Schmutzige Tricks

Erika4Falsche Informationen, Horrorbilder, Frauen, denen gesagt wird, eine Klinik in der Abtreibungen vorgenommen werden, sei umgezogen. Die Liste der Tricks radikaler Abtreibungsgegner ist lang. Ungewollt liefert Politwatch ein Beispiel.

Mein Name ist zufällig auch Christoph, Dr. Christoph Baumgartner. Ich bin Chefarzt einer Gynäkologischen Station in St. Pölten. Das schreibt ein User, der auch diesen Namen angegeben hat, als er seinen Kommentar postete (siehe unten). Ich habe täglich die traurige "Gelegenheit", "abgetriebene" Neugeborene zu Gesicht zu bekommen und bin mir sicher, sie - und ihre Leser - würden ihre Meinung ändern (oder zumindest hinterfragen), wenn sie einmal zu Gesicht bekommen würden, was sie in ihrem Artikel zu gutheißen versuchen.

Dann postet der gute Mensch Links zu den üblichen Horrorbildern, etwa von der Homepage von "Human Life International". Dieser Verein ist straff organisiert, hat eine Tendenz zum Autoritären und kämpft besonders schmutzig gegen die Fristenlösung. In der Vergangenheit lockte man Frauen, die auf dem Weg zur Klinik am Fleischmarkt waren, ins nahe gelegene HLI-Büro und zwang sie dort Horror-Videos zu sehen.

In diesem Umfeld dürfte auch "Christoph Baumgartner" anzusiedeln sein, der von sich selbst schreibt: Ich bin kein "Fundi"; ich sehe mich weder weit links noch weit rechts im "gängigen" politischen Spektrum. Zugegebenermaßen sind mir sich selbst als "unpolitisch" verstehende Menschen von Grund auf suspekt. Hinter solchen Aussagen verbergen sich meist Alltagsfaschisten, die nur warten von der Kette gelassen zu werden. Menschen, die sich für Politik nicht interessieren, verwenden andere Formulierungen.

Wer sagt, er sei "im gängigen politischen Spektrum" weder links noch rechts, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jemand, den jede Form von Liberalität ein Greuel ist. Und hat eine unüberwindbare Abscheu gegen jede Form von Gewerkschaft, Sozialdemokratie, Kommunismus oder andere humanistische Gesinnungen, wozu ich in Österreich auch die grünen zählen würde.

Der Mann ist Hochstapler
Wer auch immer dieser Herr Baumgartner ist, Leiter der Gynäkologie im Landesklinikum St. Pölten ist er nicht. Die leitet ein Professor Matthias Klein. Einen Christoph Baumgartner gibt es dort nicht. Eine andere "gynäkologische Station" in St. Pölten gibt es auch nicht. Das Landesklinikum ist da seinzige Krankenhaus in der nö. Landeshauptstadt.
http://www.stpoelten.lknoe.at/abteilungen/gynaekologie-und-geburtshilfe.html

Christoph Baumgartner ist bekannter Neurologe in Wien. Und der wird kaum auf Politwatch Fundi-Thesen vertreten. Was den Schluss nahe legt: User "Christoph Baumgartner" ist nicht einmal Arzt. "Christoph Baumgartner" heißt nicht einmal so. "Christoph Baumgartner" gibt sich als Arzt aus, um Fundi-Positionen mehr Gewicht zu verleihen. "Christoph Baumgartner" hat gelogen.

Wenn ein Gynäkologe gegen Abtreibungen wettert, hört man ihm eher zu als wenn das ein "Freibeter" tut, das am Fleischmarkt Psychoterror gegen Frauen ausübt. Und sicher eher als den Chefs von HLI, auf deren Angaben so viel Verlass ist wie im Moment auf den Fahrplan der ÖBB.

Pech nur, dass sich "Christoph Baumgartner" so dumm angestellt hat. Aber auch das ist symptomatisch für die Fundis, bei allen schmutzigen Tricks. Dass sich ein österreichischer Gynäkologe etwa so gut mit dem Medienrecht auskennt, dass er weiß, dass Schocker-Bilder nicht so einfach gepostet werden können, ist sehr unwahrscheinlich. Dass er "zufällig" vor allem auf die Bilder von HLI zurückgreift ebenso. Wo er wissen müsste: Diese Bilder zeigen Föten, die deutlich nach dem dritten Schwangerschaftsmonat abgetrieben wurden. Das erhöht die Schockwirkung. Einem Gynäkologen würde das auffallen.

Zudem ist es nicht illegal, diese Bilder in Österreich zu zeigen. Der Hinweis soll nur die Dramatik erhöhen und der Botschaft dieses Fundis mehr Gewicht geben. Der Reiz des Verbotenen zieht. Ähnlich der Hinweis man möge doch PAS oder Brustkrebsraten im Internet recherchieren. Ein paar hingeworfene Schlüsselwörter, die in der richtigen Kombination wieder auf Seiten von Abtreibungsgegnern führen. Ähnliche Schmähs verwenden Holocaust-Leugner in Internetforen. Auch die grammatikalischen und orthographischen Fehler im Kommentar lassen nicht auf einen Menschen mit guter Bildung schließen.

