FPÖ will Atheisten den Mund verbieten

fpoe_logoWes Geistes Kind die FPÖ ist, hat sie heute wieder einmal eindrucksvoll bewiesen: Rassistisch und antidemokratisch. Werner Neubauer, Hinterbänkler der Freiheitlichen im Nationalrat, wollte per Presseaussendung Atheistinnen und Atheisten den Mund verbieten. Er forderte die Gemeinde Wien auf, die laufende Atheisten-Kampagne zu stoppen.

Angeblich hat er Angst um uns, dieser Herr Neubauer, der einem durchschnittlich politisch interessierten Menschen vermutlich unbekannt ist. Es sei nur mehr eine Frage der Zeit, bis die "blasphemischen Plakate" muslimische Religionsfanatiker zu Ausschreitungen treiben würden.
http://www.fpoe.at/index.php?id=477&backPID=390&tt_news=37577
Zu verhindern, so Neubauer in gewohnter FPÖ-Logik, sei das nur, wenn die Gemeinde Wien die Plakate der Atheisten-Kampagne entfernen ließe.

Drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen versuchen, funktioniert nicht. Zumal die FPÖ schon mit einer überfordert ist. Umso heftiger fuchtelt sie herum und versucht, Andersdenkende mundtot zu machen, gegen Muslime zu hetzen und die Wiener SPÖ mit ihren wirren Fantasien anzupatzen. Lassen wir mal die Frechheit beiseite, dass dieser Hinterbänkler muslimische Fanatiker für geistesschwächer hält als katholische Fanatiker. Letzere wissen schon längst, worum es geht und versuchen eine Kampagne gegen Atheistinnen und Atheisten zu inszenieren. Mit Argumenten, die denen dieses Herrn Neubauer sehr ähneln. Man möge nur das "Heute" vom Montag aufschlagen.

Interessant auch, dass sich dieser Werner Neubauer um die Weltoffenheit der Stadt Wien Sorgen macht, Sicherzustellen sei die nur, indem man Menschen mit Denk- und Artikulationsverbot belegt und ein Metternichsches Zensursystem einführt. Was eher das Gegenteil von Weltoffenheit ist. Aber gut, dieser Hinterbänkler kommt aus Oberösterreich, was weiß er von den Zuständen in Wien? Was mischt er sich überhaupt in die Wiener Kommunalpolitik ein?

Präventive Notwehr
Und ja, ich nehme diese Sache persönlich. Mir will ein Hinterbänkler aus Linz erklären, wie die Muslime in Wien ticken? Ich lebe im Brunnenviertel. Türkische Migrantinnen und Migranten sind hier keine Seltenheit. Unter meiner Wohnung, in der ich diesen Blog schreibe, befindet sich ein türkisches Cafe. Ich genieße das Leben hier. Und das einzige Mal, dass ich als Erwachsener Opfer eines gewalttätigen Übergriffs wurde, war, als mich ein FPÖ-Sympathisant auf offener Straße geschlagen hat. In den Augen eines Herrn Neubauer wahrscheinlich ein Akt präventiver Notwehr eines aufrechten Patrioten gegen die bösen, gewaltbereiten, Gutmenschen, die das Deutsch- ähm Österreichertum abschaffen möchten. Oder so ähnlich.

Ich will auch nicht davon reden, dass es die FPÖ war, die muslimische Zuwanderer mehrfach gezielt provoziert hat. "Daham statt Islam" und "Abendland in Christenhand" sind offenbar die freiheitlichen Vorstellungen Wiener Weltoffenheit. Katholisch, faschistoid und rassistisch. Eine Schande für eine früher antiklerikale Partei. Vor 20 Jahren wäre die heutige FPÖ-Führung nach solchen Aktionen vermutlich aus der Partei ausgeschlossen worden.

Und um mir den Vorwurf zu ersparen, ich würde meinen Kampf nur in der Öffentlichkeit austragen - hier das e-mail, das an diesen Herrn Neubauer geschrieben habe. Eine Antwort steht aus. Ich behalte mir das Recht vor, sie hier zu veröffentlichen. Sollte sie jemals kommen.
e-mail-an-Werner-Neubauer (doc, 14 KB)
Poli (Gast) - 20. Jul, 23:08

Können Sie auch etwas anderes als motzen?

