Die Reduktion auf das Geschlecht

Logo Die GruenenSo sehr ich "Charlee" für sein Lob danken möchte, so sehr muss ich ihm (dass es eine Frau ist, halte ich aufgrund dieses Kommentars für ausgeschlossen) bei einem anderen Posting widersprechen, das er auf meinen Eintrag zu "Wir sind nicht Voggenhuber" hinterlassen hatte: Ja gibt es, nämlich die, der absoluten Bevorzugung des schöneren Geschlechts... bei den Grünen ist man(n) jetzt ja in einer Frauenpartei. Wobei alt werden will frau ja auch nicht bei den Grünen... laut der grünen ObFrau... Ich muss mich gleichzeitig entschuldigen, das Posting erst jetzt zu beantworten. Ich hatte mich der vagen Hoffnung hingegeben, andere User würden eine Debatte starten.

So einfach ist es, denke ich, nicht. Zugegeben, ich bin mir nicht im klaren, ob die neue Parteileitung der Grünen Johannes Voggenhuber um Voggenhubers Willen loswerden wollte. Verschiedene Interpretationen bieten sich an. Kommt jemand neu an die Macht, tendiert er oder sie dazu, Schlüsselpositionen mit Verlrauensleuten zu besetzen. Personalrochaden sind zudem ein gängiges Mittel, um zu symbolisieren, dass sich eine Partei neu aufgestellt hat. Möglich auch, dass es um eine grundsätzliche Neuausrichtung der grünen (EU-)Politik ging. Die These des Frauenputsches als feministisches Manöver um seiner selbst willen halte ich für die absurdeste Erklärung, obwohl nicht auszuschließen ist, dass sich grüne Seilschaften auch entlang Genderlinien bilden. Ich gehe eher davon aus, dass es eine Art Generationenkonflikt war, den die Grünen auf äußerst ungeschickte Weise ausgetragen haben.

Dass eine Partei einen Spitzenkandidaten vor der Wahl austauscht, ist legitim. Die Begleitumstände dieser Entscheidung waren es nicht. Das lag an Johannes Voggenhuber wie an Eva Glawischnig. Beide schafften es nicht, zu kommunizieren, warum Voggenhuber bleiben bzw. gehen sollte. Beide haben öffentlich Schmutzwäsche gewaschen. Das hat die Grünen gespalten. Teile der Basis solidarisierten sich mit Voggenhuber, vor allem die aus dem Westen. Der Anti-Wien-Reflex scheint auch den Grünen nicht fremd zu sein. In einem Mobilisierungswahlkampf ist so etwas nicht nur dumm. Es ist tödlich.

Das hat die Kandidatur von Ulrike Lunacek, einer ausgewiesenen Außenpolitik-Expertin, von Anfang an beschädigt. Sie wird wahrscheinlich bis zur Wahl das Label der "Anti-Voggenhuber" herumtragen. Es wird schwierig bis unmöglich, andere Inhalte durchzubringen. Eine Wahl, die eine Richtungsentscheidung ist, bereichert das nicht.
CharLee (Gast) - 13. Apr, 14:20

Schön analysiert, danke für die ausführliche Antwort. Natürlich klingt es nach tiefster Polemik, was meine Meinung über die Grünen angeht, aber ich glaube es ist wirklich die traurige Wahrheit. Oder anders gesagt, dass Lager um Frau Glawischnig besteht deshalb aus so vielen Frauen weil es ein Zeichen setzen soll. Dahinter mag eine sehr edle Motivation stecken, aber es wird vermutlich zu gleich desaströsen Folgen führen wie Genderquotenregelungen in Betrieben usw... nämlich, dass Leute auf Posten landen für die sie nicht qualifiziert sind, ganz geschlechterunabhängig...

Nichts gegen den Feminismus, er ist sehr wichtig und die Befreiung der Frau aus ihrer klassisch patriachalisch geprägten Form ist sehr erstrebenswert für eine progressive Gesellschaft.

Das jetz wieder auf den Fall der Grünen umgemünzt viele Faktoren eine Rolle spieln muss klar sein. Die Idee mit dem Generationenkonflikt finde ich auch interessant, ob diesem wohl programmatische Veränderungen folgen werden... ?

june - 14. Apr, 21:45

"Dahinter mag eine sehr edle Motivation stecken, aber es wird vermutlich zu gleich desaströsen Folgen führen wie Genderquotenregelungen in Betrieben usw... nämlich, dass Leute auf Posten landen für die sie nicht qualifiziert sind, ganz geschlechterunabhängig..."

Au weh ... und wieder die furchtbar böse "Quotenregelung", auch wenn Sie anfügen "ganz geschlechtsunabhängig".
Um ehrlich zu sein: Wie viele maßgebliche Positionen in Österreich werden denn aufgrund dder Qualifikation vergeben? Sehen Sie sich doch vor allem in den renommierten und staatsnahen Betrieben um. Da gelten Familienzugehörigkeiten und vor allem (Studenten-)Verbindungen.
Die Frauenquote schaffte hier nicht annähernd einen Ausgleich.

Abgesehen davon, dass ich Herrn Baumgartens Analyse auch für sehr gelungen halte möchte ich bezüglich des Vorwurfs der Bevorzugung von Frauen bei den Grünen, nur weil sie Frauen sind, den Sie offenbar vertreten lediglich anfügen: Echte Gleichberechtigung ist erst dann erreicht, wenn ebeso viele unfähige Frauen in Schlüsselpositionen sitzen wie unfähige Männer. - Und DAVON sind wir immer noch weit entfernt.

June,
Danke für die Antwort. Es erspart mir den Aufwand, ähnliches in einem Eintrag aufzugreifen.
Einen kleinen Widerspruch möchte ich noch anmelden: Dass Beziehungen (Männer-Netzwerke) entscheiden wer welche Spitzenposition bekommt, ist in kleineren Betrieben sogar noch weiter verbreitet als im staatsnahen Bereich. Dass das oft nichts mit Qualifikationen zu tun hat und noch weniger mit Können, zeigt die Tatsache, dass (auch in der Wirtschaftskrise) zwischen 75 und 80 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen auf Fehler der Eigentümer/Geschäftsführung zurückzuführen sind.
Ich war gestern abend auf der Enquete "90 Jahre Frauenwahlrecht" von ÖGB NÖ und AKNÖ. Dort schilderte Barbara Prammer, wie sich die Quote auf Norwegen auswirkte: Auf einmal begannen sich die Unternehmen, nach geeigneten Frauen für Führungspositionen auswirkte. Und siehe da, sie wurden fündig und konnten die Quote im wesentlichen innerhalb eines Jahres erfüllen. Sie hatten vorher die Frauen in ihren Betrieben einfach nur nicht als geeignet wahrgenommen. Und das in einer aufgeklärten, progressiven Gesellschaft.
Ich denke, Österreich ist reif für eine Frauenquote in Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft.
Aber: Das Ziel ist nicht, so viele unfähige Frauen in Spitzenpositionen zu bringen wie es unfähige Männer gibt. Das Ziel einer solchen Regelung ist auch, möglichst viele möglichst fähige Menschen an Spitzenpositionen zu bringen. Ohne Frauenquote wird das nicht gehen.
Ähnliches gilt für die Bezahlung: Eine faire Entlohnung für alle wird es nur geben, wenn endlich Frauen gleiches Geld für gleiche Arbeit bekommen.
Siehe auch:
http://blog.sektionacht.at/?p=242#more-242

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