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Märchenstunde in St. Pölten

Die Diözese St. Pölten begibt sich einmal mehr in die Arme der Reichen und Mächtigen. Gesponsert unter anderem von Raiffeisen und NÖN lässt Opus-Dei-Mitglied Klaus Küng eine Propagandawelle auf Plakaten anlaufen. Im Unterschied zur Atheisten-Kampagne bleibt der Aufschrei aus. Obwohl hier wesentlich mehr Fragen offen sind.

Gottesbeweise sind so eine Sache. Sie funktionieren nur, wenn man von vornherein an Gott glaubt. ... wenn Du Deinen Atem spürst. Ich bin immer da. Gott. Solche und ähnlich dumme Sprüche lässt die katholische Kirche im Gebiet der Diözese St. Pölten plakatieren. Mehr als 400.000 Euro ist die Kampagne wert. Die Kirche zahlt keinen Cent.

Man kann es sich richten, wenn man befreundete Konzerne und verlängerte Arme hat. Die finanzielle Hauptlast tragen Raiffeisen und NÖN. Beide nicht als Horte progressiven Gedankenguts bekannt, beide mit deutlicher ÖVP-Schlagseite. Beide mit Naheverhältnis zur katholischen Kirche.

Der mediale Aufschrei bleibt aus. Mag sein, dass niemand die Slogans von Klaus Küng ernst nimmt. Oder dieses Land ist wirklich so verzopft, wie es unsere Atheismus-Kampagne den Anschein hat. Die gleichen Medien, die uns damals faktenwidrig und tendenziell rufschädigend "böse Geschäftemacherei" vorgeworfen hatten, begleiten die katholische Propaganda-Aktion freundlich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Strukturelle Diskriminierung
Die katholischen Missionierungsplakate aus dem Fundi-Eck stoßen allerdings nicht auf allzu große Aufmerksamkeit. Insofern weit ineffizienter als die drei (!) Plakate, die wir auf eigene Kosten in Wien haben anbringen lassen. Im Unterschied zu unserer Kampagne will die Kirche auch nicht darauf aufmerksam machen, dass ihre Mitglieder gesellschaftlich diskriminiert werden. Sie will ihre Kerngruppen mobilisieren und wenn möglich, mehr Menschen als bisher in die chronisch leeren Kirchen treiben. Anders ist der Titel "Aufbruchkampagne" auch nicht zu verstehen.

Die Finanzierung beweist einmal mehr, dass kleine Weltanschauungsgemeinschaften in Österreich strukturell diskriminiert werden. Für uns hat niemand 400.000 Euro locker gemacht. Die Kampagne finanziert sich ausschließlich aus Beiträgen der Vereine AG-ATHE, AHA und Freidenkerbund sowie aus Spenden. Ein überschaubares finanzielles Potential. Großspender, die sich als Atheisten hätten outen wollen, gibt es keine. Auch keine, die mit ihrem Geld eine Debatte über den Ursprung von Ethik und Moral hätten initiieren wollen. Klaus Küng schnippt mit dem Finger und das Geld ist da. Mit den Milliarden, die die katholische Kirche jährlich vom Steuerzahler bekommt, kommt er offenbar nicht aus. Die einzigen öffentlichen Zuwendungen, die unsere Vereine bekommen, sind die Publizistikförderungen für unsere Vereinszeitschriften. Die Summen sind überschaubar und die kriegt wirklich jeder.

Das soll kein Lamento über uns arme Atheisten sein. Anderen Gemeinschaften mit nachvollziehbaren gesellschaftspolitischen Anliegen geht es nicht viel besser. Flüchtlingshilforganisationen, Menschenrechtsorganisationen, die Homosexuellenbewegung - sie bekommen zusammen einen Bruchteil der 2,5 Milliarden Euro, die Religionsgemeinschaften jährlich an direkten und indirekten Zuwendungen von Bundes- und Landesregierungen und Gemeinden erhalten. Sie sind auch nicht mit Sondergesetzen wie den Paragrafen 188 und 189 des österreichischen Strafrechts geschützt. Homophobe oder rassistische Äußerungen müssen ziemlich aus dem Rahmen fallen um ein Fall für den Strafrichter zu werden, Atheisten darf man überhaupt so gut wie ungestraft verunglimpfen. Bei Religionsgemeinschaften ist der Rahmen wesentlich enger gesteckt. Wir sind schon froh, dass gegen die Atheisten-Kampagne niemand Anzeige wegen der Verletzung religiöser Gefühle erstattet hat. Eine Verurteilung wäre aufgrund des Gummiparagrafen durchaus möglich, wenn auch unwahrscheinlich. Selbst Strafrichter gehen gelegentlich mit der Zeit. Mit diesen Parolen haben wir unseren Rahmen an rechtlich zulässigen Äußerungen aber schon so ziemlich ausgeschöpft.

