Wie konnte ich mich so irren?

ploner01Die Freiheitlichen haben wieder mal von nichts gewusst und noch weniger waren sie dabei. Dass am Samstag die "Burschenschaften-Safari" von Rechten attackiert wurde, dass einer der Angreifer Sebastian Ploner, parlamentarischer Mitarbeiter des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf und wie Graf Mitglied der Burschenschaft Olympia, gewesen sein soll, hat die blaue Propaganda am Montag unter den Tisch fallen lassen. Sie spricht lieber von "sozialistischer Hetze".

Ich nehme zur Kenntnis: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Burschenschaften-Safari sind am Samstag vor dem Cafe Hummel nicht auseinandergestoben, als teils maskierte Angreifer sie mit Eiern (lt. Polizei mit Wasserbomben) bewarfen, Zettel in die Höhe warfen und davon liefen. Ich nehme zur Kenntnis: Ich bilde mir ein, das gesehen zu haben. Ich bilde mir auch ein, auf Fotos, die laut den Fotografen Sebastian Ploner maskiert und unmaskiert zeigen, Ploner eine Maske in der Hand hält, die so aussieht wie das Logo auf den Flugzettelchen, die die Angreifer in die Höhe warfen. "SJ - geistiger Bankrott" stand dort drauf. "Mfg, ASA". Neben dem rätselhaften letzten Spruch prangte der Smiley mit dem seltsamen Scheitel.
ploner04
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(Das letzte Bild wurde laut den Fotografen unmittelbar nach dem Angriff in einem Hauseingang aufgenommen. Es zeigt - nach Angaben der Fotografen - Sebastian Ploner, nachdem er gerade die Maske abgenommen hat. Für Ploner gilt die Unschuldsvermutung. Auch andere Medien berichten):
http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Randale_mit_Graf-Mitarbeiter_0479624.ece
http://derstandard.at/fs/1244460580035/Graf-Adlatus-bei-rechter-Randale)

Dass ich mir das alles einbilde, sagt ein gewisser Christian Höbart, Nationalratsabgeordneter der FPÖ. Obwohl es zu zahlreichen Provokationen von Seiten der SJ-Aktivisten und zu einigen Rempeleien, die ebenfalls von diesen ausgingen, gekommen ist, waren die Schuldigen für die Medien wieder einmal die 'bösen Rechten', schreibt er in einer Presseaussendung am Montag. Und wenn es ein FPÖ'ler schreibt, muss es ja stimmen. Diese Menschen haben sich in der Vergangenheit immer als sehr wahrheitsliebend herausgestellt und immer zu ihren Fehlern bekannt. Wenn ich etwa an Susanne Winter und ihren Sohn denke, John Gudenus und Herbert Rosenstingl. Um nur einige zu nennen.
http://www.fpoe.at/index.php?id=477&backPID=390&tt_news=36815

Ich habe mir ganz offensichtlich eingebildet, selbst gesehen zu haben, wie ein junger Burschenschafter in hellblauem Polo-Shirt am Gehsteig vor dem Rot(h)en Hof einen Teilnehmer der Burschenschafter-Safari angerempelt hat. Der hat nicht einmal zurückgerempelt. Ich bilde mir auch ein, dass dieser Burschenschafter danach versuchte, feixend auf und ab zu spazieren und die Polizei in Gespräche zu verwickeln. Als er merkte, dass er dort keine Sympathie finden würde, schlich er unauffällig und entmutigt davon. Beziehungsweise habe ich mir das alles nur eingebildet.

Interessant, dass es dieser Herr Höbart besser weiß als ich. Ihn hab ich dort nicht gesehen. Auch Birgit Ossberger von der Josefstäder Bezirks-FPÖ hat meines Wissens nach nicht an dem Info-Spaziergang teilgenommen. Dennoch hat auch sie eine Presseaussendung verschickt, in der sie "andersdenkende Bürgerinnen und Bürger" als "Ziel linker Aggressionen" sieht.

Ist Sebastian Ploner Agent von SJ und SLP?
Es gibt eine andere Erklärung, die zeigt, dass Ossberger und Höbart recht haben müssen. Nicht Sebastian Ploner war dort sondern ein Doppelgänger. Und wenn es nicht sein Doppelgänger war, ist Ploner ein Agent, den SJ und/oder SLP in die Olympia und das Büro von Martin Graf eingeschleust haben. Und wenn sie ihn nicht eingeschleust haben, haben sie ihn gezwungen, am Samstag mit Eiern auf sie zu werfen. Die gleiche linke Provokation, die Skinheads mit einschlägigen T-Shirts zeigten, als sie bei der FPÖ-Abschlusskundgebung am Viktor-Adler-Markt den Arm zum Hitler-Gruß hoben.

Es kann gar nicht anders sein. Es sind ja FPÖ'ler, die sagen, dass die Gewalt von den Linken ausgeht. Und natürlich hat sich die SJ Oberösterreich am Wochenende selbst den Kampagnenbus mit rechten Parolen zugeschmiert und die Scheiben eingeschlagen.
DSC00029
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(Bildquelle: SJ OÖ)

Und selbstverständlich ist es Zufall, dass die FPÖ vor dem Info-Spaziergang von SJ und SLP gemeinsam mit einem Neonazi-Forum Stimmung gegen die Veranstaltung gemacht hatte. Mit den rechten Übergriffen, pardon: mit den präventiven Selbstverteidigungsaktionen aufrechter Staatsbürger, hat das selbstverständlich nichts zu tun. Die Aufrufe der Alpen-Donau-Info, die auf die Presseaussendung der FPÖ verlinkt hatte, konnten selbstverständlich nicht als Gewaltaufruf missverstanden werden.

Sie lügen die Berge weg
Natürlich gibt es eine andere Erklärung, wie meine Wahrnehmungen und die Aussagen von FPÖ-Politikern zusammenpassen könnten. Sie lügen die Berge weg. Welche der Erklärungen die plausiblere ist, überlasse ich den werten Leserinnen und Lesern.

P.S.: Am Sonntag war mir nicht bekannt, dass es Fotos gibt, die tatsächlich oder angeblich Sebastian Ploner nach dem Angriff zeigen. Ich bitte um Verständnis.
http://www.slp.at/artikel+M557da81dea8.html
http://wegmitrechtennachbarn.blogsport.de/
Marve (Gast) - 15. Jun, 16:23

wie das Logo auf den Flugzettelchen, die die Angreifer in die Höhe waren. "SJ - geistiger Bankrott" stand dort drauf. "Mfg, ASA"

http://img218.imageshack.us/img218/396/asae.jpg
Wer oder was ist "ASA"?


"Obwohl es zu zahlreichen Provokationen von Seiten der SJ-Aktivisten und zu einigen Rempeleien, die ebenfalls von diesen ausgingen, gekommen ist, waren die Schuldigen für die Medien wieder einmal die 'bösen Rechten'"

Damit es zu Rempeleien hätte kommen können, hätten sich die bösen Rechten erst einmal in die Nähe des SJ-Wandertages trauen müssen. Nicht dass ihnen dort viel passiert wäre, außer dass sie vielleicht mit ihren Zettelchen und Ei-Überresten beworfen worden wären.

Christoph Baumgarten - 15. Jun, 16:26

@MARVE:
Einer der Burschenschafter ist vom Haus der Teutonia (dem mit dem Logo) gekommen und hat sich vom Haus aus gesehen auf der rechten Seite des Rot(h)en Hofes herumgetrieben und dabei einen SJ-ler angerempelt. Der Angriff hatte schon vorher stattgefunden, beim Hummel. Ich bezweifle, dass der Burschenschafter dort dabei war.
Was ASA ist, hab ich versucht herauszufinden. Es ist mir offen gestanden nicht gelungen.

Marve (Gast) - 15. Jun, 19:48

Das Zniachtl im blauen Hemd? Dann war der eh sehr mutig, alle Achtung. Mir kam so vor, als hätte ich ihn später in der Bude über dem narrischen Kastanienbaum gesehen.

Christoph Baumgarten - 15. Jun, 20:53

So mutig, dass er nachher nicht einmal mehr das Telefon abhebt und zu dem steht, was er getan hat. Offenbar ist er nur mutig in Begleitung anderer und maskiert.

Paul (Gast) - 15. Jun, 22:36

ASA wird schätzungsweise ein Synonym für Helly Hansen ASA sein:
http://tinyurl.com/lt6gbv

Marve (Gast) - 15. Jun, 22:50

Ein teutscher Bursch allein auf weiter Flur, gegen die Übermacht der linken Horden (und in Anwesenheit von einem Dutzend Polizisten) - da hat er seinen Kumpanen von der Silesia was erzählen können. Aber wenn er Nähe auf Ellbogen-Distanz sucht, hilft ein freundschaftlicher Klaps auf den Hinterkopf.

Was ich witzig finde ist, dass von ihm anscheinend die Telefonnummer bekannt ist. Wird die Zwecks böser SMS ausgetauscht, steht die Burschenschafter-Telefonbuch oder ist derjenige schon so notorisch?

Christoph Baumgarten - 16. Jun, 08:50

@MARVE: Da geht's um Journalisten-Anfragen vor denen er sich - zumindest bis gestern - hartnäckig versteckte. Einige Journalisten haben seine Handynummer, auch die Nummer der Olympia ist bekannt - siehe Artikel auf derstandard.at. Gemeldet hat sich aber da wie dort niemand. Ob ihnen die Affäre wohl peinlich ist? Und man kann natürlich darüber spekulieren, woher die anderen Mitglieder des Rudels, das die Veranstaltung attackierte, kamen.

Urban Angst (Gast) - 16. Jun, 14:35

Zur ASA:
http://www.doew.at/frames.php?/projekte/rechts/chronik/2009_06/re.html

"Auf Streuzetteln, die mit einem "Hitler-Smiley" verziert waren, bekannte sich eine bis __dato noch nicht in Erscheinung getretene Gruppe namens ASA__ zum Überfall. Einer der Angreifer konnte in einem nahen Stiegenhaus, in welches er geflüchtet war, gestellt werden: Es handelte sich um den Olympia-Burschenschafter Sebastian Ploner, einen der umstrittenen parlamentarischen Mitarbeiter des nicht minder umstrittenen FPÖ-Nationalratspräsidenten Martin Graf. "

Urban Angst (Gast) - 16. Jun, 14:37

Es gibt auch die "Austrian Space Agency", in der Graf mehrere rechtsextreme Burschenschaftler und Exmitarbeiter "untergebracht" haben soll. Ich glaub aber nicht, dass die ASA Naziflugzettel unterstützen würde.


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