Meinungsfreiheit ja - aber nur für rechts

Der dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ), stolzes Mitglied der als rechtsextrem geltenden Burschenschaft Olympia, gibt wieder einen eindrucksvollen Einblick in sein Verständnis von Demokratie und Meinungsfreiheit. Er lässt einen Walter Marinovic auftreten, einen Historiker, der sich großer Beliebtheit in der (gerade noch) legalen rechtsextremen Szene in Österreich erfreut.
http://derstandard.at/?url=/?id=1237229821923
http://haraldwalser.twoday.net/stories/5640713/
„Arminius befreite 09 Germanien von den Römern – wovon befreien wir uns 2000 Jahre danach?“. Der Titel der Rede von Marinovic lässt einschlägiges erwarten. Anders als die parlamentarischen Mitarbeiter Grafs, die bei einem Neonazi-Versandhaus einschlägiges Material bestellt haben sollen, kann er sich nicht auf Dummheit ausreden. Den Burschen und ihren Eltern mag ja wirklich entgangen sein, dass die Ostmark seit kurzem Österreich heißt und dass es da sowas wie Demokratie gibt. Die Wissenslücken der selbst ernannten Kulturbewahrer sind mitunter erstaunlich. Siehe auch John Gudenus, der wegen einschlägiger Delikte rechtskräftig verurteilt wurde.

Marinovic ist pensionierter Lehrer, der regelmäßig für rechtsextreme Publikationen schreibt, gegen die Andreas Mölzers "Zur Zeit" wirkt wie ein linksliberales Kampfblatt. Gelegentlich faselt der Herr auch von "Umvolkung".
http://www.parlament.gv.at/PG/DE/XXI/J/J_00536/fnameorig_000000.html
http://www.doew.at/projekte/rechts/chronik/1999_10/afp.html

Gefeierter Redner der rechtsextremen Szene

Sein jüngstes Werk "kunst und Anti-Kunst" ist eine Kampfschrift gegen die Moderne. Dr. Walter Marinovic gilt als der engagierteste Kulturkritiker Österreichs. Sein Werk "Diktatur des Häßlichen. Kulturpolitik heute" erreichte innerhalb kurzer Zeit zwei Auflagen, weiß http://1.nation24.de/ zu berichten. Auch der Ring Freiheitlicher Jugendlicher macht Werbung für das Machwerk. http://www.rfj.at/buecher/index.php?id=100009

Die "Deutsche Volksunion" feiert den Mann mit folgenden Worten: Als Festredner konnte der bekannte Wiener Buchautor und Kulturkritiker, Dr. Walter Marinovic, gewonnen werden. Der rüstige und agile Endsiebziger, dessen Redetalent und Gestikreichtum schon sprichwörtlich ist, referierte über „Rechte Wege zur geistigen Wende“. Dabei prangerte er die Dekadenz in Politik und Kultur an und machte die Frankfurter Schule für den Niedergang der Werte in unserer Zeit verantwortlich. In beeindruckender Weise legte er dar, wie Kunst und Kultur seit Jahrzehnten systematisch zerstört werden und damit dem Volk auch das Gefühl für das Wahre und Schöne genommen werden soll. Die Diktatur des Hässlichen, auch der Titel eines Buches von Dr. Marinovic, greife zunehmend um sich und beherrsche den Alltag in deutschen Landen. Mit einem Aufruf, sich dieser Entwicklung entgegenzustemmen, beendete der Vortragende seine Ausführungen, die mit stehendem Applaus bedacht wurden.

Kommentar überflüssig.

Andersdenkende werden von Graf abgestraft

Graf, der sich gerne als überparteilicher Dritter Nationalratspräsident sieht, zeigt mit der Einladung unverhohlen seine politische Schlagseite - und wie weit es mit seinen Bekenntnissen zu Demokratie und Rechtsstaat her ist. Zwei Fußballspielerinnen des Klubs Hellas Kagran (Graf ist dort Präsident) entließ er, nachdem sie gegen eine Wahl zum Dritten Nationalratspräsidenten demonstriert haben. Als erschwerend dürfte er gewertet haben, dass eine der Spielerinnen Mitglied der Sozialistischen Linkspartei war.

Überspitzt formuliert: Graf hat nichts gegen Andersdenkende, so lange sie so denken wie er.
http://www.kellernazisinderfpoe.at/weitere/jbisr.html

Einseitige Redefreiheit

Die Rede von Marinovic illustriert auch, wie einseitig oft Redefreiheit ausgelegt wird. FPÖ-Politiker etwa dürfen trotz eindeutiger Aussagen im Nationalrat nicht als Rassisten bezeichnet werden. Gleichzeitig verhöhnen die Freiheitlichen Menschen, denen Demokratie am Herzen liegt. Zitat von Johann Gudenus, Sohn des vorbestraften John Gudenus, im Wiener Gemeinderat: "Der Faschismus von heute sagt, ich bin der Antifaschismus".
istsnicht wurscht (Gast) - 16. Apr, 08:02

Mich würde interessieren, wie sich ein Linkspolitiker verhalten würde, wenn BZÖ oder FPÖ Spielerinnen in eine linken Club gegen den ebenso linken Vorstand demostrieren würden?
Kennt man von Wien, da wird ein Konto bei einer bestimmten Bank vorgeschrieben, sonst bekommt man keine Aufträge. Ach ja, das kommt ja von links und ist daher absolut demokratisch.
Läßt sich zusammenfassen unter:
"Ich bin für die Meinungsfreiheit - solange die Meinung die meine ist!"

