Hey Student, wo warst du?
Die Uni-Streiks haben eine Generation Studierender nachhaltig politisiert. Egal, wie lange sie noch dauern werden, egal welche Forderungen wirklich erfüllt werden - hier haben Zehntausende bewiesen, dass es auch anders geht. Das ist ein Erfolg.40 - 50.000 Menschen, die auf Wiener Straßen für bessere Bildung demonstrieren. Das ist nicht nichts. Das ist gemessen an den örtlichen und historischen Voraussetzungen ziemlich viel. Das Audi Max, das seit Donnerstag vergangener Woche besetzt wird. Selbstorganisiert. Demokratisch. Das ist beeindruckend. Eine Studierenden-Bewegung, mit der sich der Vorstand des ÖGB solidarisiert. Das ist eine Sensation.
Ein Lauffeuer geht um und diese Bewegung hat Chancen, auch
EU-weit und international Aufsehen zu erregen oder sogar Nachahmung zu
finden. Es hat sogar Chancen, auf andere Bereiche des Lebens und Arbeitens
in Oesterreich ueberzugreifen -- auch wenn sie leider eher gering sein
moegen, schreibt Bernhard Redl in seiner Analyse in der "akin".
Dennoch: Nicht alle Studierenden haben mitgemacht. Manche sind Protestverweigerer. Aus Prinzip. Aus Angepasstheit. Aus Angst.Sie bekommen sehr viel Medienaufmerksamkeit, vor allem von klein- bis spießbürgerlichen Formaten. Und manche können aus sehr nachvollziehbaren Gründen nicht. Diesen wenig beachteten Menschen widmet Vice Austria einen interessanten Artikel.
"Hey Student, wo warst du, als deine Kollegen auf der Straße waren, lautet der Titel. Durchaus treffend. (So sehr, dass mir kein besserer eingefallen ist.) Er zeigt auch eine Perspektive auf, die beim Erfolg dieser Bewegung angebracht scheint. Eine historische. Es ist zulässig, diese Studierenden-Bewegung schon jetzt als geschichtliche Zäsur zu sehen. Zumindest für eine Generation Studierender. Und, sollte sie länger dauern und sich ausweitet, kann es durchaus sein, dass sie sich in Geschichtsbüchern findet. Ausgeschlossen ist das nicht. Es zu hoffen, dass das passiert.
von Christoph Baumgarten
am 31. Oktober


2 Kommentare
Vor allem denke ich, dass heute genau die Menschen "entstehen", die morgen unsere Welt positiv beeinflussen werden.
http://web2politik.wordpress.com/2009/10/31/unsereuni-moderne-revolution-verandert-die-welt/
von Marko (Gast) am 31. Oktober | #
Die Sache hatte ja gut begonnen, ohne Einmischung irgendwelcher politischer Gruppierungen oder Ausschluss solcher Gruppen. Und der Anteil der Deutschen, den man noch evaluieren müsste, war meiner Meinung nach ein Vorteil. Denn grad die haben einen neutralen Standpunkt zur österreichischen Politik und lassen sich nicht so einfach für eines der Lager vereinnahmen.
Am Montag aber hat das Plenum, nach dem mutmaßlich eh nur Fake-Auftritt eines Burschenschafters, beschlossen die Burschenschaften auszuschließen und der ganze konservative Rest im Audimax hat das als Aktion der Linken gesehen. Der aggressive Auftritt der Frauen AG mit dem sich dann auch der Fokus etwas verschoben hat, weg von der Bildung zu gesellschaftlichen Themen, hat auch sehr viele verstimmt. Ein Auftritt der noch über Tage hinweg für schlechte Stimmung gesorgt hat. Sympatiebekundungen von AntiFas und dass man die AntiRep vor's Plenum gelassen hat waren dann nur noch das i-Tüpfelchen.
Die Proteste werden keinen Erfolg haben, nur als eine Bewegung die das ganze politische Spektrum umfasst, erst recht gegen eine Große Koalition, hätte man Erfolg.
von Thomas R. Koll (Gast) am 03. November | #