Unterschätzte Despoten
Formel-1-Chef Bernie Ecclestone outet sich als Hitler-Bewunderer und findet Despoten unterschätzt. Von Demokratie hält er wenig. Zumindest die letzte Einschätzung teilt der 78-Jährige mit prominenten Österreichern. So stark wie in den vergangenen Monaten wurde die parlamentarische Republik selten infrage gestellt.
Hans Dichand ist fast gleich alt wie Bernie Ecclestone. Vielleicht liegt es daran, dass manche ihrer Gedankengänge so ähnlich wirken. Der greise Zeitungszar ist es wie der Formel-1-Chef gewohnt, herumzukommandieren. Was Wunder, wenn er mit der Vorstellung von Demokratie wenig anfangen kann. Demokratisch ist, was Hans Dichand dafür hält. Eine Art aufgeklärter Absolutismus von Zeitungs Gnaden. Gemildert allenfalls dadurch, dass außer Österreichs politischer und publizistischer Eliten Dichand wahrscheinlich nicht mehr so ernst genommen wird wie einst. Auch Dichand hat eine Schwäche für starke Männer. So lange sie ihm nicht in die Quere kommen. Der Macher, der sagt wo’s lang geht. Der Rest der Bevölkerung darf abnicken. Dass Dichand gleichzeitig von den Politikern seiner Gnaden ein Gespür fürs gesunde Volksempfinden einfordert, für diesen dumpfen, unartikulierbaren Teil der Seele, widerspricht dem nur bedingt.
Der Nachwuchs ist nicht weit. Auch Bumsti Strache propagiert die Demokratie per Akklamation. Das Volk soll nach den freiheitlichen Vorstellungen nur dann befragt werden, wenn sich die Frage zur Agitation eignet. Spezialisiert auf das Schüren und Kanalisieren von Ängsten suggeriert Strache den Wählern, er sei der starke Mann, den das Land brauche. Der dem „gesunden Volksempfinden“ zum Durchbruch verhelfe. Das nennt er Demokratie. Wie groß seine Verachtung und die seiner Mannen für Demokratie ist, zeigt, wie man mit dem politischen Gegner umgeht. Man denke an die freiheitlichen Anleitungen im EU-Wahlkampf, Ulrike Lunacek als Kampflesbe zu verunglimpfen und Hannes Swoboda als Apparatschik. Nützt das nichts, wird gnadenlos drauf los kriminalisiert. „Rote Nazis“, „gewaltbereite linke Demonstranten“ etc. Über offensichtliche Strafrechtsverletzungen der eigenen Leute bzw. Sympathisanten wird großzügig hinweggesehen. Der Polizist der den Knüppel gegen Antifaschisten schwingt, ist der Held dieser Leute. Vor allem, wenn er Skinheads unbehelligt lässt. Der Rechtsstaat muss dem Volksempfinden Platz machen, sei es gesund, oder, wie die Vergangenheit gezeigt hat, eher nicht.
Redefreiheit gilt bei Strache nur für einen selbst, das Strafgesetzbuch nur für die anderen. Mit Demokratie hat das nichts zu tun, und mag sie Strache hundertmal beschwören. Für ihn ist sie bestenfalls ein Instrument auf dem Weg nach oben, den er gerne gehen würde. Wer das Kreuz gegen Zuwanderer und Andersdenkende schwenkt, zeigt deutlich, was er von Menschenrechten hält.
Nicht, dass Strache oder Dichand öffentlich unterstellt sei, die Hitler-Sympathien eines Bernie Ecclestone zu teilen (nicht einmal von Strache sind derartige Aussagen überliefert). Aber man muss nur ihre offenkundige Vorliebe für starke Männer weiterdenken. Wer Wind sät, wird Sturm ernten.
Strache und Dichand sind, bei allen österreichischen Eigenheiten, keine länderspezifischen Erscheinungen. Auch Ecclestone ist es nicht. (Dass in kaum einem anderen Land derartige Sätze gesagt würden wie in seinem Interview mit der Times steht auf einem anderen Blatt.
http://www.timesonline.co.uk/tol/sport/formula_1/article6632991.ece )
EU-weit haben Parteien, die einen ähnlich autoritären Kurs verfolgen, den stärksten Zulauf. Die traditionellen Parteien haben in den vergangenen 20 Jahren alles getan, sich bei der Wählerschaft unmöglich zu machen. Konzepte für eine bessere Zukunft? Woher denn! Alternativen zu den rechten Rattenfängern haben sie keine geboten. Korruption und bedingungsloser Neoliberalismus haben viele vor den Kopf gestoßen. Und vor lauter Funktionärsprech brauchte man bei den Abendnachrichten ein Wörterbuch. Die Gewerkschaften haben es nicht geschafft, sich neu zu orientieren. Sie lassen wesentliche Teile der arbeitenden Bevölkerung beim gewerkschaftlichen Kampf außen vor.
Jemandem, der sich von niemandem vertreten fühlt, dessen Interessen unter Umständen wirklich von niemandem vertreten werden, sind die Vorteile eines parlamentarischen Systems vermutlich nur schwer näherzubringen. So weit haben wir es mittlerweile gebracht. In Österreich auch Dank Dichand, auch Dank Haider, auch Dank Strache. Sie haben das Klima mitgeschaffen, das viele nach einem starken Mann schreien lässt. Das politische System vertrete nur sich selbst, haben sie uns 20 Jahre lang gepredigt. Dass sie im Fall Haiders und Straches selbst Teil dieses Systems sind – wen kümmert das schon. Dass es ein Hans Dichand tat, um den Absatz seiner Zeitung anzukurbeln – was soll’s. Der Schaden ist angerichtet. Fragen wird niemand mehr danach.
Die Wirtschaftskrise hat sich als idealer Nährboden für Menschen vom Schlag eines Bumsti Strache erwiesen. Wer Angst hat und nicht fähig ist, sie zu begreifen oder artikulieren, fühlt sich bei ihm und seinesgleichen am besten aufgehoben. Lösungen sind nicht gefragt. Der „starke Mann“ ist es, und mag er in der lächerlichen Gestalt eines Bumsti Strache daherkommen. Der gibt das Gefühl, vor der bösen Welt beschützt zu werden.
Hoffentlich müßig die Frage, ob er zu den laut Ecclestone „unterschätzten Despoten“ gehören würde oder nicht. Vorausgesetzt, die anderen Parteien nehmen die Entwicklung ernst. So logisch sie im Nachhinein erklärbar ist – sie war nie unumkehrbar und ist es bis heute nicht. Ein Ende der Demokratie ist nicht unausweichlich. Wenn man sie nicht kampflos den Ecclestones, Dichands oder Straches überlässt.
Hans Dichand ist fast gleich alt wie Bernie Ecclestone. Vielleicht liegt es daran, dass manche ihrer Gedankengänge so ähnlich wirken. Der greise Zeitungszar ist es wie der Formel-1-Chef gewohnt, herumzukommandieren. Was Wunder, wenn er mit der Vorstellung von Demokratie wenig anfangen kann. Demokratisch ist, was Hans Dichand dafür hält. Eine Art aufgeklärter Absolutismus von Zeitungs Gnaden. Gemildert allenfalls dadurch, dass außer Österreichs politischer und publizistischer Eliten Dichand wahrscheinlich nicht mehr so ernst genommen wird wie einst. Auch Dichand hat eine Schwäche für starke Männer. So lange sie ihm nicht in die Quere kommen. Der Macher, der sagt wo’s lang geht. Der Rest der Bevölkerung darf abnicken. Dass Dichand gleichzeitig von den Politikern seiner Gnaden ein Gespür fürs gesunde Volksempfinden einfordert, für diesen dumpfen, unartikulierbaren Teil der Seele, widerspricht dem nur bedingt.
Der Nachwuchs ist nicht weit. Auch Bumsti Strache propagiert die Demokratie per Akklamation. Das Volk soll nach den freiheitlichen Vorstellungen nur dann befragt werden, wenn sich die Frage zur Agitation eignet. Spezialisiert auf das Schüren und Kanalisieren von Ängsten suggeriert Strache den Wählern, er sei der starke Mann, den das Land brauche. Der dem „gesunden Volksempfinden“ zum Durchbruch verhelfe. Das nennt er Demokratie. Wie groß seine Verachtung und die seiner Mannen für Demokratie ist, zeigt, wie man mit dem politischen Gegner umgeht. Man denke an die freiheitlichen Anleitungen im EU-Wahlkampf, Ulrike Lunacek als Kampflesbe zu verunglimpfen und Hannes Swoboda als Apparatschik. Nützt das nichts, wird gnadenlos drauf los kriminalisiert. „Rote Nazis“, „gewaltbereite linke Demonstranten“ etc. Über offensichtliche Strafrechtsverletzungen der eigenen Leute bzw. Sympathisanten wird großzügig hinweggesehen. Der Polizist der den Knüppel gegen Antifaschisten schwingt, ist der Held dieser Leute. Vor allem, wenn er Skinheads unbehelligt lässt. Der Rechtsstaat muss dem Volksempfinden Platz machen, sei es gesund, oder, wie die Vergangenheit gezeigt hat, eher nicht.
Redefreiheit gilt bei Strache nur für einen selbst, das Strafgesetzbuch nur für die anderen. Mit Demokratie hat das nichts zu tun, und mag sie Strache hundertmal beschwören. Für ihn ist sie bestenfalls ein Instrument auf dem Weg nach oben, den er gerne gehen würde. Wer das Kreuz gegen Zuwanderer und Andersdenkende schwenkt, zeigt deutlich, was er von Menschenrechten hält.
Nicht, dass Strache oder Dichand öffentlich unterstellt sei, die Hitler-Sympathien eines Bernie Ecclestone zu teilen (nicht einmal von Strache sind derartige Aussagen überliefert). Aber man muss nur ihre offenkundige Vorliebe für starke Männer weiterdenken. Wer Wind sät, wird Sturm ernten.
Strache und Dichand sind, bei allen österreichischen Eigenheiten, keine länderspezifischen Erscheinungen. Auch Ecclestone ist es nicht. (Dass in kaum einem anderen Land derartige Sätze gesagt würden wie in seinem Interview mit der Times steht auf einem anderen Blatt.
http://www.timesonline.co.uk/tol/sport/formula_1/article6632991.ece )
EU-weit haben Parteien, die einen ähnlich autoritären Kurs verfolgen, den stärksten Zulauf. Die traditionellen Parteien haben in den vergangenen 20 Jahren alles getan, sich bei der Wählerschaft unmöglich zu machen. Konzepte für eine bessere Zukunft? Woher denn! Alternativen zu den rechten Rattenfängern haben sie keine geboten. Korruption und bedingungsloser Neoliberalismus haben viele vor den Kopf gestoßen. Und vor lauter Funktionärsprech brauchte man bei den Abendnachrichten ein Wörterbuch. Die Gewerkschaften haben es nicht geschafft, sich neu zu orientieren. Sie lassen wesentliche Teile der arbeitenden Bevölkerung beim gewerkschaftlichen Kampf außen vor.
Jemandem, der sich von niemandem vertreten fühlt, dessen Interessen unter Umständen wirklich von niemandem vertreten werden, sind die Vorteile eines parlamentarischen Systems vermutlich nur schwer näherzubringen. So weit haben wir es mittlerweile gebracht. In Österreich auch Dank Dichand, auch Dank Haider, auch Dank Strache. Sie haben das Klima mitgeschaffen, das viele nach einem starken Mann schreien lässt. Das politische System vertrete nur sich selbst, haben sie uns 20 Jahre lang gepredigt. Dass sie im Fall Haiders und Straches selbst Teil dieses Systems sind – wen kümmert das schon. Dass es ein Hans Dichand tat, um den Absatz seiner Zeitung anzukurbeln – was soll’s. Der Schaden ist angerichtet. Fragen wird niemand mehr danach.
Die Wirtschaftskrise hat sich als idealer Nährboden für Menschen vom Schlag eines Bumsti Strache erwiesen. Wer Angst hat und nicht fähig ist, sie zu begreifen oder artikulieren, fühlt sich bei ihm und seinesgleichen am besten aufgehoben. Lösungen sind nicht gefragt. Der „starke Mann“ ist es, und mag er in der lächerlichen Gestalt eines Bumsti Strache daherkommen. Der gibt das Gefühl, vor der bösen Welt beschützt zu werden.
Hoffentlich müßig die Frage, ob er zu den laut Ecclestone „unterschätzten Despoten“ gehören würde oder nicht. Vorausgesetzt, die anderen Parteien nehmen die Entwicklung ernst. So logisch sie im Nachhinein erklärbar ist – sie war nie unumkehrbar und ist es bis heute nicht. Ein Ende der Demokratie ist nicht unausweichlich. Wenn man sie nicht kampflos den Ecclestones, Dichands oder Straches überlässt.
Christoph Baumgarten - 7. Jul, 07:18


