Zugegebenermaßen habe ich die Ziele und (die Methoden zu deren Erreichung) der Gleichstellung der Geschlechter (bzw. die "Geschlechtergerechtigkeit") nie wirklich verstanden. Vor allem, weil mir ein Gerechtigkeitsbegriff fremd ist, der dem offensichtlichen Ziel zugrundeliegt, in allen Berufen sowie bei allen Aufgaben und Funktionen im privaten wie öffentlichen Bereich eine 50/50-Verteilung der Geschlechter zu erreichen.
Politik und Gesellschaft können nur (und sollen) die gleichen Bedingungen und Voraussetzungen zur Verwirklichung individueller Lebensentwürfe und wenigstens bedingter Freiheit für alle Menschen schaffen. Dazu gehört aber auch, diese geschaffenen Möglichkeiten als eben als Möglichkeiten und nicht als Pflicht zur Wahrnehmung derselben zu verstehen.
Eine Erhebung, welchen quantitativen und qualitativen Anteil Frauen und Männer an der Aufgabenerfüllung zur Existenzsicherung einer Lebensgemeinschaft übernehmen, hat sicherlich soziologischen Erkenntniswert, daraus aber quasi-moralische Forderungen abzuleiten, erscheint gerade mit Blick auf den politischen Willen zur Freiheit zu individuellen Lebensentwürfen paradox. Denn damit bestimmen außenstehende Dritte, welches Verhalten (welchen Geschlechtes) positiv besetzt ist ("emanzipatorisch") und welches nicht. Das ist strukturell nichts anderes als die gesellschaftlichen Maximen früherer Zeiten, in denen die Verpflichtung zum "in der Rolle Bleiben" ebenso erhoben wurde, wie heute das Herausfallen aus denselben ("gender"-Rollen).
So, wie hier in Österreich (und anderswo) in Politik und Öffentlichkeit "Gleichstellung" der Geschlechter bzw. "Geschlechtergerechtigkeit" betrieben wird, werden zwar alte Rollenmuster und Diktionen zwar offiziell abgelöst, gleichzeitig aber neue soziale Erwartungen und Riten eingeführt, die das Individuum erneut leiten und den Menschen nicht in die "Freiheit zum Sein" entlassen.
Pointierter gesagt: Genausowenig wie es die Kirche etwas angeht, was wir in unseren Schlafzimmern treiben, geht es den Staat und die Öffentlichkeit etwas an, wie wir unsere Haushalte organisieren.
Blog für alle, die sich nicht länger für dumm verkaufen lassen wollen
Über Politwatch
Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen.
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Politik und Gesellschaft können nur (und sollen) die gleichen Bedingungen und Voraussetzungen zur Verwirklichung individueller Lebensentwürfe und wenigstens bedingter Freiheit für alle Menschen schaffen. Dazu gehört aber auch, diese geschaffenen Möglichkeiten als eben als Möglichkeiten und nicht als Pflicht zur Wahrnehmung derselben zu verstehen.
Eine Erhebung, welchen quantitativen und qualitativen Anteil Frauen und Männer an der Aufgabenerfüllung zur Existenzsicherung einer Lebensgemeinschaft übernehmen, hat sicherlich soziologischen Erkenntniswert, daraus aber quasi-moralische Forderungen abzuleiten, erscheint gerade mit Blick auf den politischen Willen zur Freiheit zu individuellen Lebensentwürfen paradox. Denn damit bestimmen außenstehende Dritte, welches Verhalten (welchen Geschlechtes) positiv besetzt ist ("emanzipatorisch") und welches nicht. Das ist strukturell nichts anderes als die gesellschaftlichen Maximen früherer Zeiten, in denen die Verpflichtung zum "in der Rolle Bleiben" ebenso erhoben wurde, wie heute das Herausfallen aus denselben ("gender"-Rollen).
So, wie hier in Österreich (und anderswo) in Politik und Öffentlichkeit "Gleichstellung" der Geschlechter bzw. "Geschlechtergerechtigkeit" betrieben wird, werden zwar alte Rollenmuster und Diktionen zwar offiziell abgelöst, gleichzeitig aber neue soziale Erwartungen und Riten eingeführt, die das Individuum erneut leiten und den Menschen nicht in die "Freiheit zum Sein" entlassen.
Pointierter gesagt: Genausowenig wie es die Kirche etwas angeht, was wir in unseren Schlafzimmern treiben, geht es den Staat und die Öffentlichkeit etwas an, wie wir unsere Haushalte organisieren.