Lauer Sommerabend

Die Buskampagne ist Gegenstand einer Anfrage im Wiener Gemeinderat gewesen. Der grüne Abgeordnete Martin Margulies wollte von Finanzstadträtin und Vizebürgermeisterin Renate Brauner (SPÖ) wissen, warum die Wiener Linien die Sujets der Kampagne nicht anbringen ließen. Erfahren hat er es nicht.

Brauner verteidigte die Entscheidung der Wiener Linien, die Atheisten-Buskampagne nicht in Wien stattfinden zu lassen. Zu politisch, zu religiös, findet sie. Und sie zeigt sich verwundert, welche Aufmerksamkeit die Kampagne bisher bekommen hat. Wenn man das Protokoll der Gemeinderatssitzung liest, hat man den Eindruck, die Brisanz der Debatte erschließe sich Brauner nicht ganz. Brauner laviert merklich herum und sieht Analogien zu Fahrradkampagnen, die wahrscheinlich nur ihr logisch vorkommen, Und sie würde die Überlegung ob es Gott gibt oder nicht am liebsten an einem "lauen Sommerabend" stattfinden lassen.

Wogegen nichts einzuwenden wäre. Würden nicht Religionsgemeinschaften ständig Platz im öffentlichen Raum und im öffentlichen Leben beanspruchen. Staat und Kirche sind in Österreich bestenfalls mangelhaft getrennt. Die Republik hält sich mit den anerkannten Religionsgemeinschaften eine Reihe von Quasi-Staatskirchen. Für Andersdenkende ist kein Platz in der Öffentlichkeit. Diese Schieflage nimmt Brauner nicht wahr. Warum sich Abgeordnete der FPÖ und der ÖVP in die Debatte eingebracht haben und sich bemüßigt fühlten, Margulies Fragen zu ergänzen, erschließt sich aus dem Protokoll nicht ganz. Was wollten sie? Margulies bekam jedenfalls keine befriedigende Antwort auf die Frage, warum die Busse mit den Atheisten-Sujets in Wien nicht fahren dürfen und ob die Wiener Linien bei Religionsgemeinschaften ähnlich streng vorgehen.

Tipp: Das Protokoll der Anfrage hat Martin Margulies auf seinen Blog gestellt:
http://martinmargulies.wordpress.com/

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