Die Geister, die sie riefen

3531827660_eec1476d42_bZwischen FPÖ und katholischer Kirche herrscht dicke Luft. Ein FPÖ-Hinterbänkler kritisiert in einem Offenen Brief Christoph Schönborn. Der hatte FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz kritisiert.

Schönborn solle "sich besser um warme Brüder, Klosterschwuchteln und Kinderschänder kümmern, statt eine 10-fache Mutter verbal anzugreifen, die ihre Kinder behütet, beschützt und zu anständigen Menschen erzogen hat." Werner Königshofer, FPÖ-Hinterbänkler im Nationalrat lässt es an Deutlichkeit kaum mangeln. Schönborn hatte seinen Zorn auf sich gezogen, als er Barbara Rosenkranz deutlich kritisierte. Er "soll sich ein bissl zurückhalten und über Dinge in seinem Bereich nachdenken und sich nicht dort einmischen", schreibt Königshofer in seinem Offenen Brief, der unter anderem der Onlineausgabe des Standard vorliegt.

Königshofer pocht auf die "Trennung von Staat und Kirche". Wobei er wenige Zeilen davor schreibt: "Als Katholik halte ich Ihre Einmischung in den angehenden Bundespräsidentenwahlkampf nicht nur für unzulässig sondern auch für peinlich und beschämend." Es scheint schwer zu sein, sich zu entscheiden, auf welcher Seite der Trennlinie zwischen Kirche und Politik man gerade steht.

Abgesehen von der indiskutablen Beschimpfung Homosexueller ist es gerade für einen Freidenker nicht einfach, solche Vorgänge zu beurteilen. Falsch ist, Königshofer vorzuwerfen, er beschimpfe die katholische Kirche. Das wäre aus freidenkerischer Sicht egal. Er diffamiert Homosexuelle und wirft sie in einen Topf mit Kinderschändern. Das ist menschenverachtend und abzulehnen. Und es richtet sich von selbst und bedarf keiner freidenkerischen Kommentare.

Schwieriger wird die Frage, ob sich die FPÖ über kirchliche Wortmeldungen beschweren darf. Bedenkt man die freiheitlichen Annäherungen der vergangenen Jahren, muss man sagen: Nein, sie darf nicht. Darf sich ein Kleriker in die Tagespolitik einmischen? Nein, sollte er auch nicht. Nur: In diesem Fall würde Schönborn von der FPÖ zu einer Stellungnahme herausgefordert. Das macht die Beurteilung nicht gerade einfacher.

Bumsti Strache hatte selbst Barbara Rosenkranz als Angebot für "christliche Wähler" bezeichnet. Ein offenkundiges Betteln um eine Wahlempfehlung von rechtskatholischen Kreisen. Eine Aufforderung an den Klerus, sich in die Tagespolitik einzumischen. Wenn die Einmischung anders ausfällt, als man gerne hätte, darf man sich weder wundern noch groß aufregen. Zumal weder Rosenkranz noch ihre Kinder Mitglieder der katholischen Kirche sind. Die letzten Reste der früheren antiklerikalen Bewegung der FPÖ. Da wundert sich nicht einmal ein Freidenker, dass ein katholischer Kardinal widerspricht. Wobei es legitim ist, nachzudenken, ob Schönborn sich auch zu Wort gemeldet hätte, wenn Rosenkranz so katholisch wäre wie Strache glauben machen wollte.

Die Geister, die sie riefen

Die FPÖ ruft seit Jahren die klerikalen Geister an. Sei es, dass man "Abendland in Christenhand" plakatiert, sei es, dass Strache den Katholizismus zur patriotischen Pflicht und zur einzig möglichen Abwehr gegen eine imaginierte Türkenbelagerung hochstilisiert, das Kreuz in der Hand wie der Schutzpatron des Austrofaschismus, Marco d'Aviagno.

Dass Kreuze in Schulklassen und der Religionsunterricht geschützt werden, versteht sich von selbst. Bei solchen Gelegenheiten ruft man auch gerne nach der Unterstützung der Kirche. Zwischen katholischem und freiheitlichem Vokabular liegen da bestenfalls Nuancen. Da will man sogar Leute strafen, die Kreuze nicht anbeten wollen. Da will man auch mal den Atheisten den Mund verbieten, wenn sie öffentlich sagen wollen, dass es Gott nicht gibt. Auch in der Abtreibungsfrage biedert sich die FPÖ an die katholische Kirche an.

Sehr ernst nimmt es die FPÖ nicht mit der Trennung von Staat und Kirche. Und verletzt die Kirche mal ihrerseits die Trennlinie, schreit man "Haltet den Dieb". Die FPÖ muss selbst schauen, wie sie die Geister des Klerikalismus los wird, die sie gerufen hat. Ein kleiner Tipp: Sie könnte sich am Kampf gegen kirchliche Privilegien wie Steuerbefreiung beteiligen, gegen religiöse Symbole in öffentlichen Räumen auftreten und mithelfen, den konfessionellen Religionsunterricht abzuschaffen. Das geht natürlich nur, wenn sie auf ihren vagen Kulturbegriff verzichtet, der die Religion zur Essenz allen Seins erklärt. Übrigens durchaus in Einklang mit der katholischen Kirche. Sonst ist die FPÖ als laizistische Partei in etwa so glaubwürdig wie Barbara Rosenkranz als Vorkämpferin gegen den Neonazismus.

Dieser Beitrag ist auch auf freidenkerbund.at erschienen.

Zitat:
Abgesehen von der indiskutablen Beschimpfung Homosexueller ist es gerade.....
Zitatende:

Hallo Christoph
Da ist irgendwas an Dir spurlos vorbeigezogen. Mit den Klosterschwuchteln waren pädofile Schwule gemeint, welche kleine Knaben missbrauchen. Diese verdienen eine solche Bezeichnung auch zu Recht.
http://www.erstaunlich.at/index.php?option=com_content&view=article&id=613:klosterschwuchteln&catid=1:erstaunliches
MfG
Erich Reder

Christoph Baumgarten - 9. Mrz, 22:54

Sorry, aber es gibt eine klare Trennlinie zwischen schwul und pädophil. Das eine hat mit dem anderen nix zu tun. Homosexualität ist eine völlig normale Spielart der Sexualität. Pädophilie ist eine Krankheit, die absolut nichts mit der sonstigen sexuellen Ausrichtung von Menschen zu tun hat. Es kommt gar nicht so selten vor, dass heterosexuelle Männer die eigenen Söhne, Neffen, Enkel etc. vergewaltigen.
Daher ist jede Formulierung, die unterstellt, dass nur Homosexuelle sich an kleinen Kindern vergehen, menschenverachtend und hetzerisch. Du solltest dich informieren, bevor du solche Formulierungen verteidigst.

Zitat:
Homosexualität ist eine völlig normale Spielart der Sexualität.
Zitatende:
Wenn Du die Evolution ausser Acht lässt, dann hast Du recht.

Zitat
Du solltest dich informieren, bevor du solche Formulierungen verteidigst.
Zitatende:
Ich habe mich informiert. Mit den Klosterschwuchteln sind jene schwulen Kirchenmänner gemeint, welche kleine Knaben missbrauchen.

Es ist mir schon bewusst, dass es bei FPÖ-Sager und seien diese noch so berechtigt, es bei Dir an Verständniswillen mangelt. Leg einmal Deine dunkelrote Brille ab und sieh Dir die Realität einmal aus diesen Blickwinkel an.

NACHTRAG:
Zitat:
..dass heterosexuelle Männer die eigenen Söhne, Neffen, Enkel etc. vergewaltigen...
Zitatende:

Wenn das eintritt, sind diese Männer nicht mehr hetero, sondern schwul.

Christoph Baumgarten - 9. Mrz, 23:09

Zitat Königshofer: "sich besser um warme Brüder, Klosterschwuchteln und Kinderschänder kümmern" - wenn er schon die Kinderschänder extra anspricht, warum auch die "warmen Brüder" und die "Klosterschwuchteln"? Entweder ist der Herr mittelschwer pleonastisch veranlagt oder einfach nur zu vorurteilsbeladen und zu dumm, den Unterschied zwischen Homosexualität und Pädophilie zu erkennen - oder er erkennt ihn und hetzt einfach nur, wie's halt so üblich ist.
Ich kann unverständliches nun mal nicht verstehen, es ist auch nicht meine Aufgabe, irgendeinen Sinn hineinzuerfinden als den der dasteht.

NACHTRAG vom NACHTRAG:
Ein heterosexueller Kinderschänder, missbraucht Kinder des anderen Geschlechts. Darum heisst es ja hetero. Allerdings Kinderschänder bleibt Kinderschänder, ob schwul oder hetero.

Christoph Baumgarten - 9. Mrz, 23:10

Aha. Du weißt es also besser als Sexualtherapeuten und Psychiater. Erich Reder der Wissenschaftler, der die Sexualwissenschaft revolutioniert. Hut ab.

Zitat:
...als Sexualtherapeuten und Psychiater....
Zitatende:
Du meinst also jene Typen, die für viel Geld den Leuten den Kopf voll labbern. Nein, mit diesen Leuten vergleiche ich mich nicht. Meine Erfahrung stammt aus meiner evolutionsbedingten normal veranlagten heterosexuellen Lebenserfahrung. Aber wenn Du Dich lieber an Gerti Senger hältst, dann sei Dir dies belassen.

Christoph Baumgarten - 9. Mrz, 23:35

Verstehe. Wir pfeifen auf die gesamte Wissenschaft, wenn sie uns nicht ins Weltbild passt. Genau so hat sich die europäische Zivilisation weiterentwickelt. Weil, im Zweifelsfall sind ja wir immer noch gescheiter mit unserem bisserl Lebenserfahrung.

Zitat:
...wenn sie uns nicht ins Weltbild passt....
Zitatende:

Gleiches Recht für alle. So hat halt ein jeder sein eigenes Weltbild.
War aber wieder schön mit Dir zu diskutieren. Wünsche Dir noch eine gute Nacht.
Erich Reder

metepsilonema (Gast) - 20. Mrz, 21:42

Ich hätte gerne gewusst warum Strache hier als "Bumsti Strache" tituliert wird. Als Leser verstehe ich nicht, welchen Mehrwert das für mich haben soll (außer dass man mir etwas nahe legen will, worüber ich lieber selbst entscheiden möchte).

Ich nehme einmal an, dass Strache damit lächerlich gemacht werden soll. Aber wenn er lächerlich ist, warum widmet man ihm dann einen langen, ernst gemeinten Artikel (und nicht nur einen)? Das wirkt ungewollt selbstkarikierend.

Das bitte nicht als Stracheverteidigung missverstehen.

Christoph Baumgarten - 21. Mrz, 02:26

Bumsti war tatsächlich sein Spitzname als Kind - ein sehr lächerlicher Spitzname, wie ich finde. Natürlich drückt es aus, was ich von ihm halte. Wenn das in deinen Augen selbstkarikierend ist - bitte. Ich drücke damit jedenfalls den Widerspruch zwischen der Persönlichkeit dieses Menschen und seiner politischen Rolle aus. Dass das nicht leicht aufzulösen ist, liegt nicht bei mir.

metepsilonema (Gast) - 21. Mrz, 13:26

Nun, das zu tun ist eben auch ein populistischer Diskurs, also etwas, was man eigentlich verhindern will. Oder? Und wie gesagt, es wirkt in einem eigentlich ernst gemeinten Artikel unfreiwillig komisch. Eine Satire wäre freilich etwas anderes.

Liegt da tatsächlich ein Widerspruch vor? Spielt Strache nicht die Rolle, die er spielt (auch) auf Grund seiner Persönlichkeit?

Christoph Baumgarten - 21. Mrz, 13:33

Ohne seine Persönlichkeit könnte er die Rolle nicht spielen. Die ist allerdings wesentlich lächerlicher und tragischer als sie von vielen empfunden wird. Die Zuschreibungen, die um Strache herum geschaffen wurden, stehen in krassem Widerspruch zu seiner Persönlichkeit. Das will ich damit zum Ausdruck bringen.
Und angesichts der Realsatire FPÖ verschwinden die Grenzen zwischen ernstgemeintem und lächerlichem ohnehin. Warum soll ich dann päpstlicher sein als der Papst?
Im Diskurs mit der Bande muss man die Samthandschuhe endlich ausziehen und sie kontinuierlich als das darstellen, was sie sind. Mit falsch verstandener Toleranz und falsch verstandenem Respekt macht man die Bande nur stark.

metepsilonema (Gast) - 21. Mrz, 19:56

Warum man päpstlicher als der Papst sein soll? Um der Demokratie willen, weil man Kritik und Argument hochhält, vor allem deswegen.

Man muss keine Samthandschuhe tragen, aber wer Populismus durch Populismus bekämpfen will, der verrät doch seine eigenen Ideale. Natürlich kann man Strache immer wieder als Nazi und als Faschist bezeichnen, aber macht man sie nicht gerade dadurch stark? Und man wird damit kaum einen ihrer Wähler erreichen.

Vielleicht bin ich da etwas übergenau, aber ich kann z.B. reine Meinungsartikel in Zeitungen nicht ausstehen. Warum? Weil sie sich nicht die Mühe machen zu argumentieren. Sie wollen mich überzeugen, aber in Wahrheit suchen sie keine Auseinandersetzung, kein Gespräch.

Christoph Baumgarten - 22. Mrz, 14:38

Satire ist nicht gleich Populismus ;-) Insofern wird hier nicht Populismus mit Populismus bekämpft, ich mache hier nur ständig auf ein ständig vorhandenes Missverhältnis aufmerksam. Ein verkürztes Argument, wenn du so willst, aber ein Argument. Und dass ich Kritik nicht hochhalten würde, kann ja niemand behaupten ;-)
Das Ding hier ist ja meine persönliche Sicht der Dinge, und sofern ich nicht Reportagen schreibe, erhebe ich auch nicht den Anspruch der Objektivität. Der Blog soll zum Nachdenken anregen und hoffentlich auch dem einen oder anderen die Möglichkeit eröffnen, gegen die geistige Verwahrlosung in diesem Land Stellung zu beziehen. Ich hoffe durchaus, auch Argumentarien zu liefern.

metepsilonema (Gast) - 23. Mrz, 08:59

Natürlich ist Satire kein Populismus. Aber Satire in einem grundsätzlich nicht satirischem Artikel wirkt deplatziert.

Nein, ich meinte nicht, dass Sie keine Argumente liefern (und mein letzter Kommentar bezog sich nicht ausschließlich auf diesen Blog). Aber ich stelle ein Diskrepanz fest zwischen diesem Artikel (der erste den ich hier las), und z.B. dem oben stehenden. Den einen lese ich gerne, weil er sich um Ausgewogenheit bemüht, der andere ist mir in Teilen zu meinungslastig (wie schon gesagt, ich lese so etwas nicht gerne, auch wenn ich in der Sache zustimme). Das heißt nicht, dass Sie Ihren Stil ändern müssen. Das ist einfach die Ansicht eines Lesers.

Und noch etwas: Sie betonen im Journalismus tätig zu sein. Da ist die Messlatte schon mal grundsätzlich höher, die Erwartungshaltung eine andere.


logo

Politwatch

Blog für alle, die sich nicht länger für dumm verkaufen lassen wollen

Über Politwatch

Christoph Baumgarten

Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

Free Text (2)

Christoph Baumgarten

Letzte Kommentare

Schießen als „politische...
Die rechtsradikale FPÖ sorgt zum zweiten Mal innerhalb...
Christoph Baumgarten - 1. Sep, 21:46
Es gibt aber nun mal...
Es gibt aber nun mal Flüchtlinge, die in ihren...
Michael (Gast) - 31. Aug, 21:13
vielleicht kann mir der...
vielleicht kann mir der gut informierte (sarkasmus...
Dagmar (Gast) - 31. Aug, 13:10
hehe
Also: Wir ignorieren die Realität oder biegen...
Christoph Baumgarten - 31. Aug, 07:13
Was hat das mit Transit-...
Was hat das mit Transit- und Zielland zu tun? Du schreibst...
Michael (Gast) - 30. Aug, 23:09
Da spricht wieder einer,...
Wie du wissen solltest, ist Österreich für...
Christoph Baumgarten - 30. Aug, 21:07
Interessant finde ich,...
Interessant finde ich, dass gerade Du so tust, als...
Michael (Gast) - 30. Aug, 21:01
Die Argumentation schwächelt...
Die Argumentation schwächelt vor allem in den...
Joachim Losehand (Gast) - 30. Aug, 19:21
Mizzis Wirklichkeit
Sapperlott. Was haben wir für eine Innenministerin....
Christoph Baumgarten - 30. Aug, 18:20
tsss
hast den entwurf der verfassung der fler abgeschrieben? klingt...
saxo (Gast) - 30. Aug, 11:53

Suche

 

RSS Feed

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma


Creative Commons License

xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Web Counter-Modul


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren