Nazi-Seite hetzt gegen Gemeinderatskandidatin

Der Fall Zeca Schall ist kein Einzelfall. Ähnlich wie bei dem Thüringer Politiker hetzen in Österreich Rechtsextreme gegen eine Linzer Kandidatin der Grünen. Die bekannte Nazi-Seite "Alpen-Donau-Info" diffamiert Marie-Edwige Hartig heftigst. Und fordert nebenbei implizit, Migrantinnen und Migranten aus Österreich zu deportieren.

"Soweit ist es gekommen – Negerin wird in Linz vielleicht Gemeinderätin", titelt die Nazi-Seite Alpen-Donau-Info. Gemeint ist Marie-Edwige Hartig, eine junge Kandidatin der Linzer Grünen für die Gemeinderatswahl. Die Frau will mithelfen, die oberösterreichische Landeshauptstadt für alle Einwohnerinnen und Einwohner lebenswert zu erhalten.

Als meine erste Aufgabe sehe ich die Gründung des Integrationsausschusses, damit die Linzer MigrantInnen aus über 100 Nationen und deren Organisationen Partner der Politik werden und nicht deren Spielball bleiben. Somit kann das Integrationsleitbild des Landes OÖ umgesetzt werden. Verknüpfend werde ich mich für gezielte Maßnahmen einsetzen um qualifizierte Personen mit Migrationshintergrund für den öffentlichen Dienst anzuwerben, schreibt die 28-Jährige auf der Homepage der Linzer Grünen.

Die Angst der Nazis
Keine Forderung, keine Ghettos oder schlimmeres einzurichten? Kein Schrei nach ethnischen Säuberungen in Linz? Gar die Vorstellung eines gleichberechtigten Lebens, von einem Ende der Diskriminierung? Ein Affront, finden die Betreiber der Nazi-Seite. Noch dazu erhoben von jemandem, den sie als von Geburt an minderwertig betrachten.

Für diese Menschen muss ein Weltbild zusammengebrochen sein. Allein die Erkenntnis, dass Marie-Edwige Hartig Staatsbürgerin ist und die gleichen Rechte hat wie die Betreiber der gern die FPÖ unterstützenden "Alpen-Donau-Info" muss ein Schock gewesen sein. Und jetzt will sie etwas schaffen, von dem sie selbst aus eigenem Verschulden meilenweit entfernt sind: Politik gestalten. Das eigene Unvermögen so drastisch vor Augen geführt zu bekommen, muss schlimm sein.

Das weckt Ängste vor Verdrängung. Entsprechend versucht man, Marie-Edwige Hartig zu diffamieren. Nur lässt der Artikel auf der Nazi-Plattform die Sprachlosigkeit spüren, mit der die Betreiber der Kandidatur begegnen. Die Hilflosigkeit, die die junge Frau bei den sich sonst als starken deutschen Männern gerierenden Betreibern auslöst, hat schon was beinahe rührendes.
http://www.alpen-donau.info/WP/2009/08/soweit-ist-es-gekommen-%e2%80%93-negerin-wird-in-linz-vielleicht-gemeinderatin/

Mehr als "Integration ist Völkermord" fällt ihnen auch nicht ein.

Dennoch: Es ist beschämend, wenn auch in Österreich aus rassistischen Gründen gegen Kandidatinnen und Kandidaten einer demokratischen Partei gehetzt wird. Das ist ein Angriff auf alle Antifaschistinnen und Antifaschisten, auf alle Demokratinnen und Demokraten. Ich hoffe, dass sich die Linzer Parteien in dieser Frage deutlich hinter die junge Kandidatin stellen. Das ist keine moralische Frage. Das ist eine demokratische Verpflichtung. An injury to one is an injury to all, wie es so schön heißt.

FPÖ soll sich von ihren Unterstützern distanzieren
Gefragt wäre hier vor allem die FPÖ. Sie sollte sich dringend von der "Alpen-Donau-Info" distanzieren. Die Nazi-Seite hat in den vergangenen Monaten auffallende Sympathien für die Blauen gezeigt und sich bei der Unterstützung der noch weiter rechts stehenden NVP sehr zurückgehalten. Ohne der FPÖ als Gesamtpartei unterstellen zu wollen, sie wüsste über die Inhalte der Nazi-Seite Bescheid oder steuere diese gar: Die Vermutung, dass einige der Autoren der "Alpen-Donau-Info" aus dem Dunstkreis der Partei kommen, erscheint berechtigt.

