Stützen des Vaterlands
Rechtsradikale haben mich gestern in einer Hundezone im 21. Wiener Gemeindebezirk zusammengeschlagen. Ein weiterer Hundebesitzer wurde ebenfalls Opfer des unprovozierten Angriffs.
Das Hämatom auf meiner rechten Schulter wird wahrscheinlich erst in den nächsten Tagen ganz sichtbar sein. Die Polizeiärztin sagte mir heute morgen, dass es bis zu zwei Wochen zu sehen sein wird. Es wird die Größe und Form einer menschlichen Faust haben. Sie hat mich von oben getroffen, als ich am Boden lag. Zusammengekauert, hoffend, dass es möglichst schnell vorbeigeht.
Der Schuh, der mich mit schmerzhafter Wucht am Brustbein getroffen hat, in der gleichen Position, wird sich glücklicherweise nicht auf meiner Haut abzeichnen. Größeren Schaden am sensiblen Knochen dürfte der Tritt nicht angerichtet haben. Erstaunlich angesicht der Größe und des Gewichts des Angreifers. Ich bin froh, dass er quasi nur Nebenschläger war. Den Großteil der Schläge hat mir ein wesentlich schmächtigerer Mann beigebracht.
Der Hundebesitzer neben mir erwischt es nicht so gut. Er wurde von einem großen Mann bearbeitet. Der dritte Schläger im Bunde. Und wahrscheinlich einem vierten. Ich habe bei meinem Mitleidenden nach den Angriffen mehrere beginnende Hämatome am Kopf gesehen. Ich hoffe, es geht ihm gut. Ich habe ihn später nicht mehr gesehen. Er hat auf eine Anzeige verzichtet und sich nicht untersuchen lassen.
"Wir haben zu viele Kanaken bei uns"
Warum die Männer aufgehört haben, uns zu prügeln ist ebenso unklar wie warum sie überhaupt auf uns losgegangen sind. Wir wollten gerade die Hundezone verlassen. Unsere Hunde hatten sich dort gefunden und wir plauderten ganz nett. Wir hatten beschlossen, die Plauderei in der U-Bahn fortzusetzen. Kurz vor dem Ausgang auf einmal der Ruf: "Wir haben schon zu viele Kanaken bei uns" in unsere Richtung. Der Besitzer von Naomi (komisch: Hundenamen merkt man sich einfacher als Menschennamen) fragte zurück: "Meint ihr mich"?
Auf einmal waren wir umringt von mehreren Männern, die sich den ganzen Nachmittag über im Schatten eines Baumes in Eingangsnähe besoffen hatten. Der jüngste und schmächtigste Mitte oder Ende 20, die anderen eher um die 40. Typen, die eher an Motorradgangs erinnern. Einer trug auch eine Motorradjacke aus Leder, auf der "Wotan" stand.
Sie gestikulierten wild, pflanzten sich bedrohlich nahe vor uns auf. Ich wusste sofort: Die waren darauf aus, einzuschüchtern. Es folgten einige eher wirre Tiraden über die "Kanaken", die man umbringen sollte (oder so ähnlich) verbunden mit Drohungen, etwa in meine Richtung: "Wenn du nicht bald schleichst, stopf ich dir deine Sonnenbrille in den Arsch."
Deeskalation unmöglich
Ich denke, das war die Reaktion auf meinen Versuch zu beruhigen. "Wir wollen eh gehen, kein Grund, dass wir uns aufregen". Wer mich kennt, kann abschätzen, wie bedrohlich ich die Situation einschätzte. Rassistische Kommentare lasse ich normalerweise selbst bei Einschüchterung nicht unwidersprochen. Nur: bei einer Gruppe betrunkener und leider kräftiger Rechtsradikaler hat das keinen Sinn mehr.
Wir hatten den Ausgang noch nicht erreicht, als die ersten Schläge fielen. Meinen Begleiter, größer und kräftiger als ich, griffen sie zuerst und am härtesten an. Zu dritt. Ich fand mich auf einmal am Boden wieder und rappelte mich kurz wieder auf. Habe ich den Schmächtigen, der auf meinen liegenden Begleiter einprügelte, absichtlich heruntergerissen? Ist das unabsichtlich passiert, als ich unter einem neuerlichen Schlag zu Boden ging? Oder torkelte er einfach nur aufgrund seines Alkoholpegels herunter? Keine Ahnung. Es ging ziemlich schnell.
