Provozierend historisch

Vielleicht ist der Ortstafelkompromiss in Kärnten historisch. Allen kleinen Erfolgen zum Trotz hat er auf jeden Fall einen historisch schlechten Beigeschmack.

Die Freiheitlichen in Kärnten können's nicht lassen. Es reicht offenbar nicht, dass die Vertreter der slowenischen Minderheit auf viele verbriefte Rechte verzichten. Der Verzicht mag in Summe tragbar sein. Nur, dass man den Rest der Kärntner Bevölkerung unbedingt befragen muss, stinkt. Dass die Volksbefragung nicht bindend ist, "adds insult to injury", um eine englische Redewendung zu gebrauchen.

Das verhöhnt die Slowenen, über deren gerichtlich und verfassungsmäßig verbrieften Rechte abgestimmt wird. Und es verhöhnt die Kärntner Bevölkerung, deren Votum rechtlich wertlos ist. Das mutet an wie Demokratie als Volksbelustigung. Noch dazu bei einem Thema mit internationaler und historischer Tragweite. Historisch an diesem Kompromiss ist bestenfalls das Ausmaß der Provokation, das diese Volksbefragung darstellt.

Das ist schlicht gesagt untragbar. Es zeigt, was der rechte Rand des politischen Spektrums, vertreten von den FIK, von Minderheitenrechten und von der eigenen Bevölkerung hält. Nichts. Mehr als Objekt pseudopolitischer Selbstbefriedigung ist da niemand. Weder die Slowenen, die ausnahmsweise mal als Beweis für die eigene vermeintliche Weltoffenheit herhalten müssen statt als Projektionsfläche dümmelnder Deutschtümelei. Noch der Rest der Kärntner, der nicht mehr ist als Stimmvieh, das nach Bedarf mobilisiert werden soll.

Zu allem Überdruss fühlt sich die Kärntner "Volks"partei bemüßigt, von der Bundesregierung die Kosten für die Volksbefragung einzufordern. Nur hatte die die Befragung nie gefordert. Die Chance, diesen schandhaften Konflikt um verweigerte Rechte auf ernstzunehmende Weise beizulegen, haben große Teile der Kärntner Nomenklatura vertan. Sie stehen nicht da wie die Sieger. Sie stehen da wie Teilnehmer an einem schiefgelaufenen Freiluftexperiment einer Kabarettschule, das sich Kärntner Landespolitik nennt.
Darkdidi (Gast) - 30. Apr, 03:54

Ihr Beitrag ist, wie oft, maßlos übertrieben. Natürlich ist die Geschichte der Ortstafeln alles andere als glücklich gelaufen. Selbstverständlich haben die Kärntener Slowenen als autochthone Minderheit das Recht auf zweisprachige Ortstafeln. Dieses ist ihnen z.T. verwehrt worden, indem eine populistische Politik die schwammige Formulierung im Staatsvertrag, die KEINE Prozenthürde festlegt und alte Ressentiments ausgenutzt hat.

Eine gütige Einigung kann aber nur mit der Einbindung ALLER, d.h. auch mit der Einbeziehung der deutschnatnationalen Kärntner dauerhaft funktionieren. Diese Legitimation wird mit der Volksbefragung erreicht. Schließlich kann keiner Interesse daran haben, daß sich der Ortstafelsturm wiederholt.
Ich halte die 17,5% für einen fairen Kompromiss.

Zum Vergleich: Die deutsche Minderheit in Polen hat z.b. eine 20% Hürde.

Slowenien sollte die Ortstafeleinigung als Anlass für die Aufarbeitung seiner eigenen blutigen Vergangenheit (AVNOJ-Bestimmungen) nehmen.

http://www.vloe.at/download/avnoj_deutsch.pdf

Christoph Baumgarten - 2. Mai, 17:00

Lieber Didi

Ich hab durchaus nix dagegen, dass die sog. Deutschkärntner in die Umsetzung eingebunden werden. Ich hab's persönlich für durchaus gut gehalten, dass einer der beiden Verbände am Verhandlungstisch saß. Aber eine Volksbefragung ist von allen Möglichkeiten, die Leute einzubinden, die schlechteste. Viel besser etwa wären gemeinsame Touren von Vertretern der Gruppen, die den Kompromiss mittragen durch die betroffenen Gemeinden. Das wär ein starkes Signal.

Christoph Baumgarten - 2. Mai, 17:02

P.S.:

Dass die AVNOJ-Geschichte aufgearbeitet gehört - d'accord. Aber das hat nichts mit der Frage zu tun, wie die slowenische Minderheit in Ö behandelt wird. Wobei ich davon ausgehe, dass jetzt fortschrittliche Kräfte in Slowenien etwas einfacher diese Forderung erheben können als früher.
logo

Politwatch

Blog für alle, die sich nicht länger für dumm verkaufen lassen wollen

Über Politwatch

Christoph Baumgarten

Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

Free Text (2)

Christoph Baumgarten

Letzte Kommentare

Ist das dein Ernst?
Ist das jetzt Ironie ? Zumindest ist es nicht gut!
Hannes (Gast) - 17. Jan, 23:48
lange nacht
oder stell doch wenigstens deinen bericht über...
tscheh (Gast) - 9. Okt, 20:25
politwatch, quo vadis?
ich mag das nicht, wenn ein guter blog monatelang verwaist...
tscheh (Gast) - 13. Sep, 23:08
siehe Wirtschaftsfaschismus...
bzw. http://wirtschaftsfaschism us.wordpress.com/2011/02/1 5/hello-world/...
Peter (Gast) - 28. Jun, 12:23
Ja, ja
Von aussen kann man gut kommentieren aber so einfach...
bld (Gast) - 8. Jun, 17:16
Man darf nur keine Gelegenheit...
Man darf nur keine Gelegenheit versäumen, gegen...
Gerald (Gast) - 7. Jun, 18:28
Schlechte Idee..
Meiner Meinung nach der falsche Ansatz. Das führt...
anonym (Gast) - 7. Jun, 12:51
@ Max
Eine offene Diskussion sollte man wohl führen...
Umberto (Gast) - 6. Jun, 20:22
Andere Bezirke, andere...
Der 21.Bezirk war schon immer ein rauhes Pflaster....
Erich Reder (Gast) - 6. Jun, 20:05
Angreifer weiter unbekannt
Die Rechtsradikalen, die mich vor einer Woche verprügelten,...
Christoph Baumgarten - 6. Jun, 19:41

Suche

 

RSS Feed

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


Creative Commons License

xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Web Counter-Modul

Alle Links in Popups öffnen

alle Links auf der aktuellen Seite in einem neuen Fenster öffnen 

Profil
Abmelden
Weblog abonnieren