Die Republik bevorteilt systematisch eine Art der Überzeugung (die ich jedem persönlich gerne zugestehe) gegenüber jeder anderen. Das ist aktive Diskriminierung. Eine Art von Diskriminierung, die sich auf gesellschaftlicher Ebene fortsetzt. Wie die Kampagne der katholischen Kirche beweist. Für einen nicht nachweisbaren gesellschaftlichen Nutzen wie eine Missionierungskampagne werden große Summen locker gemacht. Niemanden stört es. Aber wehe, jemand ruft laut: "Es gibt keinen Gott. Werte sind menschlich. Es liegt an uns". Eine laizistische Gesellschaft sieht anders aus.

Atheisten-Kampagne in "Orientierung"

Unsere Atheisten-Kampagne hat es auch ins ORF-Religionsmagazin "Orientierung" geschafft. Klaus Ther hat einen sehr ausgewogenen, nachdenklichen Beitrag gestaltet. Bereichert unter anderem von Robert Misik.

Göttlicher Urin

AutoUroPProvokation oder ernst gemeint? Diese Frage habe ich mir bei einigen Leserbriefen gegen die Atheisten-Kampagne und den wenigen negativen Rückmeldungen an Niko Alm oder mich öfter gestellt. Beim jüngsten Protestmail sind die Grenzen zwischen ernst gemeintem und unfreiwilliger Komik so verwischt wie beim BZÖ.

Sehr geehrter Herr Alm!

Nach den unnötigen Anti-Gott-Plakaten - kein normaler Mensch kann an der Existenz Gottes zweifeln! - sollten Sie diesen Sündenfall vergessen machen durch eine Werbe-Kampagne für die Urintherapie. Das wäre einmal wahre Innovation, statt überflüssige Provokation.
Laut der mir vorliegenden Fachliteratur (20 Bücher) kann man mit dem eigenen Urin nahezu alle Krankheiten heilen. Von der einfachen Erkältung bis hin zu Krebs.

Ich trinke seit 1.1.2000 täglich 1 Glas Morgenurin. Ich mache das vor-
beugend, um gesund zu bleiben und es funktioniert. Ich bin nie im Krankenstand und immer gesund (mit der Urintherapie stärkt man optimal das Immunsystem). Die Urintherapie hat ihre Wurzeln in der Vergangenheit. Deshalb wird sie auch eine Zukunft haben.
Im November 2009 findet übrigens in Mexiko die 5. Weltkonferenz für Urintherapie statt.

Hier kommt 1 Gedicht.

DAS GOLDENE GLAS

Die Alten wußten, daß eine Wunde
am besten heilt, wenn man sie
mit Urin behandelt. Die Alten hatten
keine Pharmaindustrie
wie wir sie heute haben.
Sie haben andere Mittel verwendet.
Sie haben sich unter anderem
auch mit ihrem Urin geheilt.

Ich werde es nicht mehr erleben,
aber vielleicht hängen eines Tages
Plakate in Wien
auf denen von der Heilkraft des Urin
die Rede ist,
auf denen Werbung gemacht wird
für die Urin-Therapie.

Finanziert von Leuten,
die Geld genug haben
und die mit dieser Werbung
nichts verdienen wollen.

Finanziert von Idealisten,
die wissen, daß der Urin
kein Abfall sondern ein Wertstoff ist
mit dem man viele Krankheiten
nicht nur in den Griff bekommen
sondern auch heilen kann.

A. Z.

Fairerweise muss man sagen: Dass die Urintherapie keine Auswirkungen auf die geistige Gesundheit hätte, hat der verhinderte Poet nicht behauptet.

Die Aufmerksamkeit für unsere Kampagne hat übrigens erste Erfolge gezeitigt: Wir haben jetzt ausreichend Spenden, um sie ein Monat lang weiterlaufen zu lassen. Mit etwas Glück kommt so viel Geld herein, dass wir sie in bescheidenem Ausmaß auf andere Städte ausdehnen können. Herzlichen Dank den Spendern.

Unterstützung für eine Million Menschen

CityLightAlt aber gut. Robert Misik hat anlässlich unserer Atheisten-Kampagne in seinem Archiv auf http://www.misik.at nachgeschaut. Eine der ersten Folgen von FS Misik (Folge 19) hat sich mit unserem Anliegen beschäftigt.



