Basis rationaler Überlegungen und historischer Beweise. Jedenfalls würde ich das Recht Prölls in eine Kirche zu gehen nicht als pervers bezeichnen. Auch nicht sein Recht, kein Abo der "freidenkerIn" zu beziehen. Ich gestehe ihm das Recht zu, von einer Zeitschrift verschont zu bleiben, die sich der Logik und dem Humanismus verschrieben hat.

Grün vor Neid?
Mit Logik und Humanismus kann der Vizekanzler offenbar ohnehin nichts anfangen. Genauso wenig wie mit Menschenrechten. Mit denen hat die "Volks"partei ein Grundproblem, wie die täglichen Manöver der Maria Fekter zeigen. Überrascht wenig. Der Vatikan hat die Europäische Menschenrechtskonvention bis heute nicht ratifiziert. Warum soll sich da die ÖVP leichter tun damit?

Ein Freund von mir hat die Pröllschen Aussagen zu den Menschenrechten Andersdenkender als "faschistisch" bezeichnet. Wer mit solchen Argumenten Anderen abspreche, Rechte zu haben, habe nichts anderes verdient. Ich bin geneigt ihm zuzustimmen.

Nicht viel leichter tut sich der Herr Finanzminister mit Menschen, die nicht das Glück haben, reich geerbt zu haben. Was ihn nebenbei, mit dem Noch-Wissenschaftsminister eint. Ohne Not hat er eine Neiddebatte entfachen wollen. das Transferkonto solle alle staatlichen Leistungen an Haushalte offen legen. Wohlgemerkt nur solche, die unter den Begriff "sozial" fallen.

Von einem Mann kommend, der eine Mindestsicherung, von der man vielleicht leben könnte, als soziale Hängematte diffamiert, können solche Aussagen nur als gefährliche Drohung verstanden werden. "Schaut her, diese Alleinerziehende kriegt im Monat 700 Euro an Kinder- und Wohnbeihilfen. Dafür zahlt ihr Steuern. Weg damit." Die Zustände, unter denen die Familie lebt, sagt er nicht dazu. Dass die Frau so lange arbeitet, wie es die Kindergartenöffnungszeiten irgendwie zulassen, sagt er auch nicht. Dass sie mit dem Geld gerade mal über die Runden kommt, auch nicht. Mehr gibt der Sozialstaat nicht her. Von einem menschenwürdigen Leben ist keine Rede.

Pröll will nur diese Alleinerziehende gegen die ausspielen, die glücklicherweise gerade genug verdienen, um irgendwie alleine über die Runden zu kommen. Ihnen einreden, dass es die Alleinerziehende ist, die verhindert, dass sie ökonomisch weiterkommen. Damit sie grün vor Neid werden und schwarz wählen.

Mit unbedeutenden Details wie der Realität hat das denkbar wenig zu tun. Was in der geistigen Welt der "Volks"partei nicht überraschen darf. Was der Herr Finanzminister tunlichst nicht erwähnt, ist etwa der Umstand, dass es die arbeitenden Menschen in diesem Land sind, die mit ihren Steuern die Unternehmer und Bauern subventionieren. 50 Prozent der Unternehmerpensionen werden aus Steuern bezahlt und 75 Prozent der Bauernpensionen. Aus Steuern, die zu 80 Prozent von den Lohnabhängigen bezahlt werden. Das wird nicht auf dem Transferkonto stehen. Und die Banken werden wahrscheinlich auch keine Briefchen bekommen, auf denen die Milliardenbeträge verzeichnet sind, die sie von der Republik bekommen haben. Und Fiona-Doch-Nicht-Swarovski wird wohl auch keine Verständigung bekommen, wie viel Erbschafts- und Vermögenssteuern sie sich durch die Blockiererhaltung der "Volks"partei erspart hat. Wozu auch? Unternehmer, Bauern und Banker sind die Gruppen, vor denen der Lohnabhängige in Ehrfurcht zu erstarren hat, deren "Leistungsbereitschaft" er zu schätzen hat. Und für die er folglich den Gürtel enger zu schnallen hat. Geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut.

