Der Unverstandene

Aus unserer Reihe „Der Unverstandene“ bringen wir heute eine neue Episode. Fiebern Sie mit Martin G. mit, der den Kampf gegen das Unverständnis der Welt im Allgemeinen und seiner Heimat im Besonderen aufnimmt. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich rein zufällig.

Martin G. bleibt dabei. Was er gesagt hat, hat er gesagt. Dazu steht er. Außerdem hat er es nicht so gemeint. Erinnern kann er sich auch nicht mehr. Und missverstanden wurde er sowieso. Wie immer. Was soll man auch erwarten. Die Systempresse hat es abgesehen auf ihn. Falotten. Reingelegt haben sie ihn. Zuerst lassen sie ihn seine Meinung sagen. Und dann drucken sie sie auch noch! Eine Gemeinheit ist so etwas. Wo jeder weiß: Jedes Mal, wenn er Tacheles spricht, muss er sich nachher bei irgendwem entschuldigen. Au, denkt sich Martin G. gerade: Hab ich Tacheles gedacht? Fort von mir, du Unwort. Und wenn sie nicht schreiben, was er sagt, entstellen sie seine Aussage. Dann regt sich erst wieder wer auf. Niemand versteht ihn.

Jetzt schon wieder. Da sagt er deutlich, dass sich die Welschen nicht unterwerfen und das beste aller Völker sich aus seiner Unterdrückung durch die Welt befreien müsse. Und sie sind wieder hergefallen über ihn. Ihn, den Anständigen und Ehrlichen. Das beste aller Völker will sich offenbar nicht befreien lassen, denkt er und die Zornesröte steigt ihm ins Gesicht.

Dabei hat er nur gesagt, was die Mehrheit denkt. Und wer sollte das besser wissen als er! Der Rolf von der Bude, der sagt ja auch immer, was er sagt. Wenigstens dort haben sie ihm gestern auf die Schulter geklopft. „Hast schon recht, Martin“, haben sie zu ihm gesagt. „Das beste aller Völker muss endlich frei sein. Die können mit uns doch nicht das gleiche machen, was sie auf dem Balkan machen!“ Gut, da hatten sie ihn auch auf der Bude missverstanden in dem Punkt. Zumindest der Wolf, aber der war auch Historiker. Der wusste es immer besser. Weswegen er nicht so ganz sattelfest war. Ideologisch gesehen. Irgendjemand musste ja die Bücher kaufen, die der Geist der Lizenzparteien vergiftet hatte, und Wolf las sie offenbar auch noch. Mit ihm würde man ein Gespräch führen müssen. Das soll am besten mein junger Mitarbeiter übernehmen, denkt sich Martin G. Der ist so feinfühlig bei Andersdenkenden. Mit Lächeln denkt G. an das, was sie ihm von dem Spaziergang dieser seltsamen Jugendgruppe einer der Lizenzparteien erzählt haben. G. schwelgt in Erinnerungen an die eigene Jugend. Ach, war das schön damals, als man Saalschützer spielen durfte.

Und überhaupt, das ist ja alles nicht so gemeint gewesen. Was die anderen immer rauslesen aus seinen Interviews. Dass er Terroristen verharmlost, sagen sie. Was für ein Unsinn! Kennen die nicht den Unterschied zwischen aufrechten Patrioten, die zur präventiven Selbstverteidigung greifen und diesen linkslinken Terroristen? Naja, sind ja selber im Boot mit denen. G. denkt wieder an diese Aktion, wo sein Mitarbeiter kurz vorbeigeschaut hat. Anständigen Menschen Angst machen, das haben die wohl gerne. Jawohl! Eine Bedrohung des Rechtsstaats ist diese linkslinke Bande. Die bringen die Fuxe und die aufrechten Patrioten immer dazu, das Gesetz zu brechen. Ist auch kein Wunder, denkt sich G. was provozieren sie auch? Trauen die sich doch wirklich auf die Straße! Leider sieht das Gesetz nicht die präventive Notwehr gegen diese linkslinken Chaoten vor. Das muss man ändern!

Seine Narben, Ehrenzeichen seines Kampfes für die Einheit und Freiheit des besten aller Völker, sind rot geworden vor gerechtem Zorn. Martin G. reißt sich wieder zusammen. Diese Schreiberlinge, denkt er sich. Eine Gemeinheit war das, wirklich! Ihn so auflaufen zu lassen. Die müssen doch wissen, dass er nachher alles nie so gemeint hat! So wie mit dem antifaschistischen Grundkon... oder wie das heißt. Den will er nicht, klar. Und das drucken sie, diese gemeinen Schreiberlinge. Wo er doch eh ein bisserl dafür ist. Obwohl, eigentlich ist er dagegen. Niemand versteht ihn.

Wenn die in der Presseabteilung schreiben könnten, denen würde er es zeigen. Sowas von missverstanden, aber auch. Tun die doch so, als tät er die Einheit des besten aller Völker gefordert. Dabei hat er das auch! Wie man seine Worte nur so verzerren kann! Aber wirklich. Diese bösen Spielchen der Systempresse und der Schreiberlinge und der anderen Volksvertreter mit ihm und seinen Freunden. Ständig müssen sie auf das hören, was er sagt. Das ist so niederträchtig! Martin G. fehlen die Worte. Dauernd wollen sie ihn, den Aufrechten und Anständigen, festnageln. Wollen ihm beweisen, was er gesagt hat.

Aber ich bleibe hart, denkt sich Martin G. Ich bei dem, was ich gesagt habe. Nichts nehme ich zurück. Schließlich war’s nicht so gemeint. Niemand versteht mich.
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Mein Name ist Christoph Baumgarten und bin seit mehr als einem Jahrzehnt im Journalismus. Dieser Blog soll meine Sicht auf die politischen Entwicklungen in Österreich wiedergeben. Wobei im Moment der Ausdruck Zustand angebrachter wäre, wenn man an die heimische Politik denkt. Politwatch zeigt gerne vergessene Zusammenhänge auf und soll den Menschen eine Stimme geben, die auch angesichts der zunehmenden geistigen Verwahrlosung in diesem Land ihre fünf Sinne zusammen haben und nicht vergessen haben, was bei Politik im Mittelpunkt stehen sollte: Der Mensch mit seinen Bedürfnissen. Ein Hinweis für InhaberInnen eines Accounts auf twoday.net: Es gibt einen e-mail-Abodienst für neue Beiträge und Kommentare.

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