Ein Rap wird zur Staatsaffäre
Bumsti Strache und FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl fühlen sich verfolgt. Grundsätzlich. Und dieser Tage ganz besonders. Zuerst vom ORF und jetzt von einem Schüler. Dem wollen sie wegen eines Anti-Strache-Raps ans Geldbörsel."Sämtliche rechtliche Schritte" gegen den Urheber des Raps "Na C.-Strache" werde man ergreifen, plustert sich Kickl gegenüber der Austria Presse Agentur auf. (Siehe Artikel im Standard) Dass die SPÖ dahintersteckt, ist für Kickl so klar wie für Strache, dass bei seinen Kundgebungen nie Neonazis anwesend sind. Und abgesehen davon, dass er alles und jeden gerichtlich verfolgen lassen will, der irgendwie irgendetwas mit dem Video zu tun hat, soll sich auch gleich die ganze Welt entschuldigen. Bundespräsident Heinz Fischer inklusive, dem nicht einmal Kickl vorwirft, den Rap produziert zu haben.
Politwatch verzichtet aus rechtlichen Gründen, den Rap hier online zu stellen. Ich halte den Rap für gut gemacht, allerdings inhaltlich grenzwertig. Wobei er an Zynismus bei weitem nicht an das heranreicht, was diverse FPÖ-Unterstützer auf ihren Nazi-Seiten aufbieten, Stichwort Alpen-Donau-Info. Auffällig, wie sehr sich die FPÖ von diesen Seiten nicht distanziert.
Kickl verlangt von anderen ethische Standards, die seine Partei keinen Augenblick einhält. Das ist an sich nichts neues. Auffällig sind hier die schweren Geschütze, die er auffährt. Presseaussendung, Drohung mit dem Anwalt - und das alles gegen einen Jugendlichen, der vielleicht über die Stränge geschlagen aber niemandem ernsthaft geschadet hat. Anders als die Jugendlichen von Ebensee. Deren Angriffe auf KZ-Überlebende tat Strache als Bubendummheiten ab. Einen jungen Rapper, der nicht mit Softguns auf Menschen geschossen hat, will sein Generalsekretär gerichtlich verfolgen lassen und stilisiert ihn zum Schwerkriminellen.
Gewalttätige Nazis sind Lausbuben und werden in Schutz genommen, politisch Andersdenkende im gleichen Alter sind eine öffentliche Bedrohung, die man finanziell und juristisch vernichten muss. Die Welt des Herbert Kickl und des Bumsti Strache. Und dann wundern sie sich, wenn sie ins Nazi-Eck gestellt werden?
Natürlich steht Kickl das Recht zu, sich über den Rap zu empören. Auch Strache darf sich selbstverständlich aufregen. Er wurde ja persönlich angegriffen. Aber diese Vorgangsweise ist nichts anders als feig und erbärmlich. Was allerdings angesichts der handelnden Personen und der involvierten Partei nicht weiter überraschen sollte. Man kann nur hoffen, dass sich das bei den Jugendlichen herumspricht, die Strache so hartnäckig umgarnt.
Christoph Baumgarten - 4. Apr, 20:28



Genau diese rechtlichen Konsequenzen hat auch der junge Rapper zu
tragen. Was den Unterschied zwischen FPÖ und SPÖ allerdings ausmacht ist, dass man sich Seitens der SPÖ in völlige Unwissenheit hüllte. Vielleicht leidet man in der Löwelstrasse an Demenz? Das würde auch die reihenweise erlittenen Wahlniederlagen erklären.