Will die FPÖ irgendwann wieder als eine halbwegs demokratische Partei wahrgenommen werden, wäre das ein notwendiger erster Schritt.

Zu den Betreibern der Nazi-Seite kann man nur sagen: Nicht einmal die widerlichsten Beiträge haben sie bisher so sehr als Schwächlinge, Feiglinge und Armleuchter entlarvt wie diese erbärmliche Attacke. Es sei ihnen angeraten, ihre Angststörungen professionell behandeln zu lassen. Ich plädiere dafür, dass die Krankenkasse die nicht unbeträchtlichen Kosten übernimmt. Damit wäre der Allgemeinheit und dem Frieden in dieser Gesellschaft mehr gedient als mit dem Versuch, die eigenen Komplexe kreativ überwinden zu wollen. Zumal, wenn der Schreibstil so erbärmlich schlecht ist wie der der "Alpen-Donau-Info".

12 Kommentare

Der Artikel ist wirklich stilistisch schlecht geschrieben, von Inhalt einmal abgesehen. Ich hoffe als Linzer wirklich, dass Frau Hartig in den Gemeinderat einziehen kann, alleine als Gegenpol zu ansonsten ziemlich wirren Gedanken im Bereich der Integration der Linzer Grünen, ich denke da insbesondere an Herrn Dönmez...
Frau Hartig hat, soweit ich das beurteilen kann, einen sicheren Listenplatz bei den Grünen. Arge Geschichte, es wird immer ärger in diesem Land.
So gut ich diesen Artikel auch finde, bin ich doch der Meinung das es nicht notwendig ist eine Nazi-Seite darin zu verlinken... Wer den Artikel unbedingt lesen will, weil er dem Autor nicht glauben will, oder ähnliches, sollte mit den Angaben über den Titel des Artikels, sowie dem Stichwort "Alpe-Donau-Info", selbst fündig werden!
@AF: Naja, da geht vielleicht der gründliche Journalist durch mit mir. Solche Sachen belege ich lieber hundertmal. Außerdem sollten meiner Meinung nach viel mehr Demokraten solche Seiten lesen. Leider ist es notwendig, diese widerlichen Irren zu beobachten, um etwas gegen sie tun zu können.
@baumgarten: stimmt schon, ich bin auch der meinung, dass man quellen generell immer angeben sollte. aber, und so wird es auch auf anderen seiten gemacht, es ist auch möglich den link wenigstens nicht dirket aufrufbar zu machen, um so wenigstens einen dirketen zugriff zu vermeiden. z.b durch ersetzen der t's in http:// (zb: hxxp://). dann ist die quelle angegeben, doch jeder der nicht glauben will, ist sich auch im klaren darüber, dass der autor/die autorin den link nur "widerwillig" angibt, und nur zum reinen zwecke des quellennachweises...
Ich finde es einfach nur traurig und beschämend, wenn menschenverachtendes ideologisches Gewäsch und xenophobe Hetze in diesem, eben auch meinem Heimatland, unsanktioniert bleibt, während z. B. Tierschützer monatelang unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung eingesperrt und traktiert werden! Kommt nur mir das verrückt vor? In was für einem Land leben wir da eigentlich? Ich hoffe inständig, dass viele Bürger und Bürgerinnen die bevorstehenden Wahlen als Chance nützen um konstruktive, kompetente Personen als Interessensvertreter für ein "gesundes Miteinander" zu ernennen. Frau Hartig, die ich persönlich seit vielen Jahren kenne, ist sicherlich ein gutes Beispiel dafür wie das aussehen kann!
@Daniela

"während z. B. Tierschützer monatelang unter dem Vorwand der Terrorbekämpfung eingesperrt und traktiert werden!"

Extremistische Tierschützer ;-)

"In was für einem Land leben wir da eigentlich?"
Willkommen in Österreich :-)

"Ich hoffe inständig, dass viele Bürger und Bürgerinnen die bevorstehenden Wahlen als Chance nützen um konstruktive, kompetente Personen als Interessensvertreter für ein "gesundes Miteinander" zu ernennen. Frau Hartig, die ich persönlich seit vielen Jahren kenne, ist sicherlich ein gutes Beispiel dafür wie das aussehen kann!"

