Keine Antwort wert?

Das Wissenschaftsministerium findet es offenbar nicht notwendig, zu erklären, warum es die "Europäische Wertestudie" finanziert hat. Zumindest beantworten die Beschäftigten im Ministerium entsprechende Anfragen nicht.

305.000 Euro hat das Wissenschaftsministerium an die Katholisch-Theologische Fakultät gezahlt, um die "Europäische Wertestudie" zu erstellen. Offenbar auf ausdrückliche Genehmigung durch Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP). Ich habe in einem Blogeintrag festgehalten, dass ich die Katholisch-Theologische Fakultät für ungeeignet halte, eine solche als objektiv ausgegebene Studie durchzuführen und warum.
http://www.politwatch.at/stories/wertlose-wertestudie/

Dann wollte ich vom Wissenschaftsministerium wissen, warum man gerade diese Fakultät gesponstert hat. Ich schickte dem zuständigen Beamten einen Fragenkatalog:
Wieviel hat die Studie, die von der Katholisch-Theologischen Fakultät,
namentlich Hrn. Zulehner koordiniert wurde, gekostet?
Stimmt es, dass das Bundesministeristerium für Wissenschaft und Forschung
etwa 300.000 Euro zu dieser Studie beigesteuert hat?
Warum ist in Österreich die Katholisch-Theologische Fakultät mit der Koordinierung der Studie beauftragt worden?
Warum wurde kein qualifiziertes Institut, etwa jenes für Soziologie, mit der Durchführung betraut?
Warum hat die Republik Österreich eine Fakultät, deren Qualifikation für die Durchführung einer solchen Studie fragwürdig ist, gefördert?
Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?
Warum ist sie in den Augen der Republik Österreich förderungswürdig?
Hat das BMWF auch in der Vergangenheit die Durchführung dieser Studie gefördert?


Als Antwort erhielt ich die - für mich durchaus nachvollziehbaren - Sätze: Im Übrigen erlaube ich mir festzuhalten, dass die Kommunikation mit
Medien über unsere Pressestelle läuft, weshalb ich meine Antwort auch an
unsere Pressesprecherin schicke, die Ihnen für weitere Fragen zur Verfügung steht.


Das war am 15.7. Ich beantwortete das Mail ebenso höflich wie mein Gegenüber. Seitdem habe ich vom Ministerium nichts mehr gehört. Kein Anruf, kein Mail. Was ich für ausgesprochen seltsam halte.

Ich mach dem Beamten sicher keinen Vorwurf. Es ist für mich nachvollziehbar, dass er solche Anfragen an die Pressestelle weiterleitet. Allein, warum lässt die nichts mehr von sich hören? Ist die Anfrage lästig? Immerhin schwingt im Fragenkatalog eine gewisse Skepsis mit. Das darf für die Arbeit einer Pressestelle kein Kriterium sein. Oder nimmt man mich nicht ernst? Abgesehen davon, dass ich das für eine Fehleinschätzung halte - auch das darf für eine Pressestelle kein Grund sein, zu schweigen. Es wäre erlaubt, nachzufragen. Auch das ist nicht geschehen. Oder liegt es daran, dass es einem ÖVP-geführten Ministerium unangenehm ist, auf offensichtlich enge Verbindungen zur katholischen Kirche angesprochen zu werden?

Ich warte seit acht Tagen, dass mir als Bürger und als Journalist ein Ministerium Rechenschaft über 305.000 Euro Steuergeld ablegt. Darauf habe ich ein Recht. Und dazu ist das Ministerium verpflichtet. Ob es will oder - wie hier nahe liegt - nicht.

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Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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