Operation Goldfisch

Uwe_Scheuch90 Prozent für Uwe Scheuch als Obmann der Freiheitlichen In Kärnten (FIK). Ein eindeutiges Ergebnis am außerordentlichen Landesparteitag, das den Richtungsstreit zwischen Rechtsliberalen und Rechtsradikalen zwischen Pack und Karawanken entschieden hat. Die Operation Goldfisch ist geglückt.

Das schelmische Grinsen wird Uwe Scheuch nicht so schnell vergehen. Seine Parteikollegen haben bewiesen, dass er sie nicht unterschätzt hat. Das Gedächtnis des durchschnittlichen FIK hat in etwa die Halbwertszeit eines Goldfisches. Was in gleichem Ausmaß für Bumsti Strache gelten dürfte.

Anders als die Durchschnittsbevölkerung haben diese Leute nicht mehr die vollmundigen Ankündigungen im Ohr, BZÖ und FPÖ würden niemals zusammengehen. Vergessen die Erzfeindschaft. Auch die Aufrufe des vormals mächtigen Haider-Clans, nicht mit der FPÖ zusammenzugehen, dürften am Samstag nicht mehr im kollektiven Gedächtnis der FIK-Delegierten gewesen sein. Und vor allem nicht im individuellen. Es ist halt schwer, sich etwas länger als zwei Wochen zu merken. Vielleicht hat sich auch der eine oder andere gewundert, dass "der Jörg" nicht auftritt. Dessen Ableben ist etwas mehr als ein Jahr her. Das kann überfordern. Für andere wird "der Jörg" nicht einmal mehr als eine blasse Erinnerung sein, eine ferne Legende, eine von vielen Kärntner Volkssagen. Ein mythischer Fürst, erfunden als Identifikationsfigur, auf den man sich bei Bedarf beruft, ausgestattet mit den Eigenschaften, die jeweils am besten zupass kommen. Eine Art Gott für geistig Arme sozusagen.

Scheuchs Gedächtnis liegt laut eigenen Angaben nur knapp über dem seiner Parteikollegen. Der angebliche Experte für Staatsbürgerschaften kann sich nicht mehr erinnern, ob, wann und mit wem er über Millionendeals und Parteispenden verhandelt hat.

Er kann sich nicht erinnern. Das Tonband wurde manipuliert. Das ist eine Schmutzkübelkampagne. Außerdem wurde er missverstanden. Und wenn es so war, hat er sich auch nichts zuschulden kommen lassen.

Mag sein, dass das Tonband manipuliert wurde. Die schlechte Qualität lässt das unmöglich erscheinen. Ständig scheuert Stoff über das Mikro des hörbarerweise versteckt getragenen Aufnahmegerätes. Aus meiner Sicht wäre jeder Schnitt sofort hörbar. Als jemand, der tausende Radiobeiträge digital geschnitten hat, traue ich mir eine derartige Aussage zu. Zumal man die Kürzung am Ende der Aufnahme deutlich hört. Andererseits wäre es möglich, dass die Gesprächsspur nachträglich verzerrt und mit einer Atmo-Spur gemischt wurde. Das wäre eine Möglichkeit, die oben beschriebenen Effekte zu erzielen und würde die Aufnahme authentisch erscheinen lassen. Das würde allerdings ziemlich gute Schnittprogramme voraussetzen.

Aber lassen wir das. Auch die Staatsbürgerschaftsgeschichte scheinen die Delegierten am Samstag vergessen zu haben. Ebenso, dass die Staatsanwaltschaft wegen Korruption gegen Scheuch ermittelt. Es ist zumindest meiner Erinnerung nach das erste Mal, dass jemand zum Parteiobmann gewählt wird, der unter Verdacht steht, derart schwere Delikte begangen zu haben. Das wurde erst wenige Tage vor dem FIK-Parteitag bekannt. Dass die Delegierten sich offenkundig nicht mehr erinnern konnten, stützt die Goldfisch-These.

Eine These, die jeder entwickeln muss, der die rechte Szene in Österreich beobachtet. Bumsti Strache kann sich nicht mehr an die schwarz-blaue Bundesregierung und deren Anschläge auf Sicherheit, Gesundheit, Pensionen, Bankkonto der Österreicherinnen und Österreicher bzw. auf Polizei und Staatseigentum erinnern. An die zahlreichen rechtskräftigen Verurteilungen der eigenen Mitglieder können sich die Rechten auch nicht erinnern. Und, was interessiert einen das Geschwätz von gestern?

Das Beispiel FIK zeigt, was von diesen Leuten zu halten ist. Und offenbar hat das Prinzip Goldfisch auch hochrangige Repräsentanten des Rest-BZÖ erfasst. Dessen Chef, Grasser-Klon Josef Bucher, schließt nicht mehr aus, dass Nationalratsabgeordnete aus seinem Klub in dem FIK-Klub wechseln. Zwei Leute mehr und der Klub bekommt 1,5 Millionen Euro aus der parlamentarischen Klubförderung. Und nachdem die Wendehälse von FPÖ und FIK ihre lebensmenschliche Liebe zueinander entdeckt haben, setzt man eher auf Partner, die Erfolg versprechen. Die FIK wird's wahrscheinlich länger geben als das BZÖ. Das ist zumindest nach der Operation Goldfisch am Samstag einigermaßen gesichert. Bleibt die Unwägbarkeit der rechten Gedächtnisschwäche. Wer kann schon garantieren, dass sich die Leute am Montag erinnern, bei welcher Partei sie sind?

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

logo

Politwatch

Blog für alle, die sich nicht länger für dumm verkaufen lassen wollen

Über Politwatch

Christoph Baumgarten

Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

Free Text (2)

Christoph Baumgarten

Letzte Kommentare

Ist das dein Ernst?
Ist das jetzt Ironie ? Zumindest ist es nicht gut!
Hannes (Gast) - 17. Jan, 23:48
lange nacht
oder stell doch wenigstens deinen bericht über...
tscheh (Gast) - 9. Okt, 20:25
politwatch, quo vadis?
ich mag das nicht, wenn ein guter blog monatelang verwaist...
tscheh (Gast) - 13. Sep, 23:08
siehe Wirtschaftsfaschismus...
bzw. http://wirtschaftsfaschism us.wordpress.com/2011/02/1 5/hello-world/...
Peter (Gast) - 28. Jun, 12:23
Ja, ja
Von aussen kann man gut kommentieren aber so einfach...
bld (Gast) - 8. Jun, 17:16
Man darf nur keine Gelegenheit...
Man darf nur keine Gelegenheit versäumen, gegen...
Gerald (Gast) - 7. Jun, 18:28
Schlechte Idee..
Meiner Meinung nach der falsche Ansatz. Das führt...
anonym (Gast) - 7. Jun, 12:51
@ Max
Eine offene Diskussion sollte man wohl führen...
Umberto (Gast) - 6. Jun, 20:22
Andere Bezirke, andere...
Der 21.Bezirk war schon immer ein rauhes Pflaster....
Erich Reder (Gast) - 6. Jun, 20:05
Angreifer weiter unbekannt
Die Rechtsradikalen, die mich vor einer Woche verprügelten,...
Christoph Baumgarten - 6. Jun, 19:41

Suche

 

RSS Feed

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


Creative Commons License

xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Web Counter-Modul

Alle Links in Popups öffnen

alle Links auf der aktuellen Seite in einem neuen Fenster öffnen 

Profil
Abmelden
Weblog abonnieren