Hinterm Berg

landesratdietereggerAuf der Homepage der Vorarlberger Landesregierung hat er leicht lächeln. Möglicherweise nicht mehr lange. Mit antisemitischen Äußerungen hat sich der Vorarlberger FPÖ-Chef und Landesrat Dieter Egger ins Out manövriert. Landeshauptmann Herbert Sausgruber (ÖVP) schließt offiziell eine Koalition mit dem Blauen aus.

Vorarlberger Landtagswahlkämpfe bieten nicht nur für den Rest Österreichs vor bzw. hinter dem Arlberg, je nach Geschmack, im allgemeinen wenig interessantes. Die Kräfteverteilung ist mit Ausnahme weniger Prozentpunkte klar. Die SPÖ ist im Ländle beinahe so unbedeutend wie die ÖVP in Wien und Kärnten. Spannend allenfalls, ob die Sozialdemokraten auf Platz zwei landen oder auf Platz drei. Die ÖVP wird Nummer eins bleiben und wie seit eh und je mit den Blauen koalieren. Dachte man bis zum Wochenende.

Die als im Österreich-Vergleich als eher brav geltenden Blauen machen einen auf Bumsti Strache. Antisemitische Rülpser inklusive. Dieter Egger, blauer Spitzenkandidat im Ländle, bezeichnet Hanno Loewy, Direktor des Jüdischen Museum Hohenems, als "Exil-Juden aus Amerika". Loewy hatte zuvor den rassistischen Stil, den die FPÖ so gern an den Tag legt, kritisiert. Aus Eggers Sicht ein Sakrileg. Ein Jude hat den Mund zu halten, lautet seine unmissverständliche Botschaft.

Seitdem versucht sich Egger rauszuwinden. Er habe nur darauf hingewiesen, dass Loewy Jude sei. Und Jude sein sei nichts verwerfliches. Nur, warum betont er dann die Religionszugehörigkeit seines Kritikers so penetrant? Noch dazu mit Verweis aus die USA? Unrechtsbewusstsein zeigt er keines. Und die Bundes-FPÖ legt nach.
http://vorarlberg.orf.at/stories/384865

Aufregung auf beiden Seiten des Bergs
In seltener Einigkeit haben die demokratischen Vorarlberger Parteien die Äußerungen Eggers zurückgewiesen. Sausgruber stellte in Aussicht, dass es keine Koalition mehr mit der FPÖ geben werde, sollte sich Egger nicht entschuldigen. Vor einem Misstrauensantrag schreckt er aber zurück. SO schnell schießen die Preußen nicht.

Bei allem Respekt für Sausgrubers schnelle und unmissverständliche Antwort erscheinen Zweifel angebracht. Wo und was war Sausgruber in der Ära Schwarz-Blau, als nicht nur ein antisemitischer oder rassistischer Rülpser fiel? Landeshauptmann in Vorarlberg. Koalitionskrach im Ländle hat's in der Zeit wenig gegeben. Und man darf davon ausgehen, dass die bisherige Nibelungentreue der Landesschwarzen zur Ländle-FPÖ eine wichtige Vorarbeit für die Koalition auf Bundesebene war. Bei aller Vorsicht, die bei einem Vergleich zwischen Bundes- und Ländle-FPÖ gegeben ist.

Allerdings dürfte seit dem Wochenende klar sein: So anders sind die Blauen hinterm Berg nicht, wie auch SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas sagt. Eine gemäßige FPÖ gibt es nicht. Eine Einschätzung, die Johannes Rauch, Landesgeschäftsführer der Vorarlberger Grünen teilt.
http://vorarlberg.orf.at/stories/384885/

Das zeigen auch die Wahlplakate der Vorarlberger FPÖ. Elterngeld für heimische Familien ist nichts anderes als ein sanft daherkommender rassistischer Slogan. Gefordert wird offene Diskriminierung. Nicht, indem man, wie es die Bundes-Blauen tun, sagt, die Ausländer seien schuld, sondern indem man sagt, (gebürtige) Österreicher hätten mehr Rechte. Das Resultat ist das gleiche. Ob vor oder hinterm Berg. Da ist auch die lokale Perspektive egal.

P.S.: Hier der Link zu eine Facebook-Gruppe, die Egger zum Rücktritt auffordert.
http://www.facebook.com/home.php?#/group.php?gid=119703099332
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