Diskriminierung als Fortschritt?
Und zu guter Letzt ist es reichlich seltsam, was die "Volks"partei unter Gleichberechtigung versteht. Dass Homosexuelle nicht das Recht haben werden, ihre Partnerschaften auf Standesämtern einzutragen, ist offene Diskriminierung.

Die eingetragene Partnerschaft an sich ist ein Fortschritt, den die SPÖ gegen die Widerstände der VP durchgesetzt hat. Auch um den Preis, die Zeremonie am Standesamt nicht durchzubringen. Besser das als gar nichts, so das rote Kalkül. Spricht nicht für das Verhandlungsgeschick. Allerdings dafür, dass man sich lieber der Kritik von Homosexuellen-Organisationen aussetzt, nur die Schmalspurvariante zustande gebracht zu haben als nicht wenigstens eine Linderung der rechtlichen Diskriminierung erreicht zu haben.

Was bitte stört mich, wenn Homosexuelle am Standesamt quasi heiraten dürfen? Fällt mir ein Stein aus der Krone? Nebenbei, was geht mich das überhaupt an, ob zwei Menschen heiraten, eine Partnerschaft eingehen, sich trennen oder weiß der Kuckuck was? Geht's mich an ob er schwarzhaarig ist und sie blond? Er dünn und sie dick? Ich denke nicht. Warum soll es mich dann etwas angehen, ob es zwei Männer sind oder zwei Frauen?

Heterosexuelle Paare muss man ungeachtet ästhetischer Komponenten auf Standesämtern ertragen. Jede und jeder würde zu Recht aufschreien, würde hier jemand auf die Idee kommen, besonders schönen oder besonders hässlichen Paaren zu verbieten, dort zu heiraten. Obwohl man sicher beides irgendwie mit irgendwelchen vermuteten Reaktionen irgendwelcher anderen, die irgendetwas am Standesamt zu tun haben, rechtfertigen könnte. Besonders hässliche Paare etwa könnten auf Frischverliebte abturnend wirken. Und besonders schöne Paare könnten weniger schöne Paare einschüchtern. Oder einen der Partner dazu bringen, es sich im letzten Moment anders überlegen. Oder was weiß ich. Würde niemand für sonderlich sinnvoll halten. Jede und jeder würde solche Überlegungen zu Recht als diskriminierend erkennen.

Auf der gleichen Ebene rechtfertigt die "Volks"partei, warum Schwule und Lesben nicht auf Standesämtern heiraten dürfen. Mit Worten, die man dort für Argumente hält. Wenn die Schwarzen das ernst meinen, gehen sie davon aus, dass ihre Wählerinnen und Wähler bigotte Angsthasen sind. Das sollte sich auch offen sagen. Mal sehen, wie das bei den Leuten ankommt.

In eigener Sache
Im übrigen möchte ich mich bei meinen Leserinnen und Lesern für mein beinahe zweiwöchiges Schweigen entschuldigen. Ich hatte sehr viel zu tun und habe die wenige Freizeit, die mir geblieben ist, gebraucht, um mich von den Anstrengungen der letzten Zeit einigermaßen zu erholen.

Österreichs AtheistInnen fordern Entschuldigung von Finanzminister Josef Pröll

Proell2Österreichs atheistische und humanistische Organisationen fordern umgehend eine Entschuldigung von Finanzminister und Vizekanzler Josef Pröll für seine Aussagen im „Kurier“ vom Mittwoch. Dort hatte der ÖVP-Obmann die Rechte von AtheistInnen wörtlich als „pervers“ bezeichnet. Diese Aussagen seien für ein amtierendes Regierungsmitglied ungeheuerlich und menschenverachtend.

