dieter (Gast) - 6. Feb, 00:02

Das deckt sich zum Teil mit meinen Gedankengängen damals.

Ich halte es für verfehlt, die Aufregung damals nachträglich als jugendliche Unerfahrenheit abzutun. Ich war auf ein paar Demos und daran beteiligten sich nicht wenige ältere Herrschaften. Es gab jede Menge ältere Personen, von Intellektuellen, bis zu einer meiner einfachen Oma, die höchst besorgt und beunruhigt waren und Altnazis, die fest davon überzeugt waren, dass Haider der nächste Hitler ist, auf den sie so lange gehofft hatten.

Dass Haider Hitler II werden würde, dachte ich nicht, aber politisch motivierte Verhaftungen, Zensur, Drangsalierungen, strikte Indoktrination in Schulen und dergleichen mit langfristigem Steigerungspotential hätte ich für möglich gehalten. Haider sagte schließlich, dass er die "roten und schwarzen Filzläuse" mit "Blausäure" bekämpfen wolle. Er stellte politische Gegner und Andersdenkende unversöhnlich als Problem an sich dar und war von sich selbst überzeugt alles richtig und besser machen zu können und die Ehrlichen und Anständigen auf seiner Seite zu haben und den Unehrlichen und Unanständigen gegenüber zu stehen.

Der Wille zu herrschen und die kompromisslose Feindschaft zu seinen politischen Gegnern und deren Sympathisanten zog sich wie ein roter Faden durch seine Aussagen. Aus genau solchem Holz sind Leute von Robespierre bis Franco geschnitzt.

Dass Haider viel zu selbstzerstörerisch war und letztlich doch zu feige, um im entscheidenden Moment nach der Macht zu greifen, konnte man ja nicht wissen. Auch nicht, dass diejenigen, die er um sich gesammelt hatte, harmlose Befehlsempfänger waren, die Wolfgang Schüssel treu dienen würden.
Jedenfalls konnte man nicht ausschließen, dass Haider so regieren würde, wie er sich gab.

Letztlich ist alles anders gekommen, als man dachte. Schwarz-Blau laste ich primär an, dem Wirtschaftsliberalismus einen Bärendienst erwiesen zu haben. Heute wird Marktliberalismus mit Freunderlwirtschaft gleichgesetzt und dass Linke und Grüne ihre anarchistische Ader völlig vergessen haben und nur mehr über staatliche Lösungen nachdenken.

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Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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