Schmutziges Kleingeld
Aus dem Tod eines 14-Jährigen muss sich politisches Kapital schlagen lassen. Und sei es um den Preis, dass Ängste und Ressentiments geschürt werden. Das denkt sich die niederösterreichische "Volks"partei. Und wenn es mithilfe von Zeitungsinseraten ist, in denen unqualifizierte Angriffe gegen politische Mitbewerber ventiliert werden.Der Zweck heiligt die Mittel. Das weiß niemand besser als eine Partei, die sich als christlich-sozial versteht. Wenn ein 14-Jähriger mit einer Polizeikugel im Rücken stirbt, kann man das doch der SPÖ und den Grünen umhängen, in der Hoffnung sich als selbst als Garant für Sicherheit und Stabilität zu positionieren. Man schalte ein Inserat in einer Wochenzeitung, deren Mehrheitseigentümer die katholische Kirche ist. Heiliger geht's nicht mehr.

Dass das mit der Wahrheit wenig zu tun hat - den Kampagnenplaner der "Volks"partei in NÖ. Gerhard Karner, kümmert das wenig. Unwichtige Details wie die Wirklichkeit waren für ihn immer eher lästiges Beiwerk. Was der VPNÖ dient, ist billig und recht, denkt sich das Sprachrohr der absolut regierenden Schwarzen. Man muss die Dinge nur so lang wiederholen, bis sie picken bleiben.
Im redaktionellen Teil der traditionell eher VP-affinen NÖN legt Karner nach. Man muss nicht den ganzen Artikel lesen um zu wissen: Hier geht's darum, politische Mitbewerber um jeden Preis anzupatzen.

Es spricht nicht für die Stärke einer Partei, wenn sie sich eines toten Jugendlichen bedienen muss, um ihre Botschaften rüberzubekommen. Bezeichnend auch die Zurückhaltung. Erst als man sich sicher sein konnte, welche Richtung die Kronenzeitung einschlagen würde, wagte man sich aus der Deckung. Heldenmut der Konservativen.
Erst dann schickte Pröll seine Leute fürs Grobe vor. Den Klubobmann seiner Partei im Landtag, Klaus Schneeberger, und den Landesgeschäftsführer Gerhard Karner, von politischen Gegnern auch als Zwergpinscher Prölls bezeichnet.
http://www.politwatch.at/stories/geschaeft
Wie geschaffen für den "Zwergpinscher"
Das Inserat ist eine gezielte Eskalation und Provokation. Von den Zuständigkeiten innerhalb des Machtapparats ausgehend, zeichnet Karner verantwortlich. Dass er die Rückendeckung des Landeshauptmanns hat, davon ist auszugehen. Mit einem toten Jugendlichen schmutziges politisches Kleingeld zu wechseln ist ein Job wie geschaffen für den Texinger.
Der ehemalige Strasser-Pressesprecher löst bei Beobachtern mit seinen lauten und derben Attacken immer wieder Kopfschütteln aus. Auf Logik basieren seine Aussagen nicht immer. Wenn er glaubt, es diene der Sache, schreckt er auch nicht vor antisemitischen Aussagen zurück. Hauptsache, man wischt der Landes-SPÖ eins aus. Oder er konstruiert sonstwas, um die Roten zu diffamieren. Siehe das Inserat. Und natürlich lenkt man damit vom eigenen Unvermögen ab. Die schwarze Kremser Bürgermeisterin etwa hat bis heute keine Worte zum Tod eines ihrer Gemeindebürger gefunden. In der aktuellen Ausgabe der lokalen NÖN schickt sie lieber ihren Vizebürgermeister vor, um das zu kommentieren. Sie selbst tritt in einer putzigen Geschichte auf, in der sie meint, sie benutze nicht ihren Dienstwagen sondern fahre täglich mit dem Fahrrad in die Arbeit.
Andererseits: In Niederösterreich ist das nun einmal seine Job Description. Die absolute Macht der "Volks"partei um jeden Preis zu sichern. Es spricht nicht dafür, dass sich die VP sonderlich sattelfest fühlt, wenn sie zu solch schmutzigen Methoden greift. An solchen Kampagnen sieht man auch: Inhaltlich hat sie nicht viel zu bieten. Bleibt, Gegner mit der schieren finanziellen Übermacht zu erdrücken. In Niederösterreich ist Dauerwahlkampf. Einseitig. Egal, welches Thema, die VP und die ihr nahe stehenden Bereiche schalten Inserate, starten Plakatserien. Die Medienszene macht es ihr nicht schwer. Die Leitmedien des Landes kooperieren gerne auch redaktionell. Und nicht nur wegen des Gelds, das sie mit den Inseraten verdienen.
Überraschend ist das für Menschen, die das seit Jahren beobachten, nicht. Neu ist die Qualität, die das erreicht hat. Die neue Inseraten-Kampagne ist ein Tiefpunkt, der in seiner Widerlichkeit sogar VP-kritische Beobachter überrascht. Man lernt eben nie aus.
Christoph Baumgarten - 19. Aug, 07:21


