Christoph Baumgarten - 6. Jun, 09:07

Eric,
Das ist aber z.B. nicht das Problem der Zeugen Jehovas. Das ist ein Problem der österreichischen Gesetzgebung, die eine Art Quasi-Staatsreligionentum vorsieht. Die Lösung kann nicht sein, Religionsgemeinschaften davon nach Gutdünken auszuschließen und damit zu diskriminieren. Die Lösung kann nur eine laizistische sein, d.h. dieses System der Quasi-Staatsreligionen mit all seinen Privilegien für alle einfach abzuschaffen. Dann muss man sich auch keine Sorgen machen, dass Scientology anerkannt werden könnte.
Die Probleme im Bildungsbereich (die hier stark verzerrt dargestellt werden) werden sich nicht durch Segregation beseitigen lassen. "Separate is not equal" heißt es nicht umsonst in den USA. Das würde eine echte Zwei-Klassen-Gesellschaft schaffen. Wir müssen anerkennen, dass die meisten Probleme in unserem Bildungssystem zustande kommen, weil es sozial extrem unausgewogen ist. Kinder aus sozial schlechter gestellten Familien werden in diesem System überproportional oft auffällig (etwa durch Lernschwächen). Das trifft auf Kinder mit allen ethnischen Hintergründen zu. Aufgrund der sozialen Schichtung sind es am Land viele Kinder österreichischer Eltern, in größeren Städten eher Kinder von Migranten. Das gilt auch für Sprachprobleme. Dass letztere, wenn vorhanden, bei einer anderen Muttersprache vermutlich größer sind, sei gar nicht bestritten. Nur wären hier begleitende Kurse das Mittel der Wahl. Kurse, die die Sprachkompetenz der Kinder insgesamt stärken, nicht nur die Deutschkenntnisse. Es ist nachgewiesen, dass Migranten-Kinder, die auch die Muttersprache auf Schulniveau beherrschen, einen wesentlich höheren Lernerfolg haben. Das sollte man auch bedenken.
Es stimmt, dass etwa die SPÖ die Herausforderungen in diese Richtung oft nicht klar kommuniziert hat. Die FPÖ allerdings schürt hier nur Ängste und betreibt mit platten und oft genug falschen Erklärungsmustern plumpe Hetze.
Wir haben in Österreich kein Integrationsproblem, wir haben ein Sozialproblem. Und die FPÖ ist angesichts ihrer politischen Konzepte die letzte Partei, die imstande wäre, es zu lösen. Alle ihre Vorschläge laufen daraus hinauf, das Problem zu vergrößern. Und von den unappetitlichen Vorfällen, die sie schlicht unwählbar machen, will ich hier gar nicht reden.

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Christoph Baumgarten

Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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