Die Tragik des Unterschätzten. Ein Lebewohl

Peter-KreiskyPeter Kreisky ist tot. Ein Kämpfer für Fortschritt und Humanität ist nicht mehr. Diese Nachricht hat mich gestern sehr betroffen gemacht.

Ich habe ihn leider kaum gekannt. Wie Alexander van der Bellen hätt ich gerne noch viele Stunden mit ihm diskutiert. Allein, über ein "Grüß dich" kam es bei den paar Begegnungen nie hinaus. Schade.

Die wenigen persönlichen Eindrücke, die ich von ihm habe, sind durchaus positiv. Ich habe ihn als bescheiden und warmherzig erlebt. Ja, und hier gebe ich nur meine persönlichen Eindrücke wieder, seine Bescheidenheit war überraschend, bedenkt man den Status, den er unter den Linken inner- wie außerhalb der SPÖ hatte.

Er war immer ein Gewissen und doch mehr als ein Mahner. Einer, der sich im Beruf und privat einsetzte, die Welt besser zu machen. Manchmal im kleinen Maßstab. Manchmal auch im Großen. Leider hat man ihm nie erlaubt, aus dem Schatten des übermächtigen Vaters zu treten. Das lag innerhalb der Partei an der ikonenhaften Verehrung für "den Alten" und daran, dass man dort nicht immer sehr glücklich war mit Unbequemen. Zumal mit solchen, die etwas der Sache halber sagten und nicht um aufzufallen.

Allein Peters Liste von Publikationen zeigt, dass er keiner war, der um seiner selben Willen aufmuckte. Oder um darauf hinzuweisen, dass er nicht nur Kind seines Vaters war.

Darin liegt auch eine Tragik: Der Schatten des Vaters und die Verehrung der Linken. Beides Extreme, die seiner Rolle nicht gerecht wurden, die es ihm nicht leicht gemacht haben. Beides Umstände, die es schwer machen, zumindest für die, die ihn wie ich nicht genau kannten, sein politisches Wirken präzise einzuschätzen. Etwa die nachhaltigen Einflüsse, die er auf die Jugendorganisationen hatte. Sicher, Aufmüpfigkeit gehörte immer zum Selbstverständnis der SJ. Oft genug war es auch Pose. Aber bis zuletzt war Peter in Kontakt mit den Jungen, um ihren Widerstand zu unterstützen. Mit mehr als bloß ein paar anerkennenden Worten.

An dieser Stelle überlasse ich das Forum zwei Menschen, die mehr zu sagen haben: Robert Misik und Bernhard Torsch.

Mir bleibt nur ein: Danke Peter.

Bild: (c) Daniel Novotny
F (Gast) - 19. Jan, 17:58

Wieso unterschätzt?

Warum sollte man ihn überhaupt unter-, über- oder einschätzen?
Er war in erster Linie Sohn. Vielleicht sympathischer als andere Politkinder. Meines Wissens gibt es gegen ihn wie gegen Millionnen anderer nichts zu sagen. Entscheidend aber ist etwas anderes: Wäre er nicht Sohn, hätte sich medial niemand um seinen Tod geschert und auch dieser Blockeintrag wäre nicht geschrieben worden.
Hieran ändern auch die ehrenwerten Textchen der Literaturliste nichts. Wissenschaftliche Leistungen sehen anders aus.

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Christoph Baumgarten

Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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Umberto (Gast) - 6. Jun, 20:22
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Der 21.Bezirk war schon immer ein rauhes Pflaster....
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Christoph Baumgarten - 6. Jun, 19:41

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