Ich bin nur persönlich etwas beleidigt, dass mich "Christoph Baumgartner" für so dumm gehalten hat, sein Posting ernst zu nehmen oder gar seinen Angaben Glauben zu schenken. Und, dass er meine Leserinnen und Leser offenbar für genauso blöd hält. Lieber "Christoph Baumgartner": Wie sind hier nicht bei HLI, wo man Menschen für dumm verkaufen kann. Bie allem Verständnis für Pseudonyme: Sich als Arzt auszugeben ist letztklassig.

Von Medizin haben Sie keine Ahnung. Ein schlechter Katholik sind Sie obendrein. "Christoph Baumgartner", Sie haben gelogen. Das ist nach Ihrem Verständnis eine Sünde. Auch wenn sie von HLI tagtäglich begangen wird.
villacher (Gast) - 5. Sep, 11:58

tja, im internet jargon nennt man sowas wohl "own3d" ;-)
#HLIFail

Karl-Hannes (Gast) - 5. Sep, 12:14

""own3d" ;-)"

n1^^

Flo M. (Gast) - 5. Sep, 12:21

"Ein schlechter Katholik sind Sie obendrein."
Ha, ha!

p-watch-reader (Gast) - 5. Sep, 12:35


Mathias (Gast) - 6. Sep, 22:45

"Wer sagt, er sei "im gängigen politischen Spektrum" weder links noch rechts, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit jemand, den jede Form von Liberalität ein Greuel ist."
Wie kommst du darauf? Normalerweise sind gerade diejenigen, die sich vom Arschbackenschema distanzieren, die Liberalen - unnütze Neologismen wie "Linksliberal" u.ä. mal ausgenommen. Immerhin wollen sie sowohl gesellschaftliche Freiheit ("links") als auch die wirtschaftliche ("rechts").

Dass alle unpolitischen Menschen "Alltagsfaschisten" sind, halte ich im Übrigen auch für eine sehr dumme und haltlose Unterstellung. Desinteresse an der Politik bzw. Offenheit für sämtliche Seiten sind selten Merkmale des Faschismus, der sehr wohl politisch ist.

"Kommunismus und andere humanistische Gesinnungen" lässt mich zudem zweifeln, ob ich deinen Blog weiterhin im Feed-Reader behalten soll. Das enttäuscht mich sehr, nachdem ich die Beiträge hier normalerweise für sehr sinnvoll befinde.

Zum Thema: Die Vorgehensweise von Doktor Münchhausen ist natürlich daneben, genauso aber, die Abtreibungsdebatte zur politischen Agenda hochzustilisieren. Sie ist vorrangig philosophischer bzw. medizinisch-ethischer Natur, sämtliche Argumente von Pro und Contra basieren auf einer dieser beiden Wissenschaften und stehen nicht etwa im politischen Kontext. Somit dürfen sehr wohl auch unpolitische Menschen eine Meinung dazu haben, ebenso wie diese negativ ausfallen darf, ohne dass man es gleich mit Faschismus, Sexismus etc. zu tun hat.

Karl-Hannes (Gast) - 8. Sep, 17:25

"Dass alle unpolitischen Menschen "Alltagsfaschisten" sind, halte ich im Übrigen auch für eine sehr dumme und haltlose Unterstellung. Desinteresse an der Politik bzw. Offenheit für sämtliche Seiten sind selten Merkmale des Faschismus, der sehr wohl politisch ist."

Ich glaube der Autor meint, das sich Alltagsfaschisten sich gerne hinter solchen Fragen verstecken ;-)

"Somit dürfen sehr wohl auch unpolitische Menschen eine Meinung dazu haben, ebenso wie diese negativ ausfallen darf, ohne dass man es gleich mit Faschismus, Sexismus etc. zu tun hat."

Das stimmt allerdings. Aber der Autor dieses Blogs hat nie wirklich mit Toleranz für Anderdenkende geglänzt, was auch der Grund dafür ist, dass ihm Viele unterstellen zu polemisieren anstatt zu analysieren(was ja vorgegeben wird)...

Karl-Hannes (Gast) - 8. Sep, 17:26

-Fragen + Aussagen

Christoph Baumgarten - 8. Sep, 18:22

Auch eine Polemik will gelernt sein und ich denke, hier finden sich Analysen, Polemiken und Satiren. Je nachdem, was mir am notwendigsten erscheint.
Die mangelnde Toleranz gegen Andersdenkende beschränkt sich auf gewisse Gruppen Andersdenkender. Rechtsradikale, Reaktionäre und Konservative, die glauben, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben. Gelegentlich auch gegen Linke, die leichtfertig nachplappern und sich unheimlich gut vorkommen.
Aber, Charly, mir fällt positiv auf: Im Gegensatz zu Mathias hast du meinen Text gelesen und verstanden.

