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Reinrassige Rindsviecher

FPOE_BauernWas macht eine politische Partei, wenn ihr nichts gescheites einfällt? Sie versucht, einen Aufreger zu produzieren. Im Fall der FPÖ kramt man halt wieder mal in der Kiste mit NS-Jargon.

Mit dem Slogan "Reinrassig und echt" will die freiheitliche Bauernschaft (FBÖ) bei den Landwirtschaftskammerwahlen Stimmen gewinnen. Viel mehr muss man nicht mehr sagen. Vor 20 Jahren hätte vermutlich sogar ein FPÖ-Funktionär zurücktreten müssen, der das Wort "reinrassig" in den Mund genommen hätte, geschweige denn, dass man das zum Wahlkampfslogan gemacht hätte. Und die Blauen waren damals schon nicht zart besaitet.
FPOE_Bauern
Aus Sicht eines kritischen Beobachters ist es ein neuer Versuch der FPÖ, wieder ein Stückchen NS-Jargon salonfähig zu machen. Gewinner sind die Blauen auf jeden Fall: Bleibt die berechtige Aufregung über die Anspielung auf die NS-Rassenideologie aus, darf man das ungestraft auch in eindeutigerem Zusammenhang verwenden. Regt man sich auf, wird ein unbekannter Provinzpolitiker bei einer nicht sonderlich bedeutenden Wahl bekannt. Sonst würde niemanden interessieren, wer der Mann neben der Kuh ist.

Ein Indiz für eine gezielte Provokation ist auch, wie der Slogan angeordnet ist: Zwischen Kuh und Spitzenkandidat. Das zeigt sich v.a. in der hochformatigen Version. Ein bisserl Augenzwinkern sozusagen, wie zu Haiders Zeiten. Einzig, dass man Straches Chaostruppe Selbstironie eher nicht zutraut. Auch die "EU-Agrar-Knechtschaft" erinnert an die "Zinsknechtschaft", in der die NSDAP und andere rechtsradikale Parteien die Weimarer Republik sahen.

Ein einziger Punkt spricht gegen die These: Kernwähler holt man mit dem Slogan bei dieser Wahl nicht ab. Die Zeiten der organisierten rechtsradikalen Bauernschaft ist vorbei. Und so viele Mitglieder von Martin Grafs Lebensbund, der Burschenschaft Olympia, wo der Jargon vielleicht ziehen würde, werden auch nicht in der Landwirtschaft aktiv sein.

Dass der FPÖ das passiert ist, kann man als halbwegs vernunftbegabter Mensch ausschließen. So blöd sind die auch wieder nicht, dass das dort niemanden aufgefallen ist. Auch wenn das Plakat nicht mit sonderlicher Ästhetik besticht - Marke Eigenbau der freiheitlichen Bauernschaft ist es sichtlich nicht. Man vergleiche das sonstige Design auf der Homepage. DIe Frage, ob die FPÖ mit diesem Wahlkamf jeglichen Anstand verloren habe, ist eher rhetorischer Natur.

Waldheims Kuh
Man darf gespannt auf die freiheitlichen Reaktionen warten. Erstens wird alles ein Missverständnis gewesen sein. Im Zweifelsfall ist das eben ein in der Landwirtschaft gebräuchlicher Begriff für die Herkunft von Nutztieren. Nicht der Bauer ist reinrassig, die Kuh ist es. Waldheims Pferd ist im Jahr 2010 Nußbaumers Kuh geworden. Eine Erklärung, die die paar Olympia-Bauern vielleicht nachhaltig verstören könnte.

Außerdem hat man's nicht gewusst. Reinrassig - noch nie gehört das Wort. Rasse, was ist das überhaupt? Was angesichts der Bildungsdefizite der Blauen beinahe glaubwürdig wäre. Und auf dem Plakat schaut der Spitzenkandidat nicht wirklich aus wie eine intellektuelle Größe. Andererseits soll man nicht vom Aussehen auf den Menschen schließen.

Und es ist sowieso ein weiteres Beispiel des linken Tugend- und Gesinnungsterrors durch die rot-grün-kommunistischen Nazis, die vor allem bei der Landwirtschaftskammerwahl hochaktiv sind. Da muss ein ehrlicher Bauer um Leib, Leben und Hof fürchten. Und um die Kuh sowieso. Was möglicherweise der größte Schaden wäre.

Jedenfalls fällt positiv auf, dass auf dem Plakat kein Rechtschreib- oder Grammatikfehler zu finden ist. Im Vergleich zu sonstigen FPÖ-Wahlkämpfen ein beachtlicher Fortschritt. Von der Homepage der freiheitlichen Bauernschaft kann man das nicht behaupten.

