Wer kandidiert hier?
Die an Auffälligkeiten nicht arme FPÖ-Kampagne zur Wahl zur Bundespräsidentschaft wird an Seltsamkeiten nicht ärmer. Mittlerweile stellt sich die Frage, wer eigentlich kandidert.Unterstützungserklärungen werden für Barbara Rosenkranz gesammelt. Auf den Wahlplakaten in Wien grinst Bumsti Strache das Wahlvolk an. Erst dahinter die Dreieckständer mit dem Konterfei von Barbara Rosenkranz. Nicht klarer wird's durch den Strache-Slogan "Wir wählen, wen wir wollen", verbunden mit dem Hinweis "hcstrache.at". Nur ganz klein der Hinweis, dass Strache eigentlich nicht zur Wahl steht. "25. April. Barbara Rosenkranz". Was die Frage aufwirft, wer hier wofür kandidiert. Für sonderlich attraktiv scheint man die offizielle Kandidatin nicht zu halten. Sonst hätte Strache auf den Plakaten nichts verloren.
Auch etwas rätselhaft der Slogan "Zeit für klare Worte", der Strache zugeschrieben wird. Angesichts der eher verwirrenden Manöver von Rosenkranz rund ums Verbotsgesetz muss man Kryptologe sein, um herauszufinden, von wem Strache klare Worte einfordert. Andererseits: Klar heißt nicht unbedingt glaubwürdig. Ein Begriff, den bestenfalls die härtesten FPÖ-Anhänger Rosenkranz noch zuschreiben würden. Selbst ihre Nazi-Unterstützer von der Alpen-Donau-Info und anderen einschlägigen Seiten sehen den Notariatsakt als Täuschungsmanöver. Warum sollte ein vernunftbegabter Mensch Rosenkranz gegenüber nachsichtiger sein als ihre bislang treuesten Fans?
Irgendwie gewinnt man den Eindruck, die Kandidatur als solche ist nicht ganz ernst gemeint. Strache oder vielmehr die strategisch denkenden Mitglieder des FPÖ-Vorstands hoffen, über Rosenkranz Stimmung für die Wiener Gemeinderatswahl zu machen. Die Hoffnung, das politische Klima durch einen weiteren Rechtsruck dauerhaft völlig zu ruinieren, ist vorläufig nicht aufgegangen. Bleibt die Frage, warum Strache nicht selbst antritt, wo er sich so eifrig porträtieren lässt. Vermutlich hat er Angst vor der vorhersehbaren Niederlage. Was weder mutig noch ehrlich ist. Andererseits: Diese Eigenschaften, die sich Strache für seine und vor seiner Anhängerschaft andichten lässt, würde ein vernunftbegabter Mensch ihm nicht zuschreiben.
Foto: (c) Thomas Lehmann
Christoph Baumgarten - 24. Mrz, 20:40


