Uni-Besetzung geht weiter
Das Audi Max der Uni Wien bleibt besetzt. Das haben die Studentinnen und Studenten in der Nacht angekündigt. Sie wollen so lange bleiben, bis die politisch Veranwortlichen dafür sorgen, dass sich die Bedingungen an den Unis verbessern.
Ein Bild, das gegen halb drei in der Früh via Twitter in die Welt geschickt wurde. Man darf vermuten, dass es um diese Zeit entstanden ist.
250 Studentinnen und Studenten haben das Audi Max der Uni Wien auch in der Nacht besetzt gehalten. Die Selbstorganisation klappt. Es gibt warmes Essen, Getränke, Musik. Entgegen anderslautenden Gerüchten würde die Besetzung nicht am Freitag beendet, heißt es. Um zehn Uhr Vormittag soll es ein Plenum geben, eine beschlussfähige Versammlung im Audi Max. Zahlreiche Studentinnen und Studenten, die am ersten Tag nicht da waren, haben via Facebook, Twitter und Co angekündigt, sich den Protesten anzuschließen.
Wenig überraschend. Die spontane und selbstorganisierte Aktion, die ursprünglich von der Akademie der Bildenden Künste ausgeht, spricht an, was die heimischen Studierenden seit Monaten verärgert und verunsichert: Übervolle Hörsäle, unzumutbare Wartefristen bei Prüfungen, Lehrveranstaltungen, die nur einen Bruchteil der Interessenten aufnehmen können, abgenutzte Einrichtungen. Einen Minister, der die Verantwortung auf die Unis abschieben will und kein anderes Mittel weiß als Studiengebühren einzuführen. Für Verhandlungen zur Finanzierung fühlt er sich nicht zuständig. Unsichere Zukunftsaussichten wie den Bologna-Prozess, der in den Augen der Studierenden nur bedeutet, dass Unis wie Schulen funktionieren sollen.
Für knapp die Hälfte der Studierenden widerspricht das ihren Lebensumständen und Bedürfnissen. Sie leben unter der Armutsgrenze. Sie müssen sich mit Teilzeit- und Gelegenheitsjobs über Wasser halten. Studiengebühren sind da nicht drin. Ebenso wenig eine dauerhafte Anwesenheitspflicht auf der Uni. Wie soll man die paar Euro verdienen, von denen man lebt, wenn man acht Stunden am Tag auf der Uni sein muss? Die immer wieder ventilierten Wunschvorstellungen mancher Rektoren und Minister schließen wesentliche Gruppen in Österreich aus.
Und ein großes Problem lösen sie nicht. Die Unis haben zu wenig Geld, um einen ordentlichen Lehrbetrieb bei so vielen Studierenden aufrechtzuerhalten. Leidtragende sind Studierende und Lektorinnen und Lektoren. Das ist nicht gottgegeben. Das ist eine Frage des politischen Wollens. Österreich dient als Ausweichstätte für deutsche Studierende. Österreichs Unis sollen die Fehler des deutschen Bildungssystems ausgleichen. Für die Mehrkosten soll, und das fordern nicht nur Studierendenvertreter, die deutsche Bundesregierung aufkommen. Eine gangbare Lösung. Es dauert nicht länger sie umzusetzen als wieder Studiengebühren einzuführen oder den Zugang zu manchen Studien zu beschränken. Qualifizierte Akademikerinnen und Akademiker, denen man mit den deutschen Ausgleichszahlungen eine Anstellung an den Unis bieten könnte, gibt es genug. Man muss nur die Verhandlungen aufnehmen wollen. Wofür nicht die Studierenden zuständig sind. Das liegt in der Verantwortung von Johannes Hahn.
Es sind diese Umstände, gegen die die Studierenden protestieren. Offenbar für länger. Es wäre schön, wenn sie das Tempo des ersten Tages aufrecht erhalten könnten. Jetzt muss Druck auf den Wissenschaftsminister ausgeübt werden, zu tun, wofür er (nicht schlecht) bezahlt wird. Je mehr, desto besser. Der VSSTÖ fordert den Minister auf, die Proteste ernst zu nehmen.
Einen aktuellen Überblick über das Geschehen bietet der Standard.
Christoph Baumgarten - 23. Okt, 07:46



