Nazi-Flashmob floppt
Die Gedenkfeier für den NS-Verbrecher Rudolf Hess am Montag in Wien und Deutschland fiel bescheiden aus. Vor dem Westbahnhof versammelten sich beeindruckende fünf einschlägige Gestalten um des Todestages des ehemaligen Hitler-Stellvertreters zu gedenken.Drei Männer, zwei Frauen und ein Baby im Alter von vielleicht zwei oder drei Monaten. Die Männer tragen Glatze oder einschlägige Frisuren (siehe Foto). Umringt von gut zehnmal so vielen vorwiegend jugendlichen Antifaschistinnen und Antifaschisten von SJ, SLP, Grünen, KP, und einigen Autonomen. Die Mobilisierung der Nazis hatte nicht funktioniert. Gegen die Teilnehmer wurde Anzeige wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz erstattet.

Siehe auch Niko Ostermanns Blog:
http://www.ikoon.at/blog/2009/08/17/war-wohl-nix-der-antimob09-in-wien-antimob09-hessmob09/
Niko hat auch die hier verwendeten Fotos gemacht.
Einen guten Eindruck vermittelt auch Wolfgang Webers Video auf wientv.org. Hier sind auch die Anzeigen wegen Wiederbetätigung dokumentiert.
Auch in Deutschland ist die Nazi-Aktion weitgehend gefloppt. Fast überall war der demokratische Widerstand stärker als die braune Brut.
http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/rudolf-hess-gedenken-mit-und-ohne-flashmobs-2988
Auffälliges Detail am Rande: Gemessen an den eigenen Vorstellungen vom Idealmenschen waren sämtliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer minderwertig. Der Mann mit dem modischen Scheitel etwa - dunkelhaarig und braunäugig. Die Frauen - blondierte Haare. Der Skinhead trug die Glatze wohl, um zu verbergen, dass er nicht blond ist. Selbst das Baby, hier wohl verwendet als Schutzschild, hatte braune Haare und dunkle Augen. Vom in diesen Kreisen so hochgeschätzten "arischen Blut" keine Spur. Schrumpfgermanen, könnte man sagen. Gemessen an NS-Vorstellungen arbeiten diese Menschen auf die eigene Verwendung als Teil des Untermenschen-Sklavenheeres hin. Bestenfalls. Das spricht eher nicht dafür, dass sie sich mit ihrer "Gesinnung" intensiv auseinandergesetzt bzw. sie auch nur ansatzweise verstanden haben. Witzig auch, dass sie sich auf einen öffentlichen Platz begeben, um öffentlich eines verurteilten Verbrechers und Geisteskranken zu gedenken und solcherart das NS-Verbotsgesetz zu brechen, es ihnen aber nicht recht ist, gefilmt oder fotografiert zu werden.
Verehrter Kriegsverbrecher und Geisteskranker
In Städten in Deutschland und Österreich hätten Flashmobs auf den verehrten Kriegsverbrecher und Geisteskranken aufmerksam machen sollen.
Hess gilt seit seinem Selbstmord 1987 in Berlin Spandau als Ikone der Neonazi-Bewegung. Spätestens seitdem ihm Adolf Hitler in der Festungschaft das Pamphlet "Mein Kampf" diktiert hatte, war Hess glühender Hitler-Verehrer. Er galt als einer der Hauptproponenten des Führerkults und war ab 1936 Führer-Stellvertreter, zudem Mitglied der Reichsregierung ohne Portefeuille. 1941 flog Hess allein in einem umgebauten Jagdflieger nach Schottland. Er wollte auf eigene Faust mit Großbritannien einen Friedensvertrag ausverhandeln. Zu diesem Zeitpunkt dürfte er bereits schwer psychisch krank gewesen sein. In den Nürnberger Prozessen wurde Hess wegen seiner Rolle bei der Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs und der NS-Verbrechen im Krieg zu lebenslanger Haft verurteilt, die er wie die anderen Nazi-Größen, die nicht hingerichtet wurden, in Berlin-Spandau absaß. Er war die letzte lebende Nazi-Größe und in seinen letzten Lebensjahren der einzige Insasse des Spandauer Gefängnisses. 1987 erhängte er sich aus ungeklärten Gründen. Neonazis versuchen bis heute, das als Mord darzustellen.
Dass Hess bis heute von den Nazis verehrt wird, dürfte eher seiner Langlebigkeit zuzuschreiben sein als irgendwelchen eigenen "Verdiensten", die sich dieser in deren Augen erwerben hätte können. Einen Einblick in die Geisteswelt dieser Menschen bietet die einschlägige bekannte Nazi-Plattform "Alpen-Donau-Info".
http://www.alpen-donau.info/WP/2009/08/aktionen-in-wien-rund-um-den-todestag-von-rudolf-hes/
Meiner Meinung nach wird in diesem Eintrag, wie auch im zweiten Link, eindeutig der Nationalsozialismus verharmlost.
http://www.alpen-donau.info/WP/2009/08/rudolf-hes-gedenkmarsch-in-ungarn/
Ich behalte mir strafrechtliche Schritte gegen die Nazibrut vor. Interessanter Hinweis: Die Alpen-Donau-Info marschiert nicht selten mit der FPÖ im Gleichschritt. Zeitgleich wird dort gegen linke Veranstaltungen Stimmung gemacht und die FPÖ ist die einzige Partei, auf deren Homepage die Alpen-Donau-Info verlinkt.
Christoph Baumgarten - 18. Aug, 07:29


