Die Menschenhetzer

strasserDass Ernst Strasser wegen schweren Korruptionsverdachts zurücktreten musste, ist ein Erfolg für die gewissenlosen Menschenhetzer in diesem Land. Diese neidgelben Kreaturen kommen nicht damit zurecht, dass für Naturgewalten andere Gesetze gelten als für Sterbliche.

Vor dem Gesetz sind alle gleich, heißt es irgendwo im österreichischen Recht. Das gilt für die, die sich nicht selbst zu helfen wissen. Die es zu nichts gebracht haben. Zum Beispiel arbeiten müssen. Wenn sie eine Arbeit haben. Dann gibt es die Anständigen und Ehrlichen. Für die gelten – zu Recht – gesetzliche Bestimmungen bestenfalls als unverbindliche Empfehlungen und grundsätzlich nur für die anderen. So ist das in einem modernen Rechtsstaat, zumindest seit der Wende. Und dann gibt es die Naturgewalten.

Ein japanisches Erdbeben. Einen Karl Heinz Grasser. Einen Walter Meischberger. Und einen Ernst Strasser. Für die sind die menschlichen Maßstäbe zu eng. Selbst nach den Rechtsvorstellungen der Anständigen und Ehrlichen. Für sie gelten bestenfalls physikalische Beschränkungen. Nur jemand, der gelb ist vor Neid, käme auf die Idee von einem Grasser Rechenschaft zu verlangen. Den Tsunami hat auch keiner gefragt. Und ein Strasser? Allein, dass jemand den Verdacht äußert, der Mann sei korrupt, zeigt, wie weit es gekommen ist mit dem Rechtsverständnis in dieser Republik.
Diese Naturgewalt der Politik kann nicht korrupt sein. Sie holt sich nur den selbstverständlichen Obolus. Den Tribut, den ihr die Welt für ihre bloße Existenz schuldet. Kann ein Ernst Strasser etwas dafür, kann ein Karl Heinz Grasser etwas dafür, dass unser Sozialsystem nicht auf Menschen ihres Kalibers eingerichtet ist? Dass sie mit ein paar lächerlichen Euro, die sie in ihren politischen oder sonstigen Funktionen verdienen, nicht auskommen? Eine Naturgewalt hat ihre Bedürfnisse. Die müssen befriedigt werden. Sonst – siehe Japan.

Es ist das große Verdienst der Ära Schüssel, dass eine solche Ansammlung an Naturgewalten auf einmal in die politische Landschaft dieser Republik gespült wurde. Quasi ein Tsunami war das im Jahr 2000 rückblickend betrachtet. Gut, dass Zwentendorf nie in Betrieb gegangen ist. Gleichzeitig zeigt das Scheitern dieser Ära, dass dieses Land nicht bereit ist für derlei Politiker und ihre Bedürfnisse. Kein Wunder, dass sie sich anderswo umsahen. Während und nach ihrer Amtszeit. Und, bescheiden wie sie nun mal sind, haben sie das nie öffentlich beklagt. Einzig ein Hubert Gorbach, gewissermaßen eine Naturgewalt niedrigerer Ordnung, hat treffend festgestellt: „the world is too small for me in Vorarlberg“. Es bedurfte schon eines Briefes von einer Frau, die der nicht verhetzten Öffentlichkeit zuzurechnen ist, um klarzustellen, wie sehr auch ein Karl Heinz Grasser unter diesen Bedingungen leidet.

Die Öffentlichkeit dankte so viel noble Zurückhaltung nicht. Nicht, dass man Dankbarkeit erwartet hätte, dass öffentliches Eigentum an Freunde zu Okkasionspreisen verschleudert wurde, dass mehrere Deals mehr kosteten als sie sollten, dass man Steuern anhob und Millionen Arbeitnehmer um Teile ihrer Pensionen brachte, dass man tschetschenische Asylwerber im Winter auf die Straße setzte und die Flüchtlingsberatung privatisierte. Dankbarkeit ist keine politische Kategorie, nicht einmal bei derartigen herausragenden Leistungen im öffentlichen Interesse. Aber dass man das den Leuten gleich zum Vorwurf macht? Wie undankbar ist das denn! Und jetzt dürfen die nicht einmal mehr die wohlgemeinten Spenden reicher Zeitgenossen entgegennehmen?

Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut. Diese nüchterne Wahrheit muss an dieser Stelle offen ausgesprochen werden. Das gilt besonders, wenn die Wirtschaft aus Freunden von Naturgewalten besteht. Das zu sein IST eine tagesfüllende Tätigkeit. Selbstredend gilt das in gesteigertem Maße, wenn es sich auf das Wohlbefinden der Naturgewalten bezieht. Wofür sonst soll die Republik da sein? Und wenn, wie bei besonders mächtigen Naturgewalten, Österreich zu klein ist – Brüssel muss auch eine Aufgabe haben.

Es ist verständlich, dass das manche vom Neid geblendete Zeitgenossen nicht einsehen. Noch dazu, wo sie von bekanntermaßen kommunistischen Untergrundblättern wie der Krone und der Presse aufgehetzt werden. Bei einem Bildungssystem wie diesem müssen sie auf diese feindliche Propaganda hereinfallen. Genauso wie in Italien, wo eine weitere Naturgewalt unter einer kommunistischen Intrige zusammenzubrechen droht. Da darf man als naturgewaltiger Politiker nicht mal mehr minderjährige Prostituierte missbrauchen. Anderswo darf man nicht mal mehr Doktorarbeiten abschreiben. Die Welt steht auf keinen Fall mehr lang.

Bei uns wird es auch noch so weit kommen, wenn sich die Menschenhetzer mit ihrer Jagdgesellschaft durchsetzen. Diese widerwärtige Kampagne wird noch erreichen, dass man auch an Naturgewalten der Politik menschliche Regeln anzulegen versucht. Derartige Unterfangen müssen im Interesse der Öffentlichkeit im Keim erstickt werden. Als nächstes verlangt man von denen vielleicht auch noch Leistungen. Und, dass sie die Interessen der Wähler vertreten. Wo kämen wir denn da hin?

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Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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