Euphorie und Sinnfreiheit
Gestern hat die SPÖ ihren Wahlkampfauftakt gefeiert. Zumindest laut Youtube und Teilnehmern eine gelunge Veranstaltung. Gleichzeitig ist die Kampagnen-Seite für die EU-Wahlen online gegangen. Als letzte alle maßgeblichen Parteien beim Urnengang am 7. Juni. Das macht einen Vergleich möglich.Die Sozialdemokraten schicken das "A-Team für Europa" ins Rennen. Wohl nicht zufällig eine Anspielung auf eine US-Fernsehserie, die mittlerweile einen gewissen Kultcharakter hat. Bedenkt man die Kampagnenseite der SPÖ, darf man annehmen, dass die Partei nicht nur Stammwähler mobilisieren will. Von allen Homepages ist sie die mit Abstand aufwändigste, die Usern die meisten Möglichkeiten bietet. Ein Signal in Richtung jüngere Wähler, die vermutlich die Altersgruppe mit der höchsten Wahlbeteiligung sein werden. Mal sehen, ob Hannes Swoboda als Hannibal Smith überzeugen kann. Bloggen tut er jedenfalls regelmäßig. Eine Internetkampagne soll politisch interessierte Menschen mobilisieren, über die anstehende Richtungsentscheidung in der EU nachzudenken und sich am politischen Meinungsbildungsprozess zu beteiligen.
http://www.spoe.at/euwahl/
ÖVP-Slogan sinnbefreit
Deutlich weniger Inhalt bietet die Seite der "Volks"partei. Die wesentlichen Botschaften, so vorhanden, werden transportiert. Die Seite ist übersichtlich. Der Hauptslogan der Wahl "Europa wählt. Österreich entscheidet" fällt aber eher unter die Kategorie sinnbefreit. 17 Abgeordnete im EU-Parlament sind wohl kaum ein entscheidender Block. Ein bisserl will man hier an den Chauvinismus appellieren. Österreichische Abgeordnete sollen als Österreicher gewählt werden, nicht für ihre politische Meinung. Als ob Österreicher eine Kategorie sei, die mehr erfasst als die Staatsbürgerschaft. Als ob die gemeinsame Zugehörigkeit zum politisch-historischen Gebilde einer Billakassiererin und Karlheinz Grassers das bestimmende wäre und nicht deren jeweilige Lebenswelt. Die Entpolitisierung der Politik über das Vehikel "Patriotismus". Ein beliebtes Spiel der Bürgerlichen.
http://www.oevp.at/europa

Strafanzeige gegen FPÖ
Gegen den FPÖ-Wahlkampf gibt es seit gestern die erste Strafanzeige.
http://www.kurier.at/nachrichten/317271.php
http://homepage.univie.ac.at/thomas.schmidinger/anzeige_fpoe.pdf
Mehr muss man über den hetzerischen Wahlkampf nicht sagen. Er ist inhaltlos und streut den Menschen Sand in die Augen. Die FPÖ tut so, als würden ihre Abgeordneten so etwas wie eine politische Meinung vertreten und selbstverständlich nie politische Mandate zum persönlichen Vorteil benutzen. Beide Behauptungen sind in der jüngsten Vergangenheit eindrucksvoll widerlegt worden. Darüber hinaus bietet der Channel zur EU-Kampagne nichts als die Plakate zum Download. Kein Zeichen, dass für die FPÖ Inhalte irgendwelcher Art zur Wahl stünden.
http://www.fpoe.at/?id=13221

BZÖ wirbt mit Amt, das es nicht gibt
Auch das BZÖ bietet kaum mehr als die Plakate zum Download. Immerhin gibt's hier noch Infos zur EU-Wahl.
Mit SPÖ und ÖVP, die eigene Seiten haben, können weder BZÖ noch FPÖ mithalten. Das zeigt, wie wichtig man die Wahl am rechten Rand nimmt. Der wesentliche Unterschied zwischen den Zwillingen BZÖ und FPÖ ist, dass das BZÖ fotografisch sehr gut gestaltete Plakate anbietet. Kurioserweise werben die Orangen mit einer Position, die es nicht gibt. "Unser Volksanwalt in Brüssel" wird Ewald Stadler mit Sicherheit nicht werden. Er kandidiert für einen Abgeordnetensitz. Gemeinsam mit Matthäus Thun-Hohenstein, der über sich selbst sagt, er sei politisch naiv.http://bzoe.at/index.php?content=eu_wahl2009
Grüne Plakate umstritten
Die Grünen nehmen die Wahl ernst. Ihre Homepage kann annähernd mit SPÖ und ÖVP mithalten. Viele Infos, zugeschnitten auf eher junge Wähler. Umstritten sind die Plakate, auch unter Grünen.
Enthusiasmiert hält Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek eine grüne EU-Fahne hoch. Das Sujet erinnere an Darstellungen der französischen Revolution, sagen die Kritiker. Die Grünen fahren einen stark personalisierten Wahlkampf, der das leidige Thema Voggenhuber etwas vergessen macht. Die Inhalte treten für den Beobachter in den Hintergrund. Was wohl nicht ganz die Absicht der grünen Kampagnenmanager war. Immerhin: Stärker als die anderen Seiten vermittelt die grüne Kampagnen-Homepage so etwas wie europäische Identität.http://eurogreens.at/
KPÖ entdeckt Youtube
Die KPÖ verlässt sich auf die Macht des Wortes. Die Medialisierung der Politik ist das Partei vorübergegangen. Wohl auch aus finanziellen Gründen. Eine eigene Homepage zur EU-Wahl ist nicht auffindbar, immerhin ein kleiner Channel. Sonst dominiert die Diskussion zur Wirtschaftskrise. Die EU-Wahlen spielen augenscheinlich eine untergeordnete Rolle.

http://www.kpoe.at
Immerhin hat die KPÖ Youtube entdeckt. Ob sie sich mit den Videos ein weniger angestaubtes Image geben können, sei dahin gestellt. Man fragt sich, warum aktuelle linke Inhalte immer so verzopft daherkommen müssen.
http://www.youtube.com/user/KommunistischePartei
JuLis sind "euphorisch"
Die JuLis haben den früheren Mangel an EU-Themen wettgemacht. Der User wird von www.julis.at auf www.euphorisch.at umgeleitet. Schön, dass Liberale vollkommen unbeschadet von jeglicher Realität wie einer Wirtschaftskrise ihre Ideologie feiern. Die Homepage ist auf sehr junges Zielpublikum zugeschnitten, wie die ganze Kampagne. Die JuLis haben das mit Abstand bestaussehende Kandidatenteam. Bei dem Alterschnitt auch kein Wunder. Gewürzt ist das ganze mit einem Schuss Sexismus. Wenn die Listenzweite mit einem EU-Stern an ihrem Hintern posiert, ist das eigenartig. Ein wenig unklar bleibt, ob sie andere Argumente für den Wähler in spe haben als ihr Aussehen. Das Wahlplakat verrät es genau so wenig wie die Homepage.
http://www.euphorisch.at

Hans-Peter Martin bleibt Hans-Peter Martin
Auf Hans-Peter Martins Homepage hat seine neuerliche Kandidatur keinen sichtbaren Einfluss gehabt. Sie bleibt der Selbstdarstellung des selbst ernannten Priviligen- und Skandalbekämpfers gewidmet. Das einzig neue, das man erfährt, ist, dass er es geschafft hat, Menschen zu finden, die auf seiner Liste kandidieren. Das verdient Beachtung. Es überrascht, dass immerhin drei Menschen HPM nach allen Streitereien mit allen seinen bisherigen Mitstreitern für teamfähig genug halten, um mit ihm anzutreten. Ansonsten lässt sich nur Daniel Cohn-Bendit zitieren: Hans-Peter Martin bleibt Hans-Peter Martin bleibt Hans-Peter Martin. Kommentar überflüssig.http://www.hpmartin.net
P.S.: Alle Bilder stammen von den Homepages der jeweiligen Parteien und werden hier - abgesehen von der Größe - unverändert wiedergegeben.
Christoph Baumgarten - 9. Mai, 11:45



bei den rechten parteien tut man sich natürlich immer schwer wenn es um inhalte geht...