„Von Heinz Christian Strache und Gerhard Dörfler ist man eine derartige Wortwahl gewohnt, auch von Erwin Pröll. Dass jetzt auch ein amtierender Finanzminister und Vizekanzler auf ein derart menschenverachtendes und beleidigendes Niveau heruntersinkt, überrascht und irritiert“, kommentieren die Vorsitzenden Österreichs atheistischer und humanistischer Vereine die Aussagen Josef Prölls, das Recht von AtheistInnen, von Religion in öffentlichem Raum verschont zu bleiben, sei pervers. „Offenbar hat man bei den Parteien rechts der Mitte ein Problem mit dem Rechtsstaat und dem gesunden Menschenverstand.“ Vor wenigen Tagen hatte der Onkel des Finanzministers, der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll, noch mit der Bemerkung provoziert, so lange er Landeshauptmann sei, würden die Kreuze in den Klassenzimmern bleiben – egal, ob es ein Urteil des EGMR gebe oder nicht.

„Die Aussagen des Neffen übertreffen das tiefe Niveau des Statements des Onkels bei weitem. Das Urteil des EGMR ist eindeutig: Kreuze in Schulklassen widersprechen den Menschenrechten. Wer das als pervers bezeichnet, hat offenbar den Sinn von Menschenrechten nicht verstanden“, sagen Theo Maier (Freidenkerbund), Erich Eder (AG-ATHE), Karl Linek (AHA) und Niko Alm (Giordano Bruno-Stiftung). „Was kommt als nächstes? Will Pröll konfessionsfreie Kinder in den Religionsunterricht zwingen? Oder AtheistInnen zwingen, den Kirchenbeitrag zu zahlen? Ist es für ihn vielleicht überhaupt pervers, dass man aus einer Religionsgemeinschaft austreten darf?“

Jedenfalls wisse man, was vom liberalen Image der ÖVP zu halten sei. „Mit dieser Aussage reiht er sich nahtlos in die Tradition der Kampfkatholiken der Ersten Republik ein. Gut, dass wir das Recht, aus Religionsgemeinschaften auszutreten, schon erkämpft haben.“ Das Ziel der Entgleisung sei klar. „Hier sollen wieder einmal Menschen gegeneinander aufgehetzt werden. In dem Fall Konfessionsfreie gegen Mitglieder von Religionsgemeinschaften.“

Pröll muss sich bei zwei Millionen Menschen entschuldigen

„Auch die Begründung, warum die Kruzifixe für Pröll in den Klassen bleiben müssen, spricht von Ahnungslosigkeit. Offenbar hält Pröll das ursprünglich von den Klerikalfaschisten ausgehandelte Konkordat für sakrosankt. Dass man mit bilateralen Verträgen Menschenrechte nicht nach Belieben aushebeln kann, hat er offenbar noch nicht verstanden“.

Pröll solle zur Kenntnis nehmen, dass in Österreich fast zwei Millionen Menschen leben, die keiner Konfession angehören. „Auch diese Menschen haben Rechte. Der Obmann einer Regierungspartei wäre gut beraten, das zu akzeptieren. Diesen Menschen schuldet er eine umgehende Entschuldigung,“ sagen Maier, Eder, Linek und Alm.

Das Kreuz mit Österreich

SchulklasseKreuze in Schulklassen sind menschenrechtswidrig, sagt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Sie sind religiöse Symbole, und die dürfen Menschen nicht aufgezwungen werden. Zumal, wenn es Kinder sind. Eine Haltung, die im Großteil der demokratischen Länder selbstverständlich ist. Nur nicht in Österreich. Ein kleiner Blick, warum nicht.

Menschenrechte wollen die? Warum denn? Wenn die Mehrheit dagegen ist! Ja, in diesem Land entscheidet immer noch die Mehrheit. Und das sind wir! Die haben sich daran zu halten. Ja, das sind Menschenrechte! Weil, wo bleiben denn unsere? Unser Menschenrecht ist, dass wir die Mehrheit sind. Drum entscheiden da immer noch wir, was die dürfen und was nicht.

