Und er kandidiert doch
Manchmal hat man das Gefühl, über Unwichtiges zu schreiben. Dass 99,3 Prozent der Delegierten beim SPÖ-Landesparteitag in Oberösterreich Erich Haider als Landesvorsitzenden fulminant bestätigten, schickte mir das Ö3-News-Service sofort per SMS aufs Handy, wenige Minuten, nachdem das Ergebnis bekannt gegeben wurde. Dass Ewald Stadler Spitzenkandidat des BZÖ bei den Wahlen zum EU-Parlament würde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt schon einige Stunden - von ORF.at. Bis jetzt (Samstagnachmittag) hat mir das Ö3-News-Service kein SMS zu Stadler geschickt. Für rasend wichtig scheint es die Redaktion auf der Heiligenstädter Lände nicht gehalten zu haben.Ich kann mir vorstellen, dass man beim BZÖ das weniger als Zeichen der eigenen Unwichtigkeit sehen würde denn als Produkt eines angeblich linken Medien-Mainstreams. In der Vergangenheit war das öfter der Fall. Raiffeisengeneralanwalt Christian Konrad, dessen Konzern zahlreiche maßgebliche Medien besitzt und die katholische Kirche, ebenfalls großer Medieneigentümer, werden sich über diese Einschätzung freuen. Hans Dichand freut sich sicher, dass er als Kryptokommunist gesehen wird.
Von großem Interesse am EU-Parlament zeugt es nicht gerade, den Spitzenkandidaten so knapp vor dem Wahltermin zu präsentieren.
Zwillinge bekriegen sich
Inhaltlich unterscheidet sich Stadler nicht von seinen ehemaligen Parteikollegen und Bundesgenossen in der FPÖ. Sofern beim EU-Wahlkampf beider Parteien von Inhalten im engeren Sinn sprechen kann. Beide sind gegen alles, beschwören angebliche nationale Interessen und halten sich für unglaublich mutig. Man spielt im nationalistischen Konzert mit, holt im Zweifelsfall rassistische Botschaften hervor (Stichwort: kulturelle Identität) und tobt und rast gegen "Brüssel". Mal mehr, mal weniger. Das Wort "Wahnsinn" kommt Ewald Stadler und Andreas Mölzer leicht über die Lippen, wenn sie von der Politik der EU reden. Zwillinge, scheint es, die einander bekriegen. Geschwisterliche Streitigkeiten können grausam sein.
Sehr aufschlussreich und sehr erheiternd, was beide Parteien übereinander zu sagen haben:
http://www.bzoe.at/index.php?content=bzoe_themen&detail=626'
http://www.fpoe.at/index.php?id=477&backPID=390&tt_news=35588
An diesem gegenseitigen Haß, der in derartige Lächerlichkeiten ausartet, kann jeder Kabarettist nur scheitern. Beachtlich allenfalls, dass die angebliche Sicherheitspartei FPÖ eine Mandatarin vorschickt, die ein ordentliches österreichisches Gericht (erstinstanzlich) wegen einer Straftat verurteilt hat. Würde ich an Gott glauben, ich würde ihn anflehen, uns vor diesen Beschützern zu beschützen.
Erste Reihe fußfrei bei der Realsatire. Es wird erheiternd sein, ob man vor lauter Gegenseitig-Bekriegen Zeit für Inhaltliches finden wird.
Christoph Baumgarten - 18. Apr, 14:23


