Märchenstunde um 11:00
Der ORF hat offenbar die Märchenstunde eingeführt. Anders ist der Auftritt von FPÖ-Spitzenkandidaten Andreas Mölzer heute um 11:00 Uhr kaum zu erklären. Es war ein unterhaltsames Erlebnis.Ich würde Andreas Mölzer gerne den Intellektuellen abnehmen. Nur glaubt er, was er sagt. Er leidet an der kongnitiven Beschränktheit, die man rechts des gesunden Menschenverstandes so oft antrifft. Mehr als das Offensichtliche sieht er nicht. Sprache und Hautfarbe machen den Menschen. Vielleicht noch das Religionsbekenntnis. Mehr ist der Mensch nicht. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Und darüber ergeht er sich gelegentlich in Verschwörungstheorien, manchmal in schwülstigen Männerphantasien.
Dass er mit einigen Kritikpunkten gelegentlich so etwas wie recht hat, verwundert nicht. Wer den ganzen Tag redet, wird auch einmal was sagen, was stimmt. Das Sprichwort vom blinden Huhn kommt einem da in den Sinn.
Die "Umvolkung"
Man kann sich ärgern, wenn jemand NS-Jargon in den Mund nimmt. Man kann es auch lustig finden. Oder eher lächerlich. Jedenfalls erheiternd. Bei Mölzer tendiere ich zu zweitem. Der verursacht mir kein Magengeschwür. Wär ja noch schöner. Ich lasse ihn mich lieber erheitern. Die Nachbarn haben sich über mein schallendes Gelächter bei der Pressestunde gewundert.
Die alten Ängste vor dem Verlust einer "biologischen Identität" (Nation und Rasse erscheinen den Rechten als Ausdrücke nicht mehr opportun) sind wirklich putzig. Die schwülstige Phantasie eines alten Mannes, der offenbar nicht loskommt von den dunkelhäutigen, gebärfreudigen Migrantinnen. Ihnen hat Mölzer pornografische Passagen in seinem "literarischen" Schaffen gewidmet.
Ich hab bis heute nicht verstanden, was das mit der biologischen Identität auf sich haben sollte. Davon auszugehen, so etwas existiere, und zumal in Mitteleuropa, zeugt ohnehin von historischen Bildungslücken, für die jeder Maturant zurecht durchfliegen würde. Von biologischen obendrein. Nur die Rechten stoßen sich nicht dran und schneidern seit den 80ern an den neuen Kleidern von Nation und Rasse. Leider ist vieles von dem Unsinn mittlerweile Mainstream geworden. Man analysiere die Debatte um die Kultur von Zuwanderern.
Ich weiß nicht, ob Mölzer an dem neuen Jargon mitgearbeitet hat. Offen gestanden trau ich es ihm einfach nicht zu. Was nichts daran ändert, dass er den Unsinn mit ernster Miene zu dozieren versucht. Das hat was unfreiwillig Komisches.
Als Alleinunterhalter ins EU-Parlament
Ob diese Grundsäule seiner Weltanschauung so etwas wie einem politischen Konzept nahekommt, ist zu bezweifeln. Aber gut, wer will so genau nachfragen, was Andreas Mölzer die vergangenen fünf Jahre im EU-Parlament gemacht hat? Sich eine Zusatzpension gesichert und versucht, mit diversen rechtsradikalen, nationalistischen, rassistischen etc. Parteien zu kooperieren. Hat das die Welt verändert? Glücklicherweise nicht. Für eine politische Rolle reicht das zumindest aus meiner Sicht nicht. Ich könnte mir für Mölzer allerdings die Rolle eines Alleinunterhalters im EU-Parlament vorstellen. Spaßig genug war sein Auftritt heute. Bleibt zu hoffen, dass ihm sein komisches Talent in den nächsten Jahren nicht abhanden kommt. Sonst müsste man sich wirklich ärgern.
Christoph Baumgarten - 3. Mai, 14:06