Eine Million Konfessionsloser leben in Österreich. Eine Gruppe, die im öffentlichen Raum so gut wie nicht auftritt. Es gilt als unschicklich, keiner Religion anzugehören. Zumindest aus anderen als aus "profanen" Grünen wie Scheidung oder Kirchenbeitrag. Wer aus Überzeugung o.r.B auf den Meldezettel schreibt, gilt als Sonderling. Wenn er oder sie das offen ausspricht. Und das als organisierte Gruppe zu tun, ist sowieso pfui. Zumindest präventiv.

Die Atheisten-Kampagne ist vor allem auf Widerstand von Menschen gestoßen, die sich nicht unmittelbar angesprochen fühlen muss. "Es gibt keinen Gott" - das könnte Menschen verletzen und dürfe nicht auf Bussen angebracht werden. Heißt es übereinstimmend aus Wien, Graz und Innsbruck. Der Werberat hat das ähnlich gesehen und der Kampagne mit knapper Mehrheit "Religionsfreiheit" zuerkannt. Ein Auftritt in der Morning Show von 88,6 war von den ähnlichen Gedankengängen des Moderators Hary Raithofer geprägt. Das Gratisblatt "Heute" hat in fünf (!) aufeinanderfolgenden Tagen gegen die drei atheistischen Plakate kampagnisiert. Heute erstmals ohne Leserbriefe.

Kaum negative Rückmeldungen
Als Presseverantwortlicher der Kampagne hab ich viele Rückmeldungen bekommen. Praktisch ausschließlich positive. Mit Ausnahme eines eher wirren e-mails, das ich auch hier kommentiert habe. Und dann gab's noch einen User, der auf dem Blog seine Spuren hinterließ und mich mit seiner Sturheit und offenkundigen Beschränktheit zu für meine Verhältnisse unhöflichen Repliken nötigte. In Summe nichts im Vergleich zu den Leserbriefen in "Heute".

Auch die Religionsgemeinschaften haben ruhig reagiert. Ich vermute eher aus Kalkül denn aus innerer Überzeugung. Ich vermute, wir sind denen emotional wurscht, um es ganz deutlich zu sagen. Nur, selbst Theologen wissen: Es ist besser, der Kampagne nicht zu viel Aufmerksamkeit durch künstliche Aufregung zu schenken. Und zweitens nützt die Kampagne ihnen, die wenigen wirklich religiösen Menschen an sich zu binden. Wirklich beleidigt sind höchstens ein paar sehr empfindsame Wesen. Aber nur, weil sie beleidigt sein wollen.

Die Gefühle der anderen
Der größte Widerstand kommt von denen, die die "religiösen Gefühle" anderer verteidigen wollen. Von Menschen, die sie nicht kennen. Die in ihren Köpfen bestenfalls als Vorstellungen vorhanden sind. Vage Bilder eines imaginierten Gefühls. Nicht des eigenen. Des einer anderen Person.

"Religiösen Gefühlen", zumal denen anderer, wird sehr viel Bedeutung zugemessen in Österreich. Sie sind besser geschützt als alle anderen Gefühle. "Religiöse Gefühle", sagt der Gesetzgeber, sind mehr wert als humanistische Überzeugung, als Respekt vor dem anderen ungeachtet der Herkunft, Hautfarbe oder der anderen künstlichen Unterscheidungsmerkmale, die wir geschaffen haben. Mehr wert als Liebe. Mehr wert als das Selbstwertgefühl. Mehr wert als ein Geborgenheitsgefühl.

Das macht der Gesetzgeber mit dem Paragrafen 188 deutlich, dem so genannten Blasphemieparagrafen. Eine Bestimmung, die selbst Richter als im Kern antidemokratisch erkennen. Verurteilungen nach diesem Paragrafen gibt es - glücklicherweise - kaum. Einzig Susanne Winter fällt mir ein. Und so sehr ich ihre Verurteilung wegen Verhetzung für richtig befinde, so sehr lehne ich ihre Verurteilung nach dem Unrechtsparagrafen 188 ab.
http://www.sbg.ac.at/ssk/docs/stgb/stgb188_191.htm#188

Das Beispiel Winters zeigt deutlich, wie obsolet der 188er ist. Sie wurde auch wegen Verhetzung verurteilt. Jede Strafbestimmung des Blasphemieparagrafen ist durch andere Paragrafen des allgemeinen Strafrechts abgedeckt. Dass er existiert, ist nur ein Sonderschutz für Religionsgemeinschaften. Der auch so ausgelegt werden kann, dass Religionskritik unmöglich wird. Die katholische Kirche versucht das regelmäßig.
http://noe.orf.at/stories/183984/
http://www.freidenker-oesterreich.at/Archiv/T451_susanna_winter.html

