Herr Minister lässt sich bitten
Österreichs Studentinnen und Studenten reichts mit der Uni-Politik. Sie protestieren mit Besetzungen in Wien und Graz gegen die gefährlichen Drohungen, die Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) ventiliert. Der fühlt sich nicht zuständig.Worum es den Studentinnen und Studenten im Audi Max Wien, der Akademie der Bildenden Künste und der Vorklinik der Uni Graz geht, hat mittlerweile ganz Österreich verstanden. Ganz Österreich? Nein. Ein Hartnäckiger wehrt sich bis heute gegen die Realität. Johannes Hahn, dem als Wissenschaftsminister weniger wohlmeinende Zeitgenossen boshafterweise so etwas wie eine Zuständigkeit für die heimischen Unis unterstellen, beteuert treuherzig, er habe nicht verstanden, was Studierende meinen, wenn sie einen freien Hochschulzugang fordern.
Sind ja auch schwer zu verstehende Forderungen.

Der Herr Minister lässt sich bitten. Wenn nicht eine Delegation der Hochschülerschaft demütigst flehend, vor Angst zitternd, das Gesicht abwendend um nicht in das Antlitz des Großen schauen zu müssen, zu ihm kommt, existiert die Sache einfach nicht. Proteste dieses Pöbels muss man nicht zur Kenntnis nehmen. Ein wahrer Demokrat.
Vielleicht legt er die Protestversammlungen an den Unis auch als Veranstaltungen seines Fanclubs aus. Was weiß man.
Da passen Gerüchte gut, dass man ihn aus Wien wegloben will. Angeblich sei er Kompromisskandidat für den Posten des österreichischen EU-Kommissars. Hoffentlich für kein Ressort, das auch nur am Rande mit Universitäten und Studierenden zu tun hat. Ich möchte nicht wissen, wie die französischen Studierenden in einer ähnlichen Situation mit ihm verfahren würden.
Christoph Baumgarten - 23. Okt, 23:26