Aber nicht die Grünen, die Grünen schei*** auf Österreich ... siehe "nimm das Flaggerl für das Gackerl"(oder so) ... Allein deshalb ist es schon kein/e Grüne/r wert gewählt zu werden...
@Karl-Hannes:
Sicher schei** die Grünen auf Österreich, Österreich braucht auch keiner. Den Grünen geht es um die Bewohner Österreichs und sie haben's nicht nötig sich mit Patriotismus Wähler zu angeln.
@Michael

Die Bewohner Österreichs sind Österreich, auf die Fahne zu schei***, ist so wie auf die ganze Bevölkerung zu schei***. Das hat noch nicht mal was mit Patriotismus zu tun... Scheiß doch mal in einer Gegend einer großen österreichischen Stadt, wo viele Türken wohnen und diverse türkische Straßengangs die Straßen unsicher machen auf die türkische Fahne, was ja folgerichtig wäre. Mal sehen ob dir deine grünheit dann noch bekommt, sofern dus überleben solltest. ;-)

Aber anhand deiner Antwort schätz ich, dass du ohnehin grünalternativer Anarchist bist...

PS: Wer sagt "Österreich braucht auch keiner", dem sollen bitte sofort alle Leistungen des Staates an dich gestrichen werden. Sowie das benutzen der öffentlichen Einrichtungen, Plätze, Wälder, Seen, Berge und Straßen. Damit du weißt wie es ist, wenn du Österreich nicht brachst ;-))))) ...
@ Karl-Hannes:
Warum sagst Du nicht gleich dass dein Name eigentlich Heinz-Christian ist?

@ Christoph Baumgarten:
Danke für diese Seite!
Es ist schön zu wissen, dass es Leute gibt, die es nicht für selbstverständlich halten, dass sie das Glück hatten in einem reichen und sicheren Land geboren zu werden. Jeder der glaubt, allein durch seine Geburt in eine bestimmte Rasse, soziale Klasse oder materiellen Wohlstand ein besserer Mensch zu sein, wird hoffentlich im nächsten Leben eines Besseren belehrt werden...
Leider ist die Site mit dem Link mittlerweile offenbar gesperrt. Mich hätte wirklich interessiert, was dort sonst noch zu finden gewesen wäre.
Viel ärger als folgender Absatz kann es nicht gewesen sein:

"Entschuldigung, aber warum können die meisten Migranten sich hier benehmen und nur die Türken fallen mir hier immer unangenehm auf?
Wieso sind es immer Türken die auffällig gewaltbereit sind?
Immer verlangt man Toleranz, Mitgefühl, soll Spenden.
Und dann darf man sich jedesmal auf den Kopf sch.... lassen von diesen Herrschaften? Mir reicht es langsam mit Euch Sch... Türken!
Nehmt euch ein Beispiel an anderen Nationalitäten, die auch eingewandert sind aber sich trotzdem Benehmen können! " Zu finden unter http://www.alterlaa.net/Foren/Plauderei/Freche-Tuerken/

Solchen Dreck findet die Staatsanwaltschaft Wien trotz eindeutiger Gesetzeslage offenbar nicht verfolgenswert.
@Roland: Das ist ein Grenzfall. So schlimm ich solche Aussagen finde, bin ich doch der Meinung, dass das im Rahmen des Erlaubten ist. Ich bin kein Jurist, würde das aber für eine (widerliche usw.) Polemik halten, nicht aber für Verhetzung. Daher finde ich es gut, wenn die StA Wien sowas nicht verfolgt. Ich denke auch im Sinne eines demokratischen Zusammenlebens darf man die Grenzen nicht zu eng ziehen. Manche Meinungen muss man politisch bekämpfen - und das geht nur, wenn ihre Äußerung nicht illegal ist.
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Bei Verhetzung oder Wiederbetätigung hört sich bei mir der Spaß auf. Dann mit der vollen Härte des Gesetzes, keine Frage. Vorher aber bitte andere Mittel.

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