Dass das regelmäßig nicht funktioniert, ist dem Good Will von Staatsanwälten und Richtern geschuldet. Die sind - für ihre Verhältnisse - mit der Zeit gegangen. Am Gesetz liegt das nicht. Es ist und bleibt ein Gummiparagraf, mit dem alles und jedes verfolgt werden kann. Theoretisch auch die Atheisten-Kampagne. Ich denke, es wird eher eine Frage der Zeit sein, bis sich ein sensibler Frömmler beleidigt fühlt und den 188er auspackt um seine veletzten Gefühle zu rächen.

Theoretisch wäre der Paragraf natürlich auch auf andere Religionsgemeinschaften anwendbar. Nicht-Christen (vielleicht mit Ausnahme der Muslime) etwa könnten nachvollziehbar argumentieren, die Oster- und Weihnachtspropaganda der katholischen Kirche (Zu Weihnachten/Ostern ist Jesus Christus geboren/auferstanden) verletze sie in ihren religiösen Gefühlen und sei ob der apodiktischen Formulierung eine Herabwürdigung ihrer jeweiligen religiösen Lehren. Juden könnten mit Recht anführen, die wieder eingeführten Karfreitags-Fürbitten seien eine einzige Beleidigung. Seit dem Vorjahr dürfen katholische Priester in der Karfreitags-Messe wieder für die "treulosen Juden" beten. Wenn das keine Beleidung und Herabwürdigung ist, was dann?

Ich wäre durch diesen Paragrafen nicht geschützt. Als Atheist könnte ich schwerlich auf verletzte religiöse Gefühle pochen. Andererseits: Meiner Weltanschauung lässt der Gesetzgeber nicht den gleichen Schutz angedeihen. Aus gutem Grund: Ein ähnlicher Schutzparagraf für eine politische oder sonstige Weltanschauung wäre eine gefährliche Einschränkung der Meinungsfreiheit. Das ist auch der besondere Schutz durch den 188er.

Die halbe Welt braucht keinen Blasphemieparagrafen
Und, wer unbedingt glaubt, er sei notwendig: Die halbe Welt kommt ohne Blasphemieparagrafen aus, auch die zum Frömmeln neigenden USA. Selbst im katholischen Irland wurde er erst vor kurzem eingeführt. Möglicherweise als Entschädigung dafür, dass die katholische Kirche nach jahrzehntelangem, systematischem, Kindesmissbrauch den Opfern eine meist eher symbolische Entschädigung zahlen musste. Der zeitliche Zusammenhang ist bemerkenswert.

Atheistinnen und Atheisten wachgerüttelt
Ein Ziel hat unsere Kampagne erreicht. Sie hat viele Atheistinnen, Agnostiker, Humanistinnen und Laizisten wachgerüttelt. Wir haben viele Zuschriften von Menschen bekommen, die sich für die Kampagne bedanken. Die beteiligten Organisationen haben einen kleinen Mitgliederzuwachs. Erfreulicher Nebeneffekt, aber keinesfalls das eigentliche Ziel der Kampagne.

Einen gewissen Zulauf hat auch die Facebook-Gruppe "Für ein laizistisches Österreich". http://www.facebook.com/home.php?ref=home#/group.php?gid=81456871081
Seit dem ORF-Report vom Dienstag sind knapp 30 Mitglieder beigetreten. Atheismus und Laizismus sind keine Massenbewegungen. Insofern nicht schlecht.

Fernsehtipp
P.S.: Auch das ORF-Religionsmagazin "Orientierung" berichtet über die Kampagne. Sonntag, 12:30, ORF Zwei. Unter anderem mit Robert Misik und mir.

Atheisten-Kampagne im "Report"

Unsere Kampagne hat hohe Wellen geschlagen. Seitdem die Plakate hängen, hat es mehr als 100 Medien-Berichte gegeben. Die Tageszeitung "Heute" fährt eine Kampagne gegen uns. Und am Dienstag war die Kampagne Gegenstand eines Beitrags in der ORF-Sendung "Report".



Auch das ungarische öffentlich-rechtliche Fernsehen wird berichten. Niko Alm und ich haben der Redakteurin am Dienstag Interviews gegeben. Am Mittwoch steht ein Interview für die ORF-Sendung "Orientierung" an. Für drei Plakate eigentlich eine Menge Aufmerksamkeit.

Sie hängen!