Nur die Schmerzen waren real
Wäre ich nicht von der Brutalität überfordert gewesen, eingeschüchtert von der Überzahl und wäre ich selbst ein wenig brutaler - der Schmächtige wäre der einzige gewesen, den ich schlagen hätte können, als er auf dem Boden lag. das wäre sich, denk ich, noch irgendwie ausgegangen. Zumindest hatte ich das Gefühl. Ich versuchte es nicht einmal. Und dann lag ich endgültig am Boden. In Fötalstellung. Der Versuch, die möglichen Verletzungen zu minimieren. Das alles zu überstehen. Wie in einem Traum. Als wäre ich neben mir. Nur die Schmerzen, die ich fühlte, waren real.
Die Flucht der Stützen des Vaterlands
Warum sie von uns abgelassen haben - wer weiß das schon. Vielleicht wurde ihnen langweilig. Vielleicht wurde es zu anstrengend. Ich vergewisserte mich, dass mein Begleiter noch lebte und zumindest nicht blutete - und flüchtete so schnell ich konnte. Die Hunde waren wohlauf und schwer verstört. Die Hunde der Angreifer hatten sie verwirrt und sie davon abgehalten, uns zu verteidigen.
Ich rief die Polizei von draußen an. Ich hatte offen gestanden Angst, sie würden wieder auf mich losgehen, wenn ich innerhalb der Hundezone telefonieren würde. Die selbst ernannten Stützen des Vaterlands ergriffen die Flucht, als sie das Handy an meinem Ohr sahen. Mutig verließen sie geschlossen die Hundezone durch den Hinterausgang.
Zeugen von der Brutalität überfordert
Die anderen Besucher waren nicht eingeschritten. Sie waren genauso von der Brutalität der Bande überfordert wie ich. Wenn in so einer Situation nicht zufällig die richtigen, beherzten Menschen zusammenkommen, hat man auch keine Chance, einem der Betroffenen zu helfen. Man wird bestenfalls selbst Opfer. Das kann man von niemandem verlangen.
Einige dürften überhaupt von den Männern eingeschüchtert gewesen zu sein. Mir haben danach mehrere Zeugen erzählt, die Bande terrorisiere die Hundezone seit längerem. Meistens mit rassistischen Pöbeleien und Drohungen. Einer, Gary genannt, soll seinen Hund auf das Kommando "Hol den Scheiß-Kanaken" trainieren. Die selbst ernannten Stützen des Vaterlands betrinken sich laut diesen Aussagen regelmäßig am Nachmittag, gelegentlich soll es zu Handgreiflichkeiten kommen.
Ich hatte bisher keine Möglichkeit, die Polizei zu fragen, warum sie dem Treiben kein Ende bereitet hat.
Was bleibt, ist die Angst
Mir bleiben Angst und ein Ohnmachtsgefühl. Die Angst kommt zwischendurch. Sekundenweise. Ich fühle, wie mir die Tränen kommen. Wenn ich darüber rede oder schreibe, ist sie weg. Vielleicht gibt mir das das Gefühl, irgendwie selbst über das Geschehene bestimmen zu können.
Mein Stolz ist verletzt. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, ich hätte auf den Schmächtigen eintreten sollen, als ich die Chance hatte. Das sind sicher auch Rachegefühle. Und der Versuch, mir einzureden, es sei meine autonome Entscheidung gewesen, nicht zuzuschlagen. Dass es nicht der Schock war, mich mehreren brutalen Männern gegenüberzusehen, die auf mich einprügelten, der mich wehrlos machte.
Spielen hier die Männlichkeitsideale eine Rolle, von der unsere Kultur so durchdrungen ist? Wahrscheinlich. Ich kann nicht bestreiten, mir zwischendurch wie ein Feigling vorzukommen. Dann sagt mir der Verstand: Du hättest keine andere Möglichkeit gehabt.
Die Erfahrung schmerzt. So wie die Ohrfeige, die ich ich vor wenigen Jahren auf offener Straße in St. Pölten kassierte. Ich hatte damals einem Mann widersprochen, der gefordert hatte: "Hängt alle Türken auf". Die Polizei weigerte sich damals, meine Anzeige entgegenzunehmen. Der Vorfall jetzt wird von der Polizei weiterverfolgt. Niemand ist gerne Opfer. Das tut weh. Sehr weh sogar.
