Wählerverarschung
Die "Volks"partei hat die Wählerverarschung bei der EU-Wahl auf die Spitze getrieben. Heute ist Ernst Strasser zum Leiter ihrer Delegation im EU-Parlament gewählt worden. Othmar Karas ist - wie angekündigt - außen vor gelassen worden.Seit heute ist es offiziell: Mehr als 100.000 Wählerinnen und Wähler interessieren die ÖVP nicht im geringsten. Diese Menschen wollten den erfahrenen EU-Parlamentarier als Delegationsleiter sehen und nicht den gescheiterten Innenminister Ernst Strasser.
Auch Karas lieferte eine Schmierenkomödie. Im Wahlkampf hatte er vollmundig den Wettstreit um den ersten Platz auf der Liste und die Delegationsleitung ausgerufen. Nach der Wahl hatte es nicht lange gedauert, bis er von dem Versprechen seinen Vorzugswählerinnen- und wählern gegenüber brach und alle Ansprüche aus dem Wahlkampf aufgab. Heute stimmt er aus Parteiräson nicht einmal gegen seinen Rivalen. Er enthielt sich der Stimme. Auch kein Lehrbeispiel, wie man Wahlversprechen einhält.
Aber das ist nicht neu. Wolfgang Schüssel wollte als Dritter in Opposition gehen. Und Erwin Pröll, der sich allen Umfragen und dem gesunden Menschenverstand zum Trotz vermutlich als nächster Bundespräsident sieht, verspricht auch immer, im Sinne der Überparteilichkeit Landeshauptmann aller Niederösterreicher sein zu wollen.
Christoph Baumgarten - 23. Jun, 22:35