Christoph Baumgarten - 21. Jul, 07:02

Ach so! Motzen nennt man das in gewissen Kreisen, wenn Menschen ihre und die Rechte anderer verteidigen? Na, sehr schön, wie man in der FPÖ zu Demokratie und Menschenrechten steht. Die gelten in eurem Universum nur für euch selber, die Partei der "Anständigen und Ehrlichen" wie Susanne Winter, oder wie?
Ja, hätt ich denn diesen Hinterbänkler loben sollen? Loben dafür, dass er mir verbieten will, in der Öffentlichkeit meine Meinung zu vertreten, weil sie ihm nicht passt, meine Meinung? Hätt ich denn den Bumsti Strache loben sollen für seine rassistischen Dauer-Provokationen (nebst seiner dauerhaft praktizierten Beleidigung des menschlichen Verstandes). Hätt ich denn den Herrn Vilimsky loben sollen, dass er Linke, Grüne und Kommunisten so gern hinter Gittern sieht? Oder die Frau Winter für ihre rassistischen Verschwörungs- und sonstigen Fantasien? Oder die FPÖ-Funktionäre, die Neonazis auf Parteiveranstaltungen dulden? Oder den Herrn Ploner, der eine antifaschistische Veranstaltung tätlich angegriffen hat? Oder den Hernn Graf, diesen Anti-Antifaschisten, der unter anderem mich in die Nähe des DDR-Regimes zu rücken versucht? Oder abermals den Bumsti Strache, der mich einen roten Nazi nennt? Hätt ich die denn loeben sollen dafür? Soll ich denn froh sein, dass mir jetzt auch noch ein Hinterbänkler Rede- und Meinungsfreiheit wegnehmen will? Darf ich mich denn nicht dagegen verteidigen, als aufrechter Demokrat und Antifaschist? Muss ich mir uf dümmliche Weise alles unterstellen lassen?
Offenbar ja, wenn ich mich nicht dem Vorwurf aussetzen will, nur "motzen" zu können. Weißt du was? Dann bin gern der Ober-Motzer. Dass jemand wie ich kuscht und sich auch noch bedankt dafür, das hättet ihr gerne. Anständige und Ehrliche halt. Nicht mit mir, das kann ich euch sagen. Soweit haben wir es noch nicht gebracht. Und damit wir es nicht so weit bringen, werd ich weiter "motzen".

dieter (Gast) - 21. Jul, 09:28

Distanzierung:
Der Atheismus ist keine konkrete Weltanschauung und Christoph Baumgartens Aussagen und Stil sind weder politisch noch stilistisch repräsentativ für den Atheismus oder Atheisten.

Christoph Baumgarten - 21. Jul, 09:48

@dieter: genauso viel oder wenig wie die eines jeden anderen... Allerdings: Das Recht, öffentlich zu artikulieren, keiner Religion anzugehören oder an kein höheres Wesen zu glauben, ist allerdings allen Atheistinnen und Atheisten gemein, genauso wie es diese beiden Inhalte sind. Der Atheismus konstituiert somit eine Weltanschauung. Insofern ist mein Kampf keineswegs als isolierter zu betrachten sondern reiht sich ein in eine größere Kampagne, die gerade läuft. Deren Rechte zu verteidigen nehme ich in Anspruch, genauso wie mehrere andere. Dass ich meinen eigenen Stil, meine eigenen Argumente habe, ist klar. Aber die hat auch jeder andere.

Marko (Gast) - 21. Jul, 09:53

FPÖ vorder- und hinterbänklern sollte der Mund verboten werden !

Christoph Baumgarten - 21. Jul, 11:13

@Marko: Wenn die meisten Menschen sie auslachen würden, wie sie es verdienen, würde mir das schon reichen.

eierwerfer (Gast) - 21. Jul, 22:29

Wie wär es mal gegen einen Aufschrei, wenn wir irgendwo Christen-Werbung hängt? Sind wir nun ein säkularar Staat oder nicht? Ich finde die Kampagne dringend notwenidg, alleine wegen der Debatte. chade, dass das nicht auf Bussen geht.

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