Jetzt kommt Petzner!

PetznerEs gibt sie, die Momente, in denen die Realität die Satire hinter sich lässt. In denen Kabarettisten und Satiriker um ihre Auftritte und Aufträge bangen müssen. In denen es auch sprachbegabten Menschen die Sprache verschlägt. In denen das einzige, was sich dem Halse entringen lässt, ein schallendes Gelächter ist. Heute war einer dieser seltenen Momente.

"Petzner könnte bei Wiener Wahl kandidieren", entnahm ich heute Nachmittag wien.ORF.at. Eine Ente, dachte ich mir. Die Truppe, die hinter der Jörg-Haider-Gebetsliga steckt (so diese ein Hoax ist), hat wieder zugeschlagen. Es war ernstgemeint. Von wem auch immer. Warum auch immer. Stefan Petzner (BZÖ) hat der Infoillustrierten News eines seiner begehrten Exklusivinterviews gegeben, schreibt ORF.at.
http://wien.orf.at/stories/375579/

Begehrt weniger wegen einer möglichen Scheuheit Petzners. Begehrt wegen seines unnachahmlichen Talents zur unfreiwilligen Komik. Einem Redakteur kann ob so viel gesunden und unbegründeten Selbstbewusstseins nur der Mund offen stehen. Und es ist nicht gespielt, wage ich zu behaupten. An dieser vollkommenen Verkörperung intellektueller Anspruchslosigkeit kann der begnadetste aller Mimen nur scheitern. Konkurrenz auf diesem Feld bekommt Petzner nur von Parteifreunden. Mit Ausnahme von Peter Westenthaler fehlt ihnen aber die tragische Komponente. Echte Größe entsteht im Scheitern an sich selbst. Auch bei Menschen, die eher als Karikatur ihrer selbst auffallen. Jeder kann positive Seiten haben.

Im Moment hat Petzner in punkto Tragik die Nase vorn. Westenthaler ist nur gerichtlich verurteilter Lügner. Petzner trauert seinem Lebensmenschen nach. (Interessante Frage in diesem Zusammenhang: Wie nennt man eigentlich tote Lebensmenschen?).

Der Unterhaltungsfaktor
Natürlich, ganz sicher kann man sich nicht sein, dass das ernst gemeint ist. Bei Petzner verlaufen aus Sicht eines kritischen Beobachters die Grenzen zwischen dem Bemühen um Ernsthaftigkeit und Unfug fließend. Vielleicht ist das der Tatsache geschuldet, dass der Mann wirkt, als sei er bar jeglichen Tiefgangs. Seine Diplomarbeit heißt "Die Macht der Musik am Beispiel von Udo Jürgens". Wirklich. Auch sein Interview mit Österreich zum Unfalltod seines Lebensmenschen lassen in Hinblick auf seine Wien-Pläne mehrere Interpretationen offen. Ungetrübt von jeglicher Vernunft setzt er die haarsträubendsten Verschwörungstheorien seit der Mondlandung in die Welt und behauptet dann, alles nicht so gemeint zu haben. Was soll man da denken?

Auch die Infoillustrierte, die er exklusiv über seine Pläne informierte, fällt nicht immer mit gesteigerter Seriosität auf. Eine seltsame Wahl, um Pläne derartiger Tragweite zu lancieren. Vielleicht hat es auch niemand anders interessiert.

Wenn es ernst gemeint ist, ist der Unterhaltungsfaktor hoch. Zuerst das Match Petzner gegen Westenthaler, auf das es parteiintern vermutlich hinausläuft. Die Wuchteln werden tief fliegen. Ob alles, was gesagt wird, reiflicher Überlegung entspringen wird, darf bei diesen Menschen getrost bezweifelt werden. Dann das Pseudo-Match mit Bumsti Strache. Man darf gespannt sein, wer als die halbwegs vernünftige Figur im Vergleich zur anderen aussteigen wird. Ich wage hier keine Prognose.

Wiens Kabarettisten und Satiriker werden in dieser Zeit brotlos sein. Die politische Wirklichkeit wird für genug unfreiwillige Komik sorgen. Satirisch übersteigern kann man das nicht mehr. Das sprengt jegliche menschliche Vorstellungskraft. Sie können allenfalls die Realität imitieren. Das muss für einen Satiriker eine frustrierende Vorstellung sein. Die Realität hat heute die Satire hinter sich gelassen.

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Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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