Sie mimen eben Weihnachtsfrieden
Das Rektorat der Uni Wien hat das Audimax räumen lassen. Am 60. Tag der Besetzung hat die Polizei dem symbolischen Zentrum des Bildungsstreiks das Rückgrat gebrochen. Begleitet vom Applaus der Reaktion und teils haarsträubenden Argumenten des Rektorats."Die Sicherheit" wird immer herangezogen, wenn einem nichts anderes einfällt. Mit der "Sicherheit" rechtfertigt auch der Wiener Rektor Georg Winckler, warum er die Polizei ins Audimax geschickt hat. Und mit "den Kosten", einem beliebten Totschlagargument der Neoliberalen und sonstigen Kleingeister. Und übehaupt die Drogen, der Alkohol. Und die Studierenden hätten ja keine klaren Forderungen formuliert.
So kann nur jemand sprechen, der die Forderungen von unsereuni,at nicht verstanden hat. Forderungen nach einem menschenwürdigen Bildungssystem in Österreich. Und zuletzt auch nach einer menschenwürdigen Betreuung für Obdachlose. Die hat Winckler in einer der kältesten Nächte des Jahres vor die Tür setzen lassen.
Man habe eine Lösung gefunden, behauptet er glatt. Eine offene Lüge. Verhandlungen über Unterbringungsmöglichkeiten die zuletzt 80 Obdachlosen hätten am Tag stattfinden sollen, an dem das Audimax geräumt wurde. Winckler hat nach Angaben von Caritas und anderen NGOs ein Hilfsangebot für die Betroffenen verhindert. Dass er rechtzeitig andere Unterbringungsstellen informiert hätte, ist ebenso eine Lüge. Er hat die Menschen einfach an die kalte Luft setzen lassen. Ebenso ist es eine Lüge, dass sich die Studierenden "nicht bewegt" hätten. Sie haben über jedes Angebot Wincklers intensiv diskutiert und zuletzt sogar angeboten, das Audimax zu räumen, wenn es eine Lösung für die Obdachlosen geben würde.
#nimmerunsereuni
So sieht die Menschlichkeit eines Unirektors aus. So sieht die Wahrheitsliebe eines Unirektors aus. Winckler hat nur auf die erstbeste Gelegenheit gewartet, das Audimax räumen zu lassen. Wenn möglich vor Weihnachten. Die Erschöpfung der Studierenden, die seit zwei Monaten aktiv sind, und die beginnenden Weihnachtsferieren, sind ihm entgegengekommen.
Kaum schien es möglich, die Polizei einschreiten zu lassen, ohne dass ihr nennenswerter Widerstand entgegengesetzt werden würde, hat Winckler das angeordnet. "Weihnachtsfrieden" um jeden Preis. Wie ernst zu nehmen der ist,zéigt, dass Hauptuni und NIG in Wien bis 7. Jänner gesperrt sind. Was viele Studierende von den Unibibliotheken ausschließt. Blöderweise brauchen sie die für die bevorstehenden Prüfungen. Allein, was kümmert das ihren Rektor? Und kein Wunder, dass ÖVP und FPÖ und vor allem deren Studierenden- und Jugendorganisationen applaudieren, wenn mit derart schiefen bis unrichten Argumenten ein basisdemokratisches Projekt niedergeknüppelt wird. Winckler hat sich als ihr verlängerter Arm erwiesen.
Das erinnert mich an das Gedicht "Großstadt-Weihnachten" von Kurt ucholsky. "Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden. Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug."
Bleibt zu hoffen, dass im weiter besetzten Hörsaal C1 eine wirksame Gegenstrategie gefunden wird. Bis dahin gilt für die Uni Wien der neue Hashtag: #nimmerunsereuni.
von Christoph Baumgarten
am 22. Dezember


2 Kommentare
Wenn ihr so Menschenfreunde seit warum nehmt ihr dann die Obdachlosen nicht einfach bei euch auf? So hättet ihr zumindest einer Person Weihnachten retten können. Aber zu 100% habt ihr, sofern ihr überhaupt noch im Audimax wart, zugesehen und seid dann heim zu eurer Mama gegangen und habt über den bösen Unirektor gelästert.
Heuchler
von AntiAudimaxSchwammerln (Gast) am 22. Dezember | #
Das hat u.a. die Caritas in einer Presseaussendung bekannt gegeben, der Standard hat ausführlich berichtet. Daher gehe ich davon aus, dass es stimmt. Ich war übrigens etliche Male im Audimax, wie auch meine Reportagen usw. zeigen.
Obdachlose aufnehmen;: Klingt so nett, so moralisch und ist so unendlich naiv. Menschen in ein Familienumfeld aufnehmen, die z.T. seit Jahren auf der Straße leben, ist für keinen der Betroffenen eine gute Idee. Das beste für Obdachlose ist eine Betreuung, in der sie sich wieder an das, was wir für ein normales Leben halten, gewöhnen können. Sonst sind alle Betroffenen damit überfordert.
Die "nimm ihn bei dir auf"-Masche funktioniert bei einem Menschen, der seit zwei Wochen auf der Straße lebt. Sonst nicht.
von Christoph Baumgarten am 22. Dezember | #