Christoph Baumgarten - 8. Sep, 18:26

@Mathias. Dem werten Münchausen ging es mitnichten um einen wissenschaftlichen Beitrag zur Debatte. Siehe seine Links, siehe seine Verweise auf diverse negative Auswirkungen von Abtreibungen, die immer nur von radikalen Abtreibungsgegnern beobachtet werden, für die es aber keinen empirischen Beleg gibt.
Wenn jemand eine politische Debatte derartig dumm führen will und sich gleichzeitig als unpolitisch bezeichnet, weiß ich, aus welcher Ecke das kommt. Es sind jedesmal die gleichen Phrasen. Die haben sich seit 1934 nicht wirklich geändert.

Karl-Hannes (Gast) - 8. Sep, 18:48

@Christoph:

Ja, das schon. Und hier in deinem Blog gibt es auch einige sehr wertvolle Analysen. Aber eben das bissige, die leichten Seitenhiebe gegen die ideologischen Kontrahenten macht es zwar würdig, lässt aber alles in einem polemischen Licht erstrahlen. Man sollte auch Rechtradikale nicht ungeprüft ziehen lassen, abtun und oder verunglimpfen, auch von der Seite kommen manchmal nützliche Ideen, eben erade weil sie so anders denken. Dann denkt man sich das radikale blabla weg und übernimmt das nützliche... Ich seh da kein Problem... Eine Demokratie hat die Pflicht alle Meinungen, auch demokratiefeindliche(kommunistisch, islamistisch/fundamentalistisch, nationalsozialistisch) zu akzeptieren, ansonsten kann man sich den Schein politischer Freiheit gleich sparen und sagen "Im Sinne des Wohls der Allgemeinheit werden nur bestimmte Strömungen zugelassen, es gibt keine vollkommene politische Freiheit" ...

Karl-Hannes (Gast) - 8. Sep, 19:01

-würdig +würzig ...

hans huber (Gast) - 30. Sep, 23:39

Wenn man sich Bilder/Grafiken/Zeichnungen von ungeborenen - Betonung auf nicht abgetriebenen - Embryos in der 11-12. Schwangerschaftswoche auf diversesten Web-Seiten ansieht, erkennt man auch als Laie, dass es sich hier eindeutig um einen Menschen handelt (Kopf, Hände, Füße). Weiters ist auf diesen übrigens NICHT-fundamentalistischen und NICHT-religiösen Seiten und NICHT-Seiten von Abtreibungsgegnern dokumentiert, dass ein menschlicher Embryo in dieser Zeit bereits schlucken, den Kopf bewegen, Handgelenke und Füße bewegen kann. Bereits lange zuvor im 2. Monat beginnt sich das Nervensystem zu entwickeln, der menschliche Embryo kann Schmerzen spüren.

Ich finde es extrem ekelhaft und unverständlich, den Mord an ungeborenen - vor allem gesunden - Menschen einfach so hinzunehmen und Menschen, die sich gegen den Mord von ungeborenen Menschen aussprechen auch noch lächerlich zu machen und zu beschimpfen bzw. diese abwertend als Fundis zu bezeichnen, weil sie sich für das menschliche Leben einsetzen. Woher kommt der linke Gedanke, den Mord an gesunden ungeborenen Menschen bis zum 3. Monat zuzulassen und dies nicht als Mord zu sehen? Eigentlich fände ich es logischer, so etwas von weit Rechtsgesinnten erwarten zu müssen. Wahrscheinlich denken sehr viele Linke, weil es sich historisch so gehört, sie müssten dem linken Mainstream unreflektiert folgen und auch - wahrscheinlich oft ohne Überzeugung - den Mord an ungeborenen Kindern billigen. Unglaublich, dass immer nur die Mutter als schützenswert erscheint und nie das Kind bis zum 3. Monat, das am wenigsten etwas für seine Existenz kann.

Ich möchte festhalten, dass ich ein vehementer Gegner der Todesstrafe bin und mich ganz klar von den linken bzw. auch von den rechten Heuchlern distanziere, die aus ihrer Doppelmoral heraus entweder den Mord an ungeborenen Kindern billigen, gleichzeitig aber den Mord an Massenmördern im Schutzmantel der legitimierten Todesstrafe (USA, China, Japan, etc.) ablehnen bzw. vice versa.

Es ist wirklich traurig, wie ungestraft mörderisch der Mensch sein darf, selbst in vermeintlich zivilisierten Ländern wie Österreich.

Ein klares "Nicht genügend" an Links und Rechts zum Thema Menschenleben !!


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Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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