Die anständigen Neonazis
Die "Verdreher fleißig am Werk" hat ein Freund genannt, was FPÖ-Propagandabeauftragter Harald Vilimsky zu leisten versucht. Nach bekanntem blauen Strickmuster. Hier die "Anständigen und Ehrlichen", drüben Gewalt und Chaos und Terror. Ich frage mich, wie es dieser Mensch bei so viel Angst schafft, seinen Alltag zu bewältigen.Wie jeder Mensch liebe ich es recht zu haben. Zugegeben, bei den FPÖ'lern fällt das nicht sonderlich schwer. Als anständig, ehrlich und gesetzestreu sehen sie sich immer, ungeachtet diverser Vorstrafen, verbaler Ausrutscher und ungeachtet ihrer Mitdemonstranten, die mit T-Shirts mit nationalsozialistischen Parolen umhergelaufen sind. Sind die auch anständige Menschen?
Seien wir mal nett zu Bumsti Strache und seinem Einflüsterer Vilimsky. Nehmen wir an, sie haben die Neonazis in der gestrigen Demonstration nicht gesehen. Bei mindestens 50 Neonazis bei vielleicht 500 Teilnehmern vielleicht schwer vorstellbar. Würde nicht für die kognitiven Fähigkeiten der beiden sprechen. Vielleicht wollten sie sie nicht sehen. Würde nicht für ihre Ehrlichkeit sprechen. Vielleicht haben sie sie gesehen und behaupten nur, sie hätten sie nicht gesehen. In dem Fall hätte sich die Würdigung der Demo-Teilnehmer auch auf die Neonazis bezogen. Kommt jemand drauf, kann man den klassischen freiheitlichen Rückzug antreten. Im Zweifelsfall war man nicht dabei und kann sich nicht erinnern. In einem halben Jahr erzählt uns Vilimsky gar, Bumsti Strache sei gar nie dort aufgetreten. Und vielleicht kann er sich wirklich nicht mehr erinnern. Soll es alles geben. Da mutet die Initiatorin der Demo beinahe mutig an. Die bekennt sich wenigstens zu ihrem skandalösen Sager, Nazi sei ab heute ein Ehrentitel.
Vorsehbar auch die Fixierung auf die paar Autonomen, die Flaschen auf Bumsti geworfen haben. Nicht die feine Art, zugegeben. Ausgesprochen dumm. Es gibt harmlosere Dinge, die man einsetzen kann. Wie gestern vorhergesagt, nach der freiheitlichen Sicht der Dinge könnte man meinen, halb Wien sei niedergebrannt worden und Bumsti Strache in akuter Lebensgefahr. Ausgehend vom linksgrünen Mob. Wer oder was auch immer das sein mag. Über Ebensee haben die Herrschaften bis heute kein Wort verloren.
Hier ein gelungenes Zitat meines Freundes Peter. Poetischer, als ich es formuliert hätte: In den zahlreichen Leser-Mails nach einem Neonazi-Vorfall ist häufig davon die Rede, dass die Aggression von den Linken ausginge... Eine Verdrehung des Kausalzusammenhangs. Die Lichterprozessionen wären "unerträglich", deshalb müssten die Rechten marschieren. Mit ihnen, die aber sofort jede Toleranz abschaffen würden, ginge man nicht tolerant um. Auch Hitler-Deutschland behauptete zu Beginn des 2. Weltkrieges, Polen hätte angegriffen. Oder "die" Juden hätten dem "Reich" angeblich den Krieg erklärt. Die Methode der Verdrehung. Oder ist im Hirn dieser Leute auch etwas verdreht? - Diese Frage wäre zumindest psychologisch zu erwägen.
Interessant auch die Gedanken von Karl-Hannes Krenner:
http://funkefreiheit.blogspot.com/2009/05/nazichristen.html
Die Polizei hat mein Vertrauen in sie nicht gestärkt. Zuerst bringt sie beinahe die Gegendemo zum Eskalieren. Dann übersieht sie ganz einfach verbotene Slogans auf T-Shirts von Neonazis. Wieder mal erwischt es nur Linke (bei den gestern Festgenommenen ausnahmsweise zurecht). Der rechte Mob bleibt unbehelligt. Ungeachtet der Tatsache, dass ein Verstoß gegen das Verbotsgesetz eine wesentlich höhere Strafdrohung nach sich zieht als Körperverletzung. Gut, man kann schon beinahe zufrieden sein, dass die friedliche, demokratische und antirassistische Demonstration nicht niedergeknüppelt wurde. Vielleicht lag's daran, dass der Regen davon abhielt, Sonnenbrillen zu tragen. Die hätte man womöglich als Vermummung ausgelegt.
Christoph Baumgarten - 15. Mai, 15:39



Das gleiche gilt für den Begriff Vaterland in ähnlichem Sinne, aber, ich schweife ab :) ...