PassantenSeit heute hängen sie. Die Sujets der Atheistenkampagne in Wien. Auf drei City Lights in der Bundeshauptstadt sind Slogans wie „Es gibt keinen Gott. Gutes tun ist menschlich. Auf uns kommt es an“ oder „Gott ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein tschechischer Schlagersänger. Entspann dich. Er wird dir nichts tun“ zu lesen. Die Proponenten der Kampagne zeigen sich erleichtert, dass nach den Konflikten der vergangenen Wochen die Sujets hängen - und erfreut, dass die Kampagne auf großes Medienecho gestoßen ist

Mariahilferstraße 1A, vor einem der drei City Lights mit den Sujets der Atheisten-Buskampagne. Zahlreiche Mitglieder der Vereine Freidenkerbund, AG-ATHE und AHA sind zur Präsentation der Sujets gekommen. Niko Alm, Geschäftsführer der Agentur Super-Fi, die die Kampagne kostenlos abwickelt, hat fast dauernd irgendein Mikrofon vor dem Gesicht um interviews zu geben. JournalistInnen von Wienweb.at, ATV, Okto, Ö1 etc. sind gekommen.
Interview-Alm
Auch von der Facebook-Gruppe "Für ein laizistisches Österreich" sind einige Mitglieder gekommen.
http://www.facebook.com/editpicture.php?success=1#/group.php?gid=81456871081

Die Stimmung ist locker. Die Mitglieder der verschiedenen Vereine scherzen, Passanten fragen nach, Autoaufkleber werden ausgeteilt, Visitkarten und e-mail-Adressen ausgetauscht.
Niko_Rudi
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Beliebtes Fotomotiv: Mein T-Shirt mit den Original-Slogans, das ich bei der britischen Kampagne bestellt habe.
Moi

„Wir freuen uns, dass die Kampagne auf so große öffentliche Aufmerksamkeit stößt“, sagen Martin Luksan (Freidenkerbund) und Karl Linek (AHA). „Das zeigt, dass das Thema Atheismus öffentlich wahrgenommen wird. Immerhin CityLightleben in Österreich eine Million Menschen ohne Religionsbekenntnis. Andererseits zeigt die große Aufregung, dass es immer noch nicht gesellschaftlich akzeptiert ist, wenn jemand sagt, dass er nicht an Gott glaubt. Das ist immer noch ein Tabu-Thema, hier gibt es immer noch Diskriminierung“.

Werberat bleibt Kritik nicht erspart
Wie groß das Tabu ist, zeigt der Werberat. Der hatte die Sujets der Atheisten-Kampagne zum Anlass genommen, um sich für politische Kampagnen zuständig zu erklären. "Es hat in der jüngsten Vergangenheit Beispiele gegeben, wo man Menschen absichtlich beleidigt und gegeneinander ausgespielt hat. Für Abendland in Christenhand hat sich der Werberat nicht zuständig gefühlt. Wenn wir öffentlich sagen, es gibt keinen Gott, gibt man uns zu verstehen, dass man uns gnadenhalber Religionsfreiheit zuspricht – aber nur, solange sich niemand beleidigt fühlt. Das kommt uns etwas scheinheilig vor“, sagt Luksan.

Eigenartig sei auch, dass die Religionsgemeinschaften gelassener darauf reagierten als der Werberat. „Die wollen natürlich vermeiden, uns zu viel Widerstand entgegenzusetzen, weil uns das Aufmerksamkeit und Sympathien bringen würden. Dass da der Werberat sprichwörtlich päpstlicher sein will als der Papst, mutet eigenartig an“. Wenn sich das Gremium für derartige Werbekampagnen zuständig fühle, solle es in Zukunft auch auf die Kampagnen von Religionsgemeinschaften Acht geben: „Wir werden sicher keine Beschwerde einlegen sondern höchstens darauf hinweisen, dass da ein religiöses Märchen verbreitet wird. Aber ich wäre mir nicht sicher, ob nicht einige Angehörige anderer Religionen genauso intolerant sind wie manche Katholiken und sich vor den Kopf gestoßen fühlen“.
Fotos: Anna Paseka
http://www.buskampagne.at

Österreichs Atheistinnen und Atheisten gratulieren Gott zum Geburtstag

wallpepa05Österreichs Atheistinnen und Atheisten gratulieren Gott zum Geburtstag. Stellvertretend für eine Million Konfessionsloser in Österreich würdigen die Vereine AtheistInnen und AgnostikerInnen für ein säkulares Österreich (AG-ATHE), Arbeitsgemeinschaft Humanismus und Atheismus (AHA) und Freidenkerbund in einer gemeinsamen Presseaussendungen die bisherigen Leistungen des Geburtstagskindes. „Wir verbinden schöne Kindheits- und Jugenderinnerungen mit ihm“. Den Vereinen sei es aber bewusst, dass Gott nicht unumstritten sei. Skandalös sei, dass er aus MTV verbannt wurde.

„Wer erinnert sich nicht an die Biene Maja?“, fragen Erich Eder (AG-ATHE), Karl Linek (AHA) und Martin Luksan (Freidenkerbund) anlässlich des 70. Geburtstags des tschechischen Schlagersängers Karel Gott. „Man muss nicht alle seine Schnulzen mögen, um sein Werk zu würdigen und vielleicht die eine oder andere schöne Erinnerung mit ihm zu verbinden“.


Skandalös sei, dass MTV seine neue Single „Für immer Jung“, die er gemeinsam mit Bushido aufgenommen hatte, nicht zeigen wollte. „Menschen dürfen nicht wegen ihres Alters diskriminiert werden“. Namens ca. 1 Million Konfessionsloser gratulieren die Vereine dem Sänger zum Geburtstag.

Niko Alm hat eine ausführliche Würdigung des Geburtstagskindes auf seinen Blog gestellt:
http://www.alm.at/2009/07/14/gott-ist-70-alles-gute
http://de.wikipedia.org/wiki/Karel_Gott

Jahrestag der Französischen Revolution nicht vergessen
„Der 14. Juli ist auch der Jahrestag der französischen Revolution“, erinnern die Vereine. „Diesen Jahrestag, heuer ist es der 220. darf man natürlich nicht vergessen. Die Französische Revolution war ein Meilenstein in der Befreiung Europas von Feudalismus und Klerus“. Auch wenn man die Methoden der Revolution differenziert betrachten müsse, habe sie insgesamt in eine richtige Richtung gezeigt. „Es war der erste Gehversuch in Richtung einer demokratischen und laizistischen Gesellschaft. In Frankreich und anderen Ländern hat man die Lektionen gelernt, sogar im erzkatholischen Spanien. Die ehemals faschistischen Länder Italien, Österreich und Deutschland sind die letzten Bollwerke der Kirchenprivilegien in Westeuropa.“

Wie wenig man an diesen Privilegien rütteln dürfe, hätten die Verbote für die Atheisten-Buskampagne gezeigt. „In Wien durften wir die Sujets nicht affichieren, in Deutschland war das ebenfalls unmöglich, in Italien hat die Kirche Proteste dagegen organisiert. Das ist sehr bezeichnend“.

16. 7.: Präsentation der Sujets um 13 Uhr, Mariahilfer Straße 1 A
In Wien werden die Sujets vorerst auf City Lights zu sehen sein. „Übermorgen wird auf mehreren Wiener City Lights zu lesen sein: Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott. Werte sind menschlich. Es liegt an uns."
gewista_buskampagne_90526
Damit wollen wir niemanden missionieren, aber darauf hinweisen, dass eine Million Menschen in Österreich nicht an ein höheres Wesen glaubt, sich die meisten aber nicht trauen, das offen auszusprechen, während religiöse Statements ganz normal sind“. Die Präsentation findet am Donnerstag um 13 Uhr auf der Mariahilfer Straße 1 A statt. Die Kampagne wird aus Spenden finanziert und kostenlos von der Agentur Super-Fi abgewickelt.

http://www.buskampagne.at
http://www.super-fi.eu

Anlässlich des 220. Jahrestages des Sturms auf die Bastille hier meine Lieblingsversion der Marseillaise aus "Casablance". Kitschig, ich weiß. Aber diese Szene zeigt, wofür dieses Lied steht.

Breite Unterstützung für Buskampagne

gewista_buskampagne_90526Bisher ist kein einziger Bus mit den Slogans von http://www.buskampagne.at gefahren. Das haben die Wiener Linien nicht gewollt. Dennoch stößt die Kampagne auf breite Zustimmung, heißt es von den beteiligten Organisationen.

„Wir bekommen Mails von Menschen aus ganz Österreich, die nicht verstehen, warum wir die Sujets nicht auf Bussen der Wiener Linien anbringen durften", sagen Erich Eder (AG-ATHE), Martin Luksan (Freidenkerbund) und Karl Linek (AHA)

„Die Motive unserer Unterstützerinnen und Unterstützer sind breit. Da gibt es Atheistinnen und Agnostiker, die sich freuen, dass sich jemand öffentlich dazu bekennt, nicht an Gott zu glauben. Anderen geht es um demokratische Gleichberechtigung. Sie treten für unser Recht ein, im öffentlichen Raum präsent zu sein, ob das jetzt auf den Wiener Bussen ist oder nicht. Und das sind nicht nur Menschen, die nicht an Gott glauben“, fassen die Proponenten zusammen.

Gertraud Knoll, Bezirksvorsitzende der SPÖ Alsergrund, etwa sieht die Kampagne als Beitrag zu einer Debatte über Ethik und ihren Ursprung im öffentlichen Raum: „Humanität ist keine Gottesfrage. Kein Dazu-Gehören wo auch immer garantiert ein besseres Menschsein! Dass der Mensch dem Menschen ein Wolf sein kann, ist ausreichend durch unheilige Beispiele belegt. Dass wir aber auch friedvoll plurale Demokratien weiter entwickeln können, müssen wir erst beweisen!” Der Physiker Heinz Oberhummer identifiziert sich mit der atheistischen Botschaft: „Zensur war schon immer die Methode um die Kirche vor Wissen zu schützen. Sie ist die letzte Barriere um das Licht der Aufklärung in die Verliese des Glaubens zu bringen.” Prominente Unterstützungserklärungen gibt es auch vom Autor und Journalisten Robert Misik, vom grünen Nationalratsabgeordneten Harald Walser und der Wiener Gemeinderätin Tanja Wehsely von der SPÖ. „Und nicht zu vergessen, die vielen Blogs wie http://www.feuerhaken.org und Initiativen wie auf Facebook und StudiVZ, wo es Zustimmung zu der Idee gibt“, heißt es von den Organisationen.

Taxi-Unternehmer bietet seine Taxis als Werbefläche an
„Bei uns hat sich auch der Wiener Taxi-Unternehmer Martin Slunsky gemeldet, der uns spontan seine Taxis als Werbefläche angeboten hat, als er erfahren hat, dass wir nicht auf die Wiener Linien dürfen“, schildern die Proponenten. „Das hat uns positiv überrascht.“ Und: „Bei uns haben Leute aus Oberösterreich und der Steiermark angefragt, wie sie uns unterstützen können. Wir wissen gar nicht mehr, wie viele Leute das Sujet auf ihre Autos kleben wollen, sobald wir die Autoaufkleber fertig haben“.

Bald T-Shirts mit Slogans?
Auch über T-Shirts werde nachgedacht. „Die Nachfrage ist überraschend groß“.
„Gleichzeitig haben wir Mails von Menschen bekommen, die schreiben: Toll, dass ihr das macht und ich kann mich damit identifizieren. Aber leider kann ich mich beruflich nicht exponieren“, heißt es von den Proponenten. „Das zeigt, wie notwendig unsere Kampagne ist.“

Unterstützung für Buskampagne

gewista_buskampagne_90526Die Unterstützung für die atheistische Buskampagne wird immer breiter. Nur ein Beispiel von vielen aufmunternden Statements ist auf http://www.feuerhaken.org zu finden. Thomas hat dort - auf meine Anregung hin - festgehalten, warum er die Kampagne für eine gute Idee hält.

…weil Religion nicht den öffentlichen Diskurs kontrollieren und bestimmen darf
…weil niemand Gott bewiesen hat
…weil “verletzte religiöse Gefühle” genauso Privatsache sind, wie verletzte “ästhetische Gefühle” verursacht durch eine hässliches Haus oder verletzte “intellektuelle Gefühle” wegen öffentlich zur Schau gestellter Dummheit oder verletzte “humanistische Gefühle” wegen Papst Benedikt, etc…
…weil ich auch religiöse Symbole und Werbung im öffentlichen Raum aushalten muss
…weil es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott gibt
…weil Meinungs-, Rede- und Informationsfreiheit fundamentale Menschenrechte sind und es wichtig ist, dass diese auch in Anspruch genommen werden
… weil Atheisten in Österreich bisher kaum wahrgenommen wurden
… weil mir der Gedanke, sich mehr um die Menschen als um einen möglichen Gott zu kümmern, gefällt
… weil Gott es so will (Totschlagargument, unwiderlegbar, allmächtig)

Nachzulesen auf: http://www.feuerhaken.org

Dort findet sich übrigens auch ein herrlicher Kommentar auf das Urteil gegen Peter Westenthaler, den man seit Donnerstag als gerichtlich verurteilten Lügner bezeichnen darf.

Zweierlei Maß

Stiefm_weisz-red-1_psdDie Atheisten-Buskampagne hat für Aufregung gesorgt. Zahlreiche Medien haben berichtet. Am Freitag vergangener Woche sah sich Kardinal Christoph Schönborn in seiner Kolumne in der Gratiszeitung "heute" gezwungen, auf die Aktion von AG-ATHE, AHA und Freidenkerbund Österreich einzugehen. Hier eine Entgegnung des Vorsitzendes des Freidenkerbundes, Martin Luksan.

Der Kardinal nahm die Laizisten von seiner Kanzel in der Massenzeitung aus zur Kenntnis. Das ist nicht nichts. Er schrieb auch gute Worte:
Wir haben Religionsfreiheit. Und daher auch die Freiheit, nicht an Gott zu glauben. Das ist gut so. Gut ist auch, dass es vielen nicht gleichgültig ist, ob Gott existiert oder nicht. Gut ist die öffentliche Debatte darüber.
Doch gleich wechselte er das Thema, schrieb über Werbung weiter und
schloss mit: Werbesprüche sind keine Argumente.
Schoenborn-Kolumne-in-heute (jpg, 472 KB)

Worum geht es diesmal? Eine Meinungsgruppe in Österreich möchte ihre säkulare Botschaft genauso in die Mitte der Öffentlichkeit stellen wie die katholische Kirche ihre religiösen Mythen. Sie möchte der österreichischen Gesellschaft drei Sätze mitteilen: Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott. Werte sind menschlich. Auf uns kommt es an.
Nun treten allerlei Nebenaspekte hinzu, ob die säkulare Botschaft eine
Religion ist, ob sie die Botschaft der Großen Kirche verächtlich macht,
ob die Wiener Linien noch nie oder immer schon religiöse und politische
Werbung erlaubt haben. Der Teufel sitzt diesmal nicht im Detail, sondern in einer allgemeinen, österreichischen Mentalität.

Die Wiener Linien könnten einfach sagen: Die Katholische Kirche hat noch nie eine Botschaft auf einen unserer Busse aufgeklebt und bevor
diese ehrwürdige Institution das noch nicht gemacht hat, dürft ihr das sowieso nicht. Doch das wäre kein juristisches Argument, sondern der wilde, katholische, Osten.

Rein theoretisch könnten öffentliche und private Verkehrsbetriebe in
Österreich politische und religiöse Inhalte auf ihren Werbeflächen verbieten und immer schon verboten haben. Doch dann erhebt sich
die Frage, wie weit entfernt von den Werbewänden der Verkehrsbetriebe sich im Dezember 2008 folgender Spruch befand:Zu Weihnachten wurde Jesus Christus geboren. Ein Fest der Freude für die Menschen.

Diese zwei Sätze sind alles andere als harmlos, weil sich der erste
Satz auf ein Datum und auf eine angeblich historische Person
bezieht, die ein Gegenstand der Wissenschaften ist, und weil der zweite Satz suggeriert, dass alle Menschen an einen Gott glauben, der Mensch geworden ist, obwohl die Zahlen der Erdbevölkerung das glatt widerlegen. In Österreich befanden sich diese beiden Sätze auf 2300 Plakatflächen und in 600 Citylights. Sie kosteten 300 000 Euro.

Die Gruppe der Laizisten ließ Klebefolien in Deutschland herstellen, weil
sie dort billiger sind, und mietete für 1100 Euro zwei Busse. Sie hätte
lieber tausende Plakatflächen und hunderte Citylights beklebt, um
die öffentliche Debatte in Gang zu bringen, aber es reichte nur für
zwei Busse ein Monat lang. Noch ehe die Busse mit der säkularen Botschaft durch Wien fuhren, wurde der bereits unterschriebene Werbevertrag gekündigt.
gewista_buskampagne_90526
Kardinal Schönborn begrüßt also die öffentliche Debatte. Und er bewundert auch die Wirksamkeit von Werbung. Deshalb war er am 3. Dezember 2008 über den weihnachtlichen Werbespruch so erfreut: gerade durch die Reduzierung auf das Wesentliche ist eine Konzentration der Botschaft möglich. Doch die Laizisten lässt er nunmehr durch die Zeitung wissen: Sie (die öffentliche Debatte) muss argumentieren. Gründe nennen, warum wir an Gott glauben und warum nicht. Ja warum wurde denn vor Weihnachten 2008 damit nicht begonnen? Warum glauben denn Christen, dass am 24. Dezember Gott geboren wurde. Das fehlte auf dem Plakat.

Martin Luksan, Vorsitzender Freidenkerbund Österreich

Aus technischen Gründen ist die Homepage des Freidenkerbunds derzeit nicht auf dem neuesten Stand. Nähere Informationen findet Ihr auf:
http://www.buskampagne.at
und natürlich laufend hier.
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