Ich hoffe, der Schmerz geht vorbei. Schneller als der Schmerz in meiner Schulter.
Das Hämatom auf meiner rechten Schulter wird wahrscheinlich erst in den nächsten Tagen ganz sichtbar sein. Die Polizeiärztin sagte mir heute morgen, dass es bis zu zwei Wochen zu sehen sein wird. Es wird die Größe und Form einer menschlichen Faust haben. Sie hat mich von oben getroffen, als ich am Boden lag. Zusammengekauert, hoffend, dass es möglichst schnell vorbeigeht.
Der Schuh, der mich mit schmerzhafter Wucht am Brustbein getroffen hat, in der gleichen Position, wird sich glücklicherweise nicht auf meiner Haut abzeichnen. Größeren Schaden am sensiblen Knochen dürfte der Tritt nicht angerichtet haben. Erstaunlich angesicht der Größe und des Gewichts des Angreifers. Ich bin froh, dass er quasi nur Nebenschläger war. Den Großteil der Schläge hat mir ein wesentlich schmächtigerer Mann beigebracht.
Der Hundebesitzer neben mir erwischt es nicht so gut. Er wurde von einem großen Mann bearbeitet. Der dritte Schläger im Bunde. Und wahrscheinlich einem vierten. Ich habe bei meinem Mitleidenden nach den Angriffen mehrere beginnende Hämatome am Kopf gesehen. Ich hoffe, es geht ihm gut. Ich habe ihn später nicht mehr gesehen. Er hat auf eine Anzeige verzichtet und sich nicht untersuchen lassen.
"Wir haben zu viele Kanaken bei uns"
Warum die Männer aufgehört haben, uns zu prügeln ist ebenso unklar wie warum sie überhaupt auf uns losgegangen sind. Wir wollten gerade die Hundezone verlassen. Unsere Hunde hatten sich dort gefunden und wir plauderten ganz nett. Wir hatten beschlossen, die Plauderei in der U-Bahn fortzusetzen. Kurz vor dem Ausgang auf einmal der Ruf: "Wir haben schon zu viele Kanaken bei uns" in unsere Richtung. Der Besitzer von Naomi (komisch: Hundenamen merkt man sich einfacher als Menschennamen) fragte zurück: "Meint ihr mich"?
Auf einmal waren wir umringt von mehreren Männern, die sich den ganzen Nachmittag über im Schatten eines Baumes in Eingangsnähe besoffen hatten. Der jüngste und schmächtigste Mitte oder Ende 20, die anderen eher um die 40. Typen, die eher an Motorradgangs erinnern. Einer trug auch eine Motorradjacke aus Leder, auf der "Wotan" stand.
Sie gestikulierten wild, pflanzten sich bedrohlich nahe vor uns auf. Ich wusste sofort: Die waren darauf aus, einzuschüchtern. Es folgten einige eher wirre Tiraden über die "Kanaken", die man umbringen sollte (oder so ähnlich) verbunden mit Drohungen, etwa in meine Richtung: "Wenn du nicht bald schleichst, stopf ich dir deine Sonnenbrille in den Arsch."
Deeskalation unmöglich
Ich denke, das war die Reaktion auf meinen Versuch zu beruhigen. "Wir wollen eh gehen, kein Grund, dass wir uns aufregen". Wer mich kennt, kann abschätzen, wie bedrohlich ich die Situation einschätzte. Rassistische Kommentare lasse ich normalerweise selbst bei Einschüchterung nicht unwidersprochen. Nur: bei einer Gruppe betrunkener und leider kräftiger Rechtsradikaler hat das keinen Sinn mehr.
Wir hatten den Ausgang noch nicht erreicht, als die ersten Schläge fielen. Meinen Begleiter, größer und kräftiger als ich, griffen sie zuerst und am härtesten an. Zu dritt. Ich fand mich auf einmal am Boden wieder und rappelte mich kurz wieder auf. Habe ich den Schmächtigen, der auf meinen liegenden Begleiter einprügelte, absichtlich heruntergerissen? Ist das unabsichtlich passiert, als ich unter einem neuerlichen Schlag zu Boden ging? Oder torkelte er einfach nur aufgrund seines Alkoholpegels herunter? Keine Ahnung. Es ging ziemlich schnell.
Nur die Schmerzen waren real
Wäre ich nicht von der Brutalität überfordert gewesen, eingeschüchtert von der Überzahl und wäre ich selbst ein wenig brutaler - der Schmächtige wäre der einzige gewesen, den ich schlagen hätte können, als er auf dem Boden lag. das wäre sich, denk ich, noch irgendwie ausgegangen. Zumindest hatte ich das Gefühl. Ich versuchte es nicht einmal. Und dann lag ich endgültig am Boden. In Fötalstellung. Der Versuch, die möglichen Verletzungen zu minimieren. Das alles zu überstehen. Wie in einem Traum. Als wäre ich neben mir. Nur die Schmerzen, die ich fühlte, waren real.
Die Flucht der Stützen des Vaterlands
Warum sie von uns abgelassen haben - wer weiß das schon. Vielleicht wurde ihnen langweilig. Vielleicht wurde es zu anstrengend. Ich vergewisserte mich, dass mein Begleiter noch lebte und zumindest nicht blutete - und flüchtete so schnell ich konnte. Die Hunde waren wohlauf und schwer verstört. Die Hunde der Angreifer hatten sie verwirrt und sie davon abgehalten, uns zu verteidigen.
Ich rief die Polizei von draußen an. Ich hatte offen gestanden Angst, sie würden wieder auf mich losgehen, wenn ich innerhalb der Hundezone telefonieren würde. Die selbst ernannten Stützen des Vaterlands ergriffen die Flucht, als sie das Handy an meinem Ohr sahen. Mutig verließen sie geschlossen die Hundezone durch den Hinterausgang.
Zeugen von der Brutalität überfordert
Die anderen Besucher waren nicht eingeschritten. Sie waren genauso von der Brutalität der Bande überfordert wie ich. Wenn in so einer Situation nicht zufällig die richtigen, beherzten Menschen zusammenkommen, hat man auch keine Chance, einem der Betroffenen zu helfen. Man wird bestenfalls selbst Opfer. Das kann man von niemandem verlangen.
Einige dürften überhaupt von den Männern eingeschüchtert gewesen zu sein. Mir haben danach mehrere Zeugen erzählt, die Bande terrorisiere die Hundezone seit längerem. Meistens mit rassistischen Pöbeleien und Drohungen. Einer, Gary genannt, soll seinen Hund auf das Kommando "Hol den Scheiß-Kanaken" trainieren. Die selbst ernannten Stützen des Vaterlands betrinken sich laut diesen Aussagen regelmäßig am Nachmittag, gelegentlich soll es zu Handgreiflichkeiten kommen.
Ich hatte bisher keine Möglichkeit, die Polizei zu fragen, warum sie dem Treiben kein Ende bereitet hat.
Was bleibt, ist die Angst
Mir bleiben Angst und ein Ohnmachtsgefühl. Die Angst kommt zwischendurch. Sekundenweise. Ich fühle, wie mir die Tränen kommen. Wenn ich darüber rede oder schreibe, ist sie weg. Vielleicht gibt mir das das Gefühl, irgendwie selbst über das Geschehene bestimmen zu können.
Mein Stolz ist verletzt. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, ich hätte auf den Schmächtigen eintreten sollen, als ich die Chance hatte. Das sind sicher auch Rachegefühle. Und der Versuch, mir einzureden, es sei meine autonome Entscheidung gewesen, nicht zuzuschlagen. Dass es nicht der Schock war, mich mehreren brutalen Männern gegenüberzusehen, die auf mich einprügelten, der mich wehrlos machte.
Spielen hier die Männlichkeitsideale eine Rolle, von der unsere Kultur so durchdrungen ist? Wahrscheinlich. Ich kann nicht bestreiten, mir zwischendurch wie ein Feigling vorzukommen. Dann sagt mir der Verstand: Du hättest keine andere Möglichkeit gehabt.
Die Erfahrung schmerzt. So wie die Ohrfeige, die ich ich vor wenigen Jahren auf offener Straße in St. Pölten kassierte. Ich hatte damals einem Mann widersprochen, der gefordert hatte: "Hängt alle Türken auf". Die Polizei weigerte sich damals, meine Anzeige entgegenzunehmen. Der Vorfall jetzt wird von der Polizei weiterverfolgt. Niemand ist gerne Opfer. Das tut weh. Sehr weh sogar.
Ich hoffe, der Schmerz geht vorbei. Schneller als der Schmerz in meiner Schulter.
Christoph Baumgarten - 30. Mai, 20:11



Gute Besserung jedenfalls
Nein