Andreas (Gast) - 19. Apr, 15:23

Was mich unter Euch Antifaschisten so stört, sind die permanenten Verweise aufeinander als Beleg für die Richtigkeit der eigenen Meinung. Was soll ich denn erwarten vom Standard, Harald Walser und dem DÖW, als dass die Graf und Marinovic genausowenig mögen wie Sie?

Auf der anderen Seite drucken Sie ein paar Zitate über Marinovic ab, die sich in Ihrer Antifaschisten-Welt offenbar von selbst richten. In meiner Welt nicht. Ich kann etwa in den Worten der DVU über Marinovicens Vortrag nichts Werwerfliches, schon gar nichts Faschistisches oder Nazi-Gedankengut orten. Es ist eine Meinung wie auch die Ihre. (Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich würde die DVU niemals wählen, wenn Sie hier kandidieren würde - aber nicht wegen dieser Zeilen über Walter Marinovic).

Warum aber ist es nötig, Vertreter anderer Meinung zu denunzieren, zum Beispiel als Kellernazis - und das weitgehend ohne Belege? So steht etwa auf der von Ihnen verlinkten Webseite - als eines von vielen beispielen, willkürlich von mir ausgewählt:
"Alois Gradauer:
Stammt aus Oberösterreich, Mitglied der fachstudentischen „Bajuvaria", hält jahrelange Gedenkfeiern an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen für übertrieben."

Was bitte in diesem Text berechtigt Herrn Muzicant (wenn dieses Impressum auf der Seite echt ist), Herrn Gradauer in eine Liste von angeblichen Kellernazis einzutragen?

Nur noch ein Nebensatz zu den Hellas-Kagran-Fußballerinnen: Die sind erst zu dem Verein gewechselt, nachdem Graf dort Präsident geworden ist - offenbar um Aufmerksamkeit für ihre linke Splitterpartei zu ergattern - was Ihnen dank Ihnen und anderen ja auch gelingt. Dann haben sie natürlich sofort Grafs Rücktritt gefordert und noch Briefe an die Hellas-Sponsoren geschrieben mit dem Aufruf, den Verein wegen Graf nicht weiter zu unterstützen. Ich hoffe, Sie stimmen da mit mir überein, dass solcherart vereinsschädigendes Verhalten einen Ausschluss rechtfertigt!

logo

Politwatch

Blog für alle, die sich nicht länger für dumm verkaufen lassen wollen

Über Politwatch

Christoph Baumgarten

Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

Free Text (2)

Christoph Baumgarten

Letzte Kommentare

Ist das dein Ernst?
Ist das jetzt Ironie ? Zumindest ist es nicht gut!
Hannes (Gast) - 17. Jan, 23:48
lange nacht
oder stell doch wenigstens deinen bericht über...
tscheh (Gast) - 9. Okt, 20:25
politwatch, quo vadis?
ich mag das nicht, wenn ein guter blog monatelang verwaist...
tscheh (Gast) - 13. Sep, 23:08
siehe Wirtschaftsfaschismus...
bzw. http://wirtschaftsfaschism us.wordpress.com/2011/02/1 5/hello-world/...
Peter (Gast) - 28. Jun, 12:23
Ja, ja
Von aussen kann man gut kommentieren aber so einfach...
bld (Gast) - 8. Jun, 17:16
Man darf nur keine Gelegenheit...
Man darf nur keine Gelegenheit versäumen, gegen...
Gerald (Gast) - 7. Jun, 18:28
Schlechte Idee..
Meiner Meinung nach der falsche Ansatz. Das führt...
anonym (Gast) - 7. Jun, 12:51
@ Max
Eine offene Diskussion sollte man wohl führen...
Umberto (Gast) - 6. Jun, 20:22
Andere Bezirke, andere...
Der 21.Bezirk war schon immer ein rauhes Pflaster....
Erich Reder (Gast) - 6. Jun, 20:05
Angreifer weiter unbekannt
Die Rechtsradikalen, die mich vor einer Woche verprügelten,...
Christoph Baumgarten - 6. Jun, 19:41

Suche

 

RSS Feed

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


Creative Commons License

xml version of this page
xml version of this page (summary)
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Web Counter-Modul

Alle Links in Popups öffnen

alle Links auf der aktuellen Seite in einem neuen Fenster öffnen 

Profil
Abmelden
Weblog abonnieren