Die Rückkehr der Fundis

Die katholischen Fundis sind wieder da. Christop Schönborn und Klaus Küng mischen sich in Bereiche ein, die sie nichts angehen und von denen sie noch weniger verstehen. In die Rechte von Frauen. Beide versuchen, politische Eintscheidungsträgerinnen und -träger unter Druck zu setzen.

Schönborn will den Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) dazu drängen, die 30-Jahres-Feier für eine Abtreibungsklinik abzusagen. Diese Veranstaltung mache deutlich, dass es "offenbar keinen Konsens im Hinblick auf den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis an gibt", schreibt der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz an den Bürgermeister. Er fordert, "dass wir uns an einem 'runden Tisch' zusammensetzen, um über die Verwirklichung jener flankierenden Maßnahmen zur Fristenregelung zu reden, die Bundeskanzler Bruno Kreisky 1974 (!) zusagt hat". Der klare Versuch, einem österreichischen Politiker Vorschriften zu machen.
http://diestandard.at/fs/1250691415125/Gottes-Zorn-ueber-dem-Wiener-Rathaus

Unterstützung bekommt er - wenig überraschend - vom Opus-Dei-Mitglied Klaus Küng. Der ehemalige Arzt hält ebensowenig von Frauenrechten wie Schönborn. Das 30-jährige Bestehen einer Abtreibungsklinik, "in der tausende Kinder ums Leben gekommen sind, kann doch kein Grund zum Feiern sein", schreibt er seinerseits. Und hält die klassische Rollenverteilung Schönborn/Küng ein. Good cop, bad cop. Schönborn mimt den Verbindlichen, Küng darf schon einmal verbal ausholen. Gut nur, dass sich nicht auch noch Andreas Laun einmischt. Der hätte wahrscheinlich gleich von Massenmord in Holocaust-Dimensionen gesprochen.

Dass Häupl der falsche Ansprechpartner ist, ficht die beiden nicht an. Die Abtreibungsklinik am Fleischmarkt fällt in die Zuständigkeit von Stadträtin Sonja Wehsely (SPÖ). Das hätte man recherchieren können. Vielleicht war ihnen Wehsely als Frau auch als Adressatin eines Mahnbriefs zu minder. Wozu hat es am Sonntag in der Lesung in den katholischen Kirchen geheißen: Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus. Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn (Christus); denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib. Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen.
http://www.dioezese-linz.at/redaktion/index.php?action_new=Lesen&Article_ID=50503

Wehsely reagiert couragiert und lässt den beiden alten Männern ausrichten, sie denke nicht daran, die Straffreiheit der Fristenlösung zu diskutieren.

Offene Wunde
Für die katholische Kirche ist die straffreie Fristenlösung eine offene Wunde. Seit 1974 können die diversen "Würden"träger nicht verkraften, dass Frauen nicht mehr bestraft werden, wenn sie innerhalb von drei Monaten nach Beginn einer Schwangerschaft das Recht in Anspruch nehmen über ihren eigenen Körper zu entscheiden. Ohnehin eine Kompromisslösung. Ein Gnadenakt des Gesetzgebers. Legal ist Abtreibung in Österreich bis heute nicht. Frauen werden nur unter bestimmten Umständen nicht auch noch für eine schwierige persönliche Entscheidung bestraft.

Regelmäßig werden Versuche unternommen, die Fristenlösung zu torpedieren. In Salzburg etwa war es unter schwarzen Landeshauptleuten unmöglich, an Landeskliniken Abtreibungen durchzuführen. Erst Gabi Burgstaller (SPÖ) brachte für Frauen Erleichterungen.

In Graz versuchen ÖVP und FPÖ gemeinsam einen Info-Folder zu skandalisieren. Die Broschüre "ungewollt schwanger", die von Sozialstadträtin Elke Edlinger (SPÖ) in Auftrag gegeben worden war, weist Frauen auf Beratungsangebote an - und über das Thema Abtreibung.
http://www.linksblog.at/2009/08/26/abtreibung-ist-eine-suende

Der ÖVP geht das zu weit. Die Grazer Schwarzen fordern, dass auf gesetzlicher Ebene ene weitere Hürde für Frauen installiert wird. Sie sollen sich vor einer Abtreibung einer weiteren Beratung unterziehen müssen und danach drei Tage warten, bis sie den Eingriff vornehmen lassen. Eine Schikane für Frauen in psychischen Ausnahmesituationen. Das zeigt auch ein Blick in jene Länder, die ähnliche Regelungen haben wie Frankreich.

Die FPÖ muss noch eins drauflegen. Die wegen Verhetzung verurteilte Nationalratsabgeordnete Susanne Winter sieht mit der Grazer Broschüre “Substanz unseres Volkes” gefährdet. Wenn Frauen nicht als Gebärmaschine missbraucht werden dürfen, droht Umvolkung, so der Subtext. Bei der Delinquenzneigung der Familie Winter möchte man über die angeblich schützenswerte Substanz lieber nicht nachdenken.

Es bleibt Susanne Winter überlassen, schwülstigen Phantasien älterer Herren wie die vom Kampf der Wiegen anzuhängen. Aber bitte in aller gebotenen Stille. Frauenrechte und christlicher Fundamentalismus sind unvereinbar, zumal wenn er völkisch verbrämt daherkommt. Wie hat Donna Leon einmal sinngemäß in einem Interview gesagt: Angesichts der Stellung der Frau in der katholischen Kirche ist dort eine Frau in etwa so deplatziert wie ein Afro-Amerikaner beim Ku Klux Klan. Schönborn und Co haben das heute wieder mal bewiesen.

Siehe auch:
http://www.siegiblog.at
Karl-Hannes (Gast) - 27. Aug, 23:09

Abtreibung ist die Tötung eines Menschen. Man bringt das Kind einfach um, das sollte niemandes Recht sein. Bei kleinen Kindern käme da niemand drauf, anscheinend erkennt man die, im Gegensatz zum ungeborenen als "artgleich".

Dieses Recht steht den Frauen, eigentlich niemanden zu. Es erinnert mich oft an die Geschichten der Antike. Wo der Mann als Patriarch entschied welches Kind ihm nun genehm ist und welches nicht. Das ist die logische Konsequenz aus dem Abtreibungsgedanken. Darüber sollten die ganzen BefürworterInnen mal nachdenken. Und ich bin kein Freund der Klerikalen oder der FPÖ/ÖVP.

Karl-Hannes (Gast) - 27. Aug, 23:11

*Dieses Recht steht den Frauen nicht, eigentlich niemanden zu.

Kim (Gast) - 29. Aug, 09:19

Oh, so schnell zieht man Trolle an.

Gut, dass nicht nur ICH mich über Schönborn & Co aufgeregt habe letzte Woche.

gerhard (Gast) - 1. Sep, 15:07

Hi, ich habe gerade eine mail von den "christen salzburg" erhalten in dem sie zu einem protestzug gegen die klinik wien-mariähilf aufrufen. kann ich dagegen rechtliche schritte einleiten (unaufgeforderte werbung, spam, ...)

Christoph Baumgarten - 1. Sep, 15:11

Du solltest sie darauf hinweisen, dass diese Werbung unerwünscht ist und fragen, woher sie deine Adresse haben. Ansonsten würd ich bei der Polizei oder einem Bezirksgericht nachfragen.

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