Woran die SPÖ krankt

Robert MisikDer Neoliberalismus bricht zusammen und relevante linke Parteien gleich mit. Auf den ersten Blick paradox. Viele Menschen haben sich darüber den Kopf zerbrochen. Auch auf diesem Blog war die eine andere Analyse zu lesen. Um so erfreulicher, dass sich auch Robert Misik des Themas angenommen hat.



Vieles von dem, was Misik sagt, kommt mir bekannt vor. Meine Analysen haben - bei aller Bescheidenheit - zu ähnlichen Schlüssen wie die seinen geführt. Ist es eitel, es als Bestätigung meiner Thesen zu sehen, wenn ein von mir sehr geschätzter Journalist das Problem ähnlich sieht? Möglich. Aber lassen wir meine Befindlichkeiten.

Misiks Analyse kann ich mich nahezu vorbehaltlos anschließen. Den größten Widerspruch möchte ich beim Thema Personal einlegen: Ich kenne viele junge, fähige und engagierte Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten und sehe das Problem aus dieser Warte als nicht so groß wie Misik es tut. Andererseits: Vielleicht sind es Menschen, die noch nicht zum Parteisoldaten geformt wurden. Hoffen wir, dass Misik in dem Punkt ein wenig schwarz malt.

Danke für diese wunderbar treffende Analyse.
http://www.misik.at
Brusselsblogger (Gast) - 8. Jul, 09:26

Hauptproblem scheint mir, dass die Sozialdemokraten vom Aufschwung der 80er und 90er so getäuscht wurden, dass sie glaubten, alle ihre Grundsätze vom Tisch fegen zu können. Das fällt ihnen jetzt gewaltig auf den Kopf.

Es ist nämlich das Soziale, die Stabilität, die den Leuten letztendlich wichtiger ist. Darum hat die ÖVP jetzt auch gar keine Probleme, ihre liberalen Wirtschaftsideen kurzfristig zu begraben und Staatshilfen in Millionhöhe zu beschließen.

Wesentlich scheint mir da auch, dass die SPÖ es so schwierig hat, einen sichtbaren Abstand zur ÖVP zu zeigen. Diese Nähe schadet ihr mehr als sie ihr hilft.

Christoph Baumgarten - 9. Jul, 09:32

@brusselsblogger: Ich denke, die Menschen wollen nicht nur Stabilität. Sie wollen rein pragmatisch gesehen auch eine Partei, die ihnen glaubhaft versichern kann, ihr Leben zu verbessern. Soll heißen: Bessere Bildung, höheres Einkommen, weniger Arbeit, bessere Kinderbetreuung, bessere Bedingungen am Arbeitsplatz etc. Die Menschen sehnen sich auch nach positiver Veränderung, nicht nur nach Stabilität. Genau der Punkt fehlt im Moment bei der SPÖ. Sie wird als Bewahrerin wahrgenommen, nicht als Gestalterin, und das bringt sie notwendigerweise in gewissen Punkten in eine, wenn auch oberflächliche, Nähe zur ÖVP.

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