Überhaupt, was pudeln die sich da so auf? Das Kreuz, das steht halt für unsere Kultur und unsere Geschichte. Ja, die haben die Demokratie erfunden, die in der Kirche. Und die Frauenrechte. Und die Menschenrechte. Das weiß man doch. Was, das soll anders gewesen sein? Ich soll Geschichtsbücher lesen? Warum bitte, was geht mich das an? Das war so, weil mir san mir. Wenn ich's Ihnen sag: So war's. Das ist überhaupt kein religiöses Symbol das Kreuz. Das steht schon für die Kirche. Eh klar. Das steht fürs katholisch sein. Sowieso. Das gehört dazu bei uns. So sind wir. So waren wir schon immer. Das ist Österreich.

Was, im Stephansdom sind protestantische Messen gelesen worden? Woher haben's denn den Blödsinn? Nein, das war schon immer so bei uns. Drum haben wir ja die Demokratie erfunden. Also halt die in der Kirche auch. Und was interessieren mich die Juden, die einmal in Österreich gelebt haben? Waren eben Juden, keine Österreicher. Weil ein Österreicher, der ist katholisch. Drum sind wir ja so tolerant, weil das ist unsere Wurzel. Naja, die Evangelischen sind auch ein bisserl Österreicher. Ein bisserl anders halt. Aber wir sind ja nicht so. Aber wer zu uns kommen will, der soll sich anpassen.

Was, in dem Land leben zwei Millionen Menschen ohne religiöses Bekenntnis? So ein Blödsinn. Ah, das haben Sie in der Statistik gelesen? Was gehen mich Statistiken an? Sicher, soll jeder glauben, was er mag. Das nehmen wir ja niemandem weg. Aber die Leut, die sind gegen Österreich. Ich sag's Ihnen. Das ist ein christliches Land. Die müssen sich halt anpassen. Das sind die Leute, die gegen unsere Wurzeln und unsere Geschichte sind. Die müssen sich anpassen an unsere Kultur. Ja, was kann ich dafür, wenn das auch Österreicher sind? Den Pass haben's halt. Deswegen sind die noch lang keine Österreicher. Mit der Einstellung, ganz sicher nicht. Erst, wenn's unsere Kultur respektieren.

Und überhaupt, das sieht man in was für eine Richtung das geht. Jetzt nehmen Sie uns das Kreuz. Dann verbieten sie Weihnachten. Nur damit die anderen ihr Kopftuch weitertragen können. Dabei g'hört das schon lang verboten, ich sag's Ihnen. Die sollen mir nicht kommen mit der Religion. Das sind ja alles Fanatiker. Wir, wir sind christlich. Deswegen sind wir ja so tolerant. Und überhaupt, wie kommen die dazu, was zu fordern, was sie daheim net haben. Sollen selber schauen, wie sie die anderen daheim behandeln. Da sollen sie froh sein, wenn sie bei uns leben dürfen. Das gilt auch für die Atheisten. Sollen net so empfindlich sein. Wir sind's ja auch nicht. Wir lassen uns eh alles gefallen. Weil wir so tolerant sind. Und bevor wir kapieren, was los ist, haben dann die anderen das Sagen. Drum lassen mir uns nix mehr gefallen. Weil, unsere Kultur, die gehört geschützt.

Was unsere Kultur ist? Naja, das sieht man ja. Die Antwort reicht Ihnen nicht? Na, wenn sie's net sehen wollen, kann ich Ihnen auch nicht helfen. Die österreichische Kultur, das sind wir. So wie wir leben halt. Was, das reicht Ihnen immer noch nicht? Was sind denn Sie für einer? Sicher auch so einer, der die österreichische Kultur zerstören will. Damit wir werden, wie die anderen. Wie's die Roten und die Grünen immer wollen. Nur, damit's eine Mehrheit haben. Ja, wir haben euch schon geschaut. Jemand, der nachfragen muss, was unsere Kultur ist, da merkt man schon, woher der kommt. Jemand, dem man das erklären muss, der gehört eh net dazu. Kultur, das muss man fühlen. Wenn man das nicht fühlt, ist man dagegen. So ist das.

