Kärntner Männerarbeit

Gerhard-DoerflerKärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ) macht Kritikerinnen und Kritiker offenbar gerne telefonisch nieder. Vorzugsweise mit sexistischen Argumenten. Das belegt ein Gesprächsprotokoll einer jungen Kärntner Sozialdemokratin. Der weder für Feinfühligkeit noch für Intelligenz bekannte Haider-Nachfolger hatte sie nach einem Protest-Mail angerufen.

Mary Grillitsch hatte sich per Mail über ein e-mail Dörflers in der "Kärntner Woche" beschwert, in dem Dörfler Frauen zurück an den Herd geschickt hatte. Am Donnerstag versuchte der Landeshauptmann, sein Verständnis für Bürgernähe zu demonstrieren und rief sie an. LH Dörfler legte sofort offen dar, dass er über meine Kritik äußerst empört ist und fragte mich nach meinem Alter. Nachdem ich ihm mitteilte, dass ich 20 Jahre alt bin, war dies immer wieder Grund für ihn meine Ansichten herunter zu spielen. „Wenn Sie einmal älter sind, dann sehen Sie gewisse Dinge sicherlich anders“

"Natur" nicht in Frage stellen
Als Feminist im engeren Sinn konnte man Dörfler nie bezeichnen. Wie sexistisch er die Welt sieht, offenbarte er im weiteren Gespräch mit der sozialdemokratischen Aktivistin. Dass ihre Formulierung, seine Aussagen seien empörend, nicht "fraulich" sei, war eine der harmloseren Aussagen. Frauen seien zu sensibel für die Politik, sagte er Grillitsch und meinte, ich solle dies doch positiv sehen, denn so müssen wir Frauen keine „Männerarbeiten“ verrichten, weil wir für dies ohnehin nicht in der Lage wären. „Ich kann 100 Kilo heben, Sie können das sicherlich nicht“ war unter anderem eine Argumentation seinerseits dafür. Auf meine Frage hin, ob ihm der Begriff der „Hebelwirkung“ bekannt sei, meinte er, dass ich „das, was von der Natur vorgegeben worden sei, nicht in Frage stellen soll“.

Dessen nicht genug versuchte er Grillitsch persönlich herunterzumachen. Sie "quake", sagte er ihr. Sein Pech, dass er an die falsche geraten war. Noch dazu befand sich Grillitsch zufällig in Begleitung der SPÖ-Frauenvorsitzenden in Kärnten, die das Gespräch mithörte. In einer Presseaussendung forderte sie umgehend den Rücktritt Dörflers. Seine wiederholten sexistischen Ausritte würden ihn untragbar machen. Eine Sicht, der sich politwatch.at anschließt. Dörfler ist in der Vergangenheit nicht nur durch "Negerwitze" aufgefallen, durch Verständnis für die Einschüchterung von Kritikerinnen und Kritikern sondern mehrfach durch sexistische Äußerungen.

Unterschriften-Kampagne gestartet
Grillitsch hat nach dem Telefonat eine Unterschriftenaktion gegen Dörfler gestartet. "Egal, mit wem er geglaubt hat zu reden, solche Aussagen sind letztklassig. Dörfler muss weg", sagt sie empört.

Wer ein Zeichen gegen Sexismus in der Kärntner Politik setzen will, kann unter http://www.brennesselsuppe.at unterschreiben. Ich habe das getan, sobald ich von der Initiative erfahren habe. Gewisse Ansichten sollten im 21. Jahrhundert untragbar sein. Und so mit Kritikerinnen und Kritikern umzugehen, ist eines Landeshauptmanns unwürdig. Wiewohl Dörfler hier kein Einzelfall ist. Aber er könnte ein Anfang sein, so etwas wie respektvollen Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern in die Politik einzuführen. Wir sind Menschen, die in einem demokratischen System mit Rechten ausgestattet sind und keine Bittsteller. Es wird Zeit, dass das die Dörflers dieser Welt zur Kenntnis nehmen. Sofern sie dazu imstande sind. Woran ich bei Dörfler ehrlich gesagt meine Zweifel habe.
F (Gast) - 10. Jul, 14:05

Grüne sind AktivistInnen, SPÖler sind GenossInnen, BonzInnen oder einfach Parteimitglieder. Es wirkt seltsam ein Wort wie AKTIVist auf jene Partei zu übertragen, die doch eher für Parteikader steht, die sie immer wieder auf Linie bringt.

Christoph Baumgarten - 10. Jul, 14:32

Du scheinst hier ein Problem zu haben. Das sei dir unbenommen. Das Wort AktivistIn kommt sehr wohl auch im SPÖ-Sprachgebrauch vor, vor allem wenn es um die Jugendorganisationen geht. Ich würde dich ersuchen, dich zu erkundigen. bevor du zum Zwecke einer sehr einseitigen Kritik einen Kommentar schreibst. Das ist auf Dauer lästig.

Christoph Baumgarten - 10. Jul, 14:36

Im übrigen finde ich es befremdlich, sich bei einer solchen Geschichte wieder mal über die SPÖ auszulassen. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass deine Kritik in diesem Zusammenhang sonderlich viel Aufmerksamkeit von den Leserinnen und Lesern bekommen wird. Es wäre deinen Anliegen wesentlich zuträglicher, würdest du deine Angriffe auf die Beiträge konzentrieren, wo es um die Sozialdemokratie als solche geht (was hier auch nicht ganz wenige sind). Aber das ist meine persönliche Meinung.

Moonbrother (Gast) - 10. Jul, 14:37

Dein Blog gefällt mir.

Christoph Baumgarten - 10. Jul, 14:39

@moonbrother: Danke dir. Das motiviert.

Moonbrother - 10. Jul, 14:43

Darum sollte es gehen. Alles Gute für Deine Arbeit.

F (Gast) - 10. Jul, 14:50

Das Wort Aktivist ist altes Grünsprech, Genosse ist uncool, aber deshalb zur grünen Rhetorik zu wechseln, ist nicht nötig. Es ist ungefähr so, wie wenn man von roten KameradInnen reden würde, nur das Kamerad gleich altbacken und wählervertreibend wirkt wie Genosse. Welches Anliegen?

Christoph Baumgarten - 10. Jul, 16:16

Auf das Wort Aktivist, Aktivistin bin ich vor knapp 15 Jahren das erste Mal in Zusammenhang mit roten Jugendorganisationen gestoßen. Wie VSSTÖ, SJ, im weiteren Sinn auch die AKS. Hat auch damit zu tun, dass man bei diesen Organisationen Mitglied sein kann, ohne Mitglied der SPÖ zu sein. Ich im übrigen hab ja kein Problem mit dem Wort Genosse, Genossin. Aber wie auch immer, deine Meldung in diesem Zusammenhang find ich nach wie vor deplatziert. Dein Anliegen ist ja wohl klar: Alles, was von der SPÖ kommt, ist dir suspekt. Bleibt dir unbenommen. Aber wenn ich du wäre, würd ich die zum Teil berechtigte Kritik an der Sozialdemokratie dort platzieren, wo sie ihre Berechtigung hat und entsprechend rezipiert wird.

F (Gast) - 13. Jul, 15:05

Wie wäre es mit der Benutzung eines Wörterbuches, um lexikalische Fehler unter Umständen zu vermeiden. Aktivist hat einerseits eine Bedeutung im Sinne von Held der Arbeit oder so (DDR-Sprech). Andererseits im Sinne von Reformer (gegen eine Mehrheit). Ein sozialdemokratischer Aktivist ist jemand, der die Sozialdemokratie reformieren will, was zweifellos überfällig ist. Ein Tierschutzaktivist ist jemand, der den Umgang mit Tieren reformieren will. Die Grünen sind als Sammlung verschiedenster Aktivisten entstanden, deshalb auch entgegen der üblichen Bedeutung Grüne AktivistInnen, was ausnahmsweise nicht bedeutet, dass die Grünen reformiert werden sollen, wenngleich auch das nicht ganz unsinnig wäre. Im Übrigen ist mir die Sozialdemokratie überhaupt nicht suspekt (verdächtig, fragwürdig). Die Sozialdemokratie ist ein klarer Fall. Fragwürdig ist die Sozialdemokratie eigentlich nur den Sozialdemokraten.

Christoph Baumgarten - 13. Jul, 16:07

Und kannst du mir jetzt bitte erklären, was das mit dem Beitrag zu tun hat? Was hat das bitte mit den sexistischen Äußerungen des Kärntner Landeshauptmanns zu tun? Die sind dir offenbar egal. Du hackst lieber auf der SPÖ rum. Das ist dir wichtiger als wenn sich ein Spitzenpolitiker herausnimmt, auf primitive Weise ungefähr sämtliche mühsam erkämpften gesellschaftlichen Fortschritte der vergangenen 30 Jahre zu negieren. Naja, deine Prioritäten seien dir unbenommen.

Mary (Gast) - 15. Jul, 01:13

Es würde sich aber schon lohnen, auf der Kärntner SPÖ ein bisschen herumzuhacken, die schläft nämlich gewissermaßen im Rohr. Und vorher war sie sexistisch genug, die hervorragende Gaby Schaunig im Regen stehen zu lassen. Die Kärntner SPÖ hat uns mit ihrer Lahmheit die Brennesselsuppe erst eingebrockt.

Christoph Baumgarten - 15. Jul, 09:30

Ja, liebe Mary, das schon. Aber mit solchen Kleinigkeiten hat sich F nicht großartig aufgehalten. Es wäre mir gar nicht unrecht gewesen, hätte jemand Sachkundiger die Kärntner SPÖ analyisiert oder kritisiert. Oder meinetwegen auch die gesamte SPÖ, die ja in solchen Fragen leider auch nicht immer einheitlich agiert und oft genug sexistische oder rassistische Äußerungen auch in den eigenen Reihen toleriert hat und tw. immer noch toleriert. Aber das ist eine ganz andere Ebene der Kritik, als die, auf der sich F bewegt hat.

essence (Gast) - 11. Apr, 15:42

es ist ein wahnsinn, wie manche, die politisch am ruder sitzen, junge menschen oder menschen mit anderen meinungen heruntermachen. da geht es dann gar nicht mehr um sachlichkeit, sondern nur mehr um draufdreschen. vornehmlich sind die heruntergeputzten jung und weiblich.
ich habe das in der spö, der övp und natürlich bei den dörflerischen erlebt.
und: ich bin mir nicht sicher, ob es sexistisch war, gaby schaunig (die ich absolut nicht für hervorragend hielt) im regen stehen zu lassen. vielleicht war es nur vernünftig. aber was haben sie jetzt, die genossen? ein pures schlamassel. und das tut ganz kärnten weh.


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