Bildnachweis: Das Foto vom Plakatständer ist auf Tweetphoto dokumentiert. Das Sujet war am Mittwochabend auch auf der Homepage der freiheitlichen Bauernschaft zu sehen.
bernhard redl (Gast) - 11. Feb, 15:07

also ich glaub ja weder, daß es sich um eine gezielte provokation handelt noch daß es dabei um eine augenzwinkernde anspielung handelt - die sind einfach so und es fällt ihnen nichts dabei auf.

sie beschweren sich ja in ihrem beitext auf der homepage über agrarkonzernorientierte superzüchtungen. die pointe dabei: gerade diese superzüchtungen sind ja "reinrassig". die traditionellen "rassen" sind ja gar keine, sondern schon lange vor mendel und darwin wußten die bauern, daß eine hohe genvariätet gesündere viecher und robusteres getreide bringt - also genau das gegenteil von reinrassig.

aber die f-ler versuchen halt weiterhin "bodenständig" und "reinrassig" mit gewalt unter einen hut zu bringen. mag sein, daß strache und graf mit bestimmten versatzstücken genauso wie einst haider bewußt spielen - der herr nußbaumer aber wohl kaum. der denkt wirklich so und ich schätze das plakat ist ganz allein auf seinem mist gewachsen und lediglich mit FP-Graphik realisiert worden.

Christoph Baumgarten - 11. Feb, 16:50

Hältst du sie wirklich für sie deppert?
Ich geh ja nicht davon aus, dass das auf dem Mist des Herrn Nußbaumers gewachsen ist. Dazu geht die FPÖ bei Wahlkämpfen im allgemeinen zu zielgerichtet vor...

hans huber (Gast) - 11. Feb, 23:08

Danke für den Beitrag ! Zeigt mal wieder das primitive Niveau der FPÖ, sodass man eigentlich den Eindruck bekommt, es handle sich um ein Fake. ;-)

Feeder (Gast) - 13. Feb, 15:23

mehr als ein kopfschütteln fällt mir dazu nicht ein, aber das ist bei den fpö-plakaten und der fpö-programmatik und den fpö-leuten eh schon usus

Junglandwirt (Gast) - 14. Feb, 10:40

Hier sieht man wieder wie alles was der FPÖ nahe steht schlecht gemacht wird! Wenn irgendeiner von euch sehr geehrten Damen und Heeren eine Ahnung vom wirklichen täglichen Kampf der Bäuerinnen und Bauern wüsste so würde er so einen Schwachsinn wie in denn obigen Kommentaren nicht verfassen!
Die ÖVP Agrarpolitik ist derzeit perspektivenlos (Milchquote...), und die Freiheitliche Bauernschaft greift die Sorgen der Bauern auf und will sie auch lösen. Eines ist klar auch die FPÖ Bauern können nicht alle Probleme lösen aber wenn wir in einer Demokratie leben, so sollen wir auch eine Alternative bei LWK Wahl haben! Mfg

Christoph Baumgarten - 14. Feb, 12:10

Junglandwirt, du hast hier den üblichen Reflex: Oh die armen Blauen. Ich habe hier die Konzepte der Freiheitlichen Bauernschaft nicht hinterfragt, auch die des Bauernbundes etc. nicht. Hier geht's um den Stil. Ich denke, die Konzepte der Freiheitlichen Bauernschaft hätten sich einen anderen Slogan verdient. Ohne die Programme von irgendeiner Fraktion hier bewerten zu wollen, stimme ich durchaus mit dir überein, dass die heimischen Landwirte eigentlich andere Probleme haben als die, welche Fraktion welche Slogans verwendet. Es sollte über Inhalte gesprochen werden. Dass das nicht passiert, hat sich die Freiheitliche Bauernschaft selbst zuzuschreiben.

hans huber (Gast) - 15. Feb, 18:38

Man beachte auf folgender Seite die Beschreibung der Gruppe:

http://www.facebook.com/group.php?v=info&ref=mf&gid=297240220571

"Wir Österreicher lassen SICH nichts mehr gefallen."

Die Versuchung war einfach zu groß, der Gruppe kurzfristig beizutreten und ein paar Bemerkungen zu hinterlassen. ;-)

hans huber (Gast) - 15. Feb, 21:44

Da die Betreiber der FPÖ Facebook-Gruppe aus Feigheit meinen Eintrag gelöscht haben, musste ich den Screenshot zur Beweisführung uploaden.

Sie haben nämlich den kompletten Satz gelöscht, weil sie nicht mal erkannt haben, was daran falsch ist. ;-)

http://www.facebook.com/profile.php?ref=profile&id=1304952124#!/photo.php?pid=49231&o=all&op=1&view=all&subj=297240220571&aid=-1&id=100000675795841&fbid=101880806511112


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