Was, Sie fragen immer noch nach? Kommen'S mir net so deppert. San's a Tschopperl oder wollen'S mich häkeln? Das Schnitzel halt. Und due Musik. Der Beethoven. Und der Mozart. Darauf sind wir stolz. Und die Lippizzaner. Und die Sisi. Das ist unsere Kultur. Nein, warum sollt' ich mir Mozart anhören? Schau ich so aus, als würd' mich der interessieren? Ich hör mir lieber den Hansi Hinterseer an. So wie mein Vater die Kernbuam. Das ist unsere Kultur und darauf sind wir stolz. Und der Hermann Maier auch. Nur, damit Sie's wissen. Das muss man spüren. Von Geburt an. Sonst ist man ein vaterlandsloser Geselle.

So wie Sie mit Ihrer depperten Nachfragerei. Sie sind einer von denen, die uns immer vernadern im Ausland. Nur, weil ein Polizist einmal einen Neger g'haut hat, macht's gleich so einen Aufstand. Und dem Strache unterstellt's auch dauernd, dass er ein Rechtsextremer ist. Nur, weil er die Wahrheit sagt. Dass wir uns zuviel gefallen lassen. Das sieht man an den Kreuzen. Na, da gehören ganz andere Saiten aufgezogen mit Euch und die Ausländer. Ihr werdet's schon noch sehen. Da g'hör einmal sauber gemacht. Weil, wir schützen unsere Kultur. Wir sind ja tolerant. Da können sich die anderen ein Beispiel nehmen. Und Sie übrigens auch.

Märchenstunde in St. Pölten

Die Diözese St. Pölten begibt sich einmal mehr in die Arme der Reichen und Mächtigen. Gesponsert unter anderem von Raiffeisen und NÖN lässt Opus-Dei-Mitglied Klaus Küng eine Propagandawelle auf Plakaten anlaufen. Im Unterschied zur Atheisten-Kampagne bleibt der Aufschrei aus. Obwohl hier wesentlich mehr Fragen offen sind.

Gottesbeweise sind so eine Sache. Sie funktionieren nur, wenn man von vornherein an Gott glaubt. ... wenn Du Deinen Atem spürst. Ich bin immer da. Gott. Solche und ähnlich dumme Sprüche lässt die katholische Kirche im Gebiet der Diözese St. Pölten plakatieren. Mehr als 400.000 Euro ist die Kampagne wert. Die Kirche zahlt keinen Cent.

Man kann es sich richten, wenn man befreundete Konzerne und verlängerte Arme hat. Die finanzielle Hauptlast tragen Raiffeisen und NÖN. Beide nicht als Horte progressiven Gedankenguts bekannt, beide mit deutlicher ÖVP-Schlagseite. Beide mit Naheverhältnis zur katholischen Kirche.

Der mediale Aufschrei bleibt aus. Mag sein, dass niemand die Slogans von Klaus Küng ernst nimmt. Oder dieses Land ist wirklich so verzopft, wie es unsere Atheismus-Kampagne den Anschein hat. Die gleichen Medien, die uns damals faktenwidrig und tendenziell rufschädigend "böse Geschäftemacherei" vorgeworfen hatten, begleiten die katholische Propaganda-Aktion freundlich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Strukturelle Diskriminierung
Die katholischen Missionierungsplakate aus dem Fundi-Eck stoßen allerdings nicht auf allzu große Aufmerksamkeit. Insofern weit ineffizienter als die drei (!) Plakate, die wir auf eigene Kosten in Wien haben anbringen lassen. Im Unterschied zu unserer Kampagne will die Kirche auch nicht darauf aufmerksam machen, dass ihre Mitglieder gesellschaftlich diskriminiert werden. Sie will ihre Kerngruppen mobilisieren und wenn möglich, mehr Menschen als bisher in die chronisch leeren Kirchen treiben. Anders ist der Titel "Aufbruchkampagne" auch nicht zu verstehen.

Die Finanzierung beweist einmal mehr, dass kleine Weltanschauungsgemeinschaften in Österreich strukturell diskriminiert werden. Für uns hat niemand 400.000 Euro locker gemacht. Die Kampagne finanziert sich ausschließlich aus Beiträgen der Vereine AG-ATHE, AHA und Freidenkerbund sowie aus Spenden. Ein überschaubares finanzielles Potential. Großspender, die sich als Atheisten hätten outen wollen, gibt es keine. Auch keine, die mit ihrem Geld eine Debatte über den Ursprung von Ethik und Moral hätten initiieren wollen. Klaus Küng schnippt mit dem Finger und das Geld ist da. Mit den Milliarden, die die katholische Kirche jährlich vom Steuerzahler bekommt, kommt er offenbar nicht aus. Die einzigen öffentlichen Zuwendungen, die unsere Vereine bekommen, sind die Publizistikförderungen für unsere Vereinszeitschriften. Die Summen sind überschaubar und die kriegt wirklich jeder.

Das soll kein Lamento über uns arme Atheisten sein. Anderen Gemeinschaften mit nachvollziehbaren gesellschaftspolitischen Anliegen geht es nicht viel besser. Flüchtlingshilforganisationen, Menschenrechtsorganisationen, die Homosexuellenbewegung - sie bekommen zusammen einen Bruchteil der 2,5 Milliarden Euro, die Religionsgemeinschaften jährlich an direkten und indirekten Zuwendungen von Bundes- und Landesregierungen und Gemeinden erhalten. Sie sind auch nicht mit Sondergesetzen wie den Paragrafen 188 und 189 des österreichischen Strafrechts geschützt. Homophobe oder rassistische Äußerungen müssen ziemlich aus dem Rahmen fallen um ein Fall für den Strafrichter zu werden, Atheisten darf man überhaupt so gut wie ungestraft verunglimpfen. Bei Religionsgemeinschaften ist der Rahmen wesentlich enger gesteckt. Wir sind schon froh, dass gegen die Atheisten-Kampagne niemand Anzeige wegen der Verletzung religiöser Gefühle erstattet hat. Eine Verurteilung wäre aufgrund des Gummiparagrafen durchaus möglich, wenn auch unwahrscheinlich. Selbst Strafrichter gehen gelegentlich mit der Zeit. Mit diesen Parolen haben wir unseren Rahmen an rechtlich zulässigen Äußerungen aber schon so ziemlich ausgeschöpft.

Die Republik bevorteilt systematisch eine Art der Überzeugung (die ich jedem persönlich gerne zugestehe) gegenüber jeder anderen. Das ist aktive Diskriminierung. Eine Art von Diskriminierung, die sich auf gesellschaftlicher Ebene fortsetzt. Wie die Kampagne der katholischen Kirche beweist. Für einen nicht nachweisbaren gesellschaftlichen Nutzen wie eine Missionierungskampagne werden große Summen locker gemacht. Niemanden stört es. Aber wehe, jemand ruft laut: "Es gibt keinen Gott. Werte sind menschlich. Es liegt an uns". Eine laizistische Gesellschaft sieht anders aus.

Atheisten-Kampagne in "Orientierung"

Unsere Atheisten-Kampagne hat es auch ins ORF-Religionsmagazin "Orientierung" geschafft. Klaus Ther hat einen sehr ausgewogenen, nachdenklichen Beitrag gestaltet. Bereichert unter anderem von Robert Misik.

Keine Antwort wert?

Das Wissenschaftsministerium findet es offenbar nicht notwendig, zu erklären, warum es die "Europäische Wertestudie" finanziert hat. Zumindest beantworten die Beschäftigten im Ministerium entsprechende Anfragen nicht.

305.000 Euro hat das Wissenschaftsministerium an die Katholisch-Theologische Fakultät gezahlt, um die "Europäische Wertestudie" zu erstellen. Offenbar auf ausdrückliche Genehmigung durch Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP). Ich habe in einem Blogeintrag festgehalten, dass ich die Katholisch-Theologische Fakultät für ungeeignet halte, eine solche als objektiv ausgegebene Studie durchzuführen und warum.
http://www.politwatch.at/stories/wertlose-wertestudie/

Dann wollte ich vom Wissenschaftsministerium wissen, warum man gerade diese Fakultät gesponstert hat. Ich schickte dem zuständigen Beamten einen Fragenkatalog:
Wieviel hat die Studie, die von der Katholisch-Theologischen Fakultät,
namentlich Hrn. Zulehner koordiniert wurde, gekostet?
Stimmt es, dass das Bundesministeristerium für Wissenschaft und Forschung
etwa 300.000 Euro zu dieser Studie beigesteuert hat?
Warum ist in Österreich die Katholisch-Theologische Fakultät mit der Koordinierung der Studie beauftragt worden?
Warum wurde kein qualifiziertes Institut, etwa jenes für Soziologie, mit der Durchführung betraut?
Warum hat die Republik Österreich eine Fakultät, deren Qualifikation für die Durchführung einer solchen Studie fragwürdig ist, gefördert?
Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?
Warum ist sie in den Augen der Republik Österreich förderungswürdig?
Hat das BMWF auch in der Vergangenheit die Durchführung dieser Studie gefördert?


Als Antwort erhielt ich die - für mich durchaus nachvollziehbaren - Sätze: Im Übrigen erlaube ich mir festzuhalten, dass die Kommunikation mit
Medien über unsere Pressestelle läuft, weshalb ich meine Antwort auch an
unsere Pressesprecherin schicke, die Ihnen für weitere Fragen zur Verfügung steht.


Das war am 15.7. Ich beantwortete das Mail ebenso höflich wie mein Gegenüber. Seitdem habe ich vom Ministerium nichts mehr gehört. Kein Anruf, kein Mail. Was ich für ausgesprochen seltsam halte.

Ich mach dem Beamten sicher keinen Vorwurf. Es ist für mich nachvollziehbar, dass er solche Anfragen an die Pressestelle weiterleitet. Allein, warum lässt die nichts mehr von sich hören? Ist die Anfrage lästig? Immerhin schwingt im Fragenkatalog eine gewisse Skepsis mit. Das darf für die Arbeit einer Pressestelle kein Kriterium sein. Oder nimmt man mich nicht ernst? Abgesehen davon, dass ich das für eine Fehleinschätzung halte - auch das darf für eine Pressestelle kein Grund sein, zu schweigen. Es wäre erlaubt, nachzufragen. Auch das ist nicht geschehen. Oder liegt es daran, dass es einem ÖVP-geführten Ministerium unangenehm ist, auf offensichtlich enge Verbindungen zur katholischen Kirche angesprochen zu werden?

Ich warte seit acht Tagen, dass mir als Bürger und als Journalist ein Ministerium Rechenschaft über 305.000 Euro Steuergeld ablegt. Darauf habe ich ein Recht. Und dazu ist das Ministerium verpflichtet. Ob es will oder - wie hier nahe liegt - nicht.

Atheisten-Kampagne im "Report"

Unsere Kampagne hat hohe Wellen geschlagen. Seitdem die Plakate hängen, hat es mehr als 100 Medien-Berichte gegeben. Die Tageszeitung "Heute" fährt eine Kampagne gegen uns. Und am Dienstag war die Kampagne Gegenstand eines Beitrags in der ORF-Sendung "Report".



Auch das ungarische öffentlich-rechtliche Fernsehen wird berichten. Niko Alm und ich haben der Redakteurin am Dienstag Interviews gegeben. Am Mittwoch steht ein Interview für die ORF-Sendung "Orientierung" an. Für drei Plakate eigentlich eine Menge Aufmerksamkeit.

FPÖ will Atheisten den Mund verbieten

fpoe_logoWes Geistes Kind die FPÖ ist, hat sie heute wieder einmal eindrucksvoll bewiesen: Rassistisch und antidemokratisch. Werner Neubauer, Hinterbänkler der Freiheitlichen im Nationalrat, wollte per Presseaussendung Atheistinnen und Atheisten den Mund verbieten. Er forderte die Gemeinde Wien auf, die laufende Atheisten-Kampagne zu stoppen.

Angeblich hat er Angst um uns, dieser Herr Neubauer, der einem durchschnittlich politisch interessierten Menschen vermutlich unbekannt ist. Es sei nur mehr eine Frage der Zeit, bis die "blasphemischen Plakate" muslimische Religionsfanatiker zu Ausschreitungen treiben würden.
http://www.fpoe.at/index.php?id=477&backPID=390&tt_news=37577
Zu verhindern, so Neubauer in gewohnter FPÖ-Logik, sei das nur, wenn die Gemeinde Wien die Plakate der Atheisten-Kampagne entfernen ließe.

Drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen versuchen, funktioniert nicht. Zumal die FPÖ schon mit einer überfordert ist. Umso heftiger fuchtelt sie herum und versucht, Andersdenkende mundtot zu machen, gegen Muslime zu hetzen und die Wiener SPÖ mit ihren wirren Fantasien anzupatzen. Lassen wir mal die Frechheit beiseite, dass dieser Hinterbänkler muslimische Fanatiker für geistesschwächer hält als katholische Fanatiker. Letzere wissen schon längst, worum es geht und versuchen eine Kampagne gegen Atheistinnen und Atheisten zu inszenieren. Mit Argumenten, die denen dieses Herrn Neubauer sehr ähneln. Man möge nur das "Heute" vom Montag aufschlagen.

Interessant auch, dass sich dieser Werner Neubauer um die Weltoffenheit der Stadt Wien Sorgen macht, Sicherzustellen sei die nur, indem man Menschen mit Denk- und Artikulationsverbot belegt und ein Metternichsches Zensursystem einführt. Was eher das Gegenteil von Weltoffenheit ist. Aber gut, dieser Hinterbänkler kommt aus Oberösterreich, was weiß er von den Zuständen in Wien? Was mischt er sich überhaupt in die Wiener Kommunalpolitik ein?

Präventive Notwehr
Und ja, ich nehme diese Sache persönlich. Mir will ein Hinterbänkler aus Linz erklären, wie die Muslime in Wien ticken? Ich lebe im Brunnenviertel. Türkische Migrantinnen und Migranten sind hier keine Seltenheit. Unter meiner Wohnung, in der ich diesen Blog schreibe, befindet sich ein türkisches Cafe. Ich genieße das Leben hier. Und das einzige Mal, dass ich als Erwachsener Opfer eines gewalttätigen Übergriffs wurde, war, als mich ein FPÖ-Sympathisant auf offener Straße geschlagen hat. In den Augen eines Herrn Neubauer wahrscheinlich ein Akt präventiver Notwehr eines aufrechten Patrioten gegen die bösen, gewaltbereiten, Gutmenschen, die das Deutsch- ähm Österreichertum abschaffen möchten. Oder so ähnlich.

Ich will auch nicht davon reden, dass es die FPÖ war, die muslimische Zuwanderer mehrfach gezielt provoziert hat. "Daham statt Islam" und "Abendland in Christenhand" sind offenbar die freiheitlichen Vorstellungen Wiener Weltoffenheit. Katholisch, faschistoid und rassistisch. Eine Schande für eine früher antiklerikale Partei. Vor 20 Jahren wäre die heutige FPÖ-Führung nach solchen Aktionen vermutlich aus der Partei ausgeschlossen worden.

Und um mir den Vorwurf zu ersparen, ich würde meinen Kampf nur in der Öffentlichkeit austragen - hier das e-mail, das an diesen Herrn Neubauer geschrieben habe. Eine Antwort steht aus. Ich behalte mir das Recht vor, sie hier zu veröffentlichen. Sollte sie jemals kommen.
e-mail-an-Werner-Neubauer (doc, 14 KB)
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