Weniger Information und weniger Demokratie
Heute ist das neue ORF-Gesetz in Kraft getreten. Es bringt weniger Information. Und weniger Demokratie.
Bis gestern Mitternacht war ORF.at die größte Echtzeit-Diskussionsplattform des deutschsprachigen Raums. Trotz aller organisierten Versuche von Burschenschaftern und Neonazis, dieses Forum zu kapern oder zumindest das Klima zu vergiften - es war ein wichtiges Sprachrohr für viele. Eine Möglichkeit, sich auszutauschen. Zu diskutieren, sich zu informieren.
Ja, es war oft mühsam, diese Foren zu warten. Das weiß ich aus eigener jahrelanger Erfahrung. Immer wenn die Rechten einsickerten, und das taten sie immer, wo man irgendwie einen Zusammenhang mit Ausländern konstruieren konnte, und sei es in Form des Dufts einer ungarischen Salami, musste man aufpassen. Die verletzten sämtliche Mediengesetze in Bausch und Bogen, hetzten, diffamierten, verletzten den Datenschutz usw. Oft genug schrammte es an der Grenze des Verbotsgesetzes vorbei. Wobei nicht immer sicher war, auf welcher Seite. Sie schrien nach Nation und Rasse. Und in den vergangenen Jahren immer mehr nach Bumsti Strache.
Nur: Wie oft haben sich dort wundervolle Diskussionen ergeben, auch und gerade zwischen Menschen aus verschiedenen politischen Lagern. Wie oft wurden dort interessante Links ausgetauscht, wurde man aufmerksam gemacht auf Seiten, die man nie alleine gefunden hätte. Und wie geschlossen war oft der demokratische Abwehrkampf gegen die braune Brut. Ich denke da etwa an blackmistress oder reservebuddha.
So unangenehm die Nazis und oft genug schwarze Berufsposter oft waren - es war es wert. Das war eben der Preis, den man für eine Sphäre Demokratie zahlte. Zu meinen Zeiten als Redakteur habe ich das geschätzt und später, als regelmäßiger User, ebenso.
Es war das anarchische, das weitgehend unregulierte, das unmittelbare, das diesen Foren einen demokratischen Charakter gab, wie ihn selbst etwa standard.at nie erreichte. Nicht umsonst wurde ORF.at zur größten Echtzeit-Diskussionsplattform des deutschsprachigen Raums.
Aktualität und Kompetenz unerwünscht
Das ORF-Gesetz hat einen Kahlschlag angerichtet. Nicht nur in Sachen Demokratie. Auch und folgerichtig wurde die Information zurückgestutzt, die ORF.at liefern darf.
Auf regionaler Ebene dürfen die Kanäle nur mehr 80 Nachrichten-Items pro Woche produzieren. Wer auch immer sich eine solche Quote ausgedacht hat, ist journalistisch irre und auch sonst ein Idiot. Wenn auch ein korrupter, wie sich weiter unten zeigen wird. Dieser Zustand bedeutet weniger aktuelle Informationen für die LandesbürgerInnen, was dem Auftrag des ORF widerspricht und strukturell die jeweiligen Landeshauptleute bevorzugen wird. Je weniger Nachrichten man online stellen darf, desto eher wird der Druck da sein, dass es die vermeintlich wichtigen sind.
Und die heißgeliebte Futurezone ist nicht mehr. Die musste der ORF an den Kurier verkaufen. Die KollegInnen, die mir neueste Technik so nahebrachten, dass ich sie auch verstand (zumindest sehr oft), dürfen ihre Kompetenz nicht mehr anwenden. Das ist in etwa so ein großer journalistischer Irrsinn wie die Quote für die Bundesländer-Kanäle.
Zeitungsherausgeber haben sich verkalkuliert
Und das alles auf Betreiben von Zeitungsherausgebern und der ÖVP. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Nur: Die Zeitungen mit ihren meist zurecht nicht erfolgreichen Webauftritten haben sich verkalkuliert. Dass ORF.at einige Herzstücke genommen wurden, wird ihre Webauftritte nicht verbessern. Wenn sie erfolgreicher sein wollen, müssen sie mehr investieren - und ihren OnlineredakteurInnen mehr Autonomie geben. So wie es etwa auf standard.at passiert. Der einzige Webauftritt eines Mediums, der irgendwie in die Nähe von ORF.at kommt. Und der die Beschneidung des ORF-Angebots am allerwenigstens betrieben hat.
Die absichtliche Schwächung von ORF.at reduziert insgesamt die Online-Kompetenz österreichischer Medien. Das werden vor allem die zu spüren bekommen, die, um ihre eigene Schwäche zu kaschieren, die Stärke des ORF.at reduzieren wollten. Die UserInnen werden eher auf deutsche Seiten ausweichen als die überschaubaren Angebote dieser Medien zurückzugreifen. Man vergönnt es ihnen.
Bis gestern Mitternacht war ORF.at die größte Echtzeit-Diskussionsplattform des deutschsprachigen Raums. Trotz aller organisierten Versuche von Burschenschaftern und Neonazis, dieses Forum zu kapern oder zumindest das Klima zu vergiften - es war ein wichtiges Sprachrohr für viele. Eine Möglichkeit, sich auszutauschen. Zu diskutieren, sich zu informieren.
Ja, es war oft mühsam, diese Foren zu warten. Das weiß ich aus eigener jahrelanger Erfahrung. Immer wenn die Rechten einsickerten, und das taten sie immer, wo man irgendwie einen Zusammenhang mit Ausländern konstruieren konnte, und sei es in Form des Dufts einer ungarischen Salami, musste man aufpassen. Die verletzten sämtliche Mediengesetze in Bausch und Bogen, hetzten, diffamierten, verletzten den Datenschutz usw. Oft genug schrammte es an der Grenze des Verbotsgesetzes vorbei. Wobei nicht immer sicher war, auf welcher Seite. Sie schrien nach Nation und Rasse. Und in den vergangenen Jahren immer mehr nach Bumsti Strache.
Nur: Wie oft haben sich dort wundervolle Diskussionen ergeben, auch und gerade zwischen Menschen aus verschiedenen politischen Lagern. Wie oft wurden dort interessante Links ausgetauscht, wurde man aufmerksam gemacht auf Seiten, die man nie alleine gefunden hätte. Und wie geschlossen war oft der demokratische Abwehrkampf gegen die braune Brut. Ich denke da etwa an blackmistress oder reservebuddha.
So unangenehm die Nazis und oft genug schwarze Berufsposter oft waren - es war es wert. Das war eben der Preis, den man für eine Sphäre Demokratie zahlte. Zu meinen Zeiten als Redakteur habe ich das geschätzt und später, als regelmäßiger User, ebenso.
Es war das anarchische, das weitgehend unregulierte, das unmittelbare, das diesen Foren einen demokratischen Charakter gab, wie ihn selbst etwa standard.at nie erreichte. Nicht umsonst wurde ORF.at zur größten Echtzeit-Diskussionsplattform des deutschsprachigen Raums.
Aktualität und Kompetenz unerwünscht
Das ORF-Gesetz hat einen Kahlschlag angerichtet. Nicht nur in Sachen Demokratie. Auch und folgerichtig wurde die Information zurückgestutzt, die ORF.at liefern darf.
Auf regionaler Ebene dürfen die Kanäle nur mehr 80 Nachrichten-Items pro Woche produzieren. Wer auch immer sich eine solche Quote ausgedacht hat, ist journalistisch irre und auch sonst ein Idiot. Wenn auch ein korrupter, wie sich weiter unten zeigen wird. Dieser Zustand bedeutet weniger aktuelle Informationen für die LandesbürgerInnen, was dem Auftrag des ORF widerspricht und strukturell die jeweiligen Landeshauptleute bevorzugen wird. Je weniger Nachrichten man online stellen darf, desto eher wird der Druck da sein, dass es die vermeintlich wichtigen sind.
Und die heißgeliebte Futurezone ist nicht mehr. Die musste der ORF an den Kurier verkaufen. Die KollegInnen, die mir neueste Technik so nahebrachten, dass ich sie auch verstand (zumindest sehr oft), dürfen ihre Kompetenz nicht mehr anwenden. Das ist in etwa so ein großer journalistischer Irrsinn wie die Quote für die Bundesländer-Kanäle.
Zeitungsherausgeber haben sich verkalkuliert
Und das alles auf Betreiben von Zeitungsherausgebern und der ÖVP. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Nur: Die Zeitungen mit ihren meist zurecht nicht erfolgreichen Webauftritten haben sich verkalkuliert. Dass ORF.at einige Herzstücke genommen wurden, wird ihre Webauftritte nicht verbessern. Wenn sie erfolgreicher sein wollen, müssen sie mehr investieren - und ihren OnlineredakteurInnen mehr Autonomie geben. So wie es etwa auf standard.at passiert. Der einzige Webauftritt eines Mediums, der irgendwie in die Nähe von ORF.at kommt. Und der die Beschneidung des ORF-Angebots am allerwenigstens betrieben hat.
Die absichtliche Schwächung von ORF.at reduziert insgesamt die Online-Kompetenz österreichischer Medien. Das werden vor allem die zu spüren bekommen, die, um ihre eigene Schwäche zu kaschieren, die Stärke des ORF.at reduzieren wollten. Die UserInnen werden eher auf deutsche Seiten ausweichen als die überschaubaren Angebote dieser Medien zurückzugreifen. Man vergönnt es ihnen.
Christoph Baumgarten - 1. Okt, 20:43



Wenn etwas anarchisch und weitgehend unreguliert ist bzw. war dann sollten Sie gottverdammt keinen Sündenbock suchen denn jeder, egal ob Trozkist, Sozialist, "Liberaler", Konservativer oder Nationalist konnte seinen Senf absondern!
Da Sie, als Wiener die BundesländerInnen offensichtlich als tiefste ungebildete Provinzer ansehen, welche nicht m Stande ist sich selbst zu informieren bedanke ich mich herzlichst, daß Sie nicht mehr für den ORF tätig sind, sofern Sie das je waren, auch wenn nur als Laufbursche.
Wo habe ich einen Sündenbock gesucht?
Das Problem war, dass genau der rechtsextreme Teil nicht anarchisch war sondern sehr gut organisiert. Punktum. Ich muss mich nicht dafür rechtfertigen, dass die Dinge so waren, wie sie waren. Auch nicht dafür, dass grunddemokratischer Strukturen unangenehm waren.
Im Übrigen: Zu den Bundesländern gehört auch Wien. Auch Wien verliert regionale Information. Das scheinen Sie nicht bedacht zu haben. Ich war nebenbei im Landesstudio NÖ tätig, nur der vollständigen Information halber und war dort jahrelang im Internetteam. Ich denke, ich weiß, wovon ich rede.
Es ist ein Faktum, dass ORF.at auf regionaler Ebene zumindest in Summe die aktuellsten und umfassendsten Informationen angeboten hat. Was das mit dem Wien-Hass mancher Menschen zu tun haben soll, ist mir etwas unklar.
Nun, genau das gehört zu dem von Ihnen angesprochenen unregulierten, anarchischen Charakter, daß eben auch dieser Teil der Gesellschaft seine "Meinung" äußern konnte und das ist auch gut so, denn nur dadurch kommt es zu einer Diskussion!
Ich denke des weiteren nicht das Bundesländerberichterstattung zwangsläufig an Bedeutung verliert.
Desweiteren muß ich mich entschuldigen, denn ich habe mich ehrlichgesagt aus Faulheit nicht informiert in welchem Landesstudio Sie tätig waren, daher nehme ich meine diesbezügliche Aussage zurück!
Der "Wien-Hass" kommt daher alsdaß allzuoft Bundesländer mit tiefster Provinz gleichgesetzt werden.
Es geht hier nicht darum,
Ich allerdings meine, daß auch die, die an keiner Diskussion interessiert sind, ihre Parolen irgendwo absondern können sollten, denn sonst wird nur deren Paranoia bestätigt wonach soundso alles, was ihrermeinungnach politisch "gewagt" ist, nicht veröffentlicht wird.
Andererseits
Mir geht ja privat dieses "Das wird man doch noch sagen dürfen" auf den Geist - diese Leute sagen es eh ständig. Und wenn man sie faktisch widerlegen kann, ist auf einmal die Meinungsfreiheit in Gefahr. Das ist sehr, sehr mühsam. Hat beileibe nicht nur mit den ORF-Foren zu tun.