Sie hängen!
Seit heute hängen sie. Die Sujets der Atheistenkampagne in Wien. Auf drei City Lights in der Bundeshauptstadt sind Slogans wie „Es gibt keinen Gott. Gutes tun ist menschlich. Auf uns kommt es an“ oder „Gott ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein tschechischer Schlagersänger. Entspann dich. Er wird dir nichts tun“ zu lesen. Die Proponenten der Kampagne zeigen sich erleichtert, dass nach den Konflikten der vergangenen Wochen die Sujets hängen - und erfreut, dass die Kampagne auf großes Medienecho gestoßen istMariahilferstraße 1A, vor einem der drei City Lights mit den Sujets der Atheisten-Buskampagne. Zahlreiche Mitglieder der Vereine Freidenkerbund, AG-ATHE und AHA sind zur Präsentation der Sujets gekommen. Niko Alm, Geschäftsführer der Agentur Super-Fi, die die Kampagne kostenlos abwickelt, hat fast dauernd irgendein Mikrofon vor dem Gesicht um interviews zu geben. JournalistInnen von Wienweb.at, ATV, Okto, Ö1 etc. sind gekommen.

Auch von der Facebook-Gruppe "Für ein laizistisches Österreich" sind einige Mitglieder gekommen.
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Die Stimmung ist locker. Die Mitglieder der verschiedenen Vereine scherzen, Passanten fragen nach, Autoaufkleber werden ausgeteilt, Visitkarten und e-mail-Adressen ausgetauscht.


Beliebtes Fotomotiv: Mein T-Shirt mit den Original-Slogans, das ich bei der britischen Kampagne bestellt habe.

„Wir freuen uns, dass die Kampagne auf so große öffentliche Aufmerksamkeit stößt“, sagen Martin Luksan (Freidenkerbund) und Karl Linek (AHA). „Das zeigt, dass das Thema Atheismus öffentlich wahrgenommen wird. Immerhin
leben in Österreich eine Million Menschen ohne Religionsbekenntnis. Andererseits zeigt die große Aufregung, dass es immer noch nicht gesellschaftlich akzeptiert ist, wenn jemand sagt, dass er nicht an Gott glaubt. Das ist immer noch ein Tabu-Thema, hier gibt es immer noch Diskriminierung“.Werberat bleibt Kritik nicht erspart
Wie groß das Tabu ist, zeigt der Werberat. Der hatte die Sujets der Atheisten-Kampagne zum Anlass genommen, um sich für politische Kampagnen zuständig zu erklären. "Es hat in der jüngsten Vergangenheit Beispiele gegeben, wo man Menschen absichtlich beleidigt und gegeneinander ausgespielt hat. Für Abendland in Christenhand hat sich der Werberat nicht zuständig gefühlt. Wenn wir öffentlich sagen, es gibt keinen Gott, gibt man uns zu verstehen, dass man uns gnadenhalber Religionsfreiheit zuspricht – aber nur, solange sich niemand beleidigt fühlt. Das kommt uns etwas scheinheilig vor“, sagt Luksan.
Eigenartig sei auch, dass die Religionsgemeinschaften gelassener darauf reagierten als der Werberat. „Die wollen natürlich vermeiden, uns zu viel Widerstand entgegenzusetzen, weil uns das Aufmerksamkeit und Sympathien bringen würden. Dass da der Werberat sprichwörtlich päpstlicher sein will als der Papst, mutet eigenartig an“. Wenn sich das Gremium für derartige Werbekampagnen zuständig fühle, solle es in Zukunft auch auf die Kampagnen von Religionsgemeinschaften Acht geben: „Wir werden sicher keine Beschwerde einlegen sondern höchstens darauf hinweisen, dass da ein religiöses Märchen verbreitet wird. Aber ich wäre mir nicht sicher, ob nicht einige Angehörige anderer Religionen genauso intolerant sind wie manche Katholiken und sich vor den Kopf gestoßen fühlen“.
Fotos: Anna Paseka
http://www.buskampagne.at
Christoph Baumgarten